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Regeln brechen für Radikale Innovation

bionade.jpgFamilienbetriebe des Mittelstands tun sich wesentlich leichter, Regeln zu brechen als angestellte Manager. Denn dafür braucht es schon eine gewisse Sturheit, die fast bis zur Selbstaufgabe führt – jedenfalls den Familienmitgliedern (und oft auch den Mitarbeitern) alles abverlangt. Aber gerade dieses Brechen von Regeln (der Branche, des Marktes) ermöglicht oft erst die wirklich radikale Innovation.

Hier einige Beispiele:

Bionade
entsteht durch Gärung und gilt daher nicht als Limonade. Keine Brauerei wollte diese Erfindung in Lizenz übernehmen. Also mussten es die Eigentümer selbst vermarkten. Vergangenes Jahr wurde Bionade mit dem CREO-Preis der Gesellschaft für Kreativität ausgezeichnet. Jetzt wird Bionade international…

Allerdings zeigt eine gewisse Sturheit auch ihre Kehrseite: Gerade heute lese ich, dass Bionade in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verstrickt ist und nun auch manche Stammkunden durch eine Preiserhöhung um ein Drittel (von 59 auf 79 Cent) verschreckt. Näheres siehe bei Burkhard Schneider.

Fielmann oder Hartlauer
Markenbrillen zu Superpreisen in der (Ketten)filiale unter Ausschaltung des Zwischenhandels.

Metz
setzt weiterhin auf den Fachhandel. Fernseher kosten das Doppelte von herkömmlichen Fernsehern bei Saturn oder Media Markt, werden aber vollständig in D erzeugt.

DocMorris
hat die Apothekerzunft durch seinen Internetversand von Medikamenten aufgemischt. Jetzt hat er noch ein Franchisesystem für Apotheker erfunden, die von seiner Dachmarke profitieren möchten. Und damit demnächst etwas zu Fall gebracht, was bisher niemand Anderem gelungen war, nämlich eine Art Filialsystem für Apotheken einzuführen.

SAP
hat individuelle Einzellösungen durch standardisierte Softwarelösungen ersetzt. Als sie begonnen haben die Regeln zu brechen waren sie noch klein…

Fischer-Dübel
ersetzt Roboter durch Menschen, weil diese weniger oft ausfallen und nicht bei jedem Wechsel ‚umgerüstet‘ werden müssen. Die fahrerlosen Transportzüge hat Fischer wieder abgeschafft und durch einen von einem Logistiker gesteuerten Zug ersetzt.

Trigema
Wolfgang Grupp erzeugt weiterhin seine Textilien in D. Auch er hält die Automatisierung so gering wie möglich. Dadurch kann er kleine Losgrößen sehr schnell liefern, was im Firmengeschäft wichtig ist.

Lunge
erzeugen Laufschuhe in D in der Nähe von Hamburg. Die ersten Modelle werden allerdings erst ab August 2008 ausgeliefert. Weil sie auf die enormen Werbeausgaben der Großen verzichten, können sie im Inland produzieren. Durch ein neues Produktionsverfahren haben sie die Entwicklungszeit neuer Laufschuhe von etwa zwei Jahren auf einen Monat verkürzt.

Bis auf Bionade alle gefunden in der Wirtschaftswoche

[Foto: Bionade]

In Spanien sind die Pioniere… (3)

… aber auch in Großbritannien gibt es Vorreiter. Vor kurzem hatte ich versprochen, noch jemandFoto: Heston Blumenthal aus der Kategorie der Molekulargastronomie zu präsentieren: Es ist dies Heston Blumenthal, der in Bray/Berkshire das Lokal ‚The Fat Duck‘ betreibt. Er verlangt jetzt 80 Pfund für ein Menü à la carte. Was einem 3-Sterne-Lokal (Michelin) auch zusteht. Wie viele Dinge im Leben, die man als geniale Marketing-Idee wahrnimmt, entstand auch sein Zugang zur Molekulargastronomie durch eine mittlere Katastrophe gleich zu Beginn seiner Laufbahn als Gastwirt. Weil sein (vom Vorgänger übernommener) Gasherd explodiert war, musste er auf kleiner Flamme kochen und hatte (mangels Gasdruck) keine Möglichkeit, größere Mengen von z.B. Gemüse über längere Zeit am Kochen zu halten. Aus der Not eine Tugend machend, begann er sich für Physik und Chemie in der Küche zu interessieren und stieß gleich mehrere Regeln, die bisher in der Gastronomie gegolten hatten, über den Haufen. Am bekanntesten ist seine ‚bacon and egg ice cream‘ als Nachspeise. Wer dazu mehr wissen möchte, finden Genaueres etwas versteckt in der Mitte des Unterpunktes ‚Philosophy‘ auf der Webstite von ‚The Fat Duck‘.

Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch jemand, der nicht eine bestimmte Ausbildung genossen hat oder Jahre in einem bestimmten Metier verbracht hat, durch eigene Initiative und Weiterbildung sowie eigenes Experimentieren zu Spitzenleistungen kommen kann. Wahrscheinlich eher als jemand, der sich auskennt und daher bestimmte Experimente von vornherein ausschließt.

Foto: The Fat Duck

Für viele Situationen offen bleiben

Solarhaus.jpgEin gutes Beispiel für das TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 3 (Örtliche Qualität=Jeder Teil eines Objektes soll seine Funktion optimal erfüllen) hat mir Blog-Zuträger Bernward Kahmann aus Kassel geliefert. Es ist dies ein interessantes ‚Haus der Zukunft‘, das die TU Darmstadt im Herbst 2007 beim internationalen Bauwettbewerb „Solar Decathlon“ des U.S.-Energieministeriums im Maßstab 1:1 vor dem Weißen Haus ausstellen wird. Für den Wettbewerb mussten einige sehr strenge Regeln erfüllt werden. Unter anderem ist die Grundfläche des Hauses auf 75m² begrenzt. Um hier größtmöglichen Komfort zu gewährleisten, schreibt dafacto
„entwickelten die Wissenschaftler ein kluges Wohnkonzept: Alle Möbel sind in die Bodenplattform integriert und lassen sich bei Bedarf vollständig verstauen, um ein pures Raumerlebnis und Platz für Feste zu machen. Der geschlossene Kern mit Küche und Bad ist auf ein Mindestmaß reduziert, bei Bedarf kann er ausfahren und zum Duschen oder für Koch-Events vergrößert werden. Bei der Wahl der Materialen stehen nachwachsende, naturnahe oder recyclebare Stoffe im Vordergrund.“

Radikal an diesem Konzept finde ich, dass ansonsten fixe Raumgrößen wie Küche oder Bad beliebig verändert werden können und die Möbel bei Bedarf im Boden verschwinden. Auch das Energiekonzept ist interessant, wird doch die benötigte Energie in der Bodenplattform gespeichert, verarbeitet und verteilt.

Morgenstund‘ hat Gold im Mund‘

Foto: Thijs van der Vossen, NetherlandsKönnen Sie sich vorstellen, dass Sie einmal wöchentlich um 6.59 Uhr mit ca. 30 anderen Geschäftsleuten gemeinsam bei einem ausgiebigen Frühstück sitzen? Und das bis 8.31 Uhr?
Beim Business Network International (BNI) tun das weltweit jede Woche bereits fast 100.000 Menschen. Um die anderen Mitglieder ihres Netzwerks besser kennen zu lernen. Um ihre Visitenkartenmappen wieder aufzufüllen. Um Empfehlungen für Anbahnungen an Andere weiter zu geben. In Amerika vor rund 20 Jahren gegründet, ist BNI mittlerweile auch im deutsprachigen Raum angekommen. Die Regeln:
* 1x wöchentlich ist Pflicht (oder es kommt eine Vertretung)
* Es wird nur 1 Vertreter pro Berufsgruppe aufgenommen
* In einem ‚Chapter‘ gibt es nicht mehr als 40 Mitglieder

Eine kurze Recherche im Internet zeigt, dass es bereits eine größere Zahl von Empfehlungsnetzwerken gibt, denen Folgendes gemeinsam ist:
* Treffen zum Frühstück
* 60-Sekunden-Präsentationen jedes Mitglieds (jedes Mal)
* 10-Minuten-Präsentation (immer ein anderer)
* Aufbau einer emotional wie geschäftlich verflochtenen Gemeinschaft

Aber keines dieser Netzwerke scheint so professionell und gut durchdacht wie BNI. Es entsteht eher der Eindruck, dass einige andere Netzwerke nach dem Modell ‚BNI‘ enstanden sind. Bei BNI ist man sich bewusst, dass ein Chapter nur dann Erfolg bringt, wenn es auf Dauer zwischen 30 und 40 Mitglieder hat. Das ist Ihr ‚Außendienst‘, der Ihre Visitenkarte mit einer Empfehlung weitergibt. Für Freiberufler und Handwerksbetriebe eine tolle Möglichkeit, die Zahl der Kontakte im Markt zu erhöhen. Da die Mitglieder eines Chapters pro Woche ca. 30-50 Visitenkarten beim Treffen ‚verbrauchen‘, freut sich natürlich der ‚Drucker‘ in der Runde gleich über zahlreiche Neukunden.

Der Blaue Ozean als Strategie

blauerozean.jpgDas ist der Titel eines sehr spannenden Buches von W. Chan Kim und Renée Mauborgne. Er sagt einem im ersten Moment nicht viel. Sobald man aber begriffen hat, dass diejenigen Firmen, denen der Wettbewerb hart ins Gesicht bläst, in einem roten Ozean schwimmen, hat man sehr schnell erkannt, dass es diesen Wettbewerb offensichtlich in einem blauen Ozean nicht gibt. In den roten Ozeanen sind die Grenzen der einzelnen Branchen genau definiert und werden akzeptiert: die Regeln für den Wettbewerb sind bekannt. Die Produkte werden zur Massenware, der Konkurrenzkampf wird immer härter.

Die blauen Ozeane dagegen werden durch bisher noch nicht erschlossene Märkte, die Erzeugung von Nachfrage und die Aussicht auf höchst profitables Wachstum definiert. In den blauen Ozeanen spielt der Wettbewerb keine Rolle, da die Spielregeln erst definiert werden müssen. Das Buch bringt nicht nur Beispiele bekannter Firmen, sondern zeigt auch auf, mit welchen Strategien diese blauen Ozeane erobert werden können.

Empfehlenswert für jeden, der mit Marketing, Strategieentwicklung und Radikaler Innovation zu tun hat…

Anders denken hilft

 

differentthinking.jpgAnders denken/Quer denken oder Anderes Denken (Different Thinking) hilft, besonders wenn es um ‘Radikale Innovation’ geht.

‘Different Thinking’, so heißt auch der Titel des Buches von Anja Förster und Peter Kreuz. Die Sammlung von rund 200 Beispielen ist schon deshalb interessant, weil immer wieder aufgezeigt wird, wie selbst große, weltbekannte Konzerne bestimmte Geschäftsfelder nicht sehen, die sich später ganz toll entwickeln.

17 Regeln helfen, um die eingefahrenen Denkgleise zu verlassen und geben Denkanstöße zur Umsetzung in der eigenen Firma.

Wie heißt es so schön: Der Weg vom Wissen über das Wollen zum Können ist steinig. Wissen würden wir nach der Lektüre dieses Buches, wie es geht. Wollen vielleicht auch… Dazu soll ein ‘Starten Sie durch’ am Ende des Buches anregen. Aber ob wir es dann auch schon können?

Die zahlreichen Bilder, Zitate und Beispiele machen das Lesen zum Vergnügen. Unbedingt empfehlenswert!