Schlagwort-Archive: Bauen

Warum 3D-Drucker die Welt revolutionieren werden

In wenigen Jahren wird es möglich sein, in Krisengebieten (z.B. nach Erdbeben) ohne langen Antransport von Baumaterial direkt vor Ort mit 3D-Druckern kleine Häuser zu drucken. Als Material dafür könnten Plastikflaschen dienen. In China wurden im vergangenen Jahr mit Riesendruckern an einem Tag zehn einstöckige Häuser gedruckt.

Aber auch in anderen Bereichen (wie in der Medizin) sind tolle Dinge möglich: So hat ein amerikanischer Familienvater für seine neunjährige Tochter eine tolle Übergangslösung bis zu einer eventuellen Transplantation gefunden. Von Geburt an hatte sie an der linken Hand unterentwickelte Finger, konnte fast nichts greifen und halten. Durch Internetrecherche kam er auf ein Schulprojekt ganz in seiner Nähe, wo eine Schulklasse mittels 3D-Drucker für seine Tochter eine Handprothese um ca. 5 (!) USD herstellen konnte.

[Quelle: Die WELT online]

Flexible Wohnmaschine vervierfacht Wohnfläche

Immer wieder enstehen radikale Innovationen beim Bauen z.B. indem man 2 Themenbereiche vereint, die an sich nichts miteinander zu tun haben. So hat sich der italienische Architekt Angelo Roventa für den Bau einer platzsparenden Wohnung einen Bücherspeicher als Beispiel genommen, da dieser eine große Menge Bücher auf einer kleinen Fläche unterbringt, ohne für jede Bücherreihe einen neuen Gang zu benötigen. So wie in einem Bücherspeicher nur die Fläche für einen einzelnen Gang benötigt wird – der Gang entsteht jedes Mal neu, wenn Bücherreihen verschoben werden – so kann man in seiner ‚Livig Unit‘ die meisten Wohnmodule bewegen und verwendet den jeweils neu entstehenden Zusatzraum ohne dass in der übrigen Zeit anderer Raum nutzlos leer steht. Dadurch kann ein 1-2-Personenhaushalt aus einer Fläche von rund 60m² eine Wohnlandschaft machen, für die sonst über 200m² notwendig wären. Sein Konzept ist in Vorarlberg zu besichtigen und auch schon in einem Wohnprojekt der Vogewosi (Vorarlberger Wohnbaugenossenschaft) eingeplant. Ein Hotelier/Architekt hat eine Luxusausführung in seinem Appartmenthaus in Oberlech installiert, wo es von den Gästen begeistert aufgenommen wird.


[youtube dZslNojcid8]

Natürlich erfordert dieses Konzept eine neue Art des Wohnens, an die man sich erst gewöhnen muss. Interessanterweise hatte Roventa sein Konzept für Single-Männer vorgesehen, es findet aber bei Frauen und Kindern ebenfalls großen Anklang. Unaufgeräumtes ist schnell weg gekurbelt, gegen Aufzahlung auch per iPhone vollautomatisch gesteuert! Oder die ‚angepatzte‘ Küche ist im Handumdrehen verschwunden, wenn Gäste kommen.

Angeblich hat sogar die Finanz schon eine Modellkalkulation akzeptiert, die eine teilweise berufliche Abschreibung gestattet!

[Quelle: Salzburger Nachrichten]

Was Techniker von der Natur lernen

Bionik (Biologie und Technik) beim Bauen ist ein spannendes Thema.Wurden früher bereits Erkenntnisse über den Aufbau von Grashalmen zur Verbesserung der Statik beim Bau von Hochhäusern eingesetzt, so dienen heute die Beispiele aus der Natur oft dazu, anfällige (mechanische) Teile einzusparen bzw. auch Gewicht oder Energie zu sparen. Wie folgendes Video zeigt, hat man sich die Strelitzie (Paradiesvogelblume) zum Vorbild genommen, um in bestimmten Fällen Gelenke einzusparen. Ein Teil der Blume öffnet sich, wenn ein Vogel sich auf den äußeren Teil des Blattes setzt und schließt sich wieder, wenn der Vogel die Blume verlässt (also das Gewicht des Vogels keinen Druck mehr auf das Blatt ausübt). Durch die heute verfügbaren Fibermaterialien lassen sich Vorgänge aus der Natur wesentlich besser nachbauen als bisher, wo man starre Teile durch Gelenke beweglich machte. Allerdings sind diese Gelenke auch anfällig, daher werden immer wieder Wege gesucht, anfällige Teile zu vermeiden.

http://www.youtube.com/watch?v=8Bg3mEDV01k
[youtube 8Bg3mEDV01k]

Top down in neuer Bedeutung

Top down wird vielfach im Geschäftsleben dafür verwendet, ein Verfahren zu benennen, das von der Unternehmensspitze nach unten wirken soll. So z.B., wenn die Ziele der Geschäftsleitung für das kommende Jahr allen Mitarbeiter durch die diversen Hierarchiestufen vermittelt werden soll.

Bei folgendem Beispiel geht es allerdings darum, ein Gebäude (meist einen Wolkenkratzer) langsam von oben nach unten abzutragen. Da zur Errichtung solcher Wolkenkratzer herkömmliche Baukräne nicht ausreichen, wurden schon Verfahren entwickelt, bei denen das Gebäude langsam nach oben wächst, weil auch die Schalung nach oben mitwächst. Soll das Gebäude wieder weg, wird es meistens gesprengt. Das ist ab einer bestimmten Höhe allerdings sehr riskant, weil da gleich ein ganzer Stadtteil in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Abgesehen von Staub und Lärmentwicklung ist auch zu bedenken, welche anderen Gebäude in der Nähe stehen.

So wurde nun eine neue Methode entwickelt, die so ein Hochhaus zwar sehr langsam, dafür aber Umwelt schonend abträgt, nämlich von oben nach unten, wie im folgenden Video zu sehen (ein Beispiel aus Japan).


[youtube WbzVfLWQNkA&feature=player_embedded]

Angeblich soll sogar beim Absenken der Rundum-Schalung Energie gewonnen werden und Teile des abgebauten Materials können wieder verwendet werden.

[Quelle: The Verge via more inspiration]

Brücken aus Plastik

kunststoffbrucke.jpgStahlbeton war über lange Jahre das am meisten verwendete Material im Brückenbau. Leider müssen oft schon nach 10-15 Jahren Sanierungsarbeiten erfolgen. Also hat das Bauwesen ständig weiter geforscht, welches Material wesentlich länger hält und außerdem den hohen Belastungen des heutigen Verkehrs gewachsen ist. In Amerika gibt es bereits eine Brücke aus Stahl und Kunststoff, die selbst nur 50 Tonnen wiegt, aber durchaus eine Lok mit 120 Tonnen aushält. Und wesentlich länger hält (man rechnet mit mindestens 50 Jahren).

Ein weiterer riesiger Vorteil gegenüber bisher ist es, dass eine solche Brücke in einer Montagehalle fertiggestellt werden kann und dann am Aufstellungsort innerhalb weniger Stunden eingerichtet ist. Das bedeutet nur eine relativ kurze Verkehrsunterbrechung.

In Friedberg/BRD wurde 2008 eine solche Brücke gebaut. Es wurden auch gleich faseroptische Sensoren eingebaut, die jede Veränderung der Brückenteile melden.

Da aber Kunststoff wesentlich teurer als Stahlbeton ist, bahnt sich jetzt eine weitere interessante Innovation an: In Schottland wurde 2011 die erste Fußgängerbrücke aus recycleten Plastikflaschen und Sandwichbehältern gebaut. Sie rostet nicht, muss nicht gestrichen werden und sollte der unter ihr fließende Fluss durch die globale Erwärmung einmal austrocknen, kann auch aus dieser Brücke wieder etwas anderes gemacht werden: z.B. Plastikflaschen.

[Foto: Knippers Helbig, Stuttgart]

Die Baubranche umkrempeln

tatawohnung1.gifDas indische Unternehmen TATA hat sich mit dem Billigauto TATA Nano einen Namen gemacht. Nun liefert TATA Housing ein Modell, das man mit recht in die Kategorie einer disruptiven Innovation einreihen kann, die den Markt von unten aufrollt .

Mit dem neuen Projekt Shubh Griha unweit von Mumbai bietet TATA Housing der unteren Mittelklasse Appartments von 20m² (rechts) bis 35m² (unten) an. Das kleinste Appartment kostet rund 7.000 Euro (inklusive Grundanteil), das größte rund 12.000 Euro. Sie befinden sich in einer neuerbauten Siedlung mit kompletter Infrastruktur (Spital, Schule, Geschäfte, Verkehrsanbindung usw.) und parkähnlichen Anlagen. Für indische Verhältnisse ein Traum! Dazu ein Video.

Die Häuser haben nur 3 Geschoße, daher ist kein Lift nötig und die Bauweise ist statisch gesehen einfach. Als Mitteleuropäer kann man sich kaum vorstellen, dass in der kleinen 1-Raum-Wohnung 3-4 Personen Platz finden. Und doch ist es für viele eine enorme Verbesserung, da sich Familien oft Klo, Bad und Küche mit anderen Familien am Gang teilen müssen! Wenn auch sehr klein, so ist hier alles in der eigenen Wohnung. Und da diese Familien nicht über Unmengen von Kleidungsstücken verfügen, kommen sie auch mit sehr wenig Stauraum aus.

tatawohnung3.gif

Zahlreiche Blogkommentare von entsetzten Amerikanern (wie kann man auf so kleinem Raum leben?) bis zu lobenden ausgewanderten Indern (die den Fortschritt für indische Verhältnisse sehen) zeigen, dass TATA hier in eine Marktlücke gestoßen ist, die sowohl in Indien, als auch in China, Brasilien usw. rege Verbreitung finden könnte.

Wenn diese Wohnungsgrößen auch für mitteleuropäische Verhältnisse (noch) nicht vorstellbar sind, so ist das Gesamtkonzept so einer Siedlung durchaus adaptierungsfähig. Und wird solange verbessert, bis es die Baubranche revolutioniert.

[Gefunden bei Burkhard Schneider, der es wiederum bei Förster & Kreuz entdeckt hat]
[Fotos: TATA Housing]

Transparenter (lichtdurchlässiger) Beton

lichtbeton1.jpgDer ungarische Architekt Áron LOSONCZI hat ihn erfunden und hält das Patent dafür. Über die Homepage seiner Firma LiTraCon kann man durchsichtige Tafeln in unterschiedlicher Stärke bestellen. Interessant ist das Konzept deshalb, weil es völlig neue Verwendungszwecke für Beton eröffnet. Der Erfinder versichert, dass die im Beton eingelassenen Glasfiberelemente es ermöglichen, dass auch meterdicker Beton noch durchsichtig ist.

Die Blöcke können in unterschiedlichsten Größen hergestellt werden. Auch der Einbau einer Wärmeisolierung ist möglich. Der Erfinder spricht damit besonders Designer und Architekten an, denen sich mit diesem lichtdurchlässigen Beton eine Reihe neuer Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

lichtbeton2.jpgAufgefallen ist mir, dass er die Blöcke mit einer Maximalgröße von 600mm x 300 mm anbietet.Um größere Wände zu erzeugen, werden die Blöcke aneinandergeklebt. Außerdem bietet er noch Lampen an (siehe Foto).

Das könnte anderen Erfindern einen Ansporn geben, weiter mit zusätzlichen Elementen zu experimentieren, die in Beton gemischt werden könnten. Ich denke da z.B. an farbigen Beton oder Beton mit neuen (bisher noch gar nicht angedachten) Eigenschaften.

 [Fotos: Litracon]