Ich hatte ja schon einmal über den intelligenten Badezimmerspiegel berichtet. Beim innovativ-in-Blog bin ich nun auf das folgende Video gestoßen, in dem die Firma Corning noch eine Fülle anderer Einsatzmöglichkeiten von Glas für die Zukunft sieht. Der Badezimmerspiegel ist auch dabei.
Glas soll in vielen Bereichen als Display verwendet werden: Im Haushalt, im Auto, im Büro, auf der Straße (Werbung und Verkehrsnachrichten, Pläne bei Busstationen) und im Unterhaltungsbereich. Speziell die Kombination von Glas und Elektronik bietet hier eine Fülle von Anwendungen. Besonders stark wird wahrscheinlich die Werbung diese Möglichkeit nutzen.
In Kombination mit dem Smartphone (natürlich wieder Glas) sind die Einsatzmöglichkeiten schier unerschöpflich.
Der Österreicher Fritz Mondl hat eine stromerzeugende Boje erfunden, die in der Größe eines Haifisches in der Donau schwimmt und die Strömung des Flusses nutzt, um Energie zu erzeugen.
http://www.youtube.com/watch?v=C8Vay-es9FA
Als Wassersportler hatte er oft mit der starken Strömung der Donau zu kämpfen und fragte sich schließlich, ob man diese nicht noch anders nutzen könnte. Noch dazu, wo in der Wachau weder Windräder, noch Solarpaneele und schon gar keine Wasserkraftwerke erlaubt sind. Sein schwimmendes Wasserkraftwerk greift nicht in die Natur des Gewässers ein und ist ungefährlich für Schiffe, Fische und andere Wassertiere. Auch erfolgen keine großen baulichen Eingriffe. Mondl hat den ersten Prototyp bereits 2006 in die Donau gehängt, der zweite hat seit 2009 weitere wertvolle Erfahrung geliefert und sein Projekt hat 2010 den Klimaschutzpreis gewonnen. Ein größerer Prototyp wird 2011 folgen, 2012 ist eine Serie in der Wachau geplant, 2013 soll die Serienfertigung beider Typen anlaufen. Auch um diese radikale Innovation umzusetzen, mussten viele Jahre und Tests ins Land gehen…
[TRIZ-Prinzip Nr. 22: Schädliches in Nützliches umwandeln]
Michaela Reitterer ist gerne ‘Vorreiterin’! Deshalb hat sie auch beim Zubau ihres Hotels ‘Stadthalle’ in Wien ein Konzept umgesetzt, bei dem sie sämtliche Energiekosten einspart. Wodurch?
Durch die Grundwasserwärmepumpe, Photovoltaikanlage, Solaranlage und drei Windräder (sind die jetzt endlich durch die Gemeinde Wien genehmigt?). Außerdem räumt sie Hotelgästen, die mit öffentlichem Verkehrsmittel anreisen, einen Rabatt von 10% ein. Warum allerdings Stammgäste ebenfalls den ‘Grünen Bonus’ von 10% erhalten (egal mit welchem Fahrzeug sie anreisen!) ist mir nicht ganz klar. Ich persönlich hätte hier zumindest irgendeine Unterscheidung vorgezogen, weil es nach außen so wirkt wie: Bei unseren Stammkunden ist es uns egal, ob sie die Luft verpesten!
Durch geschickte Planung bei der Hotelrenovierung und Hartnäckigkeit in den Verhandlungen mit den Behörden hat sie etwas umgesetzt, was angesichts des mittlerweile rundum beschlossenen Ausstiegs aus der Atomenergie ein Eckpfeiler in der Energiepolitik werden könnte: Jeder produziert seine Energie selbst, spart durch geschicktes Bauen sogar Energie ein und gibt etwas an die umliegenden Gebäude ab, die das (aus welchen Gründen auch immer) nicht können.
Unsere Welt ist mit Plastik gefüllt, das uns noch Generationen lang begleiten wird…
http://www.youtube.com/watch?v=NUrKzTfobR8
Das österreichische Unternehmerehepaar Ute und Johann Zimmermann möchte das ändern und hat sich in den Kopf gesetzt, Produkte aus sogenanntem natürlichen Kunststoff zu erzeugen. Es hat für sein relativ junges Unternehmen absichtlich die daraus entstehende Abkürzung NaKu gewählt und schützen lassen. DI Zimmermann kommt aus der Kunststoffbranche, die Vision einer Kreislaufwirtschaft hat ihn aber schon immer fasziniert. Aus dem Aspekt, dass ein herkömmliches Plastiksackerl aus dem Handel möglicherweise mehrere Jahrzehnte braucht, um dann nicht zu verrotten, sondern in viele kleine Teile zu zerfallen, hat er viele Jahre geforscht, wie denn natürliche und nachwachsende Rohstoffe als Verpackungsmaterial einsetzbar wären. Bei Mais und Kartoffeln ist er fündig geworden, auch deshalb, weil diese hier wachsen und daher für diese Rohstoffe keine langen Transportwege nötig sind.
In einer industriellen Kompostieranlage verrottet das NaKu-Sackerl innerhalb von 3-5 Tagen! Aber werden hier nicht wertvolle Lebensmittel als Verpackungsmaterial missbraucht? Zimmermann forscht schon, was aus Neben- und Abfallprodukten der Lebensmittelindustrie verwendet werden kann - dies ist allerdings noch Zukunftsmusik. Er führt aber ins Treffen, dass für die Erzeugung von zig-tausenden von NaKu-Sackerln nur eine verschwindend geringe Menge an Rohstoffen nötig ist. Auch Tiefziehfolien und Flaschen stehen schon auf seiner Versuchspalette.
Anfänglich noch sehr zögernd vom Handel angenommen, entschließen sich immer mehr Firmen, dem (vom Kunden zu zahlenden) NaKu-Frischhaltebeutel eine Chance zu geben. Und Zimmermanns haben inzwischen so viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten für ihre Idee entdeckt, dass es ihnen schwer fällt, sich auf einige wenige zu konzentrieren.
Schon vor längerer Zeit bin ich in der Wirtschaftwoche darauf gestoßen: Ein junger Erfinder namens Mirko Hannemann entwickelt einen Super-Akku und stößt damit bei der Autoindustrie (in Deutschland) auf totales Desinteresse. Aber er findet andere Förderer und andere Zielgruppen, z.B. betreibt er mit seinem Akku Schubmaststapler der Firma Papstar. Die Batterie ist leichter als die bisher verwendeten und muss nicht schon nach 12, sonden erst nach 26 Stunden aufgeladen werden. Aufgeladen ist sie nach 2 Stunden, bisher waren 8 Stunden nötig.
In einem von ihm umgerüsteten Audi A2 fährt er die gut 600 Km von München nach Berlin mit einer Akku-Ladung. Seine Lithium-Metall-Polymer-Batterie (von 3M gebaut) wird als Fake abgetan, die Rekordfahrt von Automobilherstellern und -zulieferern sowie dem ADAC ins Reich der Fabel verwiesen. Warum? Hannemann ist noch keine 30 Jahre alt und es kann doch nicht sein, dass ein so junger Spund die Lösung für etwas findet, an dem weltweit Millionen schwere Großkonzerne seit etlicher Zeit herumdoktern.
Die weiteren Folgen (bis 9) finden Sie direkt bei YouTube. Kommentar überflüssig - aber bezeichnend, welche Widerstände ‘Radikale Innovationen’ überwinden müssen.
Dass mit den Buchstaben POP nicht immer Musik gemeint sein muss, beweist der Ausdruck ‘Pills on Paper’. Als ich diese Meldung sah, habe ich zu allererst auf das Datum gesehen, da ich an einen Aprilscherz dachte: Das Grazer Kompetenzzentrum “Pharmaceutical Engineering” hat ein Verfahren entwickelt, bei dem speziell auf die Anforderungen für jeden einzelnen Patienten abgestimmte Arzneistoffe wie ein Tintenstrahldrucker auf ‘essbares’ Papier gedruckt werden. Danach wir dieses in eine Gelatinekapsel eingebracht und vom Patienten geschluckt. Der Vorteil: Jedes Medikament ist individuell auf den Patienten abgestimmt, d.h. Über- und Unterdosierungen gehören damit der Vergangenheit an. Die Grazer sind dafür im Herbst 2010 mit dem steirischen Innovationspreis “Fast Forward Award” ausgezeichnet worden.
Hier ist wieder ein aktuelles Beispiel von disruptiver Innovation. Auf leisen Sohlen schleicht ein vorerst unterlegenes System heran, das allmählich immer besser wird und dann das bestehende System verdrängt, weil es irgendwann gleichwertig wird, zu wesentlich günstigeren oder gar keinen Kosten:
1. Im Auto fix eingebaute Navigationssysteme sind sauteuer, weil sie mit der Elektronik abgestimmt und in Österreich auch noch in die Nova (Normverbrauchsabgabe) eingerechnet werden müssen.
2. Mobile Navigationsgeräte kosten heute zwar viel weniger als früher, sind jedoch meist auf das Auto beschränkt und eignen sich schlecht oder gar nicht für die Fußgänger-Navigation.
3. Auf Smartphones gibt es für wesentlich weniger Geld (unter 100 Euro) die Navi-Software der großen Anbieter als App zum Download. Eine entsprechende Halterung mit Ladestation, GPS-Verstärker und Extra-Lautsprecher kostet bei TomTom allerdings 99 Euro. Angenehmer Nebeneffekt: Man gibt zu Hause seine Fahrziele ins Handy ein, speichert sie als Favoriten und braucht sie im Auto nur mehr aufzurufen.
4. Man kann jedoch nur die Halterung kaufen und ganz auf die Navi-Software verzichten, weil Smartphones heute schon Gratiskartenmaterial anbieten und nicht nur Standortbestimmungen, sondern auch Routenauswahl ermöglichen. Außerdem kann man die Zeit berechnen lassen, die man zu Fuß oder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel bräuchte.
Die Smartphones sind sowieso Killer unterschiedlichster Produkte:
1. Man hat seine eigene Musik mit.
2. Man braucht keinen extra Wecker auf Reisen mehr.
3. Auch die Termine sind immer und überall parat.
4. Bei regelmäßiger Synchronisation hat man alle Kontakte und Dokumente dabei.
5. Fotoapparat, Taschenrechner, Wasserwaage und was es sonst noch an nützlichen Applikationen gibt.
6. Nebenbei erspart Google am Handy, dass man sich aus dem Stuhl erhebt und zum Lexikon greift, das schon veraltet ist, wenn es das Licht der Welt erblickt. Auch im Lokal vermeidet man ermüdende Diskussionen, denn es lässt sich sofort feststellen, wer Recht hat.
Über more inspiration und Welt der Physik bin ich auf diese interessante Meldung gestoßen, die auf der Frühjahrstagung der American Chemical Society in Kalifornien vor kurzem vorgestellt wurde. Ludovico Cademartiri von der Harvard University in Cambridge, Massachusetts präsentierte dort die Ergebnisse seiner Experimente. Wieder einmal zeigt sich, dass ‘Radikale Innovation’ oft auf Erkenntnissen basiert, die schon sehr lange bekannt sind. Wie in diesem Fall (O-Ton ‘Welt der Physik’):
Cademartiri und sein Team hatten ein schon seit 200 Jahren bekanntes Prinzip aufgegriffen: Elektrizität kann die Form von Flammen beeinflussen. Sie kann sie zum Verbiegen, Flackern und gar zum Verlöschen bringen.
Eine große Rolle scheinen dabei Rußpartikel bilden, die sich elektrisch aufladen. Obwohl der Prozess noch nicht ganz klar ist, arbeiten die Wissenschaftler emsig daran, dem Phänomen auf die Spur zu kommen.
Mittlerweile ist ja bekannt, dass gerade Löschwasser oder Schaum noch wesentlich mehr Schaden anrichten als bereits durch das Feuer entstanden ist. Diese neue Methode (die vorerst nur innerhalb von Gebäuden angewendet werden kann), verspricht großes Potenzial: Wenn es nämlich stimmt, dass man damit auch Flammen lenken kann, dann sind nicht nur ‘Löschkorridore’ bei Bränden möglich, sondern es eröffnen sich wunderbare Möglichkeiten für die Steuerung von gezielten Verbrennungsprozessen in der Industrie.
Da diese Meldungen vom 28. und 31. März stammen, ist das offensichtlich KEIN Aprilscherz!
Das ist sehr schwer zu beantworten, da jede radikale Innovation meist die Summe bzw. Kombination vieler vorhergegangener Innovationen ist. Eigentlich ist es ein immerwährender Prozess, so lange bis das Produkt oder die Dienstleistung endgültig stirbt. Am Beispiel ‘Auto’ kann man das besonders gut nachvollziehen: Auch wenn man die Kutsche als Vorgänger des Autos betrachtet, mussten Räder, eine Kabine usw. erfunden werden. Um auf Pferde verzichten zu können, wurde dann stattdessen ein Motor entwickelt und zum Lenken ein Lenkrad. Die Erfindung des ersten Motors war radikal, die Bremsen für die ersten Autos eher noch abgekupfert.
Macht es dann überhaupt Sinn zwischen inkrementeller und radikaler Innovation zu unterscheiden? Ja, wenn wir deutlich machen wollen, dass eine große Anstrengung (und auch dementsprechendes Risiko) nötig war, um eine Innovation in Gang zu bringen. Der kontinuierliche (inkrementelle) Verbesserungsprozess wird eher dem Tagesgeschäft zugerechnet, während der radikalen Innovation oft lange Entwicklungszeiten und eventuell sogar Sonderprojekte mit Spezialteams vorangehen. Der amerikanische Ausdruck für inkrementelle Innovation lautet ‘Sustaining Innovation’ und stellt klar, dass es sich damit um eine ‘Wert erhaltende’ Innovation handelt. Inkrementell heißt ’schrittweise’, es meint den kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Ist nun eine Vervierfachung des Speichers beim Computer ein kleiner Schritt oder schon radikal? Radikal ja, wenn dazu eine neue Technologie nötig war.
Selbst, wenn wir sagen, dass ‘radikal’ für uns bedeutet, dass so etwas vorher noch nicht da war, stimmt es meistens nicht. Denn viele Produkte, die als ‘radikale’ Innovationen empfunden werden, hat es oft schon lange vorher gegeben (Fax, Tablet) bevor sie den Durchbruch erzielt haben. Der wird nämlich oft durch eine neue Kombination bestehender Dinge, ein geniales Marketingkonzept oder Gesinnungswandel der Verbraucher beeinflusst.
Vom 6.-8. Juni 2011 bietet das MIT (Massachusetts Institute of Technology) auf deren Campus ein 3-tägiges Seminar mit dem Titel ‘Radical Innovation’ um 2.500 USD an. Den Inhalt beschreibt das Institut folgendermaßen:
” The course will cover a range of topics in innovation. We will start by understanding what makes a successful innovative product and business: People, Opportunity, Context, and Technology. We will examine case studies in what we call radical innovation and will identify steps that companies can take towards encouraging innovations from within, ranging from brainstorming sessions to invention awards. We will also examine successful incubator strategies and critical success factors and some of the IP issues around invention. Next, we will explore the role of venture funds inside and outside companies, and discuss spinouts, spin-ins, licensing, and acquisitions. Finally, we will consider the role of communities, standards bodies, and open-source models in innovation. We will have breakout sessions in which smaller groups will engage in innovation exercises.”
Dieses weltweit anerkannte Institut sieht also das Thema ‘Radikale Innovation’ als wichtig für seine Studenten an und bietet es sogar als firmeninternes Seminar für externe Unternehmen an. Interessant ist die gesamte Ausschreibung, in der genau die wichtigsten Informationen über Ziel, Zielgruppe und Inhalt aufgeführt werden.
Da ich seit vielen Jahren als Trainer zum Thema Innovation Seminare und Workshops in Firmen durchführe und Vorlesungen an der FH Salzburg halte, empfinde ich das oben erwähnte Programm als sehr ambitioniert (für nur 3 Tage!). Allerdings ist die angesprochene Zielgruppe (“CTO, Head of Strategy, CIO, Head of R&D, Product Manager, Director of Lab, Group Leader”) vom Feinsten und dürfte das schaffen!