Archiv der Kategorie: TRIZ

Lebensretter immer dabei

Eine tolle Idee hat ein Grazer StartUp: Einen Mini-Defibrillator für Rucksack oder Handtasche. Das Gerät, das mich im ersten Moment an einen etwas größeren Selbststempler erinnert, ist handlich und leicht zu bedienen.

Es gibt zwar heute schon jede Menge Defibrillatoren an öffentlichen Plätzen, aber sehr oft wissen Passanten nicht, wo sich der nächste Defi befindet. Menschen mit Herzrhythmus-Störungen leben daher in der ständigen Angst, vom plötzlichen Herztod dahingerafft zu werden. Es geht dabei meist um Sekunden oder Minuten! Wenn sie deshalb ihren eigenen Mini-Defibrillator in der Tasche haben, kann ein aufmerksamer Passant damit erste Hilfe leisten. Dafür sammelt das junge Grazer Team Geld auf der Crowdfunding-Plattform indiegogo: Innerhalb weniger Tage haben sie ihr Ziel von 100.000 € bereits um 50% überschritten. Ein weiteres ehrgeiziges Ziel: eine App am Smartphone erkennt, wer aller in der Umgebung ein PocketDefi besitzt und sofort angesprochen werden kann.

[TRIZ Evolutionsprinzip Miniaturisierung]

Ein gutes Beispiel für „Cross Innovation“

Warum nicht eine beliebte Methode aus der Baubranche zur Schuttentsorgung auf Baustellen dazu verwenden, um Menschenleben zu retten? Man tausche die ineinander verschachtelten konischen Röhren (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 7: Matrjoschka -Verschachtelung) einfach gegen eine relativ enge aber nachgiebige Folienröhre aus und ab geht die Post! Bei Todesgefahr durch ein großes Feuer würden sich wahrscheinlich selbst Menschen mit Klaustrophobie (Platzangst) überwinden können, diese „Rettungsgasse“ zu durchqueren.

[Quelle: Viral in USA]

Modulare Smartphones

Eines der 40 Prinzipien von Genrich Altshuller, um Innovationen zu generieren, ist das Prinzip Nr. 1 ‚Zerlegen‘. Diesen Gedanken verfolgt auch der Niederländer Dave Hakkens mit seinem Konzept ‚Phonebloks‘. Er möchte damit einen Beitrag leisten, die Menge der Millionen von nicht mehr benützten Smartphones zu verkleinern, die in vielen Haushalten dieser Erde herumliegen. Er geht von Folgendem aus:

1. Elektronische Geräte sind nicht für die Ewigkeit gebaut.

2. Alle paar Monate gibt es Verbesserungen.

3. Im Zuge der Verwendung steigt das Interesse an neuen Leistungsmerkmalen, größerer Geschwindigkeit und höherer Kapazität

4. Warum sollen tadellose Teile eines Smartphones nutzlos in Schubladen herumliegen, nur weil ein oder zwei Teile nicht mehr richtig funktionieren oder anders gewünscht werden. Wenn selbst der Laie möglichst einfach verschiedene Teile tauschen könnte…

Als er im September 2013 das untenstehende Video ins Netz stellte, erntete er innerhalb von 24 Stunden über 1 Million Klicks. Sein Konzept scheint also offensichtlich auf großes Interesse zu stoßen! Ich bin gespannt, welcher der Telefonkonzerne als erster dieses Konzept umsetzen wird, um elektronischen Müll zu vermeiden.


[youtube oDAw7vW7H0c]

[Quelle: bizforward]

Die Stromboje aus der Wachau

Der Österreicher Fritz Mondl hat eine stromerzeugende Boje erfunden, die in der Größe eines Haifisches in der Donau schwimmt und die Strömung des Flusses nutzt, um Energie zu erzeugen.


[youtube C8Vay-es9FA]

Als Wassersportler hatte er oft mit der starken Strömung der Donau zu kämpfen und fragte sich schließlich, ob man diese nicht noch anders nutzen könnte. Noch dazu, wo in der Wachau weder Windräder, noch Solarpaneele und schon gar keine Wasserkraftwerke erlaubt sind. Sein schwimmendes Wasserkraftwerk greift nicht in die Natur des Gewässers ein und ist ungefährlich für Schiffe, Fische und andere Wassertiere. Auch erfolgen keine großen baulichen Eingriffe. Mondl hat den ersten Prototyp bereits 2006 in die Donau gehängt, der zweite hat seit 2009 weitere wertvolle Erfahrung geliefert und sein Projekt hat 2010 den Klimaschutzpreis gewonnen. Ein größerer Prototyp wird 2011 folgen, 2012 ist eine Serie in der Wachau geplant, 2013 soll die Serienfertigung beider Typen anlaufen. Auch um diese radikale Innovation umzusetzen, mussten viele Jahre und Tests ins Land gehen…

Aktualisierung 2.11.2014: Gerade meldet der ORF- die Strom erzeugenden Bojen von Fritz Mondl gehen endlich in Serie! Neun Bojen werden in der Donau eingesetzt, jede Boje kann 70 Haushalte mit Strom versorgen. An der Finanzierung wird noch gearbeitet, aber das Interesse ist groß!

[TRIZ-Prinzip Nr. 22: Schädliches in Nützliches umwandeln]

Ein Selbstversuch

Die Designerin Anke Stöppel aus Aachen hat ihre Diplomarbeit ‚Klimaschutz in den eigenen vier Wänden‘ im Selbstversuch gestartet: Ein Buch, das der Leser individuell umsortieren kann!

O-Ton Stöppel: „Die Diplomarbeit bestand aus neun einzelnen Heften. Der Leser konnte die einzelnen Kapitel nach seinen Wünschen umsortieren. So beginnt die junge Mutter mit dem Kapitel „Kleidung und Ernährung“, während der arme Student im Kapitel „Energie“ Sparmöglichkeiten findet, die auch der Haushaltskasse zu Gute kommen. So entstand ein individueller Farbcode auf dem Buchrücken.“

Und obwohl sie mit ihrer Idee im Bekanntenkreis große Begeisterung erzielen konnte, hat sie keinen Verlag gefunden, der ihre Idee der individuellen Buchgestaltung unterstützt hat.

[youtube 27VW0hKAIMA]

Mit ‚Book on Demand‘ ist es ihr letztendlich doch noch gelungen, ihre Diplomarbeit zu veröffentlichen. Über ihr Projekt, das weiterhin Nachahmer sucht, berichtet sie in ihrem Blog.

[ASIT-Prinzip: Division]
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 1: Zerlegen]

Die Verkaufsfläche für nur kurze Zeit verdoppeln

In der deutschen Wirtschaftswoche habe ich eine interessante Notiz gefunden: Die amerikanische Spielzeugkette Toys“R“us hat ihr Geschäftsmodell um eine überraschende Variante erweitert: Da im Spielzeugmarkt die meisten Umsätze im letzten Jahresdrittel gemacht werden, möchte Toys“R“us dieses Jahr seine Verkaufsflächen radikal ausweiten (verdoppeln!), in dem es die Immobilienkrise im Land nützt.

Original Pressetext vom 9.September 2010: Toys“R”Us® today announced plans to operate approximately 600 Toys“R”Us Express stores in malls and shopping centers nationwide during the 2010 Christmas season, in addition to its 587 full-size Toys“R”Us stores in the United States.  This major expansion will double the number of Toys“R”Us locations available for holiday shopping needs as the company asserts its authority position by making itself even more convenient for customers.  This sizeable rollout of pop-up stores represents an additional 2.4 million square feet of toy-selling space for the holiday season.

Da es sehr viele Leerstände in Shopping Centers zu vermelden gibt, wird sich der Spielzeugkonzern dort (allerdings nur für eine begrenzte Zeit bis nach Weihnachten) einmieten, um so die stärkste ‚Saison‘ besser zu nutzen. Bekanntlich ist die Verkaufsfläche ein wesentlicher  Motor für mehr Umsätze, daher dürfte der Erfolg vorprogrammiert sein. Und in der ’schwachen‘ Zeit kehrt Toys“R“us wieder zu seinen Stammgeschäften zurück. Sicher wird es eines logistischen Kraftaktes bedürfen, um die vorübergehend angemieteten Outlets zu bestücken, aber gerade das ist ein Zeichen dafür, dass die Konkurrenz dieses Konzept nicht so schnell kopieren wird!

Im folgenden Video sehen Sie wie die Ausstattung für die kurze Saison aussehen könnte:

[youtube x3WKOR4QPvc]

http://www.youtube.com/watch?v=x3WKOR4QPvc

[ASIT-Prinzip: Multiplication]
[TRIZ-Lösungsprinzipien Nr. 26: Kopieren, Nr. 19: Periodische Wirkung]

Man kann immer noch etwas wegnehmen…

Die Methode ASIT (Advanced Systematic Thinking) benützt einige wenige Werkzeuge, um Probleme zu lösen oder neue Produkte zu erfinden. Ein Werkzeug nennt sich ‚Object Removal‘ oder ‚Trimming‘ (manchmal auch ‚Subtraction‘ genannt). Von bestehenden Objekten (oder Dienstleistungen bzw. Prozessen) werden Teile entfernt ohne dass die eigentliche Leistung maßgeblichen Schaden erleidet.

Man kann Lautsprecher immer noch kleiner machen. Indem man ihnen z.B. ein wesentliches Teil wegnimmt: die Membran. Aber wie soll das dann gehen? Wo kommt der Klangkörper her? Man benützt den Schreibtisch, ein Magazin oder wie das folgende Video zeigt, eben auch mal eine Papierschneidemaschine aus Metall. Auf der der Ton gar nicht so schlecht klingt! Aber hören Sie selbst…

Bei USB fever kann man den handtellergroßen SONAR Speaker mit USB-Anschluss um ca. 28 EUR bestellen.

[youtube jHimnanBZ6Q]

[ASIT-Prinzip: Objektentfernung], [TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 2: Abtrennung]

TATA revolutioniert den Autobau radikal

nano-vorne1.jpgDas indische Großunternehmen TATA hat weltweit mit seinem TATA Nano (um rund 1.770 Euro) für Aufmerksamkeit gesorgt. Um ein Fahrzeug zu diesem Preis herstellen zu können, bedurfte es einer besonderen Philosophie. TATA bindet Zulieferer über längere Zeit an sich und entwickelt auch mit ihnen zusammen Bauteile (so z.B. mit einigen deutschen Firmen wie Bosch, das selbst eine Produktion in Indien hat).

Die strikte Preisvorgabe (100.000 Rupien) zwang die Designer zu komplettem Umdenken.

– Es gibt keine Heckklappe, den hinteren Stauraum erreicht man durch Umklappen der hinteren Sitzbank.
– Die Fenster der hinteren Reihe sind fest eingebaut, also nicht zu öffnen.
– Es gibt nur einen Rückspiegel auf der Fahrerseite.
– Es gibt nur einen Scheibenwischer (wie bei Mercedes).
– Das Lenkrad besteht aus nur einem Teil.
– Es gibt keine Servolenkung (bei einem Gewicht von rund 700 Kilo nicht nötig).
– Der 2-Zylinder-Heckmotor wird durch Lamellen nahe der hinteren Radkästen gekühlt.
– Die Anzeigen sind in der Mitte (wie auch beim Mini von Beginn an), daher kann der Nano sehr einfach rechts- oder linksgelenkt ausgeliefert werden.
– Es gibt keine Airbags, kein ABS, aber eine sichere Fahrgastzelle (siehe europäischen TATA Nano Crashtest – allerdings dort schon mit Airbags).

[ASIT-Prinzip: Objektentfernung], [TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 2: Abtrennung]

Wenn TATA letztendlich auch den Preis von 100.000 Rupien nicht ganz einhalten kann, ist das trotzdem der Einstieg für Millionen neuer Autofahrer in Indien, die bisher einspurig unterwegs waren.  2009 wurden Bestellungen durch Verlosung zugeteilt. Jetzt ist der Nano (mit einer Fülle von Finanzierungsangeboten) schon ab Schauraum beziehbar.

Eine 3-Zylinder-Version mit verstärkter Karosserie soll 2011 auch in Mitteleuropa (vorerst in Polen) für rund 5.000 Euro zu haben sein. Am Genfer Autosalon wurde dieses Jahr sogar eine Elektrovariante des Nano vorgestellt.

Der Konzern TATA fördert auch den Mut, sich an Neues zu wagen, in dem er einmal pro Jahr einen Preis für die beste ‚gescheiterte Idee‘ ausschreibt. Diese Textpassage habe ich im neuen Buch von Jens-Uwe Meyer  ‚Kreativ trotz Krawatte‘ auf Seite 21 gefunden. Er beschreibt dort auch sehr schön, dass die Innovationskulturen erfolgreicher Unternehmen durchaus unterschiedlich sind.

[Foto: TATA Motors]

Elektroauto

Ein sehr interessantes Beispiel für radikale Innovation ist das Projekt ‚Better Place‘ von Shai Agassi. Dafür hat er seinen schönen Vorstandsposten bei SAP aufgegeben! Er ist davon überzeugt, dass elektrische Energie den heute verwendeten Treibstoffen für Autos den Rang ablaufen wird – schon allein aus Umweltschutzgründen. Und weil die Erdölvorräte immer weniger und die Preise immer höher werden.

Interessant sind seine Denkansätze:

Er trennt gedanklich die Batterie vom Auto (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 1: Zerlegen). Außerdem findet er, dass bei vielen von uns die Autos nur kurz benutzt werden (am Weg in die Arbeit) und dann stundenlang unnütz herumstehen. Daher könnte jede dieser unproduktiven Zeiten dazu verwendet werden, um die Batterie wieder aufzuladen (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 22: Aus Schädlichem Nützliches machen).

Ein wesentlicher Faktor einer radikalen Innovation ist ein neues Geschäftsmodell. Hier schlägt Agassi vor, ein erfolgreiches Modell aus der Mobiltelefonie zu übernehmen: Mach einen langfristigen Vertrag mit deinem Stromversorger und wir stellen dir dein Elektroauto gratis (oder für einen minimalen Betrag zur Verfügung). Als Partner hat er Nissan Renault gewonnen, die voll bei seinem Konzept mitziehen. Wobei das Ziel von Renault mit seiner gesamten E-Flotte durchaus ehrgeizig ist. Angesteuert wird nicht eine schrittweise Reduktion der Schadstoffe, sondern gleich das Nullemissions-Auto!

Aktualisierung Juni 2012:

In Israel, Dänemark und Australien ist das Projekt bereits in der Ausbauphase, in Nordamerika und Japan gibt es Versuche mit Taxiorganisationen. Diese haben (neben dem positiven Effekt für die Umwelt) auch noch den Vorteil, gleichzeitig automatisch bei jedem Fahrgast für das Projekt zu werben. Auch mit Chinas Autohersteller Chery gibt es bereits eine Zusammenarbeit.

Aktualisierung Mai 2013:

Schade, am 27.5.2013 hat Better Place Insolvenz angemeldet. Die Anlaufkosten zum Aufbau der Stationen waren einfach zu hoch und die Verbraucher haben auch nicht so mitgezogen. Hier haben offensichtlich Entwicklungen, die parallel zum Projekt Better Place gelaufen sind, ein attraktiveres Konzept angeboten.

Wie es mit ‚Better Place‘ hätte laufen können, zeigt folgendes Video

Xerox hat TRIZ-Prinzipien umgesetzt

festtinte.jpgUnd damit den Druckermarkt radikal verändert.

1. Statt der bisher üblichen Flüssigtinte oder statt des Trockentoners verwendet Xerox in seinen ColorQube-Geräten feste Wachswürfel, die erst durch Hitze flüssig gemacht werden.
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 35: Veränderung des Aggregatszustandes]

2. Das Nachfüllen der Wachswürfel ist denkbar einfach. Jede Farbe hat Kerben an einer anderen Stelle, sodass Sie die Würfel nur in den dazupassenden Schlitz stecken können.
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 4 : Asymmetrie]

3. Außer der normalen (recyclebaren) Papierverpackung gibt es keine Kartuschen, die entsorgt werden müssen.  [TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 34 : Beseitigung und Regenerierung von Teilen]

Hier noch ein Schmankerl, damit Sie sehen, mit welch harten Bandagen Inkjet- und Laserjet-Erzeuger gegen die feste Tinte auftreten. Hauptangriffspunkt ist die rund 17 Minuten dauernde Aufwärmzeit nach dem Einschalten. Allerdings erledigt das heute schon ein intelligenter Timer.
[youtube T9IklsoV9TY]
http://www.youtube.com/watch?v=T9IklsoV9TY&feature=related

Zum Schluss noch eine Anekdote: Vor 35 Jahren gab es in Deutschland einen Xerox-Vertriebsmann, der mit einer Klopapierrolle unterm Arm zu potenziellen Kunden ging. Gefragt, was das sollte, antwortete er: „Das ist das einzige Papier, auf das Xerox nicht kopieren kann!“ Heute stimmt das längst nicht mehr, denn die Festtinten-Kopierer schaffen das (angeblich) leicht.