Schlagwort-Archive: TRIZ

Modulare Smartphones

Eines der 40 Prinzipien von Genrich Altshuller, um Innovationen zu generieren, ist das Prinzip Nr. 1 ‚Zerlegen‘. Diesen Gedanken verfolgt auch der Niederländer Dave Hakkens mit seinem Konzept ‚Phonebloks‘. Er möchte damit einen Beitrag leisten, die Menge der Millionen von nicht mehr benützten Smartphones zu verkleinern, die in vielen Haushalten dieser Erde herumliegen. Er geht von Folgendem aus:

1. Elektronische Geräte sind nicht für die Ewigkeit gebaut.

2. Alle paar Monate gibt es Verbesserungen.

3. Im Zuge der Verwendung steigt das Interesse an neuen Leistungsmerkmalen, größerer Geschwindigkeit und höherer Kapazität

4. Warum sollen tadellose Teile eines Smartphones nutzlos in Schubladen herumliegen, nur weil ein oder zwei Teile nicht mehr richtig funktionieren oder anders gewünscht werden. Wenn selbst der Laie möglichst einfach verschiedene Teile tauschen könnte…

Als er im September 2013 das untenstehende Video ins Netz stellte, erntete er innerhalb von 24 Stunden über 1 Million Klicks. Sein Konzept scheint also offensichtlich auf großes Interesse zu stoßen! Ich bin gespannt, welcher der Telefonkonzerne als erster dieses Konzept umsetzen wird, um elektronischen Müll zu vermeiden.


[youtube oDAw7vW7H0c]

[Quelle: bizforward]

Ein Selbstversuch

Die Designerin Anke Stöppel aus Aachen hat ihre Diplomarbeit ‚Klimaschutz in den eigenen vier Wänden‘ im Selbstversuch gestartet: Ein Buch, das der Leser individuell umsortieren kann!

O-Ton Stöppel: „Die Diplomarbeit bestand aus neun einzelnen Heften. Der Leser konnte die einzelnen Kapitel nach seinen Wünschen umsortieren. So beginnt die junge Mutter mit dem Kapitel „Kleidung und Ernährung“, während der arme Student im Kapitel „Energie“ Sparmöglichkeiten findet, die auch der Haushaltskasse zu Gute kommen. So entstand ein individueller Farbcode auf dem Buchrücken.“

Und obwohl sie mit ihrer Idee im Bekanntenkreis große Begeisterung erzielen konnte, hat sie keinen Verlag gefunden, der ihre Idee der individuellen Buchgestaltung unterstützt hat.

[youtube 27VW0hKAIMA]

Mit ‚Book on Demand‘ ist es ihr letztendlich doch noch gelungen, ihre Diplomarbeit zu veröffentlichen. Über ihr Projekt, das weiterhin Nachahmer sucht, berichtet sie in ihrem Blog.

[ASIT-Prinzip: Division]
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 1: Zerlegen]

Die Verkaufsfläche für nur kurze Zeit verdoppeln

In der deutschen Wirtschaftswoche habe ich eine interessante Notiz gefunden: Die amerikanische Spielzeugkette Toys“R“us hat ihr Geschäftsmodell um eine überraschende Variante erweitert: Da im Spielzeugmarkt die meisten Umsätze im letzten Jahresdrittel gemacht werden, möchte Toys“R“us dieses Jahr seine Verkaufsflächen radikal ausweiten (verdoppeln!), in dem es die Immobilienkrise im Land nützt.

Original Pressetext vom 9.September 2010: Toys“R”Us® today announced plans to operate approximately 600 Toys“R”Us Express stores in malls and shopping centers nationwide during the 2010 Christmas season, in addition to its 587 full-size Toys“R”Us stores in the United States.  This major expansion will double the number of Toys“R”Us locations available for holiday shopping needs as the company asserts its authority position by making itself even more convenient for customers.  This sizeable rollout of pop-up stores represents an additional 2.4 million square feet of toy-selling space for the holiday season.

Da es sehr viele Leerstände in Shopping Centers zu vermelden gibt, wird sich der Spielzeugkonzern dort (allerdings nur für eine begrenzte Zeit bis nach Weihnachten) einmieten, um so die stärkste ‚Saison‘ besser zu nutzen. Bekanntlich ist die Verkaufsfläche ein wesentlicher  Motor für mehr Umsätze, daher dürfte der Erfolg vorprogrammiert sein. Und in der ’schwachen‘ Zeit kehrt Toys“R“us wieder zu seinen Stammgeschäften zurück. Sicher wird es eines logistischen Kraftaktes bedürfen, um die vorübergehend angemieteten Outlets zu bestücken, aber gerade das ist ein Zeichen dafür, dass die Konkurrenz dieses Konzept nicht so schnell kopieren wird!

Im folgenden Video sehen Sie wie die Ausstattung für die kurze Saison aussehen könnte:

[youtube x3WKOR4QPvc]

http://www.youtube.com/watch?v=x3WKOR4QPvc

[ASIT-Prinzip: Multiplication]
[TRIZ-Lösungsprinzipien Nr. 26: Kopieren, Nr. 19: Periodische Wirkung]

Man kann immer noch etwas wegnehmen…

Die Methode ASIT (Advanced Systematic Thinking) benützt einige wenige Werkzeuge, um Probleme zu lösen oder neue Produkte zu erfinden. Ein Werkzeug nennt sich ‚Object Removal‘ oder ‚Trimming‘ (manchmal auch ‚Subtraction‘ genannt). Von bestehenden Objekten (oder Dienstleistungen bzw. Prozessen) werden Teile entfernt ohne dass die eigentliche Leistung maßgeblichen Schaden erleidet.

Man kann Lautsprecher immer noch kleiner machen. Indem man ihnen z.B. ein wesentliches Teil wegnimmt: die Membran. Aber wie soll das dann gehen? Wo kommt der Klangkörper her? Man benützt den Schreibtisch, ein Magazin oder wie das folgende Video zeigt, eben auch mal eine Papierschneidemaschine aus Metall. Auf der der Ton gar nicht so schlecht klingt! Aber hören Sie selbst…

Bei USB fever kann man den handtellergroßen SONAR Speaker mit USB-Anschluss um ca. 28 EUR bestellen.

[youtube jHimnanBZ6Q]

[ASIT-Prinzip: Objektentfernung], [TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 2: Abtrennung]

Elektroauto

Ein sehr interessantes Beispiel für radikale Innovation ist das Projekt ‚Better Place‘ von Shai Agassi. Dafür hat er seinen schönen Vorstandsposten bei SAP aufgegeben! Er ist davon überzeugt, dass elektrische Energie den heute verwendeten Treibstoffen für Autos den Rang ablaufen wird – schon allein aus Umweltschutzgründen. Und weil die Erdölvorräte immer weniger und die Preise immer höher werden.

Interessant sind seine Denkansätze:

Er trennt gedanklich die Batterie vom Auto (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 1: Zerlegen). Außerdem findet er, dass bei vielen von uns die Autos nur kurz benutzt werden (am Weg in die Arbeit) und dann stundenlang unnütz herumstehen. Daher könnte jede dieser unproduktiven Zeiten dazu verwendet werden, um die Batterie wieder aufzuladen (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 22: Aus Schädlichem Nützliches machen).

Ein wesentlicher Faktor einer radikalen Innovation ist ein neues Geschäftsmodell. Hier schlägt Agassi vor, ein erfolgreiches Modell aus der Mobiltelefonie zu übernehmen: Mach einen langfristigen Vertrag mit deinem Stromversorger und wir stellen dir dein Elektroauto gratis (oder für einen minimalen Betrag zur Verfügung). Als Partner hat er Nissan Renault gewonnen, die voll bei seinem Konzept mitziehen. Wobei das Ziel von Renault mit seiner gesamten E-Flotte durchaus ehrgeizig ist. Angesteuert wird nicht eine schrittweise Reduktion der Schadstoffe, sondern gleich das Nullemissions-Auto!

Aktualisierung Juni 2012:

In Israel, Dänemark und Australien ist das Projekt bereits in der Ausbauphase, in Nordamerika und Japan gibt es Versuche mit Taxiorganisationen. Diese haben (neben dem positiven Effekt für die Umwelt) auch noch den Vorteil, gleichzeitig automatisch bei jedem Fahrgast für das Projekt zu werben. Auch mit Chinas Autohersteller Chery gibt es bereits eine Zusammenarbeit.

Aktualisierung Mai 2013:

Schade, am 27.5.2013 hat Better Place Insolvenz angemeldet. Die Anlaufkosten zum Aufbau der Stationen waren einfach zu hoch und die Verbraucher haben auch nicht so mitgezogen. Hier haben offensichtlich Entwicklungen, die parallel zum Projekt Better Place gelaufen sind, ein attraktiveres Konzept angeboten.

Wie es mit ‚Better Place‘ hätte laufen können, zeigt folgendes Video

Ein Kamel geht zwar nicht durch…

nadelohr.jpg…aber immerhin ist die Öffnung wesentlich größer als beim klassischen Nadelöhr.Und man kommt jetzt ohne die klassische Einfädelhilfe aus, die den Weitsichtigen trotzdem nicht das Aufsetzen der Brille erspart. Statt einer sind es zwei miteinander verkoppelte Nadeln. Man drückt einfach mit dem Finger gegen den Oberteil der Doppel-Nadel. Dadurch, dass dieser Teil flexibel gehalten ist, entsteht eine wunderbar breite Öffnung, durch die sich jeder Faden mühelos durchziehen lässt!

Eine ganz simple Idee, aber man muss sie erst einmal haben. Wie oft sich die Öffnung spreizen lässt, ist allerdings nicht bekannt. Und wie eine Fingerkuppe das aushält. Aber man kann sich ja auch mit einem Fingerhut schützen!

[via Creax und yankodesign, Foto yankodesign]
[TRIZ-Lösungsprinzipien Nr. 5 : Kopplung,  Nr. 15: Dynamisierung, Nr. 26: Kopieren]

Innovation im Hotelbereich

Ein klassischer Fall bei dem eines der TRIZ-Lösungsprinzipien von Genrich Altschuller zum Tragen kommt (nämlich Nr.1=Zerlegen), wird bei Innovationen im Hotelbereich verwendet. War es bisher üblich, dass sich Hotelzimmer in 1 bis 2 Gebäuden befunden hatten, so verteilen sich nun die Zimmer über mehrere Gebäude in einem Ort oder einer Stadt. Beispiele dafür gibt es in

Hallstatt/Österreich
Auf drei verschiedene Gebäude verteilt: Das ‚Historik-Hotel Hallstadt‘ soll nur Betten auf 4-Sterne-Niveau anbieten. Verwendet wurden z.B. das ehemalige Heimathaus sowie das Amtshaus der Salinen AG. Durch dieses Projekt entstehen auch neue Arbeitsplätze für Hallstatt.

Leuk/Schweiz
In verschiedenen, zum Teil verlassenen Häusern, werden Zimmer eingerichtet. Die Verpflegung findet an einem zentralen Ort statt.

Vnà/Schweiz
Ein ganzes Dorf soll eingebunden werden, die Touristen wohnen eher privat (dezentral) als in einem extra dafür errichteten Gebäude. Hatten wir das nicht schon mal als ‚Fremdenzimmer‘?

Binntal/Schweiz
Ein Architekt möchte 8 bis 10 Häuser renovieren und das alte Schulhaus als Zentrum (Rezeption) einrichten. Genug leerstehende Häuser gibt es. Auch hier soll 4-Sterne-Niveau erreicht werden.

Alle diese Konzepte sind offensichtlich von dem in Italien erprobten Projekt des ‚Albergo diffuso‘ inspiriert. Hier stand vor allem die Idee Pate, von Auswanderung bedrohte Regionen wieder zu beleben. In den Abruzzen entstand die erste Hotelanlage. Wenn Sie ‚Albergo diffuso‘ googlen, dann finden Sie dort eine Vielzahl von bereits seit Jahren verwirklichten Projekten.

[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 1=Zerlegen]

TRIZ direkt vom Meister (Altshuller) Folge 3

Altshuller beschreibt hier, dass in den meisten Fällen, wo eine Verbesserung erzielt wird, diese auch auch gleichzeitig eine Verschlechterung mit sich bringt: z.B. macht man ein Mikrofon empfindlicher, damit es Geräusche besser aufnehmen kann, so nimmt es auch unerwünschte bzw. störende Geräusche mit auf.

Dieser Filmausschnitt ist von sehr schlechter Qualität, aber trotzdem interessant, weil Altshuller darin erklärt, dass es Millionen von unterschiedlichen Problemen gibt, aber eine begrenzte Zahl von Widersprüchen. Dafür hat er eine Tabelle (Widerspruchsmatrix) entwickelt, in der Lösungen vorgeschlagen werden, die bereits in Patenten verwendet wurden. Aufgefallen ist mir, dass er von 50 Lösungsprinzipien spricht (zumindest im Untertitel), obwohl er selbst nur 35 gefunden und seine Schüler später die Liste auf 40 aufgefüllt haben.

Er lässt seine Studenten Probleme lösen, für die diese nur wenige Minuten brauchen. Aber in der Praxis Jahre gebraucht wurden. Hier sieht er ein enormes Potenzial für Zeitersparnis, wenn man systematisch laut seinen Anleitungen vorgeht.

[youtube tQh7CwCqXwY]

TRIZ direkt vom Meister (Altshuller) Folge 2

In diesem Film geht es um den von Altshuller entwickelten Algorithmus (auch ARIZ genannt). Er schildert darin, dass Menschen nicht aus dem Stand 5 Meter hoch springen können. Wollen sie diese Höhe erreichen, verwenden sie meist eine Leiter: Schritt für Schritt ist es möglich, diese Höhe zu erreichen. Er verwendet das als Metapher, um den stufenweisen Aufbau seiner Methode zu verdeutlichen.

Auch spricht er von einem Prinzip, sich zuerst den Idealzustand zu vergegenwärtigen, um unter Umständen in gänzlich andere Denkschemata vordringen zu können. Die Übung, die er seinen Studenten gibt, handelt davon, möglichst rasch das Austreten von Kühlflüssigkeit aus einem Kühlsystem zu erkennen und vor allem auch wo die lecken Stellen sind.

[youtube zYkd6aVObMg]

TRIZ direkt vom Meister (Altshuller) Folge 1

Diese Woche möchte ich Ihnen ein kleines Juwel näher bringen, dass ich zufällig auf YouTube entdeckt habe: Ein in Einzelteile zerlegter Film, der Genrich Altshuller beim Unterricht in der Sowjetunion zeigt.

Die Qualität ist nicht besonders und beim Lesen der englischen Untertitel (das Original ist in Russisch) muss man sehr schnell sein. Aber für all diejenigen, die schon Kenntnisse in TRIZ haben, ist es sicher ein Erlebnis, den Gründer dieses Gedankengebäudes (der 1998 gestorben ist) einmal fast ‚live‘ in Aktion zu sehen.

Das Video Teil 1 ist eine nicht sehr interessante Einleitung, daher beginne ich mit Teil 2, wo Altshuller demonstriert, wie die Studentengruppe Lösungen zur Reinigung eines rasch verschmutzenden Filters nach dem Prinzip ‚Versuch und Irrtum‘ sucht und einfach nach der Nadel im Heuhaufen herumstochert. Außerdem zeigt er noch das Beispiel eines Erfinders, der nach 7 Jahren erfolgloser Suche durch Zufall in einem Zug sitzend, wo er einer Frau beim Nähen zusah, die Lösung für sein Problem fand. Das wollte Altshuller vermeiden: Dass Erfinder jahrelang nach einer Lösung suchen, auf die man systematisch eventuell in sehr kurzer Zeit kommen kann.

[youtube 2G6o-kBrmjw]