Archiv der Kategorie: Verkehr

Ein Auto für junge Leute: Renault KWID

Das neue Konzeptauto von Renault wurde von einer internationalen Mannschaft hautsächlich in Indien entwickelt und ganz auf die zukünftige Kundschaft abgestimmt. Die Jugend von heute steht dem Elektroauto viel positiver gegenüber als ihre Eltern und fotografiert gerne. Sie liebt technisches Spielzeug. Renault hat deshalb seinem KWID eine Drohne mitgegeben, die aus dem Dach aufsteigt und den Fahrtweg aus der Luft abbildet (dort muss sie in Zukunft allerdings achtgeben, nicht mit einer Drohne von DHL oder Amazon zusammen zu stoßen). Interessant ist auch eine weitere Neuerung: Vorne gibt es eine Sitzbank, bei der der Fahrer in der Mitte ‚trohnt‘! Dadurch fasst das Auto 5 Personen. Auch das Türkonzept geht neue Wege. Das von Renault bezweckte Resultat: Ein Auto zum Träumen!


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Das faltbare Elektroauto Hiriko Fold

Schon 2010 hatte ich über ein Mobilitätskonzept des MIT (Massachusetts Institute of Technology) berichtet, in dem von stapelbaren Elektrofahrzeugen die Rede war, die bei geringem Platzverbrauch in Städten nahe von U-Bahn-Stationen aufgestellt werden sollten. In Fortführung dieses Projekts ‚City Car‘ wurde nun im Baskenland tatsächlich ein faltbares Auto entwickelt, das genau diese Bedingungen erfüllt und 2013 in den Verkauf gehen soll. Da es im Carsharing verwendet werden soll, besteht die vordergründige Zielgruppe aus Stadtverwaltungen.

Dieses Auto weist aber noch andere interessante Dinge auf, um auf engstem Raum zu operieren: z.B. Räder, die sich unabhängig voneinander in jede Richtung drehen lassen und damit ein Drehen des kompletten Fahrzeuges im Stand ermöglichen. Ein und aus steigt man in diesen Zweisitzer durch die einzige Tür in der Front (das hatte doch schon die Isetta von BMW!). Der Wagen ist 2,5 Meter lang, in gefaltetem Zustand nur mehr 1,5 Meter. Er erregt überall große Aufmerksamkeit. Hiriko heißt auf baskisch ’städtisch‘.


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myTaxi wird international

mytaxi.pngNach nur 3 Jahren gelingt es dem StartUp ‚myTaxi‘ Anfang des Jahres 2012 für seine App 10 Millionen Euro einzusammeln, um die Internationalisierung voran zu treiben. Bestellung und Bezahlung erfolgen per App, die Taxifunkzentralen braucht man dafür nicht mehr, weil Kunde und Fahrer nun direkt miteinander verbunden sind. Der Klassiker: In einer Branche herrschen harte Bandagen, viele Taxifahrer überlegen, wie sie den hohen Gebühren für die Taxizentralen entkommen können, um an Kunden zu kommen. Natürlich haben sich da im Verlauf von Jahrzehnten gewisse Machtstrukturen entwickelt. Auch die Reaktion ist klassisch für eine ‚disruptive Innovation‘: myTaxi bietet anfangs den Taxizentralen die Zusammenarbeit an – man zeigt kein besonderes Interesse und wird nicht ernst genommen. 800.000 App-Downloads und 7.000 registrierte Taxifahrer später erfolgen die nächsten Reaktionen: Boykottieren der eigenen Taxifahrer, die (auch) bei myTaxi gemeldet sind! Und außerdem wird das junge Hamburger StartUp geschnitten, wo es nur geht.

Das hat aber Großinvestoren wie Lars Hinrichs (XING-Gründer) und Car2Go (Daimler) nicht abgehalten, sich zu den Altinvestoren Deutsche Telekom und KfW Bankengruppe zu gesellen, die an das Geschäftsmodell von Niclaus Mewes und Sven Külper glauben.

Der direkte Draht zum Kunden bietet den Taxifahrern natürlich ganz andere Marketingmöglichkeiten als bisher. Und sie zahlen nur mehr einen kleinen Beitrag für jede vermittelte Fahrt, jedoch keine Grundgebühr. Natürlich hat sich gleich ein Rattenschwanz von Nachahmern eingestellt, die allerdings nur bewirken, dass myTaxi rascher international wird, um weiter die Nr. 1 zu bleiben. Außerdem wir der Markt für das Online-Bestellen eines Taxis immer größer und die Taxizentralen geraten weiter in Bedrängnis. Was sich nicht bekämpfen lässt, wird irgendwann kopiert: Die Taxizentralen gründen selbst Online-Lösungen. Da aber die anderen StartUps schon jahrelangen Vorsprung besitzen, kann es passieren, dass das vielleicht nur einer müder Abklatsch wird!?!

Mit Glas sind viele Innovationen möglich

Ich hatte ja schon einmal über den intelligenten Badezimmerspiegel berichtet. Beim innovativ-in-Blog bin ich nun auf das folgende Video gestoßen, in dem die Firma Corning noch eine Fülle anderer Einsatzmöglichkeiten von Glas für die Zukunft sieht. Der Badezimmerspiegel ist auch dabei.


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Glas soll in vielen Bereichen als Display verwendet werden: Im Haushalt, im Auto, im Büro, auf der Straße (Werbung und Verkehrsnachrichten, Pläne bei Busstationen) und im Unterhaltungsbereich. Speziell die Kombination von Glas und Elektronik bietet hier eine Fülle von Anwendungen. Besonders stark wird wahrscheinlich die Werbung diese Möglichkeit nutzen.

In Kombination mit dem Smartphone (natürlich wieder Glas) sind die Einsatzmöglichkeiten schier unerschöpflich.

Die Batterie von morgen (DBM)

Eigentlich hat er es ja ‚Die Basis von Morgen‘ genannt: Ein junger Erfinder namens Mirko Hannemann entwickelt einen Super-Akku und stößt damit bei der Autoindustrie (in Deutschland) auf totales Desinteresse. Aber er findet andere Förderer und andere Zielgruppen, z.B. betreibt er mit seinem Akku Schubmaststapler der Firma Papstar. Die Batterie ist leichter als die bisher verwendeten und muss nicht schon nach 12, sonden erst nach 26 Stunden aufgeladen werden. Aufgeladen ist sie nach 2 Stunden, bisher waren 8 Stunden nötig.

In einem von ihm umgerüsteten Audi A2 fährt er die gut 600 Km von München nach Berlin mit einer Akku-Ladung. Seine Lithium-Metall-Polymer-Batterie (von 3M gebaut) wird als Fake abgetan, die Rekordfahrt von Automobilherstellern und -zulieferern sowie dem ADAC ins Reich der Fabel verwiesen. Warum? Hannemann ist noch keine 30 Jahre alt und es kann doch nicht sein, dass ein so junger Spund die Lösung für etwas findet, an dem weltweit Millionen schwere Großkonzerne seit etlicher Zeit herumdoktern.

http://www.spiegel.de/video/video-1090969.html

Hochinteressant ist auch ein mehrteiliges Video mit dem Titel „Warum das Elektroauto sterben musste“

http://www.youtube.com/watch?v=RF8ajdgdHck&NR=1

[youtube RF8ajdgdHck&NR=1]

Hier ist Teil 2

Hier Teil 3

Die weiteren Folgen (bis 9) finden Sie direkt bei YouTube. Kommentar überflüssig – aber bezeichnend, welche Widerstände ‚Radikale Innovationen‘ überwinden müssen.

Sind Navis bald tot?

Hier ist wieder ein aktuelles Beispiel von disruptiver Innovation. Auf leisen Sohlen schleicht ein vorerst unterlegenes System heran, das allmählich immer besser wird und dann das bestehende System verdrängt, weil es irgendwann gleichwertig wird, zu wesentlich günstigeren oder gar keinen Kosten:

1. Im Auto fix eingebaute Navigationssysteme sind sauteuer, weil sie mit der Elektronik abgestimmt und in Österreich auch noch in die Nova (Normverbrauchsabgabe) eingerechnet werden müssen.

2. Mobile Navigationsgeräte kosten heute zwar viel weniger als früher, sind jedoch meist auf das Auto beschränkt und eignen sich schlecht oder gar nicht für die Fußgänger-Navigation.

3. Auf Smartphones gibt es für wesentlich weniger Geld (unter 100 Euro) die Navi-Software der großen Anbieter als App zum Download. Eine entsprechende Halterung mit Ladestation, GPS-Verstärker und Extra-Lautsprecher kostet bei TomTom allerdings 99 Euro. Angenehmer Nebeneffekt: Man gibt zu Hause seine Fahrziele ins Handy ein, speichert sie als Favoriten und braucht sie im Auto nur mehr aufzurufen.

4. Man kann jedoch nur die Halterung kaufen und ganz auf die Navi-Software verzichten, weil Smartphones heute schon Gratiskartenmaterial anbieten und nicht nur Standortbestimmungen, sondern auch Routenauswahl ermöglichen. Außerdem kann man die Zeit berechnen lassen, die man zu Fuß oder mit einem öffentlichen Verkehrsmittel bräuchte.

Die Smartphones sind sowieso Killer unterschiedlichster Produkte:

1. Man hat seine eigene Musik mit.
2. Man braucht keinen extra Wecker auf Reisen mehr.
3. Auch die Termine sind immer und überall parat.
4. Bei regelmäßiger Synchronisation hat man alle Kontakte und Dokumente dabei.
5. Fotoapparat, Taschenrechner, Wasserwaage und was es sonst noch an nützlichen Applikationen gibt.
6. Nebenbei erspart Google am Handy, dass man sich aus dem Stuhl erhebt und zum Lexikon greift, das schon veraltet ist, wenn es das Licht der Welt erblickt. Auch im Lokal vermeidet man ermüdende Diskussionen, denn es lässt sich sofort feststellen, wer Recht hat.

Daimler startet Carsharing weltweit

Über den Umweg der Marke “smart” ist Daimler  vor einiger Zeit ins Carsharing eingestiegen. Unter der Tochtergesellschaft ‘car2go’ sollen weltweit Autos der Marke ’smart’ verliehen werden. Ein Pilotprojekt in der Stadt Ulm ist sehr zufriedenstellend verlaufen, nachdem sich wesentlich mehr Interessenten angemeldet hatten als ursprünglich erwartet. Was unterscheidet nun dieses Modell von anderen Carsharing-Modellen? In Zukunft soll man die kleinen Flitzer überall im Stadtgebiet abstellen können. Über GPS kann der jeweilige Standort überprüft werden. Die Fahrzeuge können dann gereinigt und betankt werden.

Es ist dies der Versuch mit einer sehr jungen Zielgruppe ins Geschäft zu kommen, die mit Mercedes normalerweise nichts am Hut hat. Nachdem das Ulmer Projekt gut gelaufen ist, stehen angeblich schon etliche Stadtverwaltungen Schlange, um mit Daimler (bzw. deren Tochtergesellschaft) einen Vertrag abzuschließen und Carsharing für jedermann zu öffnen. Da für dieses Projekt die sparsamsten Dieselmodelle von smart ausgesucht wurden, geht konsequenterweise der nächste Schritt zum Hybrid- oder zum Elektroauto. In Paris soll die Elektroversion des smart anlaufen.

Um diesen Geschäftszweig anzutreiben, hat Daimler eine Kooperation mit Europcar abgeschlossen, um in Hamburg ab dem Frühjahr 2011 300 smart im Carsharing anzubieten. In Hamburg müssen car2go-Kunden für die Registrierung einmalig 29 Euro bezahlen (aktualisiert 6/2012 nur mehr 19 Euro).

Pro Minute kostet das Carsharing in Hamburg 29 Cent oder maximal 12,90 Euro pro Stunde. Darin enthalten sind Kraftstoff, Versicherung, gefahrene Kilometer sowie Steuern und Parkgebühren. Weitere Kosten fallen nicht an. Wer sich bei car2go registriert, profitiert überdies von speziellen Vorteilen beim Autovermieter Europcar.

[youtube 7yHhNZg-Zmk]

Neues vom ‚Shared Space‘

2008 habe ich im Blog schon einmal über Bohmte berichtet. Damals handelte es sich nur um ein 600 Meter langes Straßenstück, bei dem alle Ampeln und Verkehrsschilder radikal entfernt wurden. Durch das Fehlen all dieser Regulierungen hat sich die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer wesentlich erhöht. Heute geht die schilderlose Straße fast durch den gesamten Ort. 90% der Bevölkerung sind sehr zufrieden. Hier ein Video dazu:

[youtube ewg_xJ-0v9Y]

Vor wenigen Tagen wurde in Gleinstätten in der Steiermark das erste ‚Shared Space‘ Projekt Österreichs eröffnet. Offenbar als Vorbereitung dazu haben die Grünen aus Graz ein Video unter dem Titel ‚Hanoi Shared Space‘ ins Netz gestellt, obwohl die Vietnamesen wahrscheinlich noch nie etwas von dieser von der EU geförderten Aktion gehört haben. Trotzdem fließt der Verkehr ganz ohne Ampel…

[youtube VyXO-GkQ6lM]

Ein Mobilitätskonzept für Städte

citycar1-300x160.jpgDas MIT (Massachusetts Institute of Technology) hat 2008 ein interessantes Mobilitätskonzept für Städte entwickelt. Stapelbare Elektrofahrzeuge mit 2 oder 4 Rädern stehen an vielen Stellen zur Verfügung, z.B. bei U-Bahn-Ausgängen. Dort werden sie aufgeladen und können per Karte entlehnt werden. Auf dem Parkraum, den 2 PKWs benötigen, können schon 6 stapelbare Kleinautos abgestellt werden. Da diese Fahrzeuge maximal 45kmh fahren, brauchen sie auch nicht die üblichen Sicherheitsmerkmale und sparen so Gewicht.

Durch GPS-Ortung kann der jeweilige Standort eines Fahrzeugs sowie das genaue Bewegungsmuster der Fahrzeuge aufgezeichnet werden. Das liefert die Daten zur Verfeinerung des Konzepts, an welchen Stellen der Stadt wann wieviele Fahrzeuge gebraucht werden. Abgesehen davon kann jeder Benutzer natürlich dabei auch vom eingebauten Navigationssystem profitieren.

Mister 15.000 Volt – Dieter Ludwig

Ein gutes Beispiel, wie zäh und mühsam es ist, eine entsprechende Innovation voranzutreiben, liefert der ehemalige Leiter des Karlsruher Verkehrsverbundes Dieter Ludwig. Mit seiner Forderung nach gnadenloser Kundenorientierung („Unsere Kunden wollen nicht umsteigen!“) ist es ihm gelungen, über viele Jahre hinweg enorme Zuwächse an Nutzern des öffentlichen Verkehrs zu erzielen.

Um dieses Versprechen (kein Umsteigen zwischen Tram und Regionalbahn) einlösen zu können, musste er eine radikale Innovation fordern – den Zweistromzug. Als er das vorschlug, hielten ihn die meisten für verrückt. Folgende Unterschiede mussten auf einen Nenner gebracht werden:

– Die Karlsruher Straßenbahn fährt mit 750 Volt Gleichstrom, die Bahn mit 15.000 Volt Wechselstrom (daher sein Spitzname).

– Die Tram fährt höchstens 70 km/h, die Bahn 300 km/h und mehr.

– Tram und Bahn benötigen unterschiedliche Kurvenradien.

– Trambahnführer und Lokführer benötigen unterschiedliche Prüfungen.

Die Karlsruher Fahrer haben alle Prüfungen und die Kunden merken nicht einmal, wann von Gleich- auf Wechselstrom umgestellt wird. Dafür braucht so ein Zweistromzug vom Rathaus in Karlsruhe bis zum Rathaus in Heilbronn nur 55 Minuten. Das sind immerhin rund 93 Km, für die Google maps mit dem PKW über die Autobahn 57 Minuten kalkuliert! Kein Wunder also, dass die Karlsruher damit bei manchen Linien sagenhafte Steigerungen von mehreren hundert Prozent erreicht haben.

[Quelle: Salzburger Nachrichten vom 12.9.2009]