Archiv der Kategorie: Getränke

Becher von unten (!) befüllen

Ein interessantes neues Getränkefüllsystem habe ich bei CREAX entdeckt:

[youtube wiu_IX14wLI]

Mit diesem System ist es möglich, 56 (!) Becher Bier in 1 Minute zu befüllen. Den Videobeweis hat die amerikanische Firma GrinOn Industries angetreten – allerdings mit 3 Personen. Der Rekord, wenn nur 1 Person die Becher befüllt, liegt derzeit bei 44 Bechern.

Wie funktioniert nun das System? Die Becher haben an der Unterseite einen Magnetring und einen (mit Werbung) bedruckten Magneten. Sobald das Bier einschießt, hebt sich der Magnet und senkt sich, sobald die entsprechende Menge im Becher eingefüllt ist.
Diese lebensmittelechten Magneten werden mittlerweile unter Sammlern gehandelt. Viele nehmen die Magneten nach Hause und heften sie an den Kühlschrank, was die Werbewirksamkeit erhöht.

Das System ist ideal für große Veranstaltungen und kann ohne besondere Einschulung auch von Hilfskräften bedient werden. GrinOn wirbt damit, dass Bier neunmal schneller als bisher eingefüllt werden kann. Und es gibt keine Beschwerden mehr, dass zuviel Schaum dabei ist. Das Radikale daran ist, dass kein normaler Mensch einen Becher VON UNTEN befüllen würde!

Warum heißen ziegelförmige Verpackungen eigentlich Tetra Pak?

TetraPak

Nur die Älteren unter uns werden dieses Geheimnis lüften können, denn die Jungen verbinden mit dem Namen ‚Tetra Pak‘ meist den Tetra Brik. Nur die Wenigsten können sich noch daran erinnern, dass die ersten Verpackungen unter dem Namen ‚Tetra Pak‘ tatsächlich Tetraeder waren.

Radikale Innovation Nr. 1: Dr. Ruben Rausing hatte Anfang der 50er-Jahre ein neues Verfahren entwickelt, um Getränke schnell und aseptisch abfüllen zu können. Ein vorher befüllter Zylinder wurde zusammengedrückt, verschweißt und abgeschnitten, dann um 90 Grad gedreht und wieder zusammengeschweißt und geschnitten, usw. Das Geniale daran war, dass der Verschweißprozess erfolgte ohne den Inhalt (also die Milch) zu berühren.
Radikale Innovation Nr. 2: Statt wie bisher Milch in Glasflaschen abzufüllen, setzte er gewachstes Papier als Verpackung ein.

TetraPak-BrikBeide Ideen waren revolutionär, doch stark aus der Sicht des Produzenten betrachtet. Bis zum Lebensmittelhandel ließen sich die Tetraederpackungen auch noch recht platzsparend in Spezialbehältern schlichten. Einmal in der Hand des Verbrauchers, waren die Packungen zum Verstauen im Kühlschrank eher unhandlich und nahmen viel zu viel Platz ein. Zum Öffnen brauchte man eine Schere, um die obere Spitze abzuschneiden, zum Wiederverschließen eine Wäscheklammer. Tetra Pak ist es dennoch jahrelang gelungen, das Modell ‚Classic‘ in vielen Ländern zu verkaufen. Einen wesentlichen Vorteil hatte allerdings auch der Verbraucher: Er musste viel weniger Gewicht nach Hause schleppen als zu Zeiten der Milchflasche. Heute noch wirbt Tetra Pak damit, dass die gewichtsmäßige Verteilung Inhalt zu Verpackung 97:3 ausmacht. Letztendlich war sich Tetra Pak aber dann doch nicht zu schade, auf besser stapelbare Produkte umzusteigen. Und wenn Sie darauf bestehen, können Sie heute noch die Tetraederpackung bei Tetra Pak beziehen!

[Fotos: Tetra Pak]

Das Bessere ist der Feind des Guten

Viele Firmen sind heute in ganz anderen Bereichen tätig als zur Zeit ihrer Gründung. Autobauer Peugeot hat mit Gewürzmühlen begonnen (die es heute immer noch gibt), Telekommunikationsprofi Nokia mit Papier, später dann mit Gummischuhen und Reifen (werden heute nicht mehr produziert).

Einen extrem radikalen Schwenk, nämlich vom Mischkonzern mit Schwerpunkt Stahl zum weltgrößten Dienstleister in der Freizeitindustrie hat die ehemalige Preussag AG vollzogen. TUI ist heute an Fluggesellschaften, Reiseveranstaltern, Incoming-Agenturen, Reisebüros und Hotels beteiligt. Über Hapag Lloyd ist auch der Einstieg in die Container- und Kreuzschifffahrt gelungen.

Mögen in einigen Fällen Fusionen bzw. übernommene Firmen zur Änderung der Produktpalette geführt haben, so sind es oftmals auch staatliche Auflagen, die zu einem Schwenk zwingen. So musste der ursprüngliche Erfinder von Coca-Cola aus seinem unter dem Namen Pemberton’s French Wine Coca vertriebenen Getränk wegen der Prohibition den Wein entfernen. Aber als Medizin und Mittel gegen Kopfschmerzen und Depressionen war dem Getränk noch nicht der große Durchbruch beschieden. Erst als Coca-Cola als Erfrischungsgetränk mit enormem Aufwand beworben wurde, stellte sich der rasante Aufstieg der Marke ein.