Archiv der Kategorie: Medizin

Lebensretter immer dabei

Eine tolle Idee hat ein Grazer StartUp: Einen Mini-Defibrillator für Rucksack oder Handtasche. Das Gerät, das mich im ersten Moment an einen etwas größeren Selbststempler erinnert, ist handlich und leicht zu bedienen.

Es gibt zwar heute schon jede Menge Defibrillatoren an öffentlichen Plätzen, aber sehr oft wissen Passanten nicht, wo sich der nächste Defi befindet. Menschen mit Herzrhythmus-Störungen leben daher in der ständigen Angst, vom plötzlichen Herztod dahingerafft zu werden. Es geht dabei meist um Sekunden oder Minuten! Wenn sie deshalb ihren eigenen Mini-Defibrillator in der Tasche haben, kann ein aufmerksamer Passant damit erste Hilfe leisten. Dafür sammelt das junge Grazer Team Geld auf der Crowdfunding-Plattform indiegogo: Innerhalb weniger Tage haben sie ihr Ziel von 100.000 € bereits um 50% überschritten. Ein weiteres ehrgeiziges Ziel: eine App am Smartphone erkennt, wer aller in der Umgebung ein PocketDefi besitzt und sofort angesprochen werden kann.

[TRIZ Evolutionsprinzip Miniaturisierung]

Keine Angst mehr vor Spritzen!

Eine interessante neue Möglichkeit, wie bestimmte Medikamente in den Körper kommen, wurde von Medizinern an der University of Berkeley entwickelt. Diese neue Methode nennt sich MucoJet und presst mittels Hochdruckstrahl (so ähnlich wie eine Munddusche) das flüssige Medikament in die Wangenmuskulatur. Das geht sehr einfach (siehe Video) und tut nicht weh! Sobald die medizinischen Erprobungen abgeschlossen sind – was allerdings wahrscheinlich noch 5-10 Jahre dauern wird – könnten auch Diabetiker aufatmen, denn möglicherweise sparen sie sich damit den täglichen Stich in den Bauch. Hier wird allerdings die „Pille“ geschluckt und schießt erst im Magen ihre Ration Insulin ab!

[Quelle: Trends der Zukunft]

Algen-Gel stoppt Blutungen sofort

Ein junger Amerikaner hat als 17-jähriger Student gerne mit jedem Material experimentiert, das ihm zur Verfügung stand. Unter anderem waren das Algen, die er auf ihre Reaktionen in Verbindung mit unterschiedlichen Flüssigkeiten durch „Versuch und Irrtum“ getestet hat. Dabei hat sich herausgestellt, dass Algen eine interessante Wirkung bei menschlichem oder tierischem Gewebe zeigen. Auf eine Verletzung aufgetragen, passen sie sich dem jeweiligen Körperteil an und veranlassen den körpereigenen Abwehrdienst, sofort ein Gewebe zu erzeugen, das den Blutfluss stoppt und die Wunde schließt. Er hat daraus ein Gel entwickelt, welches momentan nur von Tierärzten verwendet werden darf. Aber derzeit in der Erprobung zur Behandlung von Menschen ist. Die Zulassung wäre toll, weil sich damit auch innere Wunden schließen lassen und das durch körpereigene Mechanismen!


[youtube lA411dcg9IM]

Krebs erkennen bevor Symptome auftreten

Die Früherkennung von Krebs ist eine der großen Chancen, um ihn zu heilen. Je früher, desto besser! Bisher musste man gezielt auf bestimmte Krebsarten hintesten, um etwas zu finden. Und die Suche hat meist erst begonnen, wenn die ersten Symptome erkennbar waren. Wenn der Krebs schon in Stadium 3 oder 4 ist. Nun hat eine Gruppe junger Forscher aus unterschiedlichsten Ländern eine Methode gefunden, mit der mittels einer winzigen Menge Blut, einem einfachen Gerät und einem Smartphone innerhalb von 1 Stunde konkrete Testergebnisse vorliegen, ohne dass ein besonderer Suchhinweis gegeben werden muss. Die Forscher haben ihr Verfahren in Open Source angelegt und es erkennt mittlerweile  5 verschiedene Krebsarten selbständig. Durch die Freigabe ihrer Methode erhoffen sie sich, dass durch weltweite Zusammenarbeit möglichst rasch eine Datenbank entsteht, die möglichst viele Arten von Krebs erkennt. Auslöser für diese Innovation war (wie so oft) eine Situation in der Familie, bei der zwischen ersten Beschwerden und dem tatsächlichen Entdecken einer Krebserkrankung ein halbes Jahr vergangen ist!


[youtube dm4fvbrMLPw]

Warum 3D-Drucker die Welt revolutionieren werden

In wenigen Jahren wird es möglich sein, in Krisengebieten (z.B. nach Erdbeben) ohne langen Antransport von Baumaterial direkt vor Ort mit 3D-Druckern kleine Häuser zu drucken. Als Material dafür könnten Plastikflaschen dienen. In China wurden im vergangenen Jahr mit Riesendruckern an einem Tag zehn einstöckige Häuser gedruckt.

Aber auch in anderen Bereichen (wie in der Medizin) sind tolle Dinge möglich: So hat ein amerikanischer Familienvater für seine neunjährige Tochter eine tolle Übergangslösung bis zu einer eventuellen Transplantation gefunden. Von Geburt an hatte sie an der linken Hand unterentwickelte Finger, konnte fast nichts greifen und halten. Durch Internetrecherche kam er auf ein Schulprojekt ganz in seiner Nähe, wo eine Schulklasse mittels 3D-Drucker für seine Tochter eine Handprothese um ca. 5 (!) USD herstellen konnte.

[Quelle: Die WELT online]

Tanzen und auf Berge klettern trotz amputierter Beine

Dr. Hugh Herr aus Boston sind mit 17 Jahren bei einer Bergtour beide Füße erfroren. Trotz bester medizinischer Betreuung mussten ihm beide Beine oberhalb der Knie amputiert werden. Obwohl er gar nicht vor hatte zu studieren, hat er nach einem Weg gesucht, die Fähigkeiten seiner verlorenen Beine durch äußere Hilfsmittel zu ersetzen und ist heute Professor am weltberühmten MIT. Er verfügt dort über ein fantastisches Labor zur Erforschung der Vorgänge im menschlichen Körper im Zusammenspiel der Muskeln und Nerven bei diversen Fortbewegungen.

Sein Antrieb war, dass ihm die ersten Prothesen überhaupt nicht genügten, denn er wollte weiterhin die bisher gewohnten Sportarten betreiben. Seine Forschungen haben natürlich in erster Linie ihm selbst geholfen. Mittlerweile schätzen sich aber Kriegsveteranen und z.B. Opfer des Bostoner Bombenanschlages glücklich, ebenfalls von seinen Erkenntnissen zu profitieren.

Seine Forschungen gehen jetzt bereits weit darüber hinaus, Prothesen für Gehbehinderte zu optimieren. Er möchte ‚Gesunden‘ die Möglichkeit bieten, durch technologische Unterstützung Dinge tun zu können, die sie sonst gar nicht zusammenbrächten. Seine Vision ist, dass wir in Zukunft Schuhe und Kleidung haben werden, die nirgends einengt und drückt. Die Verbindung von Nerven und Muskeln mit computergesteuertem Material, das sich außerhalb des Körpers befindet, soll das ermöglichen.


[youtube TXLbV187AZU]

Wie ein Ingenieur sein eigenes Herz reparierte

Tal Golesworthy ist Techniker in Großbritannien und sah sich vor einigen Jahren damit konfrontiert, dass seine Aorta an einer Stelle im/am Herzen brüchig wurde und Gefahr lief zu platzen. Die Ärzte rieten zu einer raschen Operation, die ungefähr so ablaufen sollte: Der Brustkorb wird geöffnet, der Patient an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, sein eigenes Herz still gelegt, der Körper auf 18 Grad Celsius heruntergekühlt, der brüchige Teil der Aorta herausgeschnitten und durch einen künstlichen Teil ersetzt. Anschließend muss das stillgelegte Herz wieder neu eingetaktet werden, ein nicht unproblematischer Vorgang. Auch das Hochfahren auf normale Körpertemperatur ist nicht ‚ohne‘. Der Patient ist danach sein Leben lang auf die Einnahme von Medikamenten angewiesen, die Abstoßreaktionen des Körpers verhindern.

All das wollte Tal Golesworthy nicht. Als Mann, der sich mit der Reparatur von Boilern und Leitungen auskennt, brachte er diese Erfahrungen ein und schlug den Ärzten vor, das zu tun, was Techniker mit maroden Rohrleitungen oftmals tun: Statt sie auszutauschen werden sie von außen repariert. Zusammen mit aufgeschlossenen Herzspezialisten entwickelte er eine Manschette, mit der seine Aorta ummantelt wurde. Dies konnte in einer kurzen Operation am schlagenden Herzen erfolgen und die Manschette ist aus einem Material, das der Körper nicht abstößt. Dadurch erspart er sich dementsprechende Medikamente. Obwohl bis 2011 (das TED-Video stammt aus diesem Jahr) bereits 90 Operationen ohne Komplikationen verlaufen waren, läuft weiterhin eine große Zahl erfahrener Herzspezialisten gegen diese Lösung Sturm, weil sie gegen die herkömmliche Vorgangsweise vieler Herzchirurgen spricht. Wieder ein gutes Beispiel, wieviele Widerstände bei einer radikalen Innovation zu überwinden sind. 

[Quelle: TED-Video]

Gamification ist das Zauberwort

mysugr.pngGamification bzw. Gamifizierung ist der Einsatz spielerischer Elemente in spielfremden Bereichen. Wer das schafft, kann eher freudlose Tätigkeiten so umwandeln, dass die betroffenen Datensammler süchtig werden. So geschehen bei einem Wiener Startup namens ‚mySugr‘, das Diabetikern in spielerischer Form mittels einer App hilft, ihre Werte aufzuzeichnen, ihre Speisen zu fotografieren und Orten zuzuordnen und alle Daten zu katalogisieren.

Wie in so vielen Fällen entstand die Idee dafür, weil der Mitbegründer des StartUps Frank Westermann selbst Diabetiker ist. Wie viele andere in seinem Team auch. Die mit Begeisterung an die Idee herangingen, den Alltag für Diabetiker spannender zu machen. Indem man Monster besiegt und für die Eingabe von Daten belohnt wird.

An die 100.000 Menschen nutzen bereits diese App, die auf iPhone und Android läuft. Deshalb war es auch klar, dass sich eine Reihe von Investoren entschlossen haben, in dieses Projekt weiter zu investieren. 2013 bekam dazu mySugr noch den Staatspreis für das beste StartUp-Marketing in Österreich verliehen.

[Foto: mySugr]

Kleinster Herzschrittmacher der Welt

Gerade wurden 4 Exemplare davon erstmals im Linzer AKH eingesetzt. Aber nicht wie bisher in eine Tasche unter der Haut, sondern über eine Punktion in der Leiste durch eine Vene bis ins Herzen vorgeschoben. Der Schrittmacher der amerikanischen Firma Medtronic hat etwa die Größe einer Vitamintablette und kleine Widerhaken, mit denen er im Herzen ‚angehängt‘ werden kann. Die Linzer Ärzte hatten sich in einem aufwändigen Auswahlverfahren gegen hunderte anderer Bewerber durchgesetzt und den Zuschlag für die ersten Versuche ‚am Menschen‘ erhalten, nachdem sie bereits erfolgreich an Schweinen bewiesen hatten, dass sie den Vorgang wirklich gut beherrschen.


[youtube uJRdQUTHs_Y]

Für die Patienten ist das nun nicht mehr eine Operation im herkömmlichen Sinn, der Aufwand vergleichbar mit der Einführung eines Stents. Im besten Fall kann der Patient nach einem Tag bereits aufstehen und das Spital verlassen. Außerdem fällt das Gefahrenpotential herkömmlicher Schrittmacher weg wie Infektionsgefahr oder dass ein Schlauch die Lunge perforiert. Die Batterie soll 10 Jahre halten, bald soll es auch Batterien mit 15-jähriger Laufzeit geben. Allerdings eignet sich der Micra (so der Name des Winzlings) nur für Patienten mit geringen Indikationen für einen Schrittmacher, nicht jedoch für solche, die einen Zweikammern-Schrittmacher brauchen.

Bleibt noch die Frage offen: Wie tauscht man diese Mini-Schrittmacher nach 10-15 Jahren aus, wo sie doch mit Widerhaken im Herzen hängen?

Achtung: Dieses Teil zerstört sich selbst in 60 Sekunden!

born-to-die.jpgEs gibt bereits tolle Ergebnisse bei elektronischen Bauteilen, die eine begrenzte Zeit funktionieren und sich anschließend (mehr oder weniger) ohne Rückstände auflösen. Wie funktioniert das? Die Teile bestehen hauptsächlich aus Magnesium, Silikon und Seidensubstrat, die sich z.B. in Wasser nach einer gewissen Zeit auflösen. Damit ergeben sich schon zwei Einsatzgebiete: in der Medizin und in der Spionage.

Medizin: Sie schicken ein Diagnoseinstrument durch den Körper oder nähen es nach einer Operation mit ein. Dieses überwacht dann die Wunde und sendet allfällige Infektionen nach außen. Nach getaner Arbeit verschwindet dieser Sender rückstandslos. Skeptiker raten bei der Verwendung innerhalb des Körpers noch zu großer Vorsicht, sind aber bereit für Anwendungen an der Hautoberfläche oder knapp unter der Haut. Das eröffnet den Ärzten eine tolle Bandbreite an Möglichkeiten.

Spionage: Drohnen lassen sich leicht erkennen und nachweisen, natürlich auch abschießen. Aber wenn Sie z.B. aus großer Höhe winzige elektronische Schnipsel nachts über einem Gebiet abwerfen, das Sie erkunden wollen, dann können diese Schnipsel ihre Beobachtungen an Sie senden oder bestimmte Dinge auslösen und anschließend lösen sie sich auf als wären sie nie da gewesen.

Auch in anderen Bereichen leiden wir heute darunter, dass manche Teile wie z.B. Mobiltelefone Jahre und Jahrzehnte halten, aber nach 2 Jahren schon auf dem Müll landen, weil sie getauscht werden. Was wäre, wenn wir unser gebrauchtes Handy einfach im Waschbecken ‚wegspülen‘ könnten? Natürlich ohne der Umwelt zu schaden. Da die Industrie seit Jahren schon gezwungen wird, ihre Produkte so zu bauen, dass sie nach ihrer Pflichterfüllung die Umwelt so wenig wie möglich belasten, besteht hier ein großes Interesse an Materialien, die nach einem vorberechneten oder selbst gewählten Datum rückstandsfrei zum Verschwinden gebracht werden können.

[Foto und Quelle: TheGuardian]