Ein sehr interessantes Beispiel für radikale Innovation ist das Projekt ‘Better Place’ von Shai Agassi. Dafür hat er seinen schönen Vorstandsposten bei SAP aufgegeben! Er ist davon überzeugt, dass elektrische Energie den heute verwendeten Treibstoffen für Autos den Rang ablaufen wird - schon allein aus Umweltschutzgründen. Und weil die Erdölvorräte immer weniger und die Preise immer höher werden.
Interessant sind seine Denkansätze:
Er trennt gedanklich die Batterie vom Auto (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 1: Zerlegen). Außerdem findet er, dass bei vielen von uns die Autos nur kurz benutzt werden (am Weg in die Arbeit) und dann stundenlang unnütz herumstehen. Daher könnte jede dieser unproduktiven Zeiten dazu verwendet werden, um die Batterie wieder aufzuladen (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 22: Aus Schädlichem Nützliches machen).
Ein wesentlicher Faktor einer radikalen Innovation ist ein neues Geschäftsmodell. Hier schlägt Agassi vor, ein erfolgreiches Modell aus der Mobiltelefonie zu übernehmen: Mach einen langfristigen Vertrag mit deinem Stromversorger und wir stellen dir dein Elektroauto gratis (oder für einen minimalen Betrag zur Verfügung). Als Partner hat er Nissan Renault gewonnen, die voll bei seinem Konzept mitziehen. Wobei das Ziel von Renault mit seiner gesamten E-Flotte durchaus ehrgeizig ist. Angesteuert wird nicht eine schrittweise Reduktion der Schadstoffe, sondern gleich das Nullemissions-Auto!
Wie es mit ‘Better Place’ laufen könnte, zeigt folgendes Video
Mehrmals habe ich bereits erwähnt, dass (staatlicher) Zwang eine Triebfeder für radikale Innovationen darstellt. Und dass die Anpassung bis zu wirklich brauchbaren Ergebnissen oft lange dauert. Genau das trifft jetzt beim langsamen Sterben der Glühbirne zu. Was gibt es für hitzige Diskussionen über das Verbot der 100Watt-Birne und das sich in Haushalte ausbreitende Quecksilber, wenn Energiesparlampen zerplatzen. Dabei ist diese Diskussion doch eigentlich sinnlos, da die LED (Light Emitting Diode)-Lampe schon lange aus den Startlöchern gekommen ist. Nun liefern uns PHILIPS und OSRAM sogar eine LED-Birne, die in alle herkömmlichen (Edison-E 27)Gewinde passt!
Zugegeben, die Lichtausbeute könnte besser sein und Preise zwischen rund 10 Euro für eher schwache und rund 45 Euro für Leuchten, die herkömmliche 40W-Birnen ersetzen sollen, sind noch etwas happig. Auch das groß angepriesene ‘warmweiß’ ist sehr weiß, allerdings wenigstens nicht bläulich wie andere LEDs. Aber Lebensdauer und geringer Stromverbrauch wiegen vieles auf! Und sobald die Massenproduktion so richtig anläuft, werden auch die Preise nach unten rasseln!
Wenn diese neuen ‘Birnen’ noch 2010 richtig in Fahrt kommen, dann werden meines Erachtens im September 2010 beim Verbot der 75-Watt-Glühbirnen die Hamsterkäufe ausbleiben.
Burkhard Schneider hat mich darauf gebracht: Er hat im September 2009 von einer radikalen Innovation aus Amerika berichtet, die formschöne Dachziegel zu Energiegewinnern mit eingebauter Solarzelle macht. Da mich das Thema persönlich interessiert, habe ich weiter recherchiert, was denn dazu in Europa angeboten wird.
Am interessantesten scheint mir die Lösung der Schweizer Firma Panotron AG. Deren Dachdeckung soll im Januar 2010 in die Produktion gehen und in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich angeboten werden. Wer Schwyzerdütsch versteht, kann sich dieses Video ansehen. Für ein 80 m² großes Dach sind allerdings 100.000,00 Schweizer Franken hinzulegen. Optisch gefallen mir die amerikanischen Dachziegel besser. Ich bin schon neugierig, wie rasch andere Hersteller diese (eigentlich naheliegende) Idee übernehmen werden. Obwohl ich mir bewusst bin, dass die Umsetzung im Vergleich zu geraden Paneelplatten viel schwieriger ist.
Radikale Innovationen setzen entweder ganz abrupt ein oder entwickeln sich schleichend über viele Jahre hinweg. Das Beispiel einer schleichenden Entwicklung findet gerade zwischen Briefpost auf Papier und elektronischen Post statt. Da auf der einen Seite durch Umstellung der Briefmonopole auf private Dienstleister die Leistungen eher schlechter als besser werden, entwickeln sich e-Mails als die wesentlich bessere Alternative. Sie kommen zwar auch nicht immer ganz sicher an, da sie in diversen Filtern oder Firewalls hängen bleiben können. Aber wenn sie ankommen, haben sie gegenüber dem herkömmlichen Brief unschlagbare Vorteile:
- zwischen Absenden und Ankommen vergehen nur einige Sekunden und
- die Beförderung kostet (fast) nichts!
Außerdem kann ich auch 20 Seiten beilegen, ohne dass ich mir Sorgen über das Gewicht machen muss.
Da die Deutsche Post einen gehörigen Teil ihrer bisherigen Umsätze wegbrechen sieht, hat sie sich entschlossen, die neuen Möglichkeiten auch zu nützen. Bereits heute ist es möglich, Werbe- oder andere Sendungen vorerst elektronisch an ihre Bestimmungsorte zu verschicken. Erst dort werden Sie ausgedruckt, gefaltet und kuvertiert. Das spart natürlich Zeit und Transportkapazitäten.
Gerade ist die Tinte unter einer Vereinbarung getrocknet, die wahrhaft die Dimension einer radikalen Innovation hat: Sonnenkraftwerke sollen in der afrikanischen Wüste Strom erzeugen, der dann via Kabel nach Europa transportiert wird! Warum tauschen wir eigentlich die Abhängigkeit von Erdöl exportierenden Ländern gegen die Abhängigkeit von Ländern mit hoher Sonnenintensität? Solarkraftwerke ja, aber davon sollen doch die afrikanischen Staaten selbst etwas haben. Und wenn ich die Wahl habe zwischen Strom, der über 3.000 bis 4.000 Kilometer lange Leitungen zu uns kommt (zu welchem Preis?) und dem, den ich auf meinem eigenen Hausdach oder an der Fassade (oder in der Erde) erzeuge, dann verlasse ich mich doch lieber auf das, was mir am nächsten ist.
Jedes neue Gebäude trachtet danach, in seiner Energiegewinnung autark zu werden. Werner + Mertz (Erdal) in Mainz hat vor kurzem den Grundstein zu einem neuen Bürogebäude gelegt, das nicht nur seinen eigenen Energiebedarf deckt (Nullenergiebilanz), sondern sogar noch Energie ans öffentliche Netz (Plusenergiebilanz) abgeben wird.
Und wie schaffen die das?
Eine gute Wärme-Isolation der Fassade.
Die Nutzung von Erdwärme über eine Geothermie-Anlage.
Die Nutzung von Sonnenenergie über Photovoltaik-Anlagen auf dem Gebäudedach.
16 kleinere Windkraftanlagen auf dem Dach werden den gesamten Strombedarf für die Pumpen der Geothermie-Anlage liefern.
Sobald die neuen Zweiwegstromzähler in unseren Häusern installiert sind, können wir selbst zu Stromproduzenten werden!
In Salzburg startet dieser Tage die Salzburg AG ihr ‘Smartmetering-Pilotprojekt’. In der ersten Stufe werden 500 alte Stromzähler gegen neue ausgetauscht, die sich zur digitalen Fernablesung eignen. Damit wird dann auch das von mir im Blog schon beschriebene ‘Selbstablesen’ hinfällig. Das ist das damals von mir monierte intelligentere System.
Mit dieser neuen Zählergeneration lässt sich der eigene Energieverbrauch viel besser überwachen. Aber das ist nur der vordergründige Vorteil: Diese neuen Zähler werden in Zukunft in beide Richtungen messen. Denn das große Ziel (EU-unterstützt) ist es, aus Stromkonsumenten auch Stromproduzenten zu machen. So können Haushalte über Solarzellen am Dach, Erdwärme oder Sonnenkollektoren z.B. tagsüber den nichtbenötigten Strom ins Netz liefern und bekommen ihn abends (wenn sie ihn brauchen) wieder zurück. Bei einem Niedrigenergiehaus kann es also passieren, dass dieses sogar mehr Strom ans Netz liefert als es selbst braucht.
Bis 2020 sollen 80% aller Haushalte (laut EU) mit den neuen Zählern ausgestattet sein. Die Salzburg AG möchte allerdings schon bis Ende 2016 80% ihrer 420.000 Zähler ausgewechselt haben. Ein ehrgeiziges Ziel!
Gestern habe ich in der Konferenz der Lehrbeauftragten an der Fachhochschule Salzburg thematisiert, wie man die StudentInnen aktiver während einer Vorlesung einbinden kann. Heute finde ich durch Zufall im Ideentower Blog dazu eine sehr interessante Lösung, die der Frankfurter Pharmazieprofessor Theo Dingermann einsetzt: Er lässt seine StudentInnen mittels eines Ted-Systems Feedback zu bestimmten Fragen geben, wie im nachfolgenden Video zu sehen ist.
Es hatte ihn bei Fragen an das Auditorium immer schon gestört, dass meist ein ‘harter Kern’ die Antworten gab, während die eher Schüchternen durch den Rost fielen. Und so kam er auf die Idee mit dem Interactive Voting System (IVS), das sonst bei Hauptversammlungen oder Parteitagen eingesetzt wird.
Auch sonst ist Prof. Dingermann recht aktiv, wenn es darum geht seinen Unterricht interessanter zu gestalten: Auf Wunsch der StudentInnen hat er z.B. Kontrollfragen am Ende jeder Vorlesung eingeführt. Außerdem stellt er seine Vorlesungen für die Studenten ins Internet.
Das Thema ‘Magnetschwebebahn’ wird in Europa mit mildem Lächeln quittiert, vor allem seitdem der letzte Versuch, ein Transrapid-Projekt von München zum Flughafen in Erding zu installieren, gescheitert ist. Deshalb möchte ich Ihr Augenmerk auf ein anderes Projekt richten, das gewisse Nachteile des Transrapid vermeidet, indem es unter die Erde in Vakuumröhren ausweicht: Es handelt sich um die Swissmetro, auch das Flugzeug ohne Flügel genannt. Details am besten im Video, auch wenn dieses schon 2001 gedreht wurde und nicht mehr alle Dinge stimmen (z.B. die erste Strecke soll Zürich-Bern werden, damals hieß es noch Zürich-Basel).
Im Jahr 2007 berichtet Swissmetro nicht viel Neues. Möglicherweise ist Ihnen die Rekordfahrt des französischen TGV vom 3.4.2007 mit 574,8 kmh in die Glieder gefahren!
Die Konkurrenz eines schon bestehenden Netzes in punkto Geschwindigkeit ist für Swissmetro natürlich groß. Aber die Auswirkungen eines Zuges, der mit rund 570 kmh durch die Landschaft rast, sind schon im Video zu erahnen. Abgesehen von der ungeheuren Lärmentwicklung zieht der Zug alles Mögliche wie ein Staubsauger mit sich.
Deshalb bleibt meines Erachtens die unterirdische Variante weiter interessant. In zahlreichen Blogeinträgen wird das Für und Wider kommentiert. Als größte Hürde (Kostenfaktor) wird die Aufrechterhaltung eines Vakuums in den Röhren gesehen. Sollte es jemals Realität werden, ist es auf jeden Fall eine Radikale Innovation, auch wenn hier nur (!) eine Magnetschwebebahn mit einer Art Rohrpostsystem kombiniert wird (Ich weiß schon, dort wird Druckluft verwendet, bei Swissmetro Vakuum oder Teilvakuum). Aber beide transportieren etwas sehr schnell durch Röhren.
Der ungarische Architekt Áron LOSONCZI hat ihn erfunden und hält das Patent dafür. Über die Homepage seiner Firma LiTraCon kann man durchsichtige Tafeln in unterschiedlicher Stärke bestellen. Interessant ist das Konzept deshalb, weil es völlig neue Verwendungszwecke für Beton eröffnet. Der Erfinder versichert, dass die im Beton eingelassenen Glasfiberelemente es ermöglichen, dass auch meterdicker Beton noch durchsichtig ist.
Die Blöcke können in unterschiedlichsten Größen hergestellt werden. Auch der Einbau einer Wärmeisolierung ist möglich. Der Erfinder spricht damit besonders Designer und Architekten an, denen sich mit diesem lichtdurchlässigen Beton eine Reihe neuer Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.
Aufgefallen ist mir, dass er die Blöcke mit einer Maximalgröße von 600mm x 300 mm anbietet.Um größere Wände zu erzeugen, werden die Blöcke aneinandergeklebt. Außerdem bietet er noch Lampen an (siehe Foto).
Das könnte anderen Erfindern einen Ansporn geben, weiter mit zusätzlichen Elementen zu experimentieren, die in Beton gemischt werden könnten. Ich denke da z.B. an farbigen Beton oder Beton mit neuen (bisher noch gar nicht angedachten) Eigenschaften.
Gerade habe ich vor wenigen Tagen darüber gelesen, dass bei den Konzepten zur Energiegewinnung bereits an der Küste Portugals mit Wellenschlangen experimentiert wird. Nun kommt aus GB ein neues Konzept - Anaconda Rubber Snake:
Im Test ist die Gummischlange 8 Meter lang, später soll sie 200 Meter lang sein und mit ihrem Strom 1000 Haushalte versorgen. Sie bewegt sich konstant wie die Meereswellen, ist mit Süßwasser gefüllt (damit sich keine Meerestiere in ihr ansiedeln) und gibt mit jeder Welle den Druck, der im Innern der Schlange entsteht, nach hinten weiter. Dort wandelt eine Turbine den Druck in Strom um. Experten sehen innerhalb der nächsten 3 Jahre die ersten Installationen vor den Küsten Großbritanniens.
Bis dorthin müssen allerdings noch eine Menge Probleme gelöst werden. Da sich die Gummischlangen knapp unter der Wasseroberfläche bewegen, um die volle Kraft der Wellen zu nützen, müssten bei einem ‘Schlangenpark’ von z.B. 50 Stück große Flächen am Meer gekennzeichnet und von Schiffen umfahren werden. Ein Vorteil dagegen ist es, dass im Gegensatz zur Windenergie die Wellenenergie immer zur Verfügung steht.