Radikale Innovation » Tourismus

Der Sonne entgegen…

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Foto: innokaan…geht es für mich für die nächsten 2 Wochen. Sollten mir auf Fuerteventura ‘radikale Innovationen’ unterkommen, so werde ich möglicherweise direkt von der Insel berichten. Fest steht jedenfalls, dass es schon am Flughafen erst jüngst wieder zu ‘radikalen Innovationen’ der besonderen Art gekommen ist.

Ich kaufte mir am Frankfurter Flughafen eine Ritter Sport (Rum/Trauben), um sie während der Wartezeit bis zum Abflug zu verzehren. Die Dame an der Kasse:”Gut, dass Sie keine Marzipan-Schokolade genommen haben, die hätte ich Ihnen nämlich einschweißen müssen!” Ich:”Wieso das denn?” Sie:”Ja, weil die ist pastös (wegen der Füllung). Und was pastös ist, könnte Sprengstoff sein.” Sie bot mir dann auch noch an, meine Wasserflasche einzuschweißen, damit ich problemlos durch die Sicherheitskontrollen kommen würde. Ich verzichtete dankend:”Ich trinke die Flasche sicher vorher leer, wenn ich meine Schokolade auf einen Sitz essen muss!”

Auch Gummibärchen, Likörbohnen (Achtung: Nitroglyzerin!), Schokolade mit Erdbeerfüllung: Alles, alles wird eingeschweißt! Wenn sich da nicht jemand eine goldene Nase mit durchsichtigen Kunststofftüten verdient!?!

Foto: innokaan 

Eine Revolution im Tourismus…

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…fordert der schon sattsam bekannte Querdenker Günther Aloys aus Ischgl. Kosmetische Verbesserungen sind seine Sache nicht. Er fordert eine ‘brennende Revolution’, um die bisherige Denke aufzurütteln. In einem Artikel auf seiner Homepage schreibt er wortwörtlich:

“Nur Unternehmen mit der Fähigkeit, sich zu revolutionieren, werden prosperieren. Radikale Innovation stellt den entscheidenden Wettbewerbsvorteil, den wir dringend benötigen. Jagen wir also das alte Geschäftsmodell TOURISMUS IN TIROL in die Luft. Sagen wir ein klares NEIN zur gemächlichen Evolution – und ein ganz starkes JA zum revolutionärem Unternehmen Tirol.”

Mit Seilbahnen, Thermen und Wellnesstempeln räumt er gnadenlos auf, bringt aber seinerseits Vorschläge, was einer ‘neuen’ Generation im Tourismus gefallen könnte:

“Der Berg kann alles bieten, was man nicht ganz einfach und leicht im Alltag bekommt: Abenteuer, Stille, Sex, Liebe, Wildheit, Macht, Gefahren und Risiken, originelles Essen, das Bizarre, die Todeszone, totale Aktivität, tiefe meditative Kontemplation, luxuriöses Wohnen, Verschwendung aber auch Ergebenheit.”

Das Manifest zur Tourismusrevolution kann im Pressetext heruntergeladen werden. Unterschreiben kann man es allerdings nicht einmal auf Aloys’ Homepage ‘Tourismusrevolution.at’, denn dort findet man nur das Angebot seiner Hotels.

Schifahren in der Wüste

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Foto: Ski-DubaiNachdem dieser Tage die ersten Schneeflocken angesagt sind, rückt die Wintersaison ins Visier. Gleichzeitig beginnt jetzt die Zeit, wo wir uns nach dem sonnigen Süden sehnen. Warum nicht beides miteinander verbinden? Bei Außentemparaturen von rund 40 Grad Celsius ist es nun möglich in Dubai dem Wintersport nachzugehen. Natürlich, wie könnte es anders sein, im größten Hallenresort der Welt. Weiters heißt es:

1500 Ski Begeisterte können gleichzeitig auf einer Abfahrtslänge von ca. 400 Metern und fünf separaten Pisten den Hang hinunter fahren. Für Snowboard Fahrer steht ein spezieller ” Stunt Park ” zur Verfügung der dann den letzten Kick geben soll. Für Apres Ski ist im spektakulären Ski Dome auch gesorgt. Direkt neben der Piste gibt es ein Cafe und mehrere Restaurants.

Foto: Ski-DubaiÖsterreich (und im Speziellen die Steiermark) hat bereits im vergangenen März eine Schiwoche in Dubai organisiert, um den Wüstensöhnen unser schönes Heimatland näher zu bringen. Und sich auch beim Bau dieser größten Indoor-Skihalle der Welt mit Know-how mächtig ins Zeug gelegt. Schihallen gibt es mittlerweile in den erstaunlichsten Teilen der Welt (z.B. Indonesien, Australien, Japan, Holland, Belgien), seit langem auch im Ruhrgebiet und angeblich demnächst in der Hamburger Gegend. Aber am ‘radikalsten’ zu der Umgebung ist natürlich die Dubaier Halle. In der es übrigens ganzjährig 1 bis 2 Grad minus hat!

Das wird nie funktionieren…

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…sagten die meisten Gastronomieexperten, als Didi Mateschitz (Eigentümer von ‘Red Bull’) sich 2003 entschloss, in seinem Hangar-7 am Salzburg Airport W. A. Mozart das Top-Restaurant “Ikarus” zu eröffnen, in dem jeden Monat ein anderer Spitzenkoch aufkochen sollte.

Diesen Monat kocht dort der Wahlaustralier RYUICHI YOSHII aus Sydney. Seine Restaurant IkarusKreativität im Vereinen der östlichen und der westlichen Küchenwelt beeindruckt ebenso wie sein Perfektionismus: Ryuichi Yoshii weiß anhand kleinster Details frischen von absolut frischem Fisch zu unterscheiden und verwendet Messer zum Stückpreis von 6.000 Dollar. Und ganz nebenbei erwähnt: Er kann angeblich 200 verschiedene Objekte aus Fisch schnitzen.

Die Hauptarbeit im Koordinieren dieser Spitzenköche aus aller Welt übernimmt Roland Trettl unter der Patronanz seines Mentors Eckart Witzigmann. Damit garantiert Mateschitz seinen Gästen und den kochenden Weltstars höchste Qualität. Und was illustre Gäste außerdem noch freuen dürfte: Sie können ihr Flugzeug direkt vor dem Lokal parken!

Nie mehr oder immer wieder

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Das ist der Titel eines Artikels in der Wirtschaftswoche Nr. 27/2006, der mir eine Geschäftsidee in Erinnerung gerufen hat, die mir vor Jahren bereits begegnet ist. Schon 1959 hat Höltl sen. aus Tittling sein rollendes Hotel als ‘Rotel’ zum Patent angemeldet. Er hatte einen alten Möbelwagen umgebaut und dort Schlafkojen installiert, die lt. Wirtschaftswoche den Charme von Computertomografen haben. Wer schon einmal in der Röhre gelegen hat, kann sich das Gefühl in diesen Schlafkojen vorstellen. Heute gibt es allerdings auch schon Doppelbettkojen. Wurde früher immer der umgebaute Möbelwagen als Anhänger am Reisebus mitgezogen, gibt es heute für kleinere Gruppen die Schlafkojen bereits im Bus eingebaut.

Die Idee dazu kam Höltl, nachdem es seine Gäste bei einer Reise eines Nachts mitsamt ihrem Zelt weggeschwemmt hatte. Damals beförderte er Pilger preisgünstig zu ausländischen Pilgerstätten. Sogar bis Jerusalem. Das beflügelte ihn dazu, immer längere Reisen abseits von Touristenrouten anzubieten. Und hier mit dem selbst mitgeführten Hotel unabhängig zu sein. Ich muss zugeben, dass ich damals seine Idee sehr belächelt habe - ich war sicher nicht der Einzige. Heute hat Höltl 94 Busse in verschiedenen Ländern stationiert und verschickt jedes Jahr einen knapp 200 Seiten starken Katalog. Er bietet exotische Reisen an, die auch schon mal 40 Tage dauern können. Und seine Kunden wenden sich nach einer einmaligen Erfahrung geläutert ab oder sind begeistert und buchen Jahr für Jahr wieder.

Das Bessere ist der Feind des Guten

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Viele Firmen sind heute in ganz anderen Bereichen tätig als zur Zeit ihrer Gründung. Autobauer Peugeot hat mit Gewürzmühlen begonnen (die es heute immer noch gibt), Telekommunikationsprofi Nokia mit Papier, später dann mit Gummischuhen und Reifen (werden heute nicht mehr produziert).

Einen extrem radikalen Schwenk, nämlich vom Mischkonzern mit Schwerpunkt Stahl zum weltgrößten Dienstleister in der Freizeitindustrie hat die ehemalige Preussag AG vollzogen. TUI ist heute an Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern, Incoming-Agenturen, Reisebüros und Hotels beteiligt. Über Hapag Lloyd ist auch der Einstieg in die Container- und Kreuzschifffahrt gelungen.

Mögen in einigen Fällen Fusionen bzw. übernommene Firmen zur Änderung der Produktpalette geführt haben, so sind es oftmals auch staatliche Auflagen, die zu einem Schwenk zwingen. So musste der ursprüngliche Erfinder von Coca-Cola aus seinem unter dem Namen Pemberton’s French Wine Coca vertriebenen Getränk wegen der Prohibition den Wein entfernen. Aber als Medizin und Mittel gegen Kopfschmerzen und Depressionen war dem Getränk noch nicht der große Durchbruch beschieden. Erst als Coca-Cola als Erfrischungsgestränk mit enormem Aufwand beworben wurde, stellte sich der rasante Aufstieg der Marke ein.

Billigfluglinien setzen auf radikale Innovationen

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Foto: Luc Sesselle, BelgienNicht nur der Preis ist radikal (Zu- und Abfahrt vom Flughafen kosten oft mehr als der ganze Flug!), sondern auch eine Reihe anderer Dinge:
1. Die Maschinen sollen so kurz wie möglich am Boden stehen, d.h. schnell tanken, schnell ent- und beladen, schnell aus- und einsteigen - daher freie Sitzplatzwahl.
2. Bei maximal 1,5 Stunden Flug brauche ich keine verstellbare Sitzlehne - spart Anschaffungskosten.
3. Bei maximal 1,5 Stunden Flug gibt es nur Snacks - und die kosten extra.
4. Billigfluglinien transportieren oft Städtereisende, da genügt Handgepäck - wer mehr hat, zahlt extra.
5. Statt in teuren Büros wird nur über das Internet gebucht.
6. Je früher man bucht, desto günstiger ist es - eine ausgeklügelte Software reguliert selbständig die Preise, je nachdem, welche Auslastung erreicht ist.

All diese Dinge wurden bei Einführung von den meisten Experten so beurteilt: “Das klappt nie! Das lassen sich die Kunden nicht gefallen!”. Genau das Gegenteil ist eingetreten - durch die günstigen Preise (deshalb waren auch die radikalen Innovationen nötig) wurden ganz neue Zielgruppen erschlossen. Und die etablierten Fluglinien haben nach und nach die eine oder andere ‘Innovation’ übernommen.

Strohhütte statt Hotelzimmer

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Ein sehr interessantes Konzept in Bezug auf eine Dienstleistung hat Anfang der 50er-Jahre der Belgier Gérard Blitz (zusammen mit dem Franzosen Gilbert Trigano) erfunden. Er hat als Zielgruppe junge Leute angesprochen, die wenig Geld hatten, diesen aber eine neue Form des Abenteuer- und Erlebnisurlaubs im Mittelmeer (auf den Balearen) angeboten. Damit war der erste ‘Club Mediterranée’ geboren. In seinen ersten Clubdörfern hat man zwar auf Feldbetten in Strohhütten geschlafen, konnte dafür essen und Rotwein trinken soviel man wollte, etliche Sportarten oder andere Freizeitaktivitäten ausüben und jeden Abend an einer anderen Veranstaltung teilhaben. Damit war ‘all inclusive’ geboren, wenn auch noch manche Extraleistungen mit der clubeigenen Perlenkette (1 Whisky: 3 Perlen) zu berappen waren.

Erstmals wurden die Gäste auch sehr massiv in das Geschehen miteinbezogen. Nicht immer zum Wohlgefallen aller, die sich nicht ‘vereinnahmen’ lassen wollten. Da sich nicht nur im nächtlichen Discotaumel, sondern auch tagsüber zahlreiche Möglichkeiten ergaben, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, war der ‘Club Med’ bald auch als ‘Kontaktbörse’ schlechthin bekannt. Handtuch über der Hüttentür hieß für den Hüttenkollegen “Bitte nicht stören!”. Interessant auch, dass es anfangs nur 2-Bett-Hütten gab und man als Single nie wußte, mit wem man die Hütte teilen würde (wenn der Club sehr voll war).

Der Club Med hat sicher die gesamte Touristikbranche revolutioniert - heute sind sog. ‘Cluburlaube’ gang und gäbe. Dass sich diese so rasch ausbreiten konnten, liegt allerdings auch daran, dass im Club Med weltweit fast nur französisch gesprochen wurde. Bescheidene Versuche, auch anderssprachige Gäste in das Geschehen einzubinden, waren seinerzeit nicht wirklich von Erfolg gekrönt - ohne Kenntnisse der französischen Sprache war alles nur halb so lustig. In diese Lücke sind besonders deutschsprachige Reiseveranstalter (Beispiel Robinson) sehr rasch gestoßen.