Die Firma Lytro bringt Anfang dieses Jahres eine Lichtfeldkamera heraus (ab ca. 400 USD), die ein Scharfstellen verschiedener Teile eines Fotos ermöglicht, nachdem das Foto geschossen wurde. Fotos enstehen somit auf völlig neue Art und Weise: Es werden unterschiedlichste Lichtdaten gespeichert und dann am besten in der Cloud (z.B. bei Lytro) abgelegt. Diese neue Technik ermöglicht die Anpassung an jeden anderen Computer, auf dem die Fotos anschließend geöffnet werden, eignet sich also ideal für die neuen Netzwerke, auf denen Millionen von Fotos hochgeladen werden, um sie mit anderen zu teilen. Auch auf Smartphones kann der Betrachter dann selbständig eine eigene Scharfstellung wählen.
Die Kamera ist relativ klein und vom Design sehr einfach gehalten. Das Verfahren ist seit vielen Jahren bekannt, aber erst jetzt ist es gelungen, eine entsprechende Kamera für den Normalverbraucher zu entwicklen.
Des öfteren habe ich schon darüber berichtet, dass Großkonzerne ihre Schwierigkeiten damit haben, riskante Projekte unter dem Titel ‘Radikale Innovation’ anzugehen. BMW bildet hier in zweierlei Hinsicht eine Ausnahme:
1. Es treibt die Entwicklung eines Elektroautos (i3) voran, wobei man sich hier auch schon die Kosten mir anderen teilt. Allerdings hat der CEO von BMW grünes Licht gegeben, dieses Projekt unabhängig von allen eventuellen Sparmaßnahmen, mit einem hohen Budget vorrangig zu forcieren.
2. Bei diesem Projekt sollen erstmals zwei Teile zum Einsatz kommen: Ein Unterboden aus Stahl und eine Fahrgastzelle aus Carbon. Damit ist BMW in der Entwicklung von Carbon als Werkstoff im Automobilbau ganz weit vorne, den anderen angeblich um Jahre voraus. Allerdings ist noch sehr viel Forschungsarbeit nötig, um Carbon (leicht und doch sehr robust) zu einem Preis verarbeiten zu können, der das Elektroauto noch ‘verkaufbar’ macht. Denn auch die hohen Kosten für die Batterie beeinflussen den Verkaufspreis stark. Und wenn sich dann Carbon doch nicht durchsetzt, hat BMW enormes Geld in den Sand gesetzt. An diesem Wettlauf beteiligt sich jetzt auch schon VW, das in einigen Jahren die Nr. 1 im Automobilbau anstrebt. Also kann die Strategie von BMW so falsch nicht sein.
Ende 1971 schickte Ray Tomlinson an seine Kollegen eine Nachricht, dass ab nun Botschaften über das Netzwerk gesendet werden könnten. Die Adresse sollte jeweils lauten: Benutzername des Empfängers@Hostname des Computers: Das E-Mail war geboren! Und hat in den vergangenen 40 Jahren den Schriftverkehr wirklich revolutioniert. Egal wohin können Sie heute eine Botschaft rund um die Erde senden und sie ist wenige Sekunden oder Minuten später dort. Gerade in Ländern, wo die Zustellung oft ungewiss war, wurde diese Erfindung mit besonderer Erleichterung aufgenommen.
Schade dabei ist nur, dass heute angeblich 90% aller Mails SPAM - also unerwünscht - sind. Durch die Beschleunigung der Kommunikation ist allerdings auch eine gewisse Form auf der Strecke geblieben. Es herrscht das Saloppe, Unverbindliche vor, Rechtschreibung ist meist kein Thema mehr. Das vom Fernschreiber übernommene “MfG” hat sich erweitert auf “BG”, “LG” oder “GLG” (Ganz liebe Grüße). Die Anrede wurde zu “Hallo…” oder auf Englisch zu “Hi”. Dass dadurch aber heute Leute elektronische Briefe schreiben, die zuvor jahrelang nicht mehr zur Feder oder zum Kugelschreiber gegriffen hatten, ist eine interessante Wendung.
Die Post hat dadurch natürlich enorme Einbußen erlitten. Aber auch deren Serviceleistungen: Es ist heute nicht leicht, einen Briefkasten zu finden (früher hingen sie an jeder Ecke). Hat man endlich einen gefunden, wird man feststellen, dass die meisten nur mehr einmal pro Tag geleert werden! Deshalb sind auch schon viele kleine Postämter geschlossen worden. Seit man auch noch Bilder und andere Dateien an Mails anhängen kann, werden fleißig große Mengen durch die Leitungen gejagt. Blöd ist nur, wenn der Empfänger seine Mails per Handy abruft und Riesendateien in der Leitung hat. Früher war dann schon mal ein Handy eine halbe Stunde nicht mehr zu benützen, heute kann man so ein Mail Gott sei Dank unterdrücken.
In der Wirtschaftswoche gelesen: Die Techniker der Carl Zeiss Meditec haben ein Verfahren gefunden, das die wochenlange Bestrahlung nach einer Brust-OP zumindest teilweise ersetzt, in sehr günstigen Fällen möglicherweise ganz entfallen lässt: Sie haben ein Bestrahlungsgerät Intrabeam entwickelt, das mobil in jeder Klinik ohne großen Sicherheitsaufwand eingesetzt werden kann. Der Clou: Noch während der Operation - nachdem der Tumor entfernt wurde, wird das kugelförmige Bestrahlungsgerät in die Wunde eingeführt und die Stelle, an der der Tumor vorher saß, direkt von innen bestrahlt (ca. 20-30 Minuten). Dies verlängert zwar die Operationszeit, schont aber die umliegenden Organe und verkürzt nachfolgende Bestrahlungen erheblich. Auch die Anschaffungskosten stehen in keinem Vergleich zu den großen Linearbeschleunigern, wo manchmal ‘mit Kanonen auf Spatzen’ geschossen wird.
http://www.youtube.com/watch?v=Fb4P2abNmcI
Wenn auch vorerst nur für Tumore bis zu einer Größe von 2cm geeignet, werden bereits andere Einsatzgebiete getestet. Am weitesten soll die Anwendung bei Tumoren in der Wirbelsäule sein. Neben den erheblichen Erleichterungen für die Patienten ergibt sich mit der neuen Methode auch eine radikale Kostensenkung in der Krebsbehandlung.
Der Österreicher Fritz Mondl hat eine stromerzeugende Boje erfunden, die in der Größe eines Haifisches in der Donau schwimmt und die Strömung des Flusses nutzt, um Energie zu erzeugen.
http://www.youtube.com/watch?v=C8Vay-es9FA
Als Wassersportler hatte er oft mit der starken Strömung der Donau zu kämpfen und fragte sich schließlich, ob man diese nicht noch anders nutzen könnte. Noch dazu, wo in der Wachau weder Windräder, noch Solarpaneele und schon gar keine Wasserkraftwerke erlaubt sind. Sein schwimmendes Wasserkraftwerk greift nicht in die Natur des Gewässers ein und ist ungefährlich für Schiffe, Fische und andere Wassertiere. Auch erfolgen keine großen baulichen Eingriffe. Mondl hat den ersten Prototyp bereits 2006 in die Donau gehängt, der zweite hat seit 2009 weitere wertvolle Erfahrung geliefert und sein Projekt hat 2010 den Klimaschutzpreis gewonnen. Ein größerer Prototyp wird 2011 folgen, 2012 ist eine Serie in der Wachau geplant, 2013 soll die Serienfertigung beider Typen anlaufen. Auch um diese radikale Innovation umzusetzen, mussten viele Jahre und Tests ins Land gehen…
[TRIZ-Prinzip Nr. 22: Schädliches in Nützliches umwandeln]
Unsere Welt ist mit Plastik gefüllt, das uns noch Generationen lang begleiten wird…
http://www.youtube.com/watch?v=NUrKzTfobR8
Das österreichische Unternehmerehepaar Ute und Johann Zimmermann möchte das ändern und hat sich in den Kopf gesetzt, Produkte aus sogenanntem natürlichen Kunststoff zu erzeugen. Es hat für sein relativ junges Unternehmen absichtlich die daraus entstehende Abkürzung NaKu gewählt und schützen lassen. DI Zimmermann kommt aus der Kunststoffbranche, die Vision einer Kreislaufwirtschaft hat ihn aber schon immer fasziniert. Aus dem Aspekt, dass ein herkömmliches Plastiksackerl aus dem Handel möglicherweise mehrere Jahrzehnte braucht, um dann nicht zu verrotten, sondern in viele kleine Teile zu zerfallen, hat er viele Jahre geforscht, wie denn natürliche und nachwachsende Rohstoffe als Verpackungsmaterial einsetzbar wären. Bei Mais und Kartoffeln ist er fündig geworden, auch deshalb, weil diese hier wachsen und daher für diese Rohstoffe keine langen Transportwege nötig sind.
In einer industriellen Kompostieranlage verrottet das NaKu-Sackerl innerhalb von 3-5 Tagen! Aber werden hier nicht wertvolle Lebensmittel als Verpackungsmaterial missbraucht? Zimmermann forscht schon, was aus Neben- und Abfallprodukten der Lebensmittelindustrie verwendet werden kann - dies ist allerdings noch Zukunftsmusik. Er führt aber ins Treffen, dass für die Erzeugung von zig-tausenden von NaKu-Sackerln nur eine verschwindend geringe Menge an Rohstoffen nötig ist. Auch Tiefziehfolien und Flaschen stehen schon auf seiner Versuchspalette.
Anfänglich noch sehr zögernd vom Handel angenommen, entschließen sich immer mehr Firmen, dem (vom Kunden zu zahlenden) NaKu-Frischhaltebeutel eine Chance zu geben. Und Zimmermanns haben inzwischen so viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten für ihre Idee entdeckt, dass es ihnen schwer fällt, sich auf einige wenige zu konzentrieren.
Schon vor längerer Zeit bin ich in der Wirtschaftwoche darauf gestoßen: Ein junger Erfinder namens Mirko Hannemann entwickelt einen Super-Akku und stößt damit bei der Autoindustrie (in Deutschland) auf totales Desinteresse. Aber er findet andere Förderer und andere Zielgruppen, z.B. betreibt er mit seinem Akku Schubmaststapler der Firma Papstar. Die Batterie ist leichter als die bisher verwendeten und muss nicht schon nach 12, sonden erst nach 26 Stunden aufgeladen werden. Aufgeladen ist sie nach 2 Stunden, bisher waren 8 Stunden nötig.
In einem von ihm umgerüsteten Audi A2 fährt er die gut 600 Km von München nach Berlin mit einer Akku-Ladung. Seine Lithium-Metall-Polymer-Batterie (von 3M gebaut) wird als Fake abgetan, die Rekordfahrt von Automobilherstellern und -zulieferern sowie dem ADAC ins Reich der Fabel verwiesen. Warum? Hannemann ist noch keine 30 Jahre alt und es kann doch nicht sein, dass ein so junger Spund die Lösung für etwas findet, an dem weltweit Millionen schwere Großkonzerne seit etlicher Zeit herumdoktern.
Die weiteren Folgen (bis 9) finden Sie direkt bei YouTube. Kommentar überflüssig - aber bezeichnend, welche Widerstände ‘Radikale Innovationen’ überwinden müssen.
Dass mit den Buchstaben POP nicht immer Musik gemeint sein muss, beweist der Ausdruck ‘Pills on Paper’. Als ich diese Meldung sah, habe ich zu allererst auf das Datum gesehen, da ich an einen Aprilscherz dachte: Das Grazer Kompetenzzentrum “Pharmaceutical Engineering” hat ein Verfahren entwickelt, bei dem speziell auf die Anforderungen für jeden einzelnen Patienten abgestimmte Arzneistoffe wie ein Tintenstrahldrucker auf ‘essbares’ Papier gedruckt werden. Danach wir dieses in eine Gelatinekapsel eingebracht und vom Patienten geschluckt. Der Vorteil: Jedes Medikament ist individuell auf den Patienten abgestimmt, d.h. Über- und Unterdosierungen gehören damit der Vergangenheit an. Die Grazer sind dafür im Herbst 2010 mit dem steirischen Innovationspreis “Fast Forward Award” ausgezeichnet worden.
Über more inspiration und Welt der Physik bin ich auf diese interessante Meldung gestoßen, die auf der Frühjahrstagung der American Chemical Society in Kalifornien vor kurzem vorgestellt wurde. Ludovico Cademartiri von der Harvard University in Cambridge, Massachusetts präsentierte dort die Ergebnisse seiner Experimente. Wieder einmal zeigt sich, dass ‘Radikale Innovation’ oft auf Erkenntnissen basiert, die schon sehr lange bekannt sind. Wie in diesem Fall (O-Ton ‘Welt der Physik’):
Cademartiri und sein Team hatten ein schon seit 200 Jahren bekanntes Prinzip aufgegriffen: Elektrizität kann die Form von Flammen beeinflussen. Sie kann sie zum Verbiegen, Flackern und gar zum Verlöschen bringen.
Eine große Rolle scheinen dabei Rußpartikel bilden, die sich elektrisch aufladen. Obwohl der Prozess noch nicht ganz klar ist, arbeiten die Wissenschaftler emsig daran, dem Phänomen auf die Spur zu kommen.
Mittlerweile ist ja bekannt, dass gerade Löschwasser oder Schaum noch wesentlich mehr Schaden anrichten als bereits durch das Feuer entstanden ist. Diese neue Methode (die vorerst nur innerhalb von Gebäuden angewendet werden kann), verspricht großes Potenzial: Wenn es nämlich stimmt, dass man damit auch Flammen lenken kann, dann sind nicht nur ‘Löschkorridore’ bei Bränden möglich, sondern es eröffnen sich wunderbare Möglichkeiten für die Steuerung von gezielten Verbrennungsprozessen in der Industrie.
Da diese Meldungen vom 28. und 31. März stammen, ist das offensichtlich KEIN Aprilscherz!
Mit diesem System ist es möglich, 56 (!) Becher Bier in 1 Minute zu befüllen. Den Videobeweis hat die amerikanische Firma GrinOn Industries angetreten - allerdings mit 3 Personen. Der Rekord, wenn nur 1 Person die Becher befüllt, liegt derzeit bei 44 Bechern.
Wie funktioniert nun das System? Die Becher haben an der Unterseite einen Magnetring und einen (mit Werbung) bedruckten Magneten. Sobald das Bier einschießt, hebt sich der Magnet und senkt sich, sobald die entsprechende Menge im Becher eingefüllt ist.
Diese lebensmittelechten Magneten werden mittlerweile unter Sammlern gehandelt. Viele nehmen die Magneten nach Hause und heften sie an den Kühlschrank, was die Werbewirksamkeit erhöht.
Das System ist ideal für große Veranstaltungen und kann ohne besondere Einschulung auch von Hilfskräften bedient werden. GrinOn wirbt damit, dass Bier neunmal schneller als bisher eingefüllt werden kann. Und es gibt keine Beschwerden mehr, dass zuviel Schaum dabei ist. Das Radikale daran ist, dass kein normaler Mensch einen Becher VON UNTEN befüllen würde!