Dass mit den Buchstaben POP nicht immer Musik gemeint sein muss, beweist der Ausdruck ‘Pills on Paper’. Als ich diese Meldung sah, habe ich zu allererst auf das Datum gesehen, da ich an einen Aprilscherz dachte: Das Grazer Kompetenzzentrum “Pharmaceutical Engineering” hat ein Verfahren entwickelt, bei dem speziell auf die Anforderungen für jeden einzelnen Patienten abgestimmte Arzneistoffe wie ein Tintenstrahldrucker auf ‘essbares’ Papier gedruckt werden. Danach wir dieses in eine Gelatinekapsel eingebracht und vom Patienten geschluckt. Der Vorteil: Jedes Medikament ist individuell auf den Patienten abgestimmt, d.h. Über- und Unterdosierungen gehören damit der Vergangenheit an. Die Grazer sind dafür im Herbst 2010 mit dem steirischen Innovationspreis “Fast Forward Award” ausgezeichnet worden.
Über more inspiration und Welt der Physik bin ich auf diese interessante Meldung gestoßen, die auf der Frühjahrstagung der American Chemical Society in Kalifornien vor kurzem vorgestellt wurde. Ludovico Cademartiri von der Harvard University in Cambridge, Massachusetts präsentierte dort die Ergebnisse seiner Experimente. Wieder einmal zeigt sich, dass ‘Radikale Innovation’ oft auf Erkenntnissen basiert, die schon sehr lange bekannt sind. Wie in diesem Fall (O-Ton ‘Welt der Physik’):
Cademartiri und sein Team hatten ein schon seit 200 Jahren bekanntes Prinzip aufgegriffen: Elektrizität kann die Form von Flammen beeinflussen. Sie kann sie zum Verbiegen, Flackern und gar zum Verlöschen bringen.
Eine große Rolle scheinen dabei Rußpartikel bilden, die sich elektrisch aufladen. Obwohl der Prozess noch nicht ganz klar ist, arbeiten die Wissenschaftler emsig daran, dem Phänomen auf die Spur zu kommen.
Mittlerweile ist ja bekannt, dass gerade Löschwasser oder Schaum noch wesentlich mehr Schaden anrichten als bereits durch das Feuer entstanden ist. Diese neue Methode (die vorerst nur innerhalb von Gebäuden angewendet werden kann), verspricht großes Potenzial: Wenn es nämlich stimmt, dass man damit auch Flammen lenken kann, dann sind nicht nur ‘Löschkorridore’ bei Bränden möglich, sondern es eröffnen sich wunderbare Möglichkeiten für die Steuerung von gezielten Verbrennungsprozessen in der Industrie.
Da diese Meldungen vom 28. und 31. März stammen, ist das offensichtlich KEIN Aprilscherz!
Mit diesem System ist es möglich, 56 (!) Becher Bier in 1 Minute zu befüllen. Den Videobeweis hat die amerikanische Firma GrinOn Industries angetreten - allerdings mit 3 Personen. Der Rekord, wenn nur 1 Person die Becher befüllt, liegt derzeit bei 44 Bechern.
Wie funktioniert nun das System? Die Becher haben an der Unterseite einen Magnetring und einen (mit Werbung) bedruckten Magneten. Sobald das Bier einschießt, hebt sich der Magnet und senkt sich, sobald die entsprechende Menge im Becher eingefüllt ist.
Diese lebensmittelechten Magneten werden mittlerweile unter Sammlern gehandelt. Viele nehmen die Magneten nach Hause und heften sie an den Kühlschrank, was die Werbewirksamkeit erhöht.
Das System ist ideal für große Veranstaltungen und kann ohne besondere Einschulung auch von Hilfskräften bedient werden. GrinOn wirbt damit, dass Bier neunmal schneller als bisher eingefüllt werden kann. Und es gibt keine Beschwerden mehr, dass zuviel Schaum dabei ist. Das Radikale daran ist, dass kein normaler Mensch einen Becher VON UNTEN befüllen würde!
Eine neue Generation von Solarzellen ist dünn, biegsam und bunt (siehe Wirtschaftwoche Nr. 46/2010). Sie sind preisgünstig in der Herstellung und produzieren noch Strom selbst wenn sie im Schatten liegen. Diese neuen Farbstoff-Solarzellen können in die Kleidung eingearbeitet werden und laden während des Tragens Handys oder MP3-Player auf.
Anders als bisher mit teurem Silizium erzeugen die Farbstoff-Solarzellen Strom durch Fotosynthese. Sobald diese Solarzellen einen ähnlichen Wirkunggrad wie die Siliziumzellen aufweisen, wird es für die Industrie kein Halten mehr geben: Auf Dachziegeln , Autodächern, Elektrogeräten und Straßenlaternen können die biegsamen Folien montiert werden. Das bedeutet, dass auch Gebäude in unterschiedlichster Form bestückt werden können: Fassaden würden dann in allen Himmelsrichtungen damit ausgestattet werden. Auch an durchsichtigen Solarstrom-Fenstern wird bereits gearbeitet.
Wie gesagt: Wirkungsgrad und Haltbarkeit sind die Punkte, an denen noch gearbeitet werden muss. Doch der Erfinder der Farbstoff-Solarzelle, Michael Grätzel, ist zuversichtlich. Und dann könnten bald alle Strom fressenden Teile des Alltags zumindest einen Teil ihrer benötigten Energie selbst produzieren. Somit könnten kleine, wenig verbrauchende Geräte wahrscheinlich überhaupt ohne das lästige Aufladen an der Steckdose auskommen!
Die Designerin Anke Stöppel aus Aachen hat ihre Diplomarbeit ‘Klimaschutz in den eigenen vier Wänden’ im Selbstversuch gestartet: Ein Buch, das der Leser individuell umsortieren kann!
O-Ton Stöppel: “Die Diplomarbeit bestand aus neun einzelnen Heften. Der Leser konnte die einzelnen Kapitel nach seinen Wünschen umsortieren. So beginnt die junge Mutter mit dem Kapitel „Kleidung und Ernährung“, während der arme Student im Kapitel „Energie“ Sparmöglichkeiten findet, die auch der Haushaltskasse zu Gute kommen. So entstand ein individueller Farbcode auf dem Buchrücken.”
Und obwohl sie mit ihrer Idee im Bekanntenkreis große Begeisterung erzielen konnte, hat sie keinen Verlag gefunden, der ihre Idee der individuellen Buchgestaltung unterstützt hat.
http://www.youtube.com/watch?v=27VW0hKAIMA
Mit ‘Book on Demand’ ist es ihr letztendlich doch noch gelungen, ihre Diplomarbeit zu veröffentlichen. Über ihr Projekt, das weiterhin Nachahmer sucht, berichtet sie in ihrem Blog.
[ASIT-Prinzip: Division]
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 1: Zerlegen]
2008 habe ich im Blog schon einmal über Bohmte berichtet. Damals handelte es sich nur um ein 600 Meter langes Straßenstück, bei dem alle Ampeln und Verkehrsschilder radikal entfernt wurden. Durch das Fehlen all dieser Regulierungen hat sich die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer wesentlich erhöht. Heute geht die schilderlose Straße fast durch den gesamten Ort. 90% der Bevölkerung sind sehr zufrieden. Hier ein Video dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=ewg_xJ-0v9Y
Vor wenigen Tagen wurde in Gleinstätten in der Steiermark das erste ‘Shared Space’ Projekt Österreichs eröffnet. Offenbar als Vorbereitung dazu haben die Grünen aus Graz ein Video unter dem Titel ‘Hanoi Shared Space’ ins Netz gestellt, obwohl die Vietnamesen wahrscheinlich noch nie etwas von dieser von der EU geförderten Aktion gehört haben. Trotzdem fließt der Verkehr ganz ohne Ampel…
Gerade habe ich einem Kollegen das Prinzip der disruptiven Innovation erklärt, die einen Markt mit einer neuen Technologie von unten aufrollt. Anfänglich ist die neue Technologie noch mit vielen Macken behaftet und wird von den etablierten Firmen nicht ernst genommen. So geschehen im Bereich der digitalen Fotografie. Jahrelang wurde sie von Kodak und Konsorten belächelt und war auch wirklich in der Qualität nicht vergleichbar. Aber nach und nach wurde die Qualität besser, solange bis eine gewisse Käuferschicht mit relativ geringen Qualitätsansprüchen auf digital umstieg. Und mit den Erfahrungen der ständig steigenden Käuferschar wurde die Qualität jedes Jahr besser und besser. Neue Verwendungszwecke wurden entdeckt und die Vorteile der Bearbeitung erkannt. In dem Moment wo Profis sich diese Vorteile zu eigen machten, war es um die Fotografie alten Stils geschehen. Sie konnte sich noch kurze Zeit mit Qualitätsverbesserungen halten, aber diese wurden irgendwann unbezahlbar. Die digitale Fotografie hatte das Massengeschäft übernommen.
Über den Einbau in Mobiltelefone wurden neue Kundenschichten gewonnen. Anfänglich zwar auch mit Kameras zweifelhafter Qualität. Selbst das iPhone 3G (obwohl durchaus eine starke Marke) hat sich bei seiner ersten Kamera nicht mit Ruhm bekleckert. Das neue iPhone 4 besitzt jetzt schon eine 5 Megapixel-Kamera, die sehr schöne Bilder macht. Und Videos in HD-Qualität.
Gerade bei diesem Beispiel, das ich bei WELT-online gefunden habe, zeigt sich wieder einmal ganz deutlich, dass für gewisse Technologiesprünge auch neue Wege (neue Verfahren) im Produktionsprozess gefunden werden müssen, um diesen den Durchbruch zu ermöglichen. Das Ablagern einer Indiumzinnoxid-Schicht auf der Glasscheibe erfolgt Atom für Atom, damit die Scheibe später keine Risse bekommt. Genannt wird dieses neue Verfahren “High Power Impulse Magnetron Sputtering”. Und ist auch noch kostengünstig!
Durch diese Beschichtung wird eine Scheibe beschlagsfrei, was besonders im Winter von großem Vorteil ist. Außerdem kann die Scheibe ohne Drähte beheizt werden, da die Beschichtung elektrisch leitfähig ist. Sowohl im Haus- wie auch im Automobilbau ergeben sich daraus interessante Perspektiven.
Dann kann einem auch das nicht passieren, was folgendes Video zeigt:
Gestern Abend lief auf arte ein sehr interessanter Bericht über den deutschen Erfinder Rudolf Diesel. Er war beseelt von der Idee, die Dampfmaschine mit ihrer sehr geringen Energieausbeute durch einen anderen Antrieb abzulösen. Diesel warf alles über den Haufen, was unter Ingenieuren bisher als möglich galt und blitzte mit seinen Vorstellungen auf der Suche nach Geldgebern deshalb bei vielen renommierten Firmen ab. Das klassische Schicksal von Menschen, die eine radikale Innovation anstreben: Die meisten Fachleute hielten seine Ideen für undurchführbar.
Und weil es bei Erfindungen auch immer wieder auf Zufälle ankommt: Sein Förderer Buz von der Maschinenfabrik Augsburg (jetzt MAN) erlaubte Diesel nach zahlreichen Rückschlägen nur mehr Experimente mit geringeren Verbrennungstemperaturen, da er Angst hatte, ein Teil seiner Firma könnte explodieren. Durch diese Vorgabe fand Diesel erst die passende Temperatur, vorher hatte er mit viel zu hohen Temperaturen gearbeitet. Auch war sein Erfindergeist dadurch angetrieben, einen Motor herzustellen, der gering im Treibstoffverbrauch war und preiswerten Treibstoff vertrug.
Bis heute gibt es keine Alternative zum Dieselmotor für die Schifffahrt. Nach Diesels Tod wurden seine Motoren durch weitere Forschung immer kleiner und konnten zuerst in LKWs, später auch in PKWs eingesetzt werden.
Heute noch steht Diesels Name weltweit an abertausenden von Zapfsäulen und seine Erfindung wird immer weiter verbessert. Diesel selbst hatte nur theoretisch mit Bio-Diesel experimentiert, fast hundert Jahre nach seinem Tod (1913) ist auch das kein Problem mehr.
Mit dem Geschirrspüler und der Waschmaschine haben wir seit langem Maschinen, die uns Menschen lästige Arbeit abnehmen. Aber wie sieht es mit Robotern aus, die ja schon vor langer Zeit in der industriellen Produktion Eingang gefunden haben? Seit einiger Zeit ist eine rapide Zunahme von zwei Robotertypen zu bemerken:
Saugroboter erledigen die Arbeit von Staubsaugern und kosten auch ungefähr soviel. Sie kommen allerdings viel besser als normale Staubsauger unter Möbel und in sonst vernachlässigte Ecken. Bei nachlassender Akkuleistung kehrt der Saugroboter zu seiner Dockingstation zurück und wird nachgeladen. Die Dockingstation von Kärcher saugt sogar den Schmutz des Roboters ein, sodass dieser sich wieder leer auf Wanderschaft begeben kann. Was sich allerdings auch drastisch im Preis (€ 550,00) niederschlägt.
Vom System her sehr ähnlich, aber im Preis viel höher (€1.000-4.000) sind die
Rasenroboter: Sie brauchen allerdings meist noch vor dem ersten Betrieb eine im Boden installierte Induktionsschleife, um ihr Arbeitsgebiet zu begrenzen. Teurere Geräte haben allerdings schon spezielle Grassensoren und benötigen daher gar keinen Begrenzungsdraht mehr.
Was ist an diesen Robotertypen radikal? Sie arbeiten im Normalbetrieb völlig anders als der Mensch, der meist systematisch vorgeht. Diese Roboter arbeiten ‘chaotisch’, d.h. sie fahren kreuz und quer über den Boden oder Rasen bis sie das gewünschte Resultat erreicht haben.
[TRIZ-Evolutionsprinzip Nr. 8: Geringere menschliche Interaktion]