Schlagwort-Archive: Medizin

Spielend Malaria entdecken

biogame.pngEine neue Methode, wie man auch Laien beibringen kann, möglichst treffsichere Diagnosen zu erstellen, sind Biogames. Eines dieser Spiele dient dazu, in roten Blutkörperchen von Malaria befallene Zellen zu erkennen bzw. auszusortieren und das mit steigender Genauigkeit und Geschwindigkeit. Es kann auch auf einem Smartphone gespielt werden. Da es heute schon sehr kleine, preisgünstige Mikroskope gibt, können Laien durch entsprechendes Training mittels des vorher erwähnten Spiels fast den Genauigkeitsgrad einer professionellen Diagnose erreichen. Dem Team, das dieses Spiel entwickelt hat, ist es sogar gelungen, Smartphones als Mikroskop bzw. als Diagnosegerät zu benutzen. Das Interessante dabei ist, dass die Genauigkeit der Analyse mit der Anzahl der Tester (Spieler) steigt.

Natürlich gibt es auch etliche andere Spiele, bei denen man viele Dinge über den menschlicher Körper lernen kann. Aber interessanter ist es natürlich, rechtzeitig gewisse Infektionen zu erkennen, um eine entsprechende Behandlung einzuleiten. Gerade bei Malaria ist es erschreckend, welch riesige Gebiete auf der Erde immer noch als gefährdete Regionen gelten.

[Quelle: More Inspiration von Creax]

Brustkrebs radikal (an der Wurzel) bekämpfen

In der Wirtschaftswoche gelesen: Die Techniker der Carl Zeiss Meditec haben ein Verfahren gefunden, das die wochenlange Bestrahlung nach einer Brust-OP zumindest teilweise ersetzt, in sehr günstigen Fällen möglicherweise ganz entfallen lässt: Sie haben ein Bestrahlungsgerät Intrabeam entwickelt, das mobil in jeder Klinik ohne großen Sicherheitsaufwand eingesetzt werden kann. Der Clou: Noch während der Operation – nachdem der Tumor entfernt wurde, wird das kugelförmige Bestrahlungsgerät in die Wunde eingeführt und die Stelle, an der der Tumor vorher saß, direkt von innen bestrahlt (ca. 20-30 Minuten). Dies verlängert zwar die Operationszeit, schont aber die umliegenden Organe und verkürzt nachfolgende Bestrahlungen erheblich. Auch die Anschaffungskosten stehen in keinem Vergleich zu den großen Linearbeschleunigern, wo manchmal ‚mit Kanonen auf Spatzen‘ geschossen wird.

http://www.youtube.com/watch?v=Fb4P2abNmcI
[youtube Fb4P2abNmcI]

Wenn auch vorerst nur für Tumore bis zu einer Größe von 2cm geeignet, werden bereits andere Einsatzgebiete getestet. Am weitesten soll die Anwendung bei Tumoren in der Wirbelsäule sein. Neben den erheblichen Erleichterungen für die Patienten ergibt sich mit der neuen Methode auch eine radikale Kostensenkung in der Krebsbehandlung.

Personalisierte Medizin

Dass mit den Buchstaben POP nicht immer Musik gemeint sein muss, beweist der Ausdruck ‚Pills on Paper‘. Als ich diese Meldung sah, habe ich zu allererst auf das Datum gesehen, da ich an einen Aprilscherz dachte: Das Grazer Kompetenzzentrum „Pharmaceutical Engineering“ hat ein Verfahren entwickelt, bei dem speziell auf die Anforderungen für jeden einzelnen Patienten abgestimmte Arzneistoffe wie ein Tintenstrahldrucker auf ‚essbares‘ Papier gedruckt werden. Danach wir dieses in eine Gelatinekapsel eingebracht und vom Patienten geschluckt. Der Vorteil: Jedes Medikament ist individuell auf den Patienten abgestimmt, d.h. Über- und Unterdosierungen gehören damit der Vergangenheit an. Die Grazer sind dafür im Herbst 2010 mit dem steirischen Innovationspreis „Fast Forward Award“ ausgezeichnet worden.

http://www.youtube.com/watch?v=WmgihNbFhyA
[youtube WmgihNbFhyA]

Patientenaufklärung durch Animation

allesch.jpgDer junge FH-Absolvent Johannes Allesch aus Salzburg hat heuer schon etliche Preise für seine Erfindung AniMedical gewonnen. Mit Hilfe von animierten 3D-Filmen können Ärzte ihren Patienten eine leicht verständliche Beratung vor Operationen bieten. Außerdem können diese Filme auch sehr gut in der medizinischen Ausbildung verwendet werden.

Mediziner verwenden im Vorbereitungsgespräch zu einer Operation oft viele Fachausdrücke und tragen damit nicht gerade zur Beruhigung ihrer Patienten bei. Wenn jedoch durch eine Animation (die nicht so hart wirkt wie Echtaufnahmen) den Patienten bildhaft dargestellt werden kann, was bei der bevorstehenden Operation passieren wird, dann ist oft das Informationsbedürfnis besser befriedigt als bisher. Das kann dann womöglich auch unnötige Schadensersatzforderungen verhindern.

Ärzte können verschiedene Filme (an der Auswahl wird gearbeitet) z.B. auf ihr iPad laden und am Krankenbett das Video abspielen. Das iPad wird übrigens von AniMedical mitgeliefert! Die Entlohnung erfolgt über Jahreslizenzen.

ipad.jpgNachdem wir uns bei flyniki schon seit Jahren an der Animation der vorgeschriebenen Sicherheitsaufklärung erfreuen (sie hat die gelangweilten Ruderbewegungen der FlugbegleiterInnen abgelöst),  bin ich überzeugt, dass sich diese Art von Patientenaufklärung sehr rasch durchsetzen – von vielen Patienten wahrscheinlich sogar gefordert werden – wird.

[Fotos: AniMedical]

Sie hat unser Leben verändert: Die Antibabypille

Seit ihrer Einführung in den 60er-Jahren hat die Antibabypille das Leben von Generationen verändert. Wenn auch früher schon sichere Verhütung möglich war, so hat die ‚Pille‘ doch den Frauen zwar die alleinige Verantwortung übertragen, sich um die Verhütung zu kümmern, aber eben auch die Freiheit gegeben, ohne die damals üblichen, manchmal recht mühsam zu handhabenden Verhütungsmittel auszukommen.

Als radikale Innovation kann die Pille deshalb gelten, weil die Verhütung durch eine gänzlich andere Methode als vorher erreicht wurde. Wie so oft bei einer radikalen Innovation musste mehrmals nachgebessert werden: Die Wirkstoffe, die eine Empfängnis verhindern, haben heute nur mehr ein Zwanzigstel der damaligen Stärke.

Carl Djerassi (in Wien geboren), Gregory Pinkus und John Rock meldeten 1951 in Amerika ein Patent über die Grundsubstanz der Antibabypille an. Dieses Video zeigt sehr deutlich, dass es allerdings eine sehr engagierte Frau, naemlich die amerikanischen Krankenschwester und Frauenrechtlerin Margaret Sanger war, die durch ihren unermüdlichen Einsatz der Antibabypille und ihrer Legalisierung zum Durchbruch verhalf. Dass sie sich damit auch viele Feinde machte, ist ein typisches Merkmal für eine Reihe von Erfindungen, die gegen den Widerstand vieler anders denkender Menschen erst einmal ‚durchgeboxt‘ werden müssen.

Impfen mit Pflaster statt Nadel

Es wird noch einige Zeit dauern, aber sie wird kommen: Die Impfung über ein Pflaster.  Dieses neue Impfpflaster der Wiener Firma Intercell öffnet einen enormen Markt, da es sehr viele Menschen gibt, die große Abscheu vor einer Injektionsnadel haben.

Damit steht ein radikaler Wandel gegenüber bisherigen Impfgewohnheiten bevor: Ein Stück Haut wird mit einfachen Mitteln leicht aufgeraut (Video), damit der Impfstoff leichter in die Hornhaut eindringen kann. Angenehmer Nebeneffekt zur Impfung mit der Nadel: Da in der obersten Hautschicht besonders viele und wichtige Immunzellen sitzen, wirkt die Impfung besonders gut. Oder anders gesehen: Es muss nur sehr wenig Impfstoff verwendet werden! Das Impfen geht auch völlig schmerzfrei und kann eventuell sogar vom Patienten selbst vorgenommen werden.

Intercell hat derzeit 2 Impfstoffe in Vorbereitung: Einen gegen Reisedurchfall und einen zweiten gegen pandemische Grippe. Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass sich diese Methode nicht für alle Impfstoffe eignet, ist das neue Verfahren trotzdem sehr interessant.

Sieht aus wie ein Korkenzieher

mikro-roboter.jpgSchon längere Zeit habe ich nichts mehr aus dem medizinischen Bereich berichtet. Jetzt habe ich bei ‚more inspiration‚ etwas Interessantes entdeckt: Roboter in Bakteriengröße, die zu medizinischen Zwecken im menschlichen Körper eingesetzt werden sollen, z.B. um Blutgefäße von Ablagerungen zu befreien.

Allerdings berichten die Forscher, dass die punktgenaue Steuerung dieser Miniroboter noch perfektioniert werden muss, um diese ganz sicher an den jeweils gewünschten Einsatzort zu bugsieren.

Diese Miniroboter sind so klein, dass sie nur unter dem Mikroskop gesehen werden können. Schweizer Forscher am Institut für Robotics und intelligente Systeme der ETH Zürich haben sich Bakterien zum Vorbild genommen. Nur sollen diese ‚künstlichen Bakterien‘ (Artificial Bacterial Flagella ABF) statt krank zu machen das genaue Gegenteil bewirken, nämlich heilen!

Durch leichten Magnetismus von verwendetem Nickel können diese ABFs durch Flüssigkeiten hindurchgesteuert werden. Natürlich ließen sich dann auch medizinische Substanzen im Körper herumtransportieren oder Zellstrukturen durchdringen, die aus heutiger Sicht nicht so leicht zu  penetrieren sind.

[Foto: ScienceDaily]

Keine Rückenschmerzen…

…haben die Massai in Afrika. Der Schweizer Karl Müller ist der Sache nachgegangen und hat festgestellt, dass die Massai eine bestimmte Art beim Gehen haben, die die Wirbelsäule entlastet. Und die Bildung weiterer Stützmuskel am Rücken und über den Fußknöcheln fördert. Begünstigt wird das Ganze natürlich noch dadurch, dass die Massai sich hauptsächlich barfuß auf dem weichen Sandboden bewegen. Bei Menschen, die sich mit herkömmlichen Schuhen (mit gerader Sohle) auf hartem Untergrund bewegen, verkümmert ein Teil der vorher erwähnten Muskulatur.mbtschuh.jpg

Da sich am harten Untergrund (meist Asfalt oder Beton) wenig ändern lässt, hat Müller darüber nachgedacht, wie er den weichen Boden simulieren könnte. Und ist auf die Idee mit einer halbrunden Sohle gekommen. Er hat daraus die Masai Barefoot Technology (MBT) entwickelt und eine Reihe von Schuhtypen entworfen. Die positive Wirkung kann ich nur bestätigen, seit ich zwei bis drei Mal in der Woche meine MBT-Schuhe beim Nordic Walken anziehe. Mein durch einen Bandscheibenvorfall angegriffenes Kreuz reagiert darauf sehr positiv und ich habe keinerlei Schmerzen mehr!

Natürlich ist das Ganze gewöhnungsbedürftig – aber es hilft wirklich!

[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 14: Krümmung]
[Foto: MBT]

Aktualisierung 11.05.2012: Leider, leider hat MBT in der Schweiz Konkurs angemeldet! Ich bin nach wie vor begeistert und werde sehen, ob ich schnell noch ein Paar kaufen kann…aber keine gefälschten!

Organverpflanzung ohne Abstoßung

Einem spanischen Ärzteteam unter der Leitung von Dr. Macchiarini ist es in einer Klinik in Barcelona gelungen, einer jungen Kolumbianerin ein 7 Zentimeter langes Luftröhrenstück eines kurz zuvor verstorbenen 51-Jährigen einzupflanzen, ohne dass körpereigene Abwehrkräfte dieses ‚fremde‘ Organ abgestoßen haben. Zuerst wurden von dem Luftröhrenstück alle Zellen des Verstorbenen entfernt. Anschließend halfen Forscher der University of Bristol dabei mit zuvor entnommenen Zellen der jungen Kolumbianerin neue Zellen zu züchten, die sie auf das einzupflanzende Luftröhrenstück auftrugen: Nach 10 Tagen konnte die Patientindie Klinik bereits verlassen. 5 Monate nach der Operation zeigt ihr Körper noch immer keine Abstoßungsreaktionen, sodass sie keinerlei Medikamente nehmen muss. Die Alternative wäre die Entfernung eines kompletten Lungenflügels gewesen!

Wenn diese Vorgangsweise auch bei anderen verpflanzten Organen funktionieren könnte, würden viele Probleme, die durch die Abstoßung körperfremder Organe entstehen, gelöst werden.

[gefunden in den Salzburger Nachrichten]

Hier ein italienisches Video, denn der in Barcelona tätige Dr. Macchiarini ist Italiener! http://www.youtube.com/watch?v=Hg3X402BONk

[youtube Hg3X402BONk]

Der (Badezimmer)Spiegel als Display

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Die Innovationsagentur HYVE in München arbeitet an einem Spiegel namens MEE, der eine Reihe komplett neuer Funktionen bietet:

Beauty – Man kann sich von vorne (vergrößert) und von hinten sehen

Healthcare – Über die Fußmatte abwiegen, das Gewicht anzeigen bzw. die Entwicklung der letzten Wochen ist am Spiegel dokumentiert. Auch der Mund kann vergrößert abgebildet werden. Medizinische Daten können über das Internet an den Hausarzt versendet werden.

Infotainment – Wetterlage, Aktienkurse, Fernsehen von der Badewanne aus…

Communication – Nachrichten für den Partner, Mails, Tagesplanung mit Terminen usw.

Die Designer von HYVE sind sehr an Endverbraucherwünschen und -reaktionen interessiert und laden Sie daher zu einem kurzen Feedback ein auf
http://surveys.hyvelive.de/08_Mee/p1.php

Die sehr professionelle Kurzumfrage ist auch mit einer Gewinnchance verbunden!

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