Schlagwort-Archive: Energie

Es geht auch vertikal

windrad-vertikal.jpgInnovationszuträger Bernd Kahmann aus Kassel weist mich auf etwas hin, das er selbst in ähnlicher Form schon vor Jahren angedacht hatte: Windräder statt horizontal vertikal zu positionieren! Dadurch entfällt ein eigener Antriebsmotor, da vertikale Windwindradvertikal2.jpgräder auch bei wenig Wind anlaufen. Außerdem funktionieren sie ständig, egal aus welcher Richtung der Wind kommt, damit kommen sie auf wesentlich längere Laufzeiten als die großen Windräder. Ja, platzsparender sind sie auch und verschandeln nicht die Gegend. Die KD Stahl- und Maschinenbau GmbH aus Thüringen bietet das Amperius-Prinzip an.

Ist die geringe Bauhöhe an sich schon attraktiv, so können die Windräder auch nahe an Gebäuden stehen, da sie relativ geräuscharm sind. Im manchen deutschen Bundesländern sind sie sogar bewillungsfrei (nach Aussage von KD).

[Fotos: Amperius]

Nachhaltiges Projekt zur Stromerzeugung

Die Firma HUSK Power Systems hat in der Provinz Bihar (Indien) eine Reihe von Anlagen in ländlichem Gebiet installiert, mit denen Strom aus Reishülsen gewonnen werden kann. Dieser Strom kommt sofort der ländlichen Bevölkerung in den Dörfern zugute. Einen interessanten Artikel dazu habe ich in der ZEIT online gefunden. Die Reishülsen konnten bisher für nichts anderes verwendet werden, wenn sie verrotten, setzen sie eine Unmenge an klimaschädlichem Methan frei. Es tritt hier also eine echte win-win-Situation für die Bauern ein.

Ein ähnliches Projekt gibt es in Brasilien: Dort wird allerdings in größeren Dimensionen gedacht. Es wurde dafür sogar Geld in Deutschland eingesammelt. Ein größeres Kraftwerk wurde in der Umgebung von 20 Reismühlen errichtet. Ein zusätzliches Geschäft macht der Betreiber damit, dass sein Kraftwerk hilft, CO2-Emissionen zu vermeiden. Dafür erhält er CO2-Zertifikate, die er wieder zu Geld machen kann. Dieses Projekt wurde allerdings als Geldanlage aufgezogen, das Projekt in Bihar ist (ohne mehrere Zwischenstationen) wirklich für die Ärmsten der Armen.

[Quelle: Der Glocalist]

Die Stromboje aus der Wachau

Der Österreicher Fritz Mondl hat eine stromerzeugende Boje erfunden, die in der Größe eines Haifisches in der Donau schwimmt und die Strömung des Flusses nutzt, um Energie zu erzeugen.


[youtube C8Vay-es9FA]

Als Wassersportler hatte er oft mit der starken Strömung der Donau zu kämpfen und fragte sich schließlich, ob man diese nicht noch anders nutzen könnte. Noch dazu, wo in der Wachau weder Windräder, noch Solarpaneele und schon gar keine Wasserkraftwerke erlaubt sind. Sein schwimmendes Wasserkraftwerk greift nicht in die Natur des Gewässers ein und ist ungefährlich für Schiffe, Fische und andere Wassertiere. Auch erfolgen keine großen baulichen Eingriffe. Mondl hat den ersten Prototyp bereits 2006 in die Donau gehängt, der zweite hat seit 2009 weitere wertvolle Erfahrung geliefert und sein Projekt hat 2010 den Klimaschutzpreis gewonnen. Ein größerer Prototyp wird 2011 folgen, 2012 ist eine Serie in der Wachau geplant, 2013 soll die Serienfertigung beider Typen anlaufen. Auch um diese radikale Innovation umzusetzen, mussten viele Jahre und Tests ins Land gehen…

Aktualisierung 2.11.2014: Gerade meldet der ORF- die Strom erzeugenden Bojen von Fritz Mondl gehen endlich in Serie! Neun Bojen werden in der Donau eingesetzt, jede Boje kann 70 Haushalte mit Strom versorgen. An der Finanzierung wird noch gearbeitet, aber das Interesse ist groß!

[TRIZ-Prinzip Nr. 22: Schädliches in Nützliches umwandeln]

Das weltweit 1. Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz

Michaela Reitterer ist gerne ‚Vorreiterin‘! Deshalb hat sie auch beim Zubau ihres Hotels ‚Stadthalle‘ in Wien ein Konzept umgesetzt, bei dem sie sämtliche Energiekosten einspart. Wodurch?

Durch die Grundwasserwärmepumpe, Photovoltaikanlage, Solaranlage und drei Windräder (sind die jetzt endlich durch die Gemeinde Wien genehmigt?). Außerdem räumt sie Hotelgästen, die mit öffentlichem Verkehrsmittel anreisen, einen Rabatt von 10% ein. Warum allerdings Stammgäste ebenfalls den ‚Grünen Bonus‘ von 10% erhalten (egal mit welchem Fahrzeug sie anreisen!) ist mir nicht ganz klar. Ich persönlich hätte hier zumindest irgendeine Unterscheidung vorgezogen, weil es nach außen so wirkt wie: Bei unseren Stammkunden ist es uns egal, ob sie die Luft verpesten!


[youtube s5Ys46U8Wfk&feature=related]

Durch geschickte Planung bei der Hotelrenovierung und Hartnäckigkeit in den Verhandlungen mit den Behörden hat sie etwas umgesetzt, was angesichts des mittlerweile rundum beschlossenen Ausstiegs aus der Atomenergie ein Eckpfeiler in der Energiepolitik werden könnte: Jeder produziert seine Energie selbst, spart durch geschicktes Bauen sogar Energie ein und gibt etwas an die umliegenden Gebäude ab, die das (aus welchen Gründen auch immer) nicht können.

Rudolf Diesel

Gestern Abend lief auf arte ein sehr interessanter Bericht über den deutschen Erfinder Rudolf Diesel. Er war beseelt von der Idee, die Dampfmaschine mit ihrer sehr geringen Energieausbeute durch einen anderen Antrieb abzulösen. Diesel warf alles über den Haufen, was unter Ingenieuren bisher als möglich galt und blitzte mit seinen Vorstellungen auf der Suche nach Geldgebern deshalb bei vielen renommierten Firmen ab. Das klassische Schicksal von Menschen, die eine radikale Innovation anstreben: Die meisten Fachleute hielten seine Ideen für undurchführbar.

Und weil es bei Erfindungen auch immer wieder auf Zufälle ankommt: Sein Förderer Buz von der Maschinenfabrik Augsburg (jetzt MAN) erlaubte Diesel nach zahlreichen Rückschlägen nur mehr Experimente mit geringeren Verbrennungstemperaturen, da er Angst hatte, ein Teil seiner Firma könnte explodieren.  Durch diese Vorgabe fand Diesel erst die passende Temperatur, vorher hatte er mit viel zu hohen Temperaturen gearbeitet. Auch war sein Erfindergeist dadurch angetrieben, einen Motor herzustellen, der gering im Treibstoffverbrauch war und preiswerten Treibstoff vertrug.

Bis heute gibt es keine Alternative zum Dieselmotor für die Schifffahrt. Nach Diesels Tod wurden seine Motoren durch weitere Forschung immer kleiner und konnten zuerst in LKWs, später auch in PKWs eingesetzt werden.

Heute noch steht Diesels Name weltweit an abertausenden von Zapfsäulen und seine Erfindung wird immer weiter verbessert. Diesel selbst hatte nur theoretisch mit Bio-Diesel experimentiert, fast hundert Jahre nach seinem Tod (1913) ist auch das kein Problem mehr.

Elektroauto

Ein sehr interessantes Beispiel für radikale Innovation ist das Projekt ‚Better Place‘ von Shai Agassi. Dafür hat er seinen schönen Vorstandsposten bei SAP aufgegeben! Er ist davon überzeugt, dass elektrische Energie den heute verwendeten Treibstoffen für Autos den Rang ablaufen wird – schon allein aus Umweltschutzgründen. Und weil die Erdölvorräte immer weniger und die Preise immer höher werden.

Interessant sind seine Denkansätze:

Er trennt gedanklich die Batterie vom Auto (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 1: Zerlegen). Außerdem findet er, dass bei vielen von uns die Autos nur kurz benutzt werden (am Weg in die Arbeit) und dann stundenlang unnütz herumstehen. Daher könnte jede dieser unproduktiven Zeiten dazu verwendet werden, um die Batterie wieder aufzuladen (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 22: Aus Schädlichem Nützliches machen).

Ein wesentlicher Faktor einer radikalen Innovation ist ein neues Geschäftsmodell. Hier schlägt Agassi vor, ein erfolgreiches Modell aus der Mobiltelefonie zu übernehmen: Mach einen langfristigen Vertrag mit deinem Stromversorger und wir stellen dir dein Elektroauto gratis (oder für einen minimalen Betrag zur Verfügung). Als Partner hat er Nissan Renault gewonnen, die voll bei seinem Konzept mitziehen. Wobei das Ziel von Renault mit seiner gesamten E-Flotte durchaus ehrgeizig ist. Angesteuert wird nicht eine schrittweise Reduktion der Schadstoffe, sondern gleich das Nullemissions-Auto!

Aktualisierung Juni 2012:

In Israel, Dänemark und Australien ist das Projekt bereits in der Ausbauphase, in Nordamerika und Japan gibt es Versuche mit Taxiorganisationen. Diese haben (neben dem positiven Effekt für die Umwelt) auch noch den Vorteil, gleichzeitig automatisch bei jedem Fahrgast für das Projekt zu werben. Auch mit Chinas Autohersteller Chery gibt es bereits eine Zusammenarbeit.

Aktualisierung Mai 2013:

Schade, am 27.5.2013 hat Better Place Insolvenz angemeldet. Die Anlaufkosten zum Aufbau der Stationen waren einfach zu hoch und die Verbraucher haben auch nicht so mitgezogen. Hier haben offensichtlich Entwicklungen, die parallel zum Projekt Better Place gelaufen sind, ein attraktiveres Konzept angeboten.

Wie es mit ‚Better Place‘ hätte laufen können, zeigt folgendes Video

Birne bleibt Birne

philips-ledbirne.jpgMehrmals habe ich bereits erwähnt, dass (staatlicher) Zwang eine Triebfeder für radikale Innovationen darstellt. Und dass die Anpassung bis zu wirklich brauchbaren Ergebnissen oft lange dauert. Genau das trifft jetzt beim langsamen Sterben der Glühbirne zu. Was gibt es für hitzige Diskussionen über das Verbot der 100Watt-Birne und das sich in Haushalte ausbreitende Quecksilber, wenn Energiesparlampen zerplatzen. Dabei ist diese Diskussion doch eigentlich sinnlos, da die LED (Light Emitting Diode)-Lampe schon lange aus den Startlöchern gekommen ist. Nun liefern uns PHILIPS und OSRAM sogar eine LED-Birne, die in alle herkömmlichen (Edison-E 27)Gewinde passt!

osram-ledbirne.jpg

Zugegeben, die Lichtausbeute könnte besser sein und Preise zwischen rund 10 Euro für eher schwache und rund 45 Euro für Leuchten, die herkömmliche 40W-Birnen ersetzen sollen, sind noch etwas happig. Auch das groß angepriesene ‚warmweiß‘ ist sehr weiß, allerdings wenigstens nicht bläulich wie andere LEDs. Aber Lebensdauer und geringer Stromverbrauch wiegen vieles auf! Und sobald die Massenproduktion so richtig anläuft, werden auch die Preise nach unten rasseln!

Wenn diese neuen ‚Birnen‘ noch 2010 richtig in Fahrt kommen, dann werden meines Erachtens im September 2010 beim Verbot der 75-Watt-Glühbirnen die Hamsterkäufe ausbleiben.

Strom aus Afrika oder vom eigenen Dach?

Gerade ist die Tinte unter einer Vereinbarung getrocknet, die wahrhaft die Dimension einer radikalen Innovation hat: Sonnenkraftwerke sollen in der afrikanischen Wüste Strom erzeugen, der dann via Kabel nach Europa transportiert wird! Warum tauschen wir eigentlich die Abhängigkeit von Erdöl exportierenden Ländern gegen die Abhängigkeit von Ländern mit hoher Sonnenintensität? Solarkraftwerke ja, aber davon sollen doch die afrikanischen Staaten selbst etwas haben. Und wenn ich die Wahl habe zwischen Strom, der über 3.000 bis 4.000 Kilometer lange Leitungen zu uns kommt (zu welchem Preis?) und dem, den ich auf meinem eigenen Hausdach oder an der Fassade (oder in der Erde) erzeuge, dann verlasse ich mich doch lieber auf das, was mir am nächsten ist.

neubau-erdal.jpgJedes neue Gebäude trachtet danach, in seiner Energiegewinnung autark zu werden. Werner + Mertz (Erdal) in Mainz hat vor kurzem den Grundstein zu einem neuen Bürogebäude gelegt, das nicht nur seinen eigenen Energiebedarf deckt (Nullenergiebilanz), sondern sogar noch Energie ans öffentliche Netz  (Plusenergiebilanz) abgeben wird.

Und wie schaffen die das?

  • Eine gute Wärme-Isolation der Fassade.
  • Die Nutzung von Erdwärme über eine Geothermie-Anlage.
  • Die Nutzung von Sonnenenergie über Photovoltaik-Anlagen auf dem Gebäudedach.
  • 16 kleinere Windkraftanlagen auf dem Dach werden den gesamten Strombedarf für die Pumpen der Geothermie-Anlage liefern.

Sobald die neuen Zweiwegstromzähler in unseren Häusern installiert sind, können wir selbst zu Stromproduzenten werden!

[Foto: Werner + Mertz]

Strom verbrauchen und liefern

In Salzburg startet dieser Tage die Salzburg AG ihr ‚Smartmetering-Pilotprojekt‘. In der ersten Stufe werden 500 alte Stromzähler gegen neue ausgetauscht, die sich zur digitalen Fernablesung eignen. Damit wird dann auch das von mir im Blog schon beschriebene ‚Selbstablesen‘ hinfällig. Das ist das damals von mir monierte intelligentere System.

Mit dieser neuen Zählergeneration lässt sich der eigene Energieverbrauch viel besser überwachen. Aber das ist nur der vordergründige Vorteil: Diese neuen Zähler werden in Zukunft in beide Richtungen messen. Denn das große Ziel (EU-unterstützt) ist es, aus Stromkonsumenten auch Stromproduzenten zu machen. So können Haushalte über Solarzellen am Dach, Erdwärme oder Sonnenkollektoren z.B. tagsüber den nichtbenötigten Strom ins Netz liefern und bekommen ihn abends (wenn sie ihn brauchen) wieder zurück. Bei einem Niedrigenergiehaus kann es also passieren, dass dieses sogar mehr Strom ans Netz liefert als es selbst braucht.

Bis 2020 sollen 80% aller Haushalte (laut EU) mit den neuen Zählern ausgestattet sein. Die Salzburg AG möchte allerdings schon bis Ende 2016 80% ihrer 420.000 Zähler ausgewechselt haben. Ein ehrgeiziges Ziel!