Radikale Innovation » Medizin

Es gibt zuwenig radikale Innovationen…

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…soll nun sogar Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer bei einem Vortrag in der Schweiz gesagt haben. Seit fast einem Jahr sammle ich nun Beispiele zu diesem Thema und muss feststellen, dass es in diversen Fachgebieten eine ganze Reihe ‘aktueller’ radikaler Innovationen gibt. Sie werden nur oft nicht als solche erkannt, weil ihre Einführung oder Adaption sich oft über Jahre hinzieht. Das Ergebnis dieser Entwicklung sieht dann im Rückblick (im Vergleich zu der Situation vor einigen Jahren) sehr spektakulär aus, obwohl das durch die Entwicklung während des langen Zeitraums so nicht erkennbar war.

Mir kommt vor, dass sich radikale Innovationen dort am schnellsten durchsetzen lassen, wo die Not (und die Unzufriedenheit mit der bestehenden Situation oder die Aussicht auf eine wesentliche Verbesserung) am größten ist, nämlich in der Medizin. Ich könnte wahrscheinlichFoto: Klaus Rupp, Pixelquelle einen eigenen Blog damit füllen, welche neuen Operationsmethoden tagtäglich weltweit ausprobiert werden. Oder welche neuen technischen Apparaturen Menschen den Alltag erleichtern. Schon was im orthopädischen Bereich geschieht ist sensationell. Oder im operativen Bereich mit Robotern. Hier werden offensichtlich auch hohe Risiken akzeptiert, was bei anderen Situationen des Lebens oft nicht der Fall ist. Besonders dann, wenn auf der anderen Seite der vermeintlich ’sichere’ Tod steht.

Foto: Pixelquelle

Mensch kontra Roboter

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Eigentlich stimmt die Überschrift so nicht, denn der Mensch kann (in der Chirurgie) noch nicht durch den Roboter ersetzt werden. Daher müsste es ‘Mensch mit Roboter’ heißen. Vergangenen Freitag fand in Hannover ein Urologenkongress statt. Natürlich wurde hauptsächlich über den rasanten Fortschritt bei der minimal-invasiven Chirurgie berichtet. Gegenüber den konventionellen Operationsmethoden ergeben sich für den Patienten große Vorteile, was die Heilung und den kosmetischen Bereich betrifft. Die Narben sind sehr klein (ca. 1 cm), der Patient kann nach kurzer Zeit das Spital wieder verlassen.

Interessant ist, dass die Chirurgen immer öfter Operationsroboter zu Hilfe nehmen, die ihnen Routineeingriffe größtenteils abnehmen. Außerdem kann das sog. Muskelzittern des Operateurs heute bereits komplett weggefiltert werden, was die Präzision wesentlich erhöht.

Haben die minimal-invasiven (auch konventionellen) Operationsmethoden in erster Linie dem Wohl des Patienten gedient, bietet die roboter-assistierte Chirurgie nun auch Vorteile für die Chirurgen, da sie ihre körperliche Belastung senkt und so unter Umständen berufsbedingten Krankheiten vorbeugt.

Noch sind die roboter-assistierten Methoden teurer als die konventionellen, trotzdem werden in den Vereinigten Staaten an manchen Krankenhäusern bereits fast die Hälfte aller Prostataentfernungen mit Hilfe des Roboters gemacht. Und der Trend zeigt auf: Überall dort, wo ein Roboter vorhanden ist, löst er nach und nach die konventionelle Chirurgie ab!

Einführen statt einfrieren

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Foto: WikipediaFür medizinische Neuerungen sind offensichtlich die ‘Salzburger Nachrichten’ meine Fundgrube. Das Wiener AKH (Allgemeines Krankenhaus und Unikliniken) hat sich in der Herzchirurgie erstmals zu einem minimalinvasiven Eingriff an einer Hauptschlagader (Aorta) entschlossen, um einen Einriss zu behandeln.

Die Ärzte nützten dazu die Zusammenarbeit von Herzchirurgen und Radiologen, weil gerade ein internationales Symposium stattfand. Musste bisher in ähnlichen Fällen immer der Brustkorb geöffnet werden (grauenhafte Vorstellung!), so wurde jetzt über die Schlagader in der Leiste eine Gefäßprothese eingeführt und solange vorgeschoben bis die beschädigte Stelle erreicht war. Dann wurde die Prothese zur Entfaltung gebracht und schiente die erkrankte Stelle. Dabei kamen die Radiologen ins Spiel, weil der Vorgang natürlich mittels Röntgendurchleuchtung überwacht werden musste. Der Eingriff erfolgte bei leichter Narkose!

Und jetzt kommt der Hammer: Bisher war es in so einem Fall nötig, den Patienten auf 18 Grad Celsius abzukühlen und in praktisch klinisch totem Zustand zu operieren! Was allerdings auch schon eine ‘radikale Innovation’ gegenüber dem innerlichen Verbluten darstellte. Ein sehr schmaler Grad, auf dem sich die Medizin bewegt!

Organempfänger atmen auf

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Niere.jpgEine ‘Radikale Innovation’ ist Medizinern an der Uniklinik Tübingen gelungen. Dies berichten heute die ‘Salzburger Nachrichten’. Einem 18-jährigen Patienten wurde eine Niere seiner Mutter eingepflanzt, obwohl beide eine unterschiedliche Blutgruppe haben und der Sohn starke Antikörper gegen die Gewebsmerkmale seiner Mutter entwickelt hatte. Wie ist das nun gelungen?

Vor der Operation entfernten die Ärzte beim Patienten mit einer speziellen Blutwäsche die Antikörper gegen die Blutgruppe und gegen die mütterlichen Gewebsmerkmale. Seit Juli dieses Jahres funktioniert die gespendete Niere tadellos im Körper des jungen Mannes.

Viele nahe Angehörige können nun für einen kranken Angehörigen eine Niere spenden, was bisher oft wegen der falschen Blutgruppe oder Antikörperreaktionen nicht möglich war. Das eröffnet für die betroffenen Patienten ungeahnte Perspektiven, da sie bis dato meist auf einer langen Warteliste mehrere Jahre bei neutralen Spenderdatenbanken auf ein passendes Organ warten mussten.

Dieser Versuch kam auch deshalb zustande, weil der 18-jährige Patient bereits die erste Spenderniere abgestossen hatte und seine Chancen auf eine zweite Niere wieder jahrelanges Warten bedeutet hätte. D.h. es braucht schon einen hohen Leidensdruck, um ein solches Experiment zu wagen!

Zähne in einer Stunde…

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Foto: Franco Giovanella, Brazil…verspricht ein computergestütztes Verfahren namens ‘NobelGuide’. Ich habe gedacht, ich sehe nicht recht, als ich auf den Artikel in News 39/06 aufmerksam wurde. Mit meinen vor einigen Jahren eingesetzten Zahnimplantanten bin ich hochzufrieden, der Weg dorthin dauerte allerdings rund 4 Monate. Das Zahnfleisch musste aufgeschnitten und ausgeklappt werden. Dann kam die ‘Einheilzeit’ bis endlich das Implantat eingesetzt werden konnte. Heute geht das alles in einer einzigen Behandlung. Und Sie können auch sofort danach wieder essen. Angeblich sogar in einen Apfel beißen.

Entwickelt wurde das neue Verfahren von Nobel Biocare, dem Weltmarktführer bei innovativen Dentallösungen. Was bisher während der Operation an Denkarbeit vom Zahnarzt zu leisten war, wird im Vorfeld durch ein computergestütztes CAD/CAM-Verfahren vorbereitet. Der Arzt arbeitet mit einer für ihn angefertigten Bohrschablone, die auch sicherstellt, dass der Nerv nicht verletzt wird. Und nach 1 Stunde wandert der Patient frohgemut aus der Ordination. Näheres bei http://www.nobelsmile.at/de_at/

Für 2030 könnte die Forschung angeblich soweit sein, dass im Labor künstliche Zähne gezüchtet werden können, die auf der DNA des jeweiligen Patienten basieren!

Ich hab’ was im Auge!

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Foto: Maja Prodan, KroatienEin starker Bruch mit dem Bisherigen war es doch, als man Sehhilfen nicht mehr vor das Auge, sondern direkt (fast) ins Auge praktizierte. Oder zumindest viel näher dran. Bereits 1636 hatte René Descartes die Idee einer Linse, die direkt auf dem Auge getragen wird. In alter Tradition konstruierte man natürlich zuerst ‘harte’ Linsen. Denn Menschen orientieren sich meist an bereits Vorhandenem und hatten deshalb als Vorbild Brillenglas gewählt. Da dies aber von vielen Menschen ‘im Auge’ nicht gut vertragen wurde, kam man auf die Idee, es mit ‘weichen’ Linsen zu probieren.

Harte Kontaktlinsen lassen heute mehr Nährstoffe zur Hornhaut durch, die weichen vermitteln vielen Menschen einen besseren Tragekomfort, obwohl das Risiko einer Augenschädigung gegenüber den ‘Harten’ größer ist.

Wußten Sie übrigens, dass es sogenannte Verbandlinsen gibt, die vom Augenarzt bei Verletzungen eingesetzt werden? Oder Nachtlinsen, die über Nacht getragen die Hornhaut korrigieren, sodass einige Tage lang fehlerfreies Sehen ohne Linse möglich ist?