Radikale Innovation

Lassen Sie den Topf dran…umsiedeln ohne Umtopfen

Allgemein, Produkte, Verfahren 2 Kommentare

Der Gartenblog hat mich darauf hingewiesen, dass es in der Pflanzenaufzucht eine radikale Änderung gegenüber früher gibt: den Cocopot. Hat man bisher ein zartes Pflänzchen im Kunststofftopf aufgezogen, so musste beim Einsetzen in die Erde die Pflanze samt (sehr verdrehten) Wurzeln aus demcocopots.jpg Topf herausgenommen werden. Dies, so der Gartenblog, führt unweigerlich zum Pflanz-Schock. Das gesunde Wachstum und die Ertragskraft der Pflanze sind gefährdet. Dabei sterben oft junge Wurzeln ab.

Das ist nun beim Cocopot nicht mehr nötig - er wird zusammen mit der Pflanze eingesetzt. Da der Cocopot aus reinen Naturprodukten besteht (Kokosfasern und Naturlatex), verbindet er sich nach einiger Zeit mit der Umgebungserde und verrottet zu 100 Prozent. Die Pflanze hat sofort einen guten Stand im Boden, die Wurzeln wachsen durch den Cocopot ins Erdreich hinein. Außerhalb der Erde bleibt der Cocopot aber über Jahre hinaus stabil. Zur Anzucht also ideal.

[TRIZ-Widerspruch: Der Blumentopf soll da sein - bei der Anzucht, aber doch nicht da sein - im Erdreich, TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 35 - Veränderung des Aggregatzustandes]

Ebenfalls interessant

Amazon hat den Buchhandel revolutioniert

Dienstleistungen, Verfahren 1 Kommentar

Im Jahr 1995 ging Amazon online. Und hat das Bestellen übers Internet populär gemacht! Sein Gründer Jeff Bezos baute auf folgende Vorteile:

- Biete jedes Buch zum bestmöglichen Preis an.

- Lass’ möglichst viele Homepage-Besitzer auf ihrer Site Amazon-Produkte anbieten und biete für jeden vermittelten Verkauf (durch einen Link auf die Amazon-Site) eine Provision.

- Wer sich für dieses Buch interessiert hat, hat auch noch jene Bücher gesucht/gekauft.

180px-amazoncom-logo.jpg

Durch das Partnersystem erlangte Amazon in sehr kurzer Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad. Durch den Hinweis auf andere Bücher aus der selben Kategorie nahmen auch die Umsätze schlagartig zu. Um die Bestellungen zu vereinfachen, entwickelte Amazon die 1-Click-Bestellung und ließ diese sogar in den USA patentieren.

Wie viele Entwickler radikaler Ideen mußte Bezos gegen große Widerstände kämpfen und etliche Anlaufjahre mit geschäftlichen Verlusten hinnehmen. Für seine Aktionäre waren es lange Jahre des Bangens, ob diese Geschäftsidee jemals auch wirtschaftlichen Erfolg haben würde. Mittlerweile verdient Amazon Geld, hat einen enorm hohen Bekanntheitsgrad und ist mit seiner Plattform bereits dabei laut Wikipedia “CDs, DVDs, Musik, Video, Elektronik und Foto-Artikel, Software, Computer- und Videospiele, Küchen- und Haushaltsgeräte, Sport- und Freizeitartikel, Spielwaren, Drogerieartikel und Zeitschriften” zu verkaufen. Die Partner können Shops mit zu ihrer Site passenden Waren einrichten und Amazon bieten seine Logistik auch Fremdfirmen an.

Als langjähriger Kunde habe ich allerdings den Eindruck, dass die Bücher, die ich bestelle, nicht mehr ganz so schnell ankommen wie früher. Wahrscheinlich der Fluch der Größe!

Ebenfalls interessant

Beutelloser Staubsauger

ASIT, Produkte, Verfahren 5 Kommentare

dyson.jpgSchon 1980 entwickelte Sir James Dyson den Prototyp des beutellosen Staubsaugers. Es war ihm aufgefallen, dass ein Staubsauger beträchtlich an Saugkraft verlor, sobald der Staubbeutel immer voller und voller wurde. Er entwickelte daraufhin ein völlig neues Prinzip, das auf Fliehkraft basierte. Durch sein Zyklon-Prinzip kann auf den Staubbeutel verzichtet werden. In einem Auffangbehälter werden Staub und Schmutz von der Luft getrennt. Damit wird erreicht, dass komplett saubere Luft wieder ausgeblasen wird und die Ansaugkraft immer gleich bleibt. Das Prinzip ist hier sehr schön beschrieben.

[ASIT-Prinzip: Entferne einen wesentlichen Bestandteil]

dysonball2.jpgAn einer Schubkarre hat Dyson statt eines Rades mit einer Kugel experimentiert, was zu einer wesentlichen Verbesserung der Fahreigenschaften geführt hat. Nun hat Dyson einen Kugelstaubsauger entwickelt, der dieses Prinzip zur besseren Gängigkeit ebenfalls nützt. Außerdem wurde der Motor in die Kugel verlegt, was den Schwerpunkt nach unten verlagert und die Manövrierfähigkeit (z.B. rund um Möbel) nochmals verbessert. Einen bewegten Ablauf findet man auf der US-Site von dyson. Auch sind alle Modelle vom Design her sehr ansprechend und lassen sich gut verstauen.

James Dyson wurde anfänglich von den großen Staubsaugererzeugern stark angefeindet. Heute erzeugen andere Große ebenfalls beutellose Staubsauger (schreibt Wikipedia).

Für Testfans noch ein Video auf YouTube, das stark an IKEA Möbelfakta erinnert.

[Fotos: Dyson]

 

Ebenfalls interessant

The Innovator’s Solution

Lesetipps, Prozesse Keine Kommentare

bookinnovators-solution.jpgVor einigen Tagen habe ich über das Buch ‘The Innovator’s Dilemma’ von Clayton M. Christensen/Harvard Business School berichtet. Zusammen mit Michael E. Raynor von Deloitte Research hat er auch das Buch ‘The Innovator’s Solution’ herausgebracht, das im Untertitel erfolgreiches Wachstum verspricht.

Durch Auswertung vieler Studien und Beobachtung bekannter und zeitweise sehr erfolgreicher Firmen weist er Folgendes nach:

- Die meisten Firmen beschäftigen sich mit erhaltender (’sustaining’) Innovation. Über KVP-Programme (Kontinuierlicher Verbesserungsprozess) werden Produkte immer weiter ausgefeilt, damit sie noch teurer als bisher an attraktive Kundschaft verkauft werden können.

- Große Firmen arbeiten auf dem ‘Upgoing market’ und wollen sich eher nicht dem ‘Low-End-Market’ beschäftigen. Er nennt dies ‘Asymetrische Motivation’, weil im Low-End-Market einfachere, preiswertere und bequemere Produkte gewünscht sind, die anfangs meist Probleme verursachen und für die erst neue Zielgruppen gefunden werden müssen, mit denen man auch bei niedrigerem Preis noch etwas verdienen kann.

- Nach einiger Zeit werden die Produkte im ‘Low-End-Market’ immer besser und sind nun wieder für die ursprünglichen Zielgruppen interessant. Über den Preis wird hier den etablierten Firmen Umsatz weggenommen.

- Etablierte Firmen flüchten eher nach oben, statt sich auf einen Kampf mit den Neueinsteigern einzulassen. Sie sind oft ganz froh, den ‘Neuen’ relativ unattraktive Märkte überlassen zu können.

- Sobald alle etablierten Firmen einen Markt verlassen haben, kollabiert allerdings der Preis und das Geschäft wird damit auch für die ‘Neuen’ uninteressant. Diese flüchten nun ebenfalls nach oben, indem sie über weitere Verbesserungen versuchen, höhere Preise durchzusetzen.

Selbst größere Firmen schaffen nicht immer, andere Große zu besiegen. IBM und Kodak haben Xerox ‘auf Augenhöhe’ angegriffen und wollten ebenfalls mit Großgeräten punkten. Was ihnen nicht gelungen ist. Canon hat ‘von unten’ angegriffen und kleine Tischgeräte mit sogenannten ‘Wegwerfeinheiten’ (Trommel, Entwickler und Toner in einem) auf den Markt gebracht. Sobald dort die Qualität den großen Geräten entsprach, konnten sie Unmengen von dezentralen Kopieren in jede Büroecke stellen und sogar in viele Haushalte.

Was empfehlen Christensen/Raynor nun?

Die Kurzformel heißt RPV=Resources, Processes, Values. Zu deutsch RPW=Ressourcen, Prozesse, Werte. Ich erkläre es vereinfacht für jeden dieser Begriffe:

Ressourcen: Personen oder Sachen. Bei der Wahl der verantwortlichen Manager für disruptives Neugeschäft sollen nicht die erfolgreichsten des bestehenden Geschäfts auserwählt werden, sondern solche, die in kleinen Einheiten unter gänzlich neuen Bedingungen richtige Aufbauarbeit leisten können.

Prozesse: Diese Manager sollen gänzlich neue Prozesse (der jeweiligen Situation angepasst) entstehen lassen - ja nicht Prozesse des bisherigen Unternehmens übernehmen!

Werte: Auch Werte müssen neu entwickelt werden. Denn die bisher gewohnten Entscheidungskriterien zur Freigabe von neuen Entwicklungen sind im Aufbau disruptiven Neugeschäfts absolute Killer!

Die Autoren meinen, dass eine geographische Trennung vom Hauptgeschäft nicht zwingend erforderlich ist, aber natürlich hilft. Hauptsache ist, dass Prozesse und Werte völlig unabhängig von den neuen Managern gesteuert werden können, absolut getrennt von dem, was die ‘Mutterfirma’ vorlebt. Und dies gilt ebenso bei Fusionen bzw. dem Einkauf von Firmen, deren Organisation fähig zu ‘disruptivem’ Neugeschäft scheint. Sobald versucht wird, die neue Firma zu ‘integrieren’ , gehen die gewünschten Fähigkeiten in Kürze verloren.

Also: SpinOffs mit ‘Aufbaumanagern’, die Pioniermentalität mitbringen und das neue Geschäft abseits der ‘Mutter’ entwickeln. So kann es mit ‘disruptiven’ Innovationen klappen!

Ebenfalls interessant

Schreiben am PDA ohne zu tippen

Elektronik, Produkte, Prozesse 1 Kommentar

Heute habe ich etwas Faszinierendes entdeckt, obwohl es schon seit einiger Zeit zumindest im Internet vorhanden ist. Entstanden ist es in einem Labor für Innovation, das von IBM gesponsert wird. Das Produkt nennt sich ShapeWriter und bietet eine radikale Innovation in der Zeicheneingabe auf PDAs.

Statt jeden Buchstaben einzeln einzutippen, fährt man mit einem Stift (mit einem Fingernagel geht’s auch!) auf dem Display von Buchstabe zu Buchstabe und erzeugt damit eine bestimmte Strichzeichnung. Am Ende eines Wortes hebt man den Stift (oder Fingernagel) leicht an. Die Software von ShapeWriter erkennt (auch bei ungenauer Stiftführung) aus einem umfangreichen Lexikon, welches Wort mit meiner Kritzelei gemeint war! Und liefert zum Drüberstreuen noch ein paar im selben Tastaturenbereich liegende Wörter auf einer Art Korrekturleiste, falls ich wirklich sehr unordentliche Striche gemacht habe. So ist auch eine rasche Verbesserung möglich.

Im Video sieht man auch, dass es 2 unterschiedliche Tastaturen zur Auswahl gibt. Die für alle Englisch sprechenden Verwender übliche QWERTY oder eine ganz neue Tastatur namens ATOMIK. Bei dieser wurde die Anordnung der Tasten so optimiert, dass sich möglichst kurze Strichwege ergeben. Angeblich arbeitet dieses System schneller als Spracheingabe, wenn man bei beiden Systemen die nötige Korrekturzeit einrechnet (die bei Spracheingabe relativ hoch sein soll).

Natürlich wollte ich ShapeWriter gleich testen - doch leider ist auf der amerikanischen Homepage die Download-Taste nicht aktiv! Aber das Team von ShapeWriter scheint Großes vorzuhaben, denn sie suchen Mitarbeiter in Silicon Valley und in Peking. Ich fiebere der ersten deutschsprachigen Version entgegen…

Ebenfalls interessant

So macht kombinieren Spaß!

Elektronik, Produkte, TRIZ 6 Kommentare

Robert Basic schreibt gestern in seinem Blog ‘Basic Thinking’ über ein Multifunktionsgerät namens Modu. Er selbst hat es bei LunchoverIP gefunden. Eigentlich ist es ein Mobiltelefon. Der Clou ist aber, dass ein cooles Teil als Zentraleinheit wirkt, das durch Einschieben in unterschiedliche ‘Mäntel bzw. Jacken’ zu einer Spielkonsole, einem MP3-Player, einem Navi, einem Laufmessgerät, einem Bürotelefon, einem Kindertelefon usw. wird. Damit soll verhindert werden, dass man sich ein Telefon anschafft, dass nur in einem Lebensbereich optimal wirkt. Hier ein kurzes Video zu diesem Thema, in dem man sehr schön die unterschiedlichen ‘Jacken’ und Verwendungszwecke sehen kann.

Modu will vorerst die ‘Jacken’ selbst herstellen, später ist durchaus an Beteiligung Dritter gedacht.
Mehr über Modu auf deren Blog.

[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 5=Kopplung (Vereinen) und Nr. 6=Universalität]

Ebenfalls interessant

Meine Bestellung (wird ge)funkt

Dienstleistungen, Elektronik, Tourismus Keine Kommentare

Seit einigen Jahren gibt es nun schon in der Gastronomie das Bestellsystem, bei dem die Servierkraft die Bestellung direkt vor dem Gast unmittelbar bei der Bestellaufnahme in einen kleinen PDA eingibt, der mit Funk ausgestattet ist. Sekundenbruchteile später werden die Getränke an der Theke, die Speisen in der Küche ausgedruckt. Damit wird wertvolle Zeit gewonnen und die Bedienung kann gebrauchtes Geschirr abräumen und Tische reinigen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Auch die Kundschaft hat ein gutes Gefühl, denn sie weiß ja, dass ihre Bestellung schon bearbeitet wird.

Auch beim Zahlen hilft dieses System, denn die Tischrechnungen werden sauber und vollständig ausgedruckt. Oder die Rechnung wird vorab mit den Gästen am Tisch besprochen, wenn getrennt abgerechnet werden soll. Es kann dabei nichts vergessen werden, denn die Bedienung hat ja die gesamte Bestellung auf ihrem Bildschirm. D.h. diese Funkbestellungen kürzen den Bestell- und den Bezahlvorgang beträchtlich ab. Gegenüber der früheren Zettelwirtschaft kann man das getrost als kleine Revolution sehen.

Noch mehr Zeit könnte man allerdings einsparen, wenn die Gäste ihre Wünsche gleich direkt an Küche und Theke funken könnten, ohne auf die Bedienung warten zu müssen!

The Innovator’s Dilemma

Allgemein, Lesetipps 4 Kommentare


buch-the-innovators-dilemma.jpgAmerikas ‘Guru’ zum Thema ‘Radikale Innovation’ - Clayton M. Christensen - hat vor einigen Jahren (1997, 2000, 2003) ein Buch herausgebracht, das ihn zum absoluten Spezialisten in der Szene hat werden lassen. Er beschreibt darin nach der Beobachtung zahlreicher (erfolgreicher) Firmen, die letztendlich aber wieder nach einiger Zeit ‘verglüht’ sind, die Schlüsse, die er daraus gezogen hat:

- Erfolg ist die erste Stufe zum Misserefolg, weil er einen in Sicherheit wiegt und beratungsresistent macht.

- Wer nur nach Kundenwünschen agiert, kann bald einmal ‘auf der Strecke bleiben’. Denn auch die Kunden sind nicht unbedingt die ‘Treiber’ für gänzlich neue Ideen.

- Große, erfolgreiche Firmen sind meist nicht für ‘radikale Innovationen’ geeignet, da sie schon bei der Risikoabschätzung vor der Einführung und auch in der ersten Zeit nach der Einführung mit den Maßstäben der großen Organisation messen. Die Geduld, etwas ‘durchzutragen’ ist gering. Der kurzfristige Erfolg ist wichtig, nicht die langfristige Perspektive.

- Kleine Firmen investieren wesentlich mehr ‘Herzblut’ in eine Idee, da sie oft gar keine andere Wahl haben. Und auch kleine Erfolge motivieren ungemein, die in der großen Organisation nur als ‘peanuts’ wahrgenommen werden.

Werden kleine, innovative Firmen aufgekauft und in die größere Firma integriert (und auch nach deren Maßstäben gemessen), lösen sie sich sehr rasch in ihre Bestandteile auf. Die Kulturen passen nicht zusammen, etliche Mitglieder der vormals kleinen Firma verlassen frustriert das Unternehmen und die wertvollen Vorteile, derentwegen man diese Firma eigentlich gekauft hat, sind in kurzer Zeit Geschichte. Deshalb empfiehlt er den Unternehmen auch, für sogenannte ‘breakthrough’-Projekte lieber kleine ‘Spinn-offs’ zu gründen, die sowohl räumlich wie auch disziplinär von der Mutterfirma getrennt agieren sollten.

Es ist übrigens auch interessant zu beobachten, dass gerade in Firmen, die durch die geniale Idee eines Gründers groß geworden sind, meist genau dieser Gründer später den größten Hemmschuh für eine oft dringend notwendige Erneuerung darstellt.

Wo ist nun das Dilemma des Innovators in den meisten Firmen? Er muss sich entscheiden zwischen erhaltender (’sustaining’) und zerstörender (’disruptive’) Innovation. Die erhaltende Innovation ist eine Verbesserung von Bestehendem, meist halbwegs berechenbar und gefährdet daher nicht den Aufstieg im Unternehmen. Die zerstörende Innovation stellt Bestehendes in Frage, bedeutet meist große Veränderungen, ist anfangs sehr fehleranfällig und bedeutet oft, dass neue Zielgruppen dafür gefunden werden müssen. Es ist nur menschlich, dass sich da nur wenige drübertrauen. Allerdings können manche Firmen kontinuierliches Wachstum nur sicherstellen, indem sie von Zeit zu Zeit eine ‘disruptive’ Innovation auf den Markt bringen. Oder mit erhaltenden Innovationen in Schönheit sterben!

Absolut lesenswert, schade, dass es dieses Werk nur auf Englisch gibt.

Ebenfalls interessant

Lesereise von Timo Off

Lesetipps 2 Kommentare

Eigentlich wollte Timo Off vom Blog ‘Geistesblitz’ heute aus seinem neuen Buch ‘Best Off’ über Kreativität vorlesen. Da er aber schon seit 6.2.2008 auf Lesereise ist und vor 2 Tagen froh war, wieder zurück in der Heimat zu sein, hat er sich nun etwas anderes überlegt. Lesen Sie selbst…

Lesereise heißt Lesereise, weil man reist und etwas liest.

Heute will ich nicht aus meinem Buch “Best Off - Kreative Einblicke in die Welt der Ideenfindung” lesen. Sondern passend zu diesem Blog “Radikale Innovationen” bringe ich ein anderes Buch mit. Denn ich habe mich gefragt, was ich denn als radikale Innovation bezeichnen würde. Direkt dazu fiel mir der Erfinder Karl Hans Janke ein. - Der Typ war wirklich radikal. Und dieses Buch berichtet über Jankes Erfindungen und Leben:

“Janke vs. Wernher von Braun - Ideen eines Weltraumphantasten”Janke vs. von Braun

Karl Hans Janke ist 1950 in eine sächsische Psychatrie eingewiesen worden, weil er “wahnhaft erfinde”. Das Krankheitsbild, das bei ihm diagnostiziert wurde, war “paranoide Schizophrenie”. Janke sah das anders und fühlte sich von seinen Mitmenschen nicht verstanden. Bis zu seinem Tod 1988 entwirft er von der Welt abgeschottet etwa 2500 Zeichnungen, Erfindungen und Modelle - vor allem Raumgleiter und Fortbewegungsmittel.

Jankes Werke werden heute irgendwo in der Mitte zwischen Vision, Technik und Kunst angesehen. Der ehemalige Leiter der documente Jan Hoet sagte vor einiger Zeit: “„Seine Blätter sind perfekt. Man kann nichts hinzufügen, aber auch nichts wegnehmen“. Sie seien mit da Vinci vergleichbar.

Die großen Zeichnungen, die man in diesem Buch ausklappen kann, vermitteln eine Eindruck von der Detailversessenheit, mit der Janke arbeitete. Die Texte liegen auf Deutsch und Englisch vor und begleiten die Bilder mit reichlich Informationen.

Und doch hat mich so ein merkwürdiges Gefühl beim Lesen des Buches nicht verlassen. Denn in den Zeichnungen schimmert in kleinen Details die Besessenheit Jankes durch. Vielleicht ist es auch meine begrenzte Vorstellungskraft, dass in diesen Zeichnungen einige Funken Wahrheit und Erkenntnis liegen.

Janke war in seinem Ansatz radikal. Er forschte um des Forschens Willen im festen Glauben an eine bessere Lösung und Welt. Auch um den Preis, in der Psychatrie in der DDR zu leben.

Das großformatige Buch “Janke vs. von Braun” kostet 20€, hat 140 Seiten und ist bei Amazon erhältlich.

Ebenfalls interessant

SIT und Radikale Innovation

ASIT, Elektronik, TRIZ Keine Kommentare

Vor kurzem habe ich hier im Blog über TRIZ und seine Bedeutung für radikale Innovation berichtet. In einem Kommentar ist dann auch die Rede auf eine abgespeckte Version von TRIZ, nämlich SIT (Systematic Inventive Thinking) gekommen. Dieses ist wesentlich schneller zu lernen und führt auch sehr schnell zu brauchbaren Resultaten. Es ist allerdings sehr konsequent in der Verfolgung seiner Lösungsprinzipien. Eines davon ist zum Beispiel ‘Subtraction’, oftmals auch ‘Trimming’ genannt. Dabei werden wesentliche Funktionen (bis hin zur Hauptfunktion) eines Produktes entfernt, um dann nach neuen Verwendungszwecken oder Zielgruppen für dieses Produkt (oder diese Dienstleistung) zu suchen.

Ein gutes Beispiel dafür habe ich im CREAX Newsletter vom Februar gefunden: Ein Fotoapparat wird auf die Größe eines USB-Sticks verkleinert - und ist auch ein USB-Stick. Es gibt nur mehr 1 Linse, ein Loch zum Durchschauen, einen Knopf zum Abdrücken, 1 Schieber zum Ein- und Ausschalten. Die Fotos können nicht mehr angesehen werden (ja, ja, wie früher!) - erst wieder beim nächsten greifbaren PC. Sehen Sie selbst:

usb-fotoapparat.jpg

Alles, was wir bisher an Digitalkameras schätzen gelernt haben, gibt es nicht mehr! Allerdings gilt es jetzt noch auszuarbeiten, wofür und für wen diese Minikamera interessant sein könnte. yankodesign hat leider keinen Preis angegeben - ich hätte sofort eine bestellt! Auf der site von yankodesign finden Sie übrigens noch andere ‘Timeless Designs’.

[Foto: yankodesign]

Ebenfalls interessant