22. Januar 2007
Allgemein, Kochen, Prozesse
Keine Kommentare
In letzter Zeit sind mir 2 Kochinnovationen untergekommen, die - obwohl grundverschieden - sich doch sehr vom Herkömmlichen unterscheiden.
Die erste hat mir Blog-Zuträger Sebastian Ulbert geliefert, indem er mich auf einen Beitrag auf der ORF-Site hingewiesen hat: Das Vakuum-Kochen. Schon 1974 in Frankreich erfunden, setzt es sich jetzt plötzlich sogar in der Sterne-Gastronomie durch.
Speziell deshalb, weil man z.B. zähes Fleisch über viele, viele Stunden (oder Tage) bei Niedrigtemperaturen (z.B. 68 Grad) ganz weich kochen kann. Die Zubereitung der Fleischspeisen ist bei Niedrigtemperaturen von 80 Grad kinderleicht, da man nichts falsch machen kann und nicht ständig den Braten kontrollieren muss.
Die zweite Idee habe ich dann in Ruth Pinks ‘Kreativblog’ gefunden. Und sie eignet sich für alle, die noch keinen Herd für Niedrigtemperaturen haben. Nehmen Sie doch statt dessen Ihren Geschirrspüler. Der heiße Wasserdampf soll über die gesamte Zeit der Spülung bei 80 Grad liegen. Ideal um mit der Wäsche des Geschirrs auch gleichzeitig einen Lachs zuzubereiten! Egal welchen Fisch Sie nehmen, der Frischhaltebeutel sollte absolut dicht sein…
19. Januar 2007
Bauen, Einrichtung, Produkte, Prozesse, TRIZ
2 Kommentare
Ein gutes Beispiel für das TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 3 (Örtliche Qualität=Jeder Teil eines Objektes soll seine Funktion optimal erfüllen) hat mir Blog-Zuträger Bernward Kahmann aus Kassel geliefert. Es ist dies ein interessantes ‘Haus der Zukunft’, das die TU Darmstadt im Herbst 2007 beim internationalen Bauwettbewerb „Solar Decathlon“ des U.S.-Energieministeriums im Maßstab 1:1 vor dem Weißen Haus ausstellen wird. Für den Wettbewerb mussten einige sehr strenge Regeln erfüllt werden. Unter anderem ist die Grundfläche des Hauses auf 75m² begrenzt. Um hier größtmöglichen Komfort zu gewährleisten, schreibt dafacto
“entwickelten die Wissenschaftler ein kluges Wohnkonzept: Alle Möbel sind in die Bodenplattform integriert und lassen sich bei Bedarf vollständig verstauen, um ein pures Raumerlebnis und Platz für Feste zu machen. Der geschlossene Kern mit Küche und Bad ist auf ein Mindestmaß reduziert, bei Bedarf kann er ausfahren und zum Duschen oder für Koch-Events vergrößert werden. Bei der Wahl der Materialen stehen nachwachsende, naturnahe oder recyclebare Stoffe im Vordergrund.”
Radikal an diesem Konzept finde ich, dass ansonsten fixe Raumgrößen wie Küche oder Bad beliebig verändert werden können und die Möbel bei Bedarf im Boden verschwinden. Auch das Energiekonzept ist interessant, wird doch die benötigte Energie in der Bodenplattform gespeichert, verarbeitet und verteilt.
Ebenfalls interessant
13. November 2006
Dienstleistungen, Interne Strukturen, Prozesse
Keine Kommentare
Paradigmenwechsel an der Uni Hamburg: In Zukunft bestimmt nicht mehr das Angebot, sondern die Nachfrage, was an der Uni Hamburg gelehrt wird. Wissenschaftssenator Jörg Dräger verspricht sich davon eine radikale Wende. Die neue IT-Anwendung ‘Studien-Info-Netz’ - kurz Stine genannt - wurde gerade mit einigem Holpern in Betrieb genommen. Dieses Informations- und Serviceportal für alle Angehörigen der Uni Hamburg verlangt von den Studenten, sich vorregistrieren zu lassen. Neben der Vormerkung für Seminare und Vorlesungen hält das System auch noch eine Evaluationsfunktion bereit. Hiermit soll ohne großen Aufwand jede Veranstaltung evaluiert werden können. Etwas, das an Fachhochschulen schon seit langem üblich ist, stößt bisher an Unis noch auf Widerstände.
Es ist interessant, dass man über den Umweg einer Software gleich zwei ‘radikale Umwälzungen’ am Campus bewerkstelligen kann. O-Ton Senator Dräger: “Wir werden also den Übergang vom angebots- zum nachfrageorientierten Curriculum erleben.”
Mehr erfahren Sie darüber hier.
Das Ganze wurde übrigens im Rahmen der Bonner Konferenz ‘Campus-Innovation 2006′ präsentiert. Wer mehr über diese Plattform IT-basierter Modernisierung von Forschung, Lehre und Hochschulverwaltung wissen möchte, kann sich direkt auf deren Homepage informieren.
Ebenfalls interessant
24. Oktober 2006
Banken, Dienstleistungen, Prozesse
Keine Kommentare
Vor einigen Tagen hatte ich hier darüber berichtet, wie Menschen (und Firmen) in Entwicklungsländern sich zu helfen wissen. Dass sie nämlich Dienstleistungen und Produkte in derart kleine Portionen teilen, dass selbst die Menschen mit sehr wenig Geld kurzzeitig von den Segnungen der Zivilisation ‘naschen’ können. Auch der Friedensnobelpreisträger 2006, Muhammad Yunus, hat mit seiner Grameen Microcredit Bank ein ähnliches Konzept verfolgt. Er verleiht kleine Summen, die wöchentlich zurückgezahlt werden müssen. Dafür verlangt er 20% Zinsen, das ist wesentlich weniger als bei den sonst üblichen ‘Wucherern’. Und er ist damit schon seit langem nicht einmal mehr auf staatliche Zuschüsse oder Spenden angewiesen. Diese nach unseren Maßstäben immer noch recht hohen Zinsen fallen bei den kleinen Kreditsummen und der wöchentlichen Rückzahlung kaum ins Gewicht. Ermöglichen selbst kleine Beträge den Menschen Saatgut zu kaufen oder sich kleine Maschinen zu leihen. Sein Rezept: Er vergibt Kredite an Gruppenmitglieder in Dörfern (in der Hauptsache an Frauen). Die treten gegenseitig als Bürgen füreinander auf. Dadurch ist keine andere Sicherstellung nötig.
Er hat damit eine Revolution in der Mikrofinanzwelt ausgelöst. War man früher (wie bei den meisten Entwicklungshilfeprojekten) auf Spenden und Zuschüsse angewiesen, so erkannte man bald, dass das System sich auf Dauer selbst finanzieren musste. Und so wurden innovative Methoden entwickelt, um die Kosten- und Risikoproblematik in den Griff zu bekommen. Auch in Deutschland profitiert man von diesen Erkenntnissen der Mikrofinanzierung.
15. Oktober 2006
Allgemein, Dienstleistungen, Handel, Prozesse
3 Kommentare
Eigentlich ist es so einfach, dass man sich wundern muss, dass es nicht schon früher passiert ist. Aus Erzählungen weiß ich, dass sich bei uns jemand ein sehr teures Hobby am ehesten dann leisten konnte, wenn er/sie dafür eine Generalvertretung übernommen hatte. Gerade bei Yachten bot das schon bisher eine gute Gelegenheit, um selbst zu einem halbwegs vernünftigen Preis an so ein Traumgerät zu kommen.
Dieses Prinzip wird mittlerweile auch in Regionen mit sehr armer Bevölkerung befolgt. Um in den Besitz eines Mobiltelefons zu kommen (das von Herstellern bzw. Providern zur Verfügung gestellt wird) werden Menschen zu Kleinunternehmern und verleihen ihr Handy zu Minutentarifen an Arme. Wenn sie es an sehr viele verleihen, erhalten sie auch eine kleine Provision, sodass sie sowohl selbst über ein Telefon verfügen als auch ihre eigenen Gespräche damit finanzieren. Das Gleiche funktioniert übrigens mit Laptops und Internetanschlüssen. Die angebotene Dienstleistung wird in derart kleine Portionen verteilt, dass sich auch Arme dieses für sie sehr attraktive Angebot leisten können.
In Indien hat diese Form der Teilung in kleinstmögliche Einheiten dazu geführt, dass Marken-Haarshampoo in Einzelportionen angeboten wird und angeblich in Tonnen gemessen bereits die gleiche Größe wie der Markt in den USA aufweist. Auch Ketchup, Tee, Kaffee oder Aspirin eignen sich für die Portionsverpackungen. Und gerade die Kunden in Dritte-Welt-Ländern erweisen sich als besonders markenbewusst.
20. Juni 2006
Dienstleistungen, Prozesse
Keine Kommentare
Die Salzburger Nachrichten berichten heute ausführlich über WIKIPEDIA. Die mittlerweile größte Enzyklopädie der Welt ging mit diesem Namen in englischer Sprache vor 5 Jahren, nämlich am 15. Januar 2001 ans Netz. Wenige Monate später folgte schon die deutschsprachige Version, mit ebenfalls rasanter Entwicklung. Was ist nun die ‘Radikale Innovation’?
Wikipedia ist ein Wiki, das heißt eine Website, bei der jeder Benutzer ohne Anmeldung Autor werden, Beiträge schreiben und bestehende Texte ändern kann. Eine Redaktion im engeren Sinne gibt es nicht, das Prinzip basiert vielmehr auf der Annahme, dass sich die Benutzer gegenseitig kontrollieren und korrigieren. Durch diese barrierefreie Art der Teilnahme sollen möglichst Hemmschwellen zur Fehlerkorrektur herabgesetzt werden. Bisher hatte es immer geheißen, dass ein gewisser Qualitätsstandard nur über langwierige Peer-Reviews (Beurteilung von Fachleuten) möglich sei. Die Erfahrung der letzten 5 Jahre hat jedoch gezeigt, dass mit einem Minimum an Richtlinien und dem anarchischen Charakter von WIKI (Jeder kann Artikel ändern) doch ein seriöses und sehr brauchbares Nachschlagewerk entstehen kann.
Ich selbst benütze Wikipedia immer häufiger: Wenn ich etwas in der deutschsprachigen Version nicht finde, weiche ich auf die englische oder französische Version aus. Irgendwo findet sich immer etwas.
Ebenfalls interessant
23. Mai 2006
Dienstleistungen, Interne Strukturen, Prozesse, Tourismus
Keine Kommentare
Ein sehr interessantes Konzept in Bezug auf eine Dienstleistung hat Anfang der 50er-Jahre der Belgier Gérard Blitz (zusammen mit dem Franzosen Gilbert Trigano) erfunden. Er hat als Zielgruppe junge Leute angesprochen, die wenig Geld hatten, diesen aber eine neue Form des Abenteuer- und Erlebnisurlaubs im Mittelmeer (auf den Balearen) angeboten. Damit war der erste ‘Club Mediterranée’ geboren. In seinen ersten Clubdörfern hat man zwar auf Feldbetten in Strohhütten geschlafen, konnte dafür essen und Rotwein trinken soviel man wollte, etliche Sportarten oder andere Freizeitaktivitäten ausüben und jeden Abend an einer anderen Veranstaltung teilhaben. Damit war ‘all inclusive’ geboren, wenn auch noch manche Extraleistungen mit der clubeigenen Perlenkette (1 Whisky: 3 Perlen) zu berappen waren.
Erstmals wurden die Gäste auch sehr massiv in das Geschehen miteinbezogen. Nicht immer zum Wohlgefallen aller, die sich nicht ‘vereinnahmen’ lassen wollten. Da sich nicht nur im nächtlichen Discotaumel, sondern auch tagsüber zahlreiche Möglichkeiten ergaben, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, war der ‘Club Med’ bald auch als ‘Kontaktbörse’ schlechthin bekannt. Handtuch über der Hüttentür hieß für den Hüttenkollegen “Bitte nicht stören!”. Interessant auch, dass es anfangs nur 2-Bett-Hütten gab und man als Single nie wußte, mit wem man die Hütte teilen würde (wenn der Club sehr voll war).
Der Club Med hat sicher die gesamte Touristikbranche revolutioniert - heute sind sog. ‘Cluburlaube’ gang und gäbe. Dass sich diese so rasch ausbreiten konnten, liegt allerdings auch daran, dass im Club Med weltweit fast nur französisch gesprochen wurde. Bescheidene Versuche, auch anderssprachige Gäste in das Geschehen einzubinden, waren seinerzeit nicht wirklich von Erfolg gekrönt - ohne Kenntnisse der französischen Sprache war alles nur halb so lustig. In diese Lücke sind besonders deutschsprachige Reiseveranstalter (Beispiel Robinson) sehr rasch gestoßen.
Ebenfalls interessant
11. Mai 2006
Produkte, Prozesse
Keine Kommentare
Im Film “Hallo, Dienstmann” wurde der Reisekoffer noch von Hans Moser geschultert. Aber Dienstmänner und Gepäckträger findet man auf Bahnhöfen kaum mehr. Trotzdem hat es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte gedauert, bis jemandem das Tragen von schweren Koffern zu bunt geworden ist. Und er an seinem Koffer 2 Räder und einen Handgriff angebracht hat. Damit wurde der Prozess von ‘Tragen’ auf ‘Ziehen’ umgestellt.
Obwohl dies vorerst eine wesentliche Erleichterung gebracht hat, war die Freude nur
kurz. Wer je Reisende auf Bahnhof oder Flughafen in Schlangenlinien an sich vorbeifahren gesehen hat, weiß was ich meine. Ein prall gefüllter Koffer, der hochstehend auf 2 Rädern fahren soll, verliert nun mal leicht sein Gleichgewicht. Es hat aber trotzdem wieder Jahre gedauert, bis sich die Variante durchgesetzt hat, bei der die Rädern so angebracht sind, dass der Koffer auf seiner Breitseite gerollt wird.
Gibt es heute überhaupt noch Koffer ohne Rollen?
10. Mai 2006
Dienstleistungen, Einrichtung, Handel, Interne Strukturen, Produkte, Prozesse
Keine Kommentare
Eigentlich wollte ich nur über 2 prozessorientierte Innovationen berichten. Bei näherer Beschäftigung mit dem gelbblauen Riesen ist mir jedoch plötzlich eine ganze Fülle von ‘branchenunüblichen’ Innovationen entgegengepurzelt!
1947: IKEA-Gründer Kamprad beginnt Möbel per Versand an die Bauern der Umgebung zu verkaufen, um die Kosten vom Hersteller zum Kunden niedrig zu halten.
1951: Der erste Möbel-Katalog erscheint - es werden komplette Zimmer gezeigt. Angeblich revolutionär für die damalige Zeit.
1956: Kamprad lässt Möbel nach eigenen Entwürfen entwickeln, und zwar so, dass sie aus lauter flachen Teilen bestehen, die (zusammen mit einer Selbstbauanleitung) in flache Kartons passen. Damit können seine Möbel später auch in PKWs transportiert werden.
In den Sechzigern rufen die schwedischen Möbelhändler zum Boykott auf, die Hersteller liefern nicht mehr. Kamprad wandert (mitten im kalten Krieg) mit der Produktion nach Polen, später noch weiter ostwärts.
1965 eröffnet er das erste Möbelhaus in Stockholm. Weil der Kundenansturm übergroß ist, lässt er das Lager für die Kunden öffnen. Das erhebt er später zum Prinzip und bezieht das Lager in jedem neuen Möbelhaus von vornherein in den Verkaufsraum mit ein.
Weitere Innovationen, die IKEA zu Weltruhm verholfen haben, finden Sie bei Wikipedia.
Ebenfalls interessant
6. Mai 2006
Produkte, Prozesse
Keine Kommentare
Das Unternehmen ‘BIC’ - im Jahr 1950 vom Franzosen Marcel BICH gegründet - hat sich ganz dem 27. Erfinderprinzip nach G. Altschuller (”Ersetze teure Langlebigkeit durch billige Kurzlebigkeit”) verschrieben. Und damit im Jahr 2005 die Schwelle zu unvorstellbaren 100 Milliarden verkaufter Kugelschreiber überschritten!Â
Der im Jahr 1975 eingeführte Wegwerfrasierer hat sich ebenfalls als Topprodukt erwiesen - er verkauft sich bereits 11 Millionen mal am Tag!
Im Jahr 1973 wurde dann das wegwerfbare Feuerzeug aus der Taufe gehoben. Welch ein Segen für Leute, die bisher ihr wertvolles Feuerzeug ständig irgendwo vergessen hatten! Heute werden davon 4 Millionen Stück am Tag verkauft.
Aber die Wegwerfstrumpfhose von BIC hat sich nicht wirklich zum Hit entwickelt und wird daher offensichtlich auf der Homepage von BIC schamvoll verschwiegen!