Schlagwort-Archive: Reifen

Bionik: Wo uns die Natur hilft

contipremiumcontact.jpgDer Reifenhersteller Continental hat sich zur Herstellung seines Reifens ContiPremiumContact in der Natur umgesehen. Der Reifen ist im normalen Lauf schmal, macht sich beim Bremsen jedoch breit und bremst daher besser. Diese Eigenschaften hat sich Conti beim Studieren von Katzenpfoten abgeschaut. Auch Eisbären und Baumfrösche wurden in die Entwicklung mit einbezogen. Aber auch Spinnennetze mussten herhalten. Originaltext Conti:

Das Spinnennetz ist eine der flexibelsten Konstruktionen in der Natur. Die von außen ins Zentrum führenden Strukturfäden sorgen für hohe Stabilität, während die rundum laufenden Fangfäden für die notwendige Flexibilität sorgen.

Unsere Reifenentwickler haben dieses Prinzip auf den Reifen übertragen. Die Laufflächenmischung besteht aus zwei präzise aufeinander abgestimmten Netzwerken, die auch verschiedene Aufgaben haben. Das flexible Netzwerk sorgt für eine hohe Verzahnung mit der Fahrbahn, das feste Netzwerk bietet die notwendige Steifigkeit für das Reifenprofil.

Bionik ist ein Kunstwort, das sich aus den beiden Begriffen ‚Biologie‘ und ‚Technik‘ zusammensetzt. Die Natur bietet für viele technischen Herausforderungen eine Fülle von Möglichkeiten an. In Europa ist Deutschland in der Bionik führend, speziell Automobilerzeuger (samt Umfeld) lernen von der Natur.

[Quelle: Format, Conti – Foto: Conti]

TRIZ und Radikale Innovation

Eifrigen Lesern meines Blogs werden die 4 Buchstaben TRIZ schon öfter aufgefallen sein. Und einige von ihnen wissen auch, dass diese die Abkürzung für ‚Teoria reshenija izobretatjelskich zadacz‘ sind. Was Wikipedia übersetzt mit „Theorie des erfinderischen Problemlösens“ oder „Theorie zur Lösung erfinderischer Probleme“.

Über die Methodik steht in Wikipedia:
Die Methodik wurde u.a von Genrich Saulowitsch Altschuller, Rafael Borisowitsch Shapiro und Dimitri Kabanov um 1946 ins Leben gerufen. Sie entstand durch die Sichtung einer großen Anzahl von Patentschriften, woraus sie diejenigen auswählten, die ihnen technische Durchbrüche zu beschreiben schienen. Diese werteten sie genauer aus und erkannten drei wesentliche Gesetzmäßigkeiten:

  1. Einer großen Anzahl von Erfindungen liegt eine vergleichsweise kleine Anzahl von allgemeinen Lösungsprinzipien zugrunde.
  2. Erst das Überwinden von Widersprüchen macht innovative Entwicklungen möglich.
  3. Die Evolution technischer Systeme folgt bestimmten Mustern und Gesetzen.

Speziell Altschuller hat mit seinen Schülern ein Systematik entwickelt, mit der man Erkenntnisse aus der Vergangenheit nützen kann ohne das Rad jedes Mal neu erfinden zu müssen. TRIZ besteht aus einer ganzen Reihe von methodischen Werkzeugen, die systematisches Problemlösen unterstützen. Warum soll das gerade bei ‚Radikalen Innovationen‘ nützlich sein?

Altschuller hat empfohlen, bei jedem Problem zumindest einen ‚klassischen Widerspruch‘ (siehe oben Punkt 2) zu formulieren, den es zu überwinden gilt. Auch die ‚ideale‘ Lösung anzudenken. Genau das ist der Stoff, aus dem ‚Radikale Innovationen‘ gemacht sind. Und um frühere Erfahrungen zu nutzen, hat er zusammen mit seinen Schülern 40 Lösungsprinzipien (siehe oben Punkt 1) erarbeitet, auf die man beim Problemlösen (oder Erfinden) zurückgreifen kann.

Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie beim einen oder anderen Beitrag in Zukunft in der Fußzeile (zwischen eckigen Klammern) einen Hinweis finden werden, welche(s) Lösungsprinzip(ien) dort offensichtlich angewendet wurden. Auch bisherige Beiträge werde ich nach und nach ergänzen. Denn durch Beispiele begreift man diese Prinzipien am besten. Und sie gehen nach einiger Zeit ganz automatisch in das Lösungsdenken über.

Interessante Innovationen aus Deutschland

Die Wirtschaftswoche hat vor kurzem (in der Printausgabe 43/2007) eine tolle Aufstellung veröffentlicht. Sie hat den Titel ’50 Innovationen, um die uns die Welt beneidet‘. Ich möchte in den nächsten Wochen einige davon herausgreifen und näher darauf eingehen.

Starten wir mit ‚Textilbeton‘. Betonstuhl Textilbewehrter Beton ist formbar und viel leichter als Stahlbeton. Der abgebildete Gartenstuhl verfügt über eine Heizung für Sitz und Lehne! Das Kompetenzzentrum für Textilbeton befindet sich in Dresden, aber die derzeit längste Brücke aus Textilbeton (Glasfaser) wurde gerade Anfang Oktober in Kempten eröffnet. Die Teile sind extrem dünnwandig und halten eine neunmal so hohe Belastung aus wie herkömmlicher Stahlbeton. Die 16 Meter lange Brücke wiegt mit 12,5 Tonnen aber nur 1/3 dessen, was eine Stahlbetonbrücke wiegen würde.

Aber auch in Aachen hat sich ein Zentrum für Textilbeton an der Technischen Hochschule etabliert. Und erst vor wenigen Tagen wurde der Spatenstich für ein Erweiterungsgebäude der TH Aachen getan, bei dem erstmals weltweit eine Fassade aus Textilbeton verwendet werden soll. Für die nächste Generation denkt man schon an beheizte Fassaden.

[Foto: Textilbetonzentrum]

Die Hinterbliebenen sind immer dabei

AschendiamantenManche Dinge können erst entstehen, wenn sie durch gewisse Begleitumstände begünstigt werden. So wusste ich bis vor kurzem noch gar nicht, dass sich in der Schweiz bereits mehr als 75% aller Verstorbenen verbrennen lassen. Und es bleibt den Hinterbliebenen überlassen, ob sie die Asche des Dahingeschiedenen auf dem Friedhof lagern oder im trauten Heim (oder Garten). Daher ist es auch besser zu verstehen, dass in diesem Klima der Gedanke reifen konnte, was man mit der verbliebenen Asche noch alles anstellen könnte.

Zwei findige Herren, Veit Brimer und Rinaldo Willy aus Chur hatten zwar nicht die Idee, aber Kontakte zur russischen Akademie der Wissenschaften. Dort lernten sie Prof. Vladimir Blank kennen, der eine Technologie entwickelt hatte, wie man aus Asche Diamanten erzeugen könnte. Er brachte eine dementsprechende Maschine ein und die beiden Schweizer riskierten 2004 den Start. Sie nannten ihre Firma ‚Algordanza‘ , was auf rätoromanisch soviel wie ‚Erinnerung‘ bedeutet. Heute sind sie bereits in 17 Ländern vertreten und ISO-zertifiziert. Sie verlangen für ihre Dienstleistung in etwa den Preis eines durchschnittlichen Grabsteins. Dafür erhalten die Hinterbliebenen einen oder mehrere kleine Diamanten, die in einem mehrwöchigen Verfahren aus der Asche der Verstorbenen gepresst werden. Diese können in Ringe oder Anhänger eingearbeitet werden. Oder sie erhalten einen Ehrenplatz in der Wohnung. Sollte man in eine andere Stadt ziehen, wandert die Erinnerung an den oder die liebe Angehörige(n) mit. Selbst 10-15 Jahre alte Asche soll noch verarbeitet werden können. Würden Sie für diese Idee die Urne öffnen?

[Foto: Algordanza]

Brauchen wir im Auto noch einen Reservereifen?

ReifenplattSeit vielen Jahrzehnten gibt es bereits Lösungen, die es erlauben würden, einen Standardreifen samt Felge im Kofferraum eines jeden Autos zu ersetzen. Denn man schleppt ja doch viel Gewicht mit (das braucht Treibstoff) und außerdem sterben jährlich tausende von Menschen noch beim Reifenwechsel, weil sie z.B. von vorbeifahrenden Autos erfasst werden. Als Zwischenlösung kann man eigentlich nur das sogenannte ‚Notrad‘ erwähnen, das zwar viel leichter ist, aber immer noch mit dem beschädigten Reifen getauscht werden muss. Und nur für eine kurze Strecke verwendet werden darf!

Immer stärker in den Vordergrund drängt sich die ‚radikale Lösung‘: Die Originalreifen am Auto können nicht mehr kaputt gehen! Oder zumindest lassen sie nur solche Beschädigungen zu, mit denen man noch bis zu 150 Kilometer weit fahren kann. Wie ich dem Schweizer Tagesanzeiger entnehme, setzt BMW verstärkt auf solche ‚Runflat‘-Reifen, was übersetzt soviel heißt: Man kann diese Reifen auch flach fahren. Deshalb hat sich auch der deutsche Begriff ‚Notlaufreifen‘ etabliert.

Ist es wirklich nur eine Preisfrage, warum es zu diesem Thema seit Jahren noch keine allgemeingültige Lösung gibt?

[Foto: pixelio.de]

SiemensVDO bremst mit Keil

SiemensVDOEs wird zwar noch bis 2010 dauern, aber dann können wir damit rechnen, dass die Revolution in der Bremstechnik in Serie geht. Und die Automobilhersteller auch zugreifen. Denn die neue ‚Elektronische Keilbremse‘ wird die bisherigen hydraulischen Systeme ablösen. Und damit ein neues Stadium in der Geschichte der Bremsen einleiten. Denn der Nachteil aller hydraulischen Systeme war immer eine gewisse Trägheit, wodurch auch die Weiterentwicklung an ihre Grenzen stieß. Daher ist jetzt ein radikaler Sprung in neue Dimensionen gelungen. SiemensVDO im O-Ton:

Das Herz der Keilbremse ist das Keillager. Kontrolliert von einem Elektromotor bewegt sich dabei ein Bremsklotz über ein Rollenlager hinweg… Sobald der Bremsklotz die Bremsscheibe berührt, wird er durch die so genannte Umfangskraft mitgezogen. Die Reibung zwischen Bremsscheibe und Bremsklötzen wandelt die Bewegungsenergie in Wärme um – der Wagen wird gebremst. Der Elektromotor hält dabei den Bremsklotz auf dem Rollenlager in jener Position, die gerade so viel Bremskraft aufbaut, wie gewünscht ist. Der kleine und präzise arbeitende Elektromotor muss dabei nur wenig Energie aufwenden, um auch schwerste Fahrzeuge sicher aus Höchstgeschwindigkeiten heraus zum Stillstand zu bremsen.

Und in Zukunft wollen die Techniker von SiemensVDO ihr eCorner-Konzept umsetzen, um darin Antrieb, Lenkung, Dämpfung und Bremse direkt in die Räder der Autos von Morgen integrieren.

[Foto: SiemensVDO]

In Spanien sind die Pioniere… (2)

Foto: Marcus Klaus, PixelquelleSie schießen mit Laserkanonen und backen mit flüssigem Stickstoff. Sie versuchen, die Gesetze der Physik auf den Kopf zu stellen. Wie bereits im letzten Beitrag angekündigt, hat mich ein Artikel aus der deutschen Wirtschaftswoche fasziniert. Die Molekularküche ist in der Spitzengastronomie immer stärker im Kommen. Ausprobiert wird, was noch nie da war! Dabei wird auch mit wissenschaftlichen Instituten zusammengearbeitet.

Herausragend dabei ist Ferran Adrià Acosta mit seinem Restaurant ‚El Bulli‘. Ich zitiere Wikipedia: „Adrià bietet keine klassischen Menüs an, seine „Menüs“ sind ausdifferenzierte, ausgefeilte, höchst komplizierte 25 bis 30 kleine Gänge: Rohes Gemüse wird mit Hightech aus der Medizintechnik bearbeitet, Salzstreuer mit duftendem Kunstnebel befüllt, er würzt Gemüse-Gelatine-Streifen mit Holzkohlenöl, erschafft heißes Eis, formt Olivenöl zu Bonbons, füllt Tintenfisch mit einer Mischung aus Ingwer und Kokosnuss, serviert eine Mousse aus Muschelfleisch in einem Mantel von hauchdünnem Schweinefett und injiziert Eiern vor dem Kochen Kaviarpaste. Der minutiöse Aufwand ist dafür so hoch, dass er pro Saison stets nur diese eine Menüfolge anbietet. Im Jahr 2006 kostete ein Menü mit 30 Gängen 175 Euro. Mit seinen Kochbüchern verdiente er schon im Jahr 2004 mehr als mit seinem Restaurant.“

Das er übrigens nur 6 Monate im Jahr geöffnet hält, in der übrigen Zeit experimentiert er in seinem Labor in Barcelona.

Das Bessere ist der Feind des Guten

Viele Firmen sind heute in ganz anderen Bereichen tätig als zur Zeit ihrer Gründung. Autobauer Peugeot hat mit Gewürzmühlen begonnen (die es heute immer noch gibt), Telekommunikationsprofi Nokia mit Papier, später dann mit Gummischuhen und Reifen (werden heute nicht mehr produziert).

Einen extrem radikalen Schwenk, nämlich vom Mischkonzern mit Schwerpunkt Stahl zum weltgrößten Dienstleister in der Freizeitindustrie hat die ehemalige Preussag AG vollzogen. TUI ist heute an Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern, Incoming-Agenturen, Reisebüros und Hotels beteiligt. Über Hapag Lloyd ist auch der Einstieg in die Container- und Kreuzschifffahrt gelungen.

Mögen in einigen Fällen Fusionen bzw. übernommene Firmen zur Änderung der Produktpalette geführt haben, so sind es oftmals auch staatliche Auflagen, die zu einem Schwenk zwingen. So musste der ursprüngliche Erfinder von Coca-Cola aus seinem unter dem Namen Pemberton’s French Wine Coca vertriebenen Getränk wegen der Prohibition den Wein entfernen. Aber als Medizin und Mittel gegen Kopfschmerzen und Depressionen war dem Getränk noch nicht der große Durchbruch beschieden. Erst als Coca-Cola als Erfrischungsgetränk mit enormem Aufwand beworben wurde, stellte sich der rasante Aufstieg der Marke ein.