Radikale Innovation » Handel

Die Armen sind der Markt von morgen

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Foto: Volodymyr KyrylyukEigentlich ist es so einfach, dass man sich wundern muss, dass es nicht schon früher passiert ist. Aus Erzählungen weiß ich, dass sich bei uns jemand ein sehr teures Hobby am ehesten dann leisten konnte, wenn er/sie dafür eine Generalvertretung übernommen hatte. Gerade bei Yachten bot das schon bisher eine gute Gelegenheit, um selbst zu einem halbwegs vernünftigen Preis an so ein Traumgerät zu kommen.

Dieses Prinzip wird mittlerweile auch in Regionen mit sehr armer Bevölkerung befolgt. Um in den Besitz eines Mobiltelefons zu kommen (das von Herstellern bzw. Providern zur Verfügung gestellt wird) werden Menschen zu Kleinunternehmern und verleihen ihr Handy zu Minutentarifen an Arme. Wenn sie es an sehr viele verleihen, erhalten sie auch eine kleine Provision, sodass sie sowohl selbst über ein Telefon verfügen als auch ihre eigenen Gespräche damit finanzieren. Das Gleiche funktioniert übrigens mit Laptops und Internetanschlüssen. Die angebotene Dienstleistung wird in derart kleine Portionen verteilt, dass sich auch Arme dieses für sie sehr attraktive Angebot leisten können.

In Indien hat diese Form der Teilung in kleinstmögliche Einheiten dazu geführt, dass Marken-Haarshampoo in Einzelportionen angeboten wird und angeblich in Tonnen gemessen bereits die gleiche Größe wie der Markt in den USA aufweist. Auch Ketchup, Tee, Kaffee oder Aspirin eignen sich für die Portionsverpackungen. Und gerade die Kunden in Dritte-Welt-Ländern erweisen sich als besonders markenbewusst.

Auch kopieren kann radikal sein

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Radikale Innovationen sind besonders in den Branchen sinnvoll, die in einem quasi ‘geschützten’ Bereich arbeiten. Das haben wir bei vielen Branchen schon erlebt, wie z.B. bei Buchhandlungen, Drogerien, Parfümerien, aber auch bei Apotheken. Man übernimmt einfach etwas, das woanders bereits üblich (und erprobt) ist, auch wenn es noch so viele Widerstände gibt. So ist es mit Medikamenten über das Internet passiert - wenn die rechtliche Situation im eigenen Land nicht passt, wandert man dann eben ins Nachbarland.

Oder ein anderes Beispiel: Weltweit haben sich in der Gastronomie ‘Drive-in’-Lokale etabliert. Kennen Sie schon Deutschlands 1. Drive-in-Apotheke? Die Hamburger Alpha-Apotheke von Ulf Haverland hat in der Branche Aufsehen erregt und eine Menge Anfragen von interessierten Kollegen gebracht. Die Kunden können diskret bedient werden, auch Mütter schätzen es, wenn sie ihre Kinder nicht allein im Auto lassen müssen. Die Zeitschrift Akzente hat darüber in ihrer Ausgabe 4/2005 berichtet. Akzente ist ein Magazin für EDV und Marketing in der Apotheke. Es fördert auch den Zusammenschluss von Apotheken.

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IKEA und die radikale(n) Innovation(en)

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IKEA-LogoEigentlich wollte ich nur über 2 prozessorientierte Innovationen berichten. Bei näherer Beschäftigung mit dem gelbblauen Riesen ist mir jedoch plötzlich eine ganze Fülle von ‘branchenunüblichen’ Innovationen entgegengepurzelt!
1947: IKEA-Gründer Kamprad beginnt Möbel per Versand an die Bauern der Umgebung zu verkaufen, um die Kosten vom Hersteller zum Kunden niedrig zu halten.
1951: Der erste Möbel-Katalog erscheint - es werden komplette Zimmer gezeigt. Angeblich revolutionär für die damalige Zeit.
1956: Kamprad lässt Möbel nach eigenen Entwürfen entwickeln, und zwar so, dass sie aus lauter flachen Teilen bestehen, die (zusammen mit einer Selbstbauanleitung) in flache Kartons passen. Damit können seine Möbel später auch in PKWs transportiert werden.
In den Sechzigern rufen die schwedischen Möbelhändler zum Boykott auf, die Hersteller liefern nicht mehr. Kamprad wandert (mitten im kalten Krieg) mit der Produktion nach Polen, später noch weiter ostwärts.
1965 eröffnet er das erste Möbelhaus in Stockholm. Weil der Kundenansturm übergroß ist, lässt er das Lager für die Kunden öffnen. Das erhebt er später zum Prinzip und bezieht das Lager in jedem neuen Möbelhaus von vornherein in den Verkaufsraum mit ein.

Weitere Innovationen, die IKEA zu Weltruhm verholfen haben, finden Sie bei Wikipedia.

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Selbstbedienung

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Ich finde, dass die Umstellung auf Selbstbedienung im Handel eine absoluten Einschnitt in der Branche erzeugt hat. Sicher war hier der Lebensmittelhandel Vorreiter, andere Handelsformen (z.B. Buchhandel, Drogerien/Parfümerien usw.) folgten. Und hat dann - um Kosten zu sparen - immer weitere Kreise (z.B. Tankstellen) gezogen. Die Folge der Selbstbedienung hatte natürlich Auswirkungen auf die verkauften Produkte selbst (z.B. kleine Teile nur mehr im Bündel) und auf der Verpackung (z.B. Blister, damit man die Ware gut sieht).

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