Archiv der Kategorie: Handel

Drive-in Supermarkt

Ein sehr gut gemachter Film, der eine Vision in schöne Bilder gießt! Allerdings tun sich gleich eine Reihe von Fragen und Anregungen auf.

  1. So ein Drive-in sollte nur von E-Autos befahren werden, denn in der Einkaufs-Rushhour kann es einen ordentlichen Andrang in der Halle (bei laufendem Motor) geben. Ich glube nicht, dass das im Video angepriesene Lüftungssystem das schafft!
  2. Die Regaleinschlichter haben einen sehr öden Job!
  3. Der Anteil an (Kunststoff)Verpackung ist sehr hoch!
  4. Eine große Menge an Kassiererinnen ist unterbeschäftigt. Hier sollte es ein moderneres elektronisches Abrechnungssystem eingesetzt werden.
  5. Das Eintüten in Plastiksäcke ist umweltschädlich und behindert einen größeren Einkauf.
  6. Impulskäufe finden kaum statt und der relativ geringe Umsatz pro Auto wird keinen Investor reizen, viele Millionen in so ein riesiges Gebäude zu investieren.
  7. Wo ist denn die Getränkeabteilung mit den Bierkästen?

Alles in allem eine interessante Vision, die einer kaufmännischen Betrachtung leider nicht standhält. Trotzdem sind auch die anderen Videos des russischen Erfinders Dahir Semenov, wie z.B. ein unterirdisches Zustellsystem sehenswert!

Revolution im Internethandel

Interessant ist, dass Startups mit einer guten Idee gleich den gesamten Weltmarkt ins Auge fassen und ihre Haupt-Homepage deshalb auf Englisch gestalten. Oder in einem Video den Interessenten auf Englisch ansprechen.

http://www.youtube.com/watch?v=f4fqKHExmkE
[youtube f4fqKHExmkE]

Jeder, der im Internet einkauft, weiß, dass er sich meist durch dutzende Angebote durchklicken muss, um vielleicht das passende zu finden. Ein (optisch übersichtlicher) Vergleich zwischen mehreren Produkten verschiedener Firmen ist auch eher selten möglich. Selbst wer in einen Einkaufsmarkt geht, irrt oft lange umher, bis er eine Person findet, die Auskunft geben kann. Das soll nun im Internet anders werden – durch einen eigenen Assistenten. Der Smartassistant kommt aus Österreich und stellt beim Eintritt einige Fragen, genauso wie es ein Berater im Fachgeschäft auch tun würde. Dann trifft er eine Vorauswahl und lässt auch einen Vergleich zwischen mehreren Produkten zu. In einer individuell gestaltbaren Tabelle kann man dann seine Entscheidung treffen, welches Produkt einem am meisten zusagt. Angeblich lässt sich dadurch für Internetanbieter die Abschlussrate entscheidend erhöhen.

Das Team rund um dieses Angebot hat gemeinsam an der Wiener TU studiert und sich auf ‚Semantic Web‘ spezialisiert. Es will in den nächsten Jahren e-commerce damit entscheidend beeinflussen.

Im Jahr 2009 hatte ich schon über das Unternehmen ‚Get Friday‘ berichtet, über das man Aufgaben an einen persönlichen Assistenten auslagern konnte. Reale Personen in Indien haben über das Internet  (in deutscher Sprache) Theaterkarten bestellt, Reservierungen in Restaurants vorgenommen und vielleicht auch bestimmte Dinge besorgt. Sie können alles beschaffen, was keine persönliche Anwesenheit erfordert. Leider nicht mehr in Deutsch, denn dieser Dienst wurde mangels entsprechendem Personal bereits 2010 wieder eingestellt.

Natürlicher Kunststoff – ist das nicht ein Widerspruch?

Unsere Welt ist mit Plastik gefüllt, das uns noch Generationen lang begleiten wird…


[youtube NUrKzTfobR8]

Das österreichische Unternehmerehepaar Ute und Johann Zimmermann möchte das ändern und hat sich in den Kopf gesetzt, Produkte aus sogenanntem natürlichen Kunststoff zu erzeugen. Es hat für sein relativ junges Unternehmen absichtlich die daraus entstehende Abkürzung NaKu gewählt und schützen lassen. DI Zimmermann kommt aus der Kunststoffbranche, die Vision einer Kreislaufwirtschaft hat ihn aber schon immer fasziniert. Aus dem Aspekt, dass ein herkömmliches Plastiksackerl aus dem Handel möglicherweise mehrere Jahrzehnte braucht, um dann nicht zu verrotten, sondern in viele kleine Teile zu zerfallen, hat er viele Jahre geforscht, wie denn natürliche und nachwachsende Rohstoffe als Verpackungsmaterial einsetzbar wären. Bei Mais und Kartoffeln ist er fündig geworden, auch deshalb, weil diese hier wachsen und daher für diese Rohstoffe keine langen Transportwege nötig sind.

In einer industriellen Kompostieranlage verrottet das NaKu-Sackerl innerhalb von 3-5 Tagen! Aber werden hier nicht wertvolle Lebensmittel als Verpackungsmaterial missbraucht? Zimmermann forscht schon, was aus Neben- und Abfallprodukten der Lebensmittelindustrie verwendet werden kann – dies ist allerdings noch Zukunftsmusik. Er führt aber ins Treffen, dass für die Erzeugung von zig-tausenden von NaKu-Sackerln nur eine verschwindend geringe Menge an Rohstoffen nötig ist. Auch Tiefziehfolien und Flaschen stehen schon auf seiner Versuchspalette.

Anfänglich noch sehr zögernd vom Handel angenommen, entschließen sich immer mehr Firmen, dem (vom Kunden zu zahlenden) NaKu-Frischhaltebeutel eine Chance zu geben. Und Zimmermanns haben inzwischen so viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten für ihre Idee entdeckt, dass es ihnen schwer fällt, sich auf einige wenige zu konzentrieren.

Die Verkaufsfläche für nur kurze Zeit verdoppeln

In der deutschen Wirtschaftswoche habe ich eine interessante Notiz gefunden: Die amerikanische Spielzeugkette Toys“R“us hat ihr Geschäftsmodell um eine überraschende Variante erweitert: Da im Spielzeugmarkt die meisten Umsätze im letzten Jahresdrittel gemacht werden, möchte Toys“R“us dieses Jahr seine Verkaufsflächen radikal ausweiten (verdoppeln!), in dem es die Immobilienkrise im Land nützt.

Original Pressetext vom 9.September 2010: Toys“R”Us® today announced plans to operate approximately 600 Toys“R”Us Express stores in malls and shopping centers nationwide during the 2010 Christmas season, in addition to its 587 full-size Toys“R”Us stores in the United States.  This major expansion will double the number of Toys“R”Us locations available for holiday shopping needs as the company asserts its authority position by making itself even more convenient for customers.  This sizeable rollout of pop-up stores represents an additional 2.4 million square feet of toy-selling space for the holiday season.

Da es sehr viele Leerstände in Shopping Centers zu vermelden gibt, wird sich der Spielzeugkonzern dort (allerdings nur für eine begrenzte Zeit bis nach Weihnachten) einmieten, um so die stärkste ‚Saison‘ besser zu nutzen. Bekanntlich ist die Verkaufsfläche ein wesentlicher  Motor für mehr Umsätze, daher dürfte der Erfolg vorprogrammiert sein. Und in der ’schwachen‘ Zeit kehrt Toys“R“us wieder zu seinen Stammgeschäften zurück. Sicher wird es eines logistischen Kraftaktes bedürfen, um die vorübergehend angemieteten Outlets zu bestücken, aber gerade das ist ein Zeichen dafür, dass die Konkurrenz dieses Konzept nicht so schnell kopieren wird!

Im folgenden Video sehen Sie wie die Ausstattung für die kurze Saison aussehen könnte:

[youtube x3WKOR4QPvc]

http://www.youtube.com/watch?v=x3WKOR4QPvc

[ASIT-Prinzip: Multiplication]
[TRIZ-Lösungsprinzipien Nr. 26: Kopieren, Nr. 19: Periodische Wirkung]

Die Armen sind der Markt von morgen

Foto: Volodymyr KyrylyukEigentlich ist es so einfach, dass man sich wundern muss, dass es nicht schon früher passiert ist. Aus Erzählungen weiß ich, dass sich bei uns jemand ein sehr teures Hobby am ehesten dann leisten konnte, wenn er/sie dafür eine Generalvertretung übernommen hatte. Gerade bei Yachten bot das schon bisher eine gute Gelegenheit, um selbst zu einem halbwegs vernünftigen Preis an so ein Traumgerät zu kommen.

Dieses Prinzip wird mittlerweile auch in Regionen mit sehr armer Bevölkerung befolgt. Um in den Besitz eines Mobiltelefons zu kommen (das von Herstellern bzw. Providern zur Verfügung gestellt wird) werden Menschen zu Kleinunternehmern und verleihen ihr Handy zu Minutentarifen an Arme. Wenn sie es an sehr viele verleihen, erhalten sie auch eine kleine Provision, sodass sie sowohl selbst über ein Telefon verfügen als auch ihre eigenen Gespräche damit finanzieren. Das Gleiche funktioniert übrigens mit Laptops und Internetanschlüssen. Die angebotene Dienstleistung wird in derart kleine Portionen verteilt, dass sich auch Arme dieses für sie sehr attraktive Angebot leisten können.

In Indien hat diese Form der Teilung in kleinstmögliche Einheiten dazu geführt, dass Marken-Haarshampoo in Einzelportionen angeboten wird und angeblich in Tonnen gemessen bereits die gleiche Größe wie der Markt in den USA aufweist. Auch Ketchup, Tee, Kaffee oder Aspirin eignen sich für die Portionsverpackungen. Und gerade die Kunden in Dritte-Welt-Ländern erweisen sich als besonders markenbewusst.

Auch kopieren kann radikal sein

Radikale Innovationen sind besonders in den Branchen sinnvoll, die in einem quasi ‚geschützten‘ Bereich arbeiten. Das haben wir bei vielen Branchen schon erlebt, wie z.B. bei Buchhandlungen, Drogerien, Parfümerien, aber auch bei Apotheken. Man übernimmt einfach etwas, das woanders bereits üblich (und erprobt) ist, auch wenn es noch so viele Widerstände gibt. So ist es mit Medikamenten über das Internet passiert – wenn die rechtliche Situation im eigenen Land nicht passt, wandert man dann eben ins Nachbarland.

Oder ein anderes Beispiel: Weltweit haben sich in der Gastronomie ‚Drive-in‘-Lokale etabliert. Kennen Sie schon Deutschlands 1. Drive-in-Apotheke? Die Hamburger Alpha-Apotheke von Ulf Haverland hat in der Branche Aufsehen erregt und eine Menge Anfragen von interessierten Kollegen gebracht. Die Kunden können diskret bedient werden, auch Mütter schätzen es, wenn sie ihre Kinder nicht allein im Auto lassen müssen. Die Zeitschrift Akzente hat darüber in ihrer Ausgabe 4/2005 berichtet. Akzente ist ein Magazin für EDV und Marketing in der Apotheke. Es fördert auch den Zusammenschluss von Apotheken.

IKEA und die radikale(n) Innovation(en)

IKEA-LogoEigentlich wollte ich nur über 2 prozessorientierte Innovationen berichten. Bei näherer Beschäftigung mit dem gelbblauen Riesen ist mir jedoch plötzlich eine ganze Fülle von ‚branchenunüblichen‘ Innovationen entgegengepurzelt!
1947: IKEA-Gründer Kamprad beginnt Möbel per Versand an die Bauern der Umgebung zu verkaufen, um die Kosten vom Hersteller zum Kunden niedrig zu halten.
1951: Der erste Möbel-Katalog erscheint – es werden komplette Zimmer gezeigt. Angeblich revolutionär für die damalige Zeit.
1956: Kamprad lässt Möbel nach eigenen Entwürfen entwickeln, und zwar so, dass sie aus lauter flachen Teilen bestehen, die (zusammen mit einer Selbstbauanleitung) in flache Kartons passen. Damit können seine Möbel später auch in PKWs transportiert werden.
In den Sechzigern rufen die schwedischen Möbelhändler zum Boykott auf, die Hersteller liefern nicht mehr. Kamprad wandert (mitten im kalten Krieg) mit der Produktion nach Polen, später noch weiter ostwärts.
1965 eröffnet er das erste Möbelhaus in Stockholm. Weil der Kundenansturm übergroß ist, lässt er das Lager für die Kunden öffnen. Das erhebt er später zum Prinzip und bezieht das Lager in jedem neuen Möbelhaus von vornherein in den Verkaufsraum mit ein.

Weitere Innovationen, die IKEA zu Weltruhm verholfen haben, finden Sie bei Wikipedia.

Selbstbedienung

Ich finde, dass die Umstellung auf Selbstbedienung im Handel eine absoluten Einschnitt in der Branche erzeugt hat. Sicher war hier der Lebensmittelhandel Vorreiter, andere Handelsformen (z.B. Buchhandel, Drogerien/Parfümerien usw.) folgten. Und hat dann – um Kosten zu sparen – immer weitere Kreise (z.B. Tankstellen) gezogen. Die Folge der Selbstbedienung hatte natürlich Auswirkungen auf die verkauften Produkte selbst (z.B. kleine Teile nur mehr im Bündel) und auf der Verpackung (z.B. Blister, damit man die Ware gut sieht).

[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 25: Selbstbedienung]