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Mister 15.000 Volt – Dieter Ludwig

Ein gutes Beispiel, wie zäh und mühsam es ist, eine entsprechende Innovation voranzutreiben, liefert der ehemalige Leiter des Karlsruher Verkehrsverbundes Dieter Ludwig. Mit seiner Forderung nach gnadenloser Kundenorientierung („Unsere Kunden wollen nicht umsteigen!“) ist es ihm gelungen, über viele Jahre hinweg enorme Zuwächse an Nutzern des öffentlichen Verkehrs zu erzielen.

Um dieses Versprechen (kein Umsteigen zwischen Tram und Regionalbahn) einlösen zu können, musste er eine radikale Innovation fordern – den Zweistromzug. Als er das vorschlug, hielten ihn die meisten für verrückt. Folgende Unterschiede mussten auf einen Nenner gebracht werden:

– Die Karlsruher Straßenbahn fährt mit 750 Volt Gleichstrom, die Bahn mit 15.000 Volt Wechselstrom (daher sein Spitzname).

– Die Tram fährt höchstens 70 km/h, die Bahn 300 km/h und mehr.

– Tram und Bahn benötigen unterschiedliche Kurvenradien.

– Trambahnführer und Lokführer benötigen unterschiedliche Prüfungen.

Die Karlsruher Fahrer haben alle Prüfungen und die Kunden merken nicht einmal, wann von Gleich- auf Wechselstrom umgestellt wird. Dafür braucht so ein Zweistromzug vom Rathaus in Karlsruhe bis zum Rathaus in Heilbronn nur 55 Minuten. Das sind immerhin rund 93 Km, für die Google maps mit dem PKW über die Autobahn 57 Minuten kalkuliert! Kein Wunder also, dass die Karlsruher damit bei manchen Linien sagenhafte Steigerungen von mehreren hundert Prozent erreicht haben.

[Quelle: Salzburger Nachrichten vom 12.9.2009]

In 12 Minuten von Zürich nach Bern!

Das Thema ‚Magnetschwebebahn‘ wird in Europa mit mildem Lächeln quittiert, vor allem seitdem der letzte Versuch, ein Transrapid-Projekt von München zum Flughafen in Erding zu installieren, gescheitert ist. Deshalb möchte ich Ihr Augenmerk auf ein anderes Projekt richten, das gewisse Nachteile des Transrapid vermeidet, indem es unter die Erde in Vakuumröhren ausweicht: Es handelt sich um die Swissmetro, auch das Flugzeug ohne Flügel genannt. Details am besten im Video, auch wenn dieses schon 2001 gedreht wurde und nicht mehr alle Dinge stimmen (z.B. die erste Strecke soll Zürich-Bern werden, damals hieß es noch Zürich-Basel).

http://youtube uCRGJmAEiOM

Im Jahr 2007 berichtet Swissmetro nicht viel Neues. Möglicherweise ist Ihnen die Rekordfahrt des französischen TGV vom 3.4.2007 mit 574,8 kmh in die Glieder gefahren!

http://youtube 8skXT5NQzCg

Die Konkurrenz eines schon bestehenden Netzes in punkto Geschwindigkeit ist für Swissmetro natürlich groß. Aber die Auswirkungen eines Zuges, der mit rund 570 kmh durch die Landschaft rast, sind schon im Video zu erahnen. Abgesehen von der ungeheuren Lärmentwicklung zieht der Zug alles Mögliche wie ein Staubsauger mit sich.

Deshalb bleibt meines Erachtens die unterirdische Variante weiter interessant. In zahlreichen Blogeinträgen wird das Für und Wider kommentiert. Als größte Hürde (Kostenfaktor) wird die Aufrechterhaltung eines Vakuums in den Röhren gesehen. Sollte es jemals Realität werden, ist es auf jeden Fall eine Radikale Innovation, auch wenn hier nur (!) eine Magnetschwebebahn mit einer Art Rohrpostsystem kombiniert wird (Ich weiß schon, dort wird Druckluft verwendet, bei Swissmetro Vakuum oder Teilvakuum). Aber beide transportieren etwas sehr schnell durch Röhren.