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myTaxi wird international

mytaxi.pngNach nur 3 Jahren gelingt es dem StartUp ‚myTaxi‘ Anfang des Jahres 2012 für seine App 10 Millionen Euro einzusammeln, um die Internationalisierung voran zu treiben. Bestellung und Bezahlung erfolgen per App, die Taxifunkzentralen braucht man dafür nicht mehr, weil Kunde und Fahrer nun direkt miteinander verbunden sind. Der Klassiker: In einer Branche herrschen harte Bandagen, viele Taxifahrer überlegen, wie sie den hohen Gebühren für die Taxizentralen entkommen können, um an Kunden zu kommen. Natürlich haben sich da im Verlauf von Jahrzehnten gewisse Machtstrukturen entwickelt. Auch die Reaktion ist klassisch für eine ‚disruptive Innovation‘: myTaxi bietet anfangs den Taxizentralen die Zusammenarbeit an – man zeigt kein besonderes Interesse und wird nicht ernst genommen. 800.000 App-Downloads und 7.000 registrierte Taxifahrer später erfolgen die nächsten Reaktionen: Boykottieren der eigenen Taxifahrer, die (auch) bei myTaxi gemeldet sind! Und außerdem wird das junge Hamburger StartUp geschnitten, wo es nur geht.

Das hat aber Großinvestoren wie Lars Hinrichs (XING-Gründer) und Car2Go (Daimler) nicht abgehalten, sich zu den Altinvestoren Deutsche Telekom und KfW Bankengruppe zu gesellen, die an das Geschäftsmodell von Niclaus Mewes und Sven Külper glauben.

Der direkte Draht zum Kunden bietet den Taxifahrern natürlich ganz andere Marketingmöglichkeiten als bisher. Und sie zahlen nur mehr einen kleinen Beitrag für jede vermittelte Fahrt, jedoch keine Grundgebühr. Natürlich hat sich gleich ein Rattenschwanz von Nachahmern eingestellt, die allerdings nur bewirken, dass myTaxi rascher international wird, um weiter die Nr. 1 zu bleiben. Außerdem wir der Markt für das Online-Bestellen eines Taxis immer größer und die Taxizentralen geraten weiter in Bedrängnis. Was sich nicht bekämpfen lässt, wird irgendwann kopiert: Die Taxizentralen gründen selbst Online-Lösungen. Da aber die anderen StartUps schon jahrelangen Vorsprung besitzen, kann es passieren, dass das vielleicht nur einer müder Abklatsch wird!?!

Sind Navis bald tot?

Hier ist wieder ein aktuelles Beispiel von disruptiver Innovation. Auf leisen Sohlen schleicht ein vorerst unterlegenes System heran, das allmählich immer besser wird und dann das bestehende System verdrängt, weil es irgendwann gleichwertig wird, zu wesentlich günstigeren oder gar keinen Kosten:

1. Im Auto fix eingebaute Navigationssysteme sind sauteuer, weil sie mit der Elektronik abgestimmt und in Österreich auch noch in die Nova (Normverbrauchsabgabe) eingerechnet werden müssen.

2. Mobile Navigationsgeräte kosten heute zwar viel weniger als früher, sind jedoch meist auf das Auto beschränkt und eignen sich schlecht oder gar nicht für die Fußgänger-Navigation.

3. Auf Smartphones gibt es für wesentlich weniger Geld (unter 100 Euro) die Navi-Software der großen Anbieter als App zum Download. Eine entsprechende Halterung mit Ladestation, GPS-Verstärker und Extra-Lautsprecher kostet bei TomTom allerdings 99 Euro. Angenehmer Nebeneffekt: Man gibt zu Hause seine Fahrziele ins Handy ein, speichert sie als Favoriten und braucht sie im Auto nur mehr aufzurufen.

4. Man kann jedoch nur die Halterung kaufen und ganz auf die Navi-Software verzichten, weil Smartphones heute schon Gratiskartenmaterial anbieten und nicht nur Standortbestimmungen, sondern auch Routenauswahl ermöglichen. Außerdem kann man die Zeit berechnen lassen, die man zu Fuß oder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel bräuchte.

Die Smartphones sind sowieso Killer unterschiedlichster Produkte:

1. Man hat seine eigene Musik mit.
2. Man braucht keinen extra Wecker auf Reisen mehr.
3. Auch die Termine sind immer und überall parat.
4. Bei regelmäßiger Synchronisation hat man alle Kontakte und Dokumente dabei.
5. Fotoapparat, Taschenrechner, Wasserwaage und was es sonst noch an nützlichen Applikationen gibt.
6. Nebenbei erspart Google am Handy, dass man sich aus dem Stuhl erhebt und zum Lexikon greift, das schon veraltet ist, wenn es das Licht der Welt erblickt. Auch im Lokal vermeidet man ermüdende Diskussionen, denn es lässt sich sofort feststellen, wer Recht hat.

Die Baubranche umkrempeln

tatawohnung1.gifDas indische Unternehmen TATA hat sich mit dem Billigauto TATA Nano einen Namen gemacht. Nun liefert TATA Housing ein Modell, das man mit recht in die Kategorie einer disruptiven Innovation einreihen kann, die den Markt von unten aufrollt .

Mit dem neuen Projekt Shubh Griha unweit von Mumbai bietet TATA Housing der unteren Mittelklasse Appartments von 20m² (rechts) bis 35m² (unten) an. Das kleinste Appartment kostet rund 7.000 Euro (inklusive Grundanteil), das größte rund 12.000 Euro. Sie befinden sich in einer neuerbauten Siedlung mit kompletter Infrastruktur (Spital, Schule, Geschäfte, Verkehrsanbindung usw.) und parkähnlichen Anlagen. Für indische Verhältnisse ein Traum! Dazu ein Video.

Die Häuser haben nur 3 Geschoße, daher ist kein Lift nötig und die Bauweise ist statisch gesehen einfach. Als Mitteleuropäer kann man sich kaum vorstellen, dass in der kleinen 1-Raum-Wohnung 3-4 Personen Platz finden. Und doch ist es für viele eine enorme Verbesserung, da sich Familien oft Klo, Bad und Küche mit anderen Familien am Gang teilen müssen! Wenn auch sehr klein, so ist hier alles in der eigenen Wohnung. Und da diese Familien nicht über Unmengen von Kleidungsstücken verfügen, kommen sie auch mit sehr wenig Stauraum aus.

tatawohnung3.gif

Zahlreiche Blogkommentare von entsetzten Amerikanern (wie kann man auf so kleinem Raum leben?) bis zu lobenden ausgewanderten Indern (die den Fortschritt für indische Verhältnisse sehen) zeigen, dass TATA hier in eine Marktlücke gestoßen ist, die sowohl in Indien, als auch in China, Brasilien usw. rege Verbreitung finden könnte.

Wenn diese Wohnungsgrößen auch für mitteleuropäische Verhältnisse (noch) nicht vorstellbar sind, so ist das Gesamtkonzept so einer Siedlung durchaus adaptierungsfähig. Und wird solange verbessert, bis es die Baubranche revolutioniert.

[Gefunden bei Burkhard Schneider, der es wiederum bei Förster & Kreuz entdeckt hat]
[Fotos: TATA Housing]