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Ein Selbstversuch

Die Designerin Anke Stöppel aus Aachen hat ihre Diplomarbeit ‚Klimaschutz in den eigenen vier Wänden‘ im Selbstversuch gestartet: Ein Buch, das der Leser individuell umsortieren kann!

O-Ton Stöppel: „Die Diplomarbeit bestand aus neun einzelnen Heften. Der Leser konnte die einzelnen Kapitel nach seinen Wünschen umsortieren. So beginnt die junge Mutter mit dem Kapitel „Kleidung und Ernährung“, während der arme Student im Kapitel „Energie“ Sparmöglichkeiten findet, die auch der Haushaltskasse zu Gute kommen. So entstand ein individueller Farbcode auf dem Buchrücken.“

Und obwohl sie mit ihrer Idee im Bekanntenkreis große Begeisterung erzielen konnte, hat sie keinen Verlag gefunden, der ihre Idee der individuellen Buchgestaltung unterstützt hat.

[youtube 27VW0hKAIMA]

Mit ‚Book on Demand‘ ist es ihr letztendlich doch noch gelungen, ihre Diplomarbeit zu veröffentlichen. Über ihr Projekt, das weiterhin Nachahmer sucht, berichtet sie in ihrem Blog.

[ASIT-Prinzip: Division]
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 1: Zerlegen]

Man kann immer noch etwas wegnehmen…

Die Methode ASIT (Advanced Systematic Thinking) benützt einige wenige Werkzeuge, um Probleme zu lösen oder neue Produkte zu erfinden. Ein Werkzeug nennt sich ‚Object Removal‘ oder ‚Trimming‘ (manchmal auch ‚Subtraction‘ genannt). Von bestehenden Objekten (oder Dienstleistungen bzw. Prozessen) werden Teile entfernt ohne dass die eigentliche Leistung maßgeblichen Schaden erleidet.

Man kann Lautsprecher immer noch kleiner machen. Indem man ihnen z.B. ein wesentliches Teil wegnimmt: die Membran. Aber wie soll das dann gehen? Wo kommt der Klangkörper her? Man benützt den Schreibtisch, ein Magazin oder wie das folgende Video zeigt, eben auch mal eine Papierschneidemaschine aus Metall. Auf der der Ton gar nicht so schlecht klingt! Aber hören Sie selbst…

Bei USB fever kann man den handtellergroßen SONAR Speaker mit USB-Anschluss um ca. 28 EUR bestellen.

[youtube jHimnanBZ6Q]

[ASIT-Prinzip: Objektentfernung], [TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 2: Abtrennung]

TATA revolutioniert den Autobau radikal

nano-vorne1.jpgDas indische Großunternehmen TATA hat weltweit mit seinem TATA Nano (um rund 1.770 Euro) für Aufmerksamkeit gesorgt. Um ein Fahrzeug zu diesem Preis herstellen zu können, bedurfte es einer besonderen Philosophie. TATA bindet Zulieferer über längere Zeit an sich und entwickelt auch mit ihnen zusammen Bauteile (so z.B. mit einigen deutschen Firmen wie Bosch, das selbst eine Produktion in Indien hat).

Die strikte Preisvorgabe (100.000 Rupien) zwang die Designer zu komplettem Umdenken.

– Es gibt keine Heckklappe, den hinteren Stauraum erreicht man durch Umklappen der hinteren Sitzbank.
– Die Fenster der hinteren Reihe sind fest eingebaut, also nicht zu öffnen.
– Es gibt nur einen Rückspiegel auf der Fahrerseite.
– Es gibt nur einen Scheibenwischer (wie bei Mercedes).
– Das Lenkrad besteht aus nur einem Teil.
– Es gibt keine Servolenkung (bei einem Gewicht von rund 700 Kilo nicht nötig).
– Der 2-Zylinder-Heckmotor wird durch Lamellen nahe der hinteren Radkästen gekühlt.
– Die Anzeigen sind in der Mitte (wie auch beim Mini von Beginn an), daher kann der Nano sehr einfach rechts- oder linksgelenkt ausgeliefert werden.
– Es gibt keine Airbags, kein ABS, aber eine sichere Fahrgastzelle (siehe europäischen TATA Nano Crashtest – allerdings dort schon mit Airbags).

[ASIT-Prinzip: Objektentfernung], [TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 2: Abtrennung]

Wenn TATA letztendlich auch den Preis von 100.000 Rupien nicht ganz einhalten kann, ist das trotzdem der Einstieg für Millionen neuer Autofahrer in Indien, die bisher einspurig unterwegs waren.  2009 wurden Bestellungen durch Verlosung zugeteilt. Jetzt ist der Nano (mit einer Fülle von Finanzierungsangeboten) schon ab Schauraum beziehbar.

Eine 3-Zylinder-Version mit verstärkter Karosserie soll 2011 auch in Mitteleuropa (vorerst in Polen) für rund 5.000 Euro zu haben sein. Am Genfer Autosalon wurde dieses Jahr sogar eine Elektrovariante des Nano vorgestellt.

Der Konzern TATA fördert auch den Mut, sich an Neues zu wagen, in dem er einmal pro Jahr einen Preis für die beste ‚gescheiterte Idee‘ ausschreibt. Diese Textpassage habe ich im neuen Buch von Jens-Uwe Meyer  ‚Kreativ trotz Krawatte‘ auf Seite 21 gefunden. Er beschreibt dort auch sehr schön, dass die Innovationskulturen erfolgreicher Unternehmen durchaus unterschiedlich sind.

[Foto: TATA Motors]

Zahl 2, nimm 1

Hier soll einmal eine Marketingaktivität vorgestellt werden, die dem üblichen ‚Naturalrabatt'(=Nimm 2, zahl 1) diametral entgegengesetzt ist. Und fast wie der Stein der Weisen anmutet: Bei Burkhard Schneider habe ich gelesen, dass es die im Jahr 2007 lancierte Aktion ‚Give one – get one‘ für das von Nicholas Negroponte initiierte Projekt ‚One Laptop Per Child (OLPC)‘ auch heuer geben wird, diesmal können sogar Europäer mitmachen. Allerdings nur über die britische Amazon-Site.

Der für Entwicklungsländer konzipierte sogenannte ‚100Dollar-Computer‘ (der immer noch fast 200 Dollar kostet) ist ein tolles Ding und soll hauptsächlich über Schulen an die Kinder gebracht werden.
In Österreich hat sich ein Team gebildet, das dieses Projekt unterstützt. Der OLPC XO war auch 2008 auf der Cebit in Hannover zu sehen. Dazu gibt es ein Video:

[youtube yE5xHk4W9hM]

Da man verhindern möchte, dass sich Menschen aus ‚reichen‘ Ländern mit preisgünstigen Laptops eindecken, andererseits aber noch nicht genügend Sponsoren aufgetrieben werden konnten, um die nötige Menge dieser Laptops spenden zu können, lautet das Konzept: Du kannst in Europa einen Laptop OLPX XO um ca. 320 Euro kaufen und zahlst in Wirklichkeit 2 Stück – einen bekommst du und einen ein Kind in einem Entwicklungsland.

In diesem OLPC XO sind übrigens einige tolle Dinge verwirklicht:

– er braucht fast überhaupt keinen Strom (und lädt sich über Solarzellen auf),

– er ist sehr stabil und hält diversen Witterungseinflüssen stand,

– das Display ist auch bei starker Sonneneinstrahlung lesbar (und als eBook-Reader verwendbar),

– er ist absolut für Kinder zwischen 6-12 Jahren konzipiert und sehr intuitiv bedienbar (auch für Kinder, die noch nicht lesen können),

– er kann einfach mit anderen Laptops aus der Klasse (oder dem Dorf) verlinkt werden,

– er kann mit dem Internet verbunden werden.

Aktualisierung Juni 2012: Negroponte setzt in Zukunft auf Tablets, da diese von Kindern intuitiv zu bedienen sind und keine Anleitung durch Erwachsene benötigen.

[ASIT-Prinzip: Task Unification – Verbinden von Funktionen]
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 5: Vereinen/Koppeln, Nr. 26: Kopieren]

Gefahr schafft Sicherheit!

Dieses radikale Konzept hat der inzwischen verstorbene Niederländer Hans Monderman vertreten. Sein Vorschlag: Alle Verkehrsschilder entfernen. Das hat als bisher einzige Gemeinde in Deutschland Mitte 2008 die Gemeinde Bohmte bei Osnabrück auf einem 500m langen Teilstück der Hauptverkehrsstraße im Zentrum umgesetzt. Es gilt nur mehr ‚rechts vor links‘, alle Verkehrsschilder und Ampeln wurden entfernt und die Gehsteige und Fußgängerinseln wurden eingeebnet. Im Sinne der Chaostheorie regelt sich alles von selbst: Die Verkehrsteilnehmer sind wesentlich aufmerksamer. Zwischenstand September 2008: Bisher noch kein einziger Unfall! (Gegenüber im Schnitt ca. 8 Unfällen in einem ähnlichen Zeitrahmen).

sharedspace.jpgDie EU hat diesen Umbau aus dem Projekt ‚Shared Space‘ mitfinanziert. Weitere 6 Gemeinden in NL, GB, BE und DK machen mit. Der Gedanke dahinter ist, dass sich alle Verkehrsteilnehmer zu gleichen Teilen die Verantwortung im Straßenverkehr teilen. Als wesentlicher Bestandteil des Konzepts wird eine starke Einbindung der Bevölkerung schon im Planungsstadium beschrieben.

Allerdings ist dieses Konzept so revolutionär, dass es nur in einem (!) Ort in D und auch nur auf einer relativ kleinen Strecke verwirklicht wird. Und teilweise wieder verwässert ist, wie in Ipswich, wo die Gehsteige teilweise farblich anders gestaltet wurden als die Straße, was gar nicht im Sinne des Konzepts ist und eine Scheinsicherheit erzeugt.

[Quelle: Jörg Mehlhorn, Gesellschaft für Kreativität e.V.]

[ASIT-Prinzip ‚Objektentfernung – Object Removal‘]

Radikal kombinieren

waschmaschine-klo5.jpg waschmaschine-stuhl.jpg

Durch das Kombinieren von 2 Dingen, die man normalerweise als nicht zusammengehörig vermutet, entstehen immer wieder kreative Innovationen. Manche davon sind allerdings wirklich radikal:

Waschmaschine über der WC-Schale
Das gebrauchte Waschwasser kann zur Toilettenspülung verwendet werden. Wem das zu abartig erscheint, der kann sich vielleicht erwärmen für

Waschmaschine/Trockner im Stuhl
Durch ein spezielles Verfahren aus Wasserdruck und ionisierter Luft ist kein eigener Trockner nötig.

Bierfass (flach) in der Kühlschranktür eingebaut
Warum mit einzelnen Flaschen herumschlagen, die in der Türe doch nur kippen?

Überwachungskamera im Ventilator
Ist in Firmen schon üblich, warum nicht auch im privaten Heizlüfter?

Lautsprecher/Radio/Aromatherapie/Mehrfarben-Licht
Gleich 4 Anwendungsbereiche und 7 verschiedene Lichtfarben: Sehr platzsparend!

Kabelloses Radio im Badezimmerspiegel
unterstützt das morgentliche Trällern im Bad!

Bräunungslampe in der Dusche
lässt Bekannte vor Neid erblassen, weil Sie so schön braun sind.

Eine ähnliche Idee wurde von Studenten in meiner Übung ‚Kreativität und Innovation‘ gestern geboren: Nachdem Leute, die nächtelang vor dem Computer sitzen, immer als Bleichgesichter herumlaufen, wäre es doch angebracht, einen Bildschirm mit eingebauter Bräunungslampe anzubieten. Computerfreaks würden dann als Freizeithelden braungebrannt beneidet werden!

[Quelle: This Old House via Creax]

[Osborn-Checkliste: Kombinieren]
[ASIT-Prinzip: Unify]
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 5: Vereinen/Kopplung]

Innovation durch Weglassen

ktm-x-bow.jpgVor einigen Tagen habe ich über ASIT (Advanced Systematic Inventive Thinking) berichtet. Ein wichtiger Teil dieser Methode ist das ‚Weglassen‘ eines oder mehrerer Bestandteile. Die österreichische Firma KTM hat dies mit ihrem Fahrzeug X-Bow extrem betrieben. Weggelassen wurden:

Scheiben, Türen, Fenster und Dach, Klimaanlage, Radio, Servolenkung und Bremskraftverstärker. Selbst von elektronischen Regelungen wie ABS und dem Schleuderschutz ESP, woanders längst eine Selbstverständlichkeit, will Österreichs neuer und einziger Automobilbauer nichts wissen. Auch Airbags sucht man vergeblich. Schreibt die SZ-online am 14.7.2008.

Dieser Vorgang ist übrigens häufiger zu beobachten: Innovation über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg, heißt auch, dass ein Produkt irgendwann einmal überfrachtet wird. Derzeit passiert das im Automobilbereich mit der Elektronik. Damit wird das Produkt immer anfälliger, der Kunde immer satter. Und sehnt sich irgendwann einmal nach der ‚puren‘ Urform zurück.

Die ersten Fahrzeuge sind im August 2008 ausgeliefert worden. KTM verspricht einen Spaß wie beim Motorradfahren, aber halt auf 4 Rädern.

[Foto: KTM]

Lass‘ ein wesentliches Teil weg…

emonsdoppeldeckerlkw.jpg…ist einer der Ansätze von ASIT (Advanced Systematic Inventive Thinking), um Innovationen anzudenken. Dort wird es

Objektentfernung (Subtraction oder Trimming) genannt. Die anderen sind Vereinheitlichung, Multiplikation, Division und Symmetriebrechen.

Ein gutes Beispiel für das Weglassen eines wesentlichen Teils – nämlich starrer Achsen bei einem LKW – habe ich bei CREAX gefunden. Das dient dazu, die Ladefläche des LKW extrem absenken zu können und dadurch eine Art ‚Doppeldecker‘ zu ermöglichen, der 54 Europaletten oder 87 Rollcontainer fassen kann. 21 Tonnen sind möglich. Jedes Rad hat Einzelaufhängung. Die Firma Emons in Holland hat dieses Konzept 2WIN entwickelt, das eine wesentlich bessere Ausnutzung eines LKWs garantiert. Die Fahrer können durch den eingebauten Lift die Ware selbst aus- und einladen oder z.B. direkt von einer Rampe in den oberen Bereich einstapeln. Sogar ein kleiner Stapler wird mitgeführt.

[ASIT-Prinzip ‚Objektentfernung‘]

Beutelloser Staubsauger

dyson.jpgSchon 1980 entwickelte Sir James Dyson den Prototyp des beutellosen Staubsaugers. Es war ihm aufgefallen, dass ein Staubsauger beträchtlich an Saugkraft verlor, sobald der Staubbeutel immer voller und voller wurde. Er entwickelte daraufhin ein völlig neues Prinzip, das auf Fliehkraft basierte. Durch sein Zyklon-Prinzip kann auf den Staubbeutel verzichtet werden. In einem Auffangbehälter werden Staub und Schmutz von der Luft getrennt. Damit wird erreicht, dass komplett saubere Luft wieder ausgeblasen wird und die Ansaugkraft immer gleich bleibt. Das Prinzip ist hier sehr schön beschrieben.

[ASIT-Prinzip: Entferne einen wesentlichen Bestandteil]

dysonball2.jpgAn einer Schubkarre hat Dyson statt eines Rades mit einer Kugel experimentiert, was zu einer wesentlichen Verbesserung der Fahreigenschaften geführt hat. Nun hat Dyson einen Kugelstaubsauger entwickelt, der dieses Prinzip zur besseren Gängigkeit ebenfalls nützt. Außerdem wurde der Motor in die Kugel verlegt, was den Schwerpunkt nach unten verlagert und die Manövrierfähigkeit (z.B. rund um Möbel) nochmals verbessert. Einen bewegten Ablauf findet man auf der US-Site von dyson. Auch sind alle Modelle vom Design her sehr ansprechend und lassen sich gut verstauen.

James Dyson wurde anfänglich von den großen Staubsaugererzeugern stark angefeindet. Heute erzeugen andere Große ebenfalls beutellose Staubsauger (schreibt Wikipedia).

Für Testfans noch ein Video auf YouTube, das stark an IKEA Möbelfakta erinnert.

[Fotos: Dyson]

 

SIT und Radikale Innovation

Vor kurzem habe ich hier im Blog über TRIZ und seine Bedeutung für radikale Innovation berichtet. In einem Kommentar ist dann auch die Rede auf eine abgespeckte Version von TRIZ, nämlich SIT (Systematic Inventive Thinking) gekommen. Dieses ist wesentlich schneller zu lernen und führt auch sehr schnell zu brauchbaren Resultaten. Es ist allerdings sehr konsequent in der Verfolgung seiner Lösungsprinzipien. Eines davon ist zum Beispiel ‚Subtraction‘, oftmals auch ‚Trimming‘ genannt. Dabei werden wesentliche Funktionen (bis hin zur Hauptfunktion) eines Produktes entfernt, um dann nach neuen Verwendungszwecken oder Zielgruppen für dieses Produkt (oder diese Dienstleistung) zu suchen.

Ein gutes Beispiel dafür habe ich im CREAX Newsletter vom Februar gefunden: Ein Fotoapparat wird auf die Größe eines USB-Sticks verkleinert – und ist auch ein USB-Stick. Es gibt nur mehr 1 Linse, ein Loch zum Durchschauen, einen Knopf zum Abdrücken, 1 Schieber zum Ein- und Ausschalten. Die Fotos können nicht mehr angesehen werden (ja, ja, wie früher!) – erst wieder beim nächsten greifbaren PC. Sehen Sie selbst:

usb-fotoapparat.jpg

Alles, was wir bisher an Digitalkameras schätzen gelernt haben, gibt es nicht mehr! Allerdings gilt es jetzt noch auszuarbeiten, wofür und für wen diese Minikamera interessant sein könnte. yankodesign hat leider keinen Preis angegeben – ich hätte sofort eine bestellt! Auf der site von yankodesign finden Sie übrigens noch andere ‚Timeless Designs‘.

[Foto: yankodesign]