Die Methode ASIT (Advanced Systematic Thinking) benützt einige wenige Werkzeuge, um Probleme zu lösen oder neue Produkte zu erfinden. Ein Werkzeug nennt sich ‘Object Removal’ oder ‘Trimming’ (manchmal auch ‘Subtraction’ genannt). Von bestehenden Objekten (oder Dienstleistungen bzw. Prozessen) werden Teile entfernt ohne dass die eigentliche Leistung maßgeblichen Schaden erleidet.
Man kann Lautsprecher immer noch kleiner machen. Indem man ihnen z.B. ein wesentliches Teil wegnimmt: die Membran. Aber wie soll das dann gehen? Wo kommt der Klangkörper her? Man benützt den Schreibtisch, ein Magazin oder wie das folgende Video zeigt, eben auch mal eine Papierschneidemaschine aus Metall. Auf der der Ton gar nicht so schlecht klingt! Aber hören Sie selbst…
Bei USB fever kann man den handtellergroßen SONAR Speaker mit USB-Anschluss um ca. 28 EUR bestellen.
http://www.youtube.com/watch?v=jHimnanBZ6Q
[ASIT-Prinzip: Objektentfernung], [TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 2: Abtrennung]
Gerade habe ich einem Kollegen das Prinzip der disruptiven Innovation erklärt, die einen Markt mit einer neuen Technologie von unten aufrollt. Anfänglich ist die neue Technologie noch mit vielen Macken behaftet und wird von den etablierten Firmen nicht ernst genommen. So geschehen im Bereich der digitalen Fotografie. Jahrelang wurde sie von Kodak und Konsorten belächelt und war auch wirklich in der Qualität nicht vergleichbar. Aber nach und nach wurde die Qualität besser, solange bis eine gewisse Käuferschicht mit relativ geringen Qualitätsansprüchen auf digital umstieg. Und mit den Erfahrungen der ständig steigenden Käuferschar wurde die Qualität jedes Jahr besser und besser. Neue Verwendungszwecke wurden entdeckt und die Vorteile der Bearbeitung erkannt. In dem Moment wo Profis sich diese Vorteile zu eigen machten, war es um die Fotografie alten Stils geschehen. Sie konnte sich noch kurze Zeit mit Qualitätsverbesserungen halten, aber diese wurden irgendwann unbezahlbar. Die digitale Fotografie hatte das Massengeschäft übernommen.
Über den Einbau in Mobiltelefone wurden neue Kundenschichten gewonnen. Anfänglich zwar auch mit Kameras zweifelhafter Qualität. Selbst das iPhone 3G (obwohl durchaus eine starke Marke) hat sich bei seiner ersten Kamera nicht mit Ruhm bekleckert. Das neue iPhone 4 besitzt jetzt schon eine 5 Megapixel-Kamera, die sehr schöne Bilder macht. Und Videos in HD-Qualität.
Mit dem Geschirrspüler und der Waschmaschine haben wir seit langem Maschinen, die uns Menschen lästige Arbeit abnehmen. Aber wie sieht es mit Robotern aus, die ja schon vor langer Zeit in der industriellen Produktion Eingang gefunden haben? Seit einiger Zeit ist eine rapide Zunahme von zwei Robotertypen zu bemerken:
Saugroboter erledigen die Arbeit von Staubsaugern und kosten auch ungefähr soviel. Sie kommen allerdings viel besser als normale Staubsauger unter Möbel und in sonst vernachlässigte Ecken. Bei nachlassender Akkuleistung kehrt der Saugroboter zu seiner Dockingstation zurück und wird nachgeladen. Die Dockingstation von Kärcher saugt sogar den Schmutz des Roboters ein, sodass dieser sich wieder leer auf Wanderschaft begeben kann. Was sich allerdings auch drastisch im Preis (€ 550,00) niederschlägt.
Vom System her sehr ähnlich, aber im Preis viel höher (€1.000-4.000) sind die
Rasenroboter: Sie brauchen allerdings meist noch vor dem ersten Betrieb eine im Boden installierte Induktionsschleife, um ihr Arbeitsgebiet zu begrenzen. Teurere Geräte haben allerdings schon spezielle Grassensoren und benötigen daher gar keinen Begrenzungsdraht mehr.
Was ist an diesen Robotertypen radikal? Sie arbeiten im Normalbetrieb völlig anders als der Mensch, der meist systematisch vorgeht. Diese Roboter arbeiten ‘chaotisch’, d.h. sie fahren kreuz und quer über den Boden oder Rasen bis sie das gewünschte Resultat erreicht haben.
[TRIZ-Evolutionsprinzip Nr. 8: Geringere menschliche Interaktion]
FH-Student Robert Maier hat mich darauf aufmerksam gemacht: Microsoft und Wissenschafter der Pittsburgh University arbeiten an einer gänzlich neuen Computersteuerung namens ‘Skinput’. Mittels eines Beamers in einer Manschette am Oberarm wird z.B. eine Tastatur auf den Unterarm oder die Hand projeziert, dort können die Tasten durch einfaches Antippen der Haut bedient werden. Aber auch ohne projezierte Tasten funktioniert das System: Durch Tippen auf verschiedene Stellen des Armes können unterschiedliche Befehle erzeugt werden. Oder Sie tippen auf einzelne Finger und erteilen damit jeweils einen anderen Befehl. Das Ergebnis sehen Sie dann wieder auf einem Bildschirm, den Sie beliebig projezieren können. FOCUS-online hat einen Ausschnitt aus dem Originalvideo als deutsche Version auf youtube gestellt.
Die “intelligenten Netze” werden in Zukunft dafür sorgen, dass der Strom dorthin fließt, wo er gerade gebraucht wird. Wir werden tagsüber auf unserem Haus mit Sonnenkollektoren oder anderen Systemen Energie erzeugen und diese in das Netz einspeisen. Abends holen wir uns dann einen Teil davon zurück. Die Abrechnung erfolgt über “Smart Meter”, die den Energielauf in beiden Richtungen messen.
In dieses Konzept sollen auch Elektrofahrzeuge einbezogen werden, die oft stundenlang ohne Verwendung herumstehen. In dieser Zeit könnten sie mit ihren Batterien als Energiespeicher dienen. Dieser Kreislauf wird recht anschaulich auf der österreichischen Homepage zum Thema “Smart Grids” dargestellt. Damit einher geht der Einsatz von Computersystemen, die diese intelligenten Netze steuern. Es wird deshalb möglich sein, dass sich bestimmte Geräte nur dann einschalten, wenn der Strompreis gerade günstig ist. Oder Energie ans Netz abgeben, wenn der Strompreis gerade einen guten Ertrag bietet.
James Dyson, der Erfinder des beutellosen Staubsaugers, ist ein Meister im ‘Weglassen’. Nun hat er eine wahrlich radikale Innovation abgeliefert: Einen Ventilator ohne (sichtbare) Rotorblätter!
Dieser liefert einen gleichmäßigen Luftzug ab, weil die Luft nicht mehr wie bei herkömmlichen Ventilatoren ‘zerschnitten’ wird und dadurch ein unangenehmes ‘Flattern’ erzeugt. Der Ring (siehe oben) ist im Durchschnitt etwas konisch einem Flugzeugflügel nachempfunden, da die Dysoningenieure festgestellt haben, dass die eine Tragfläche entlangstreichende Luft ihre Menge ordentlich steigert. Wie wird nun aber die Luft angesaugt? Durch die schmalen Schlitze im Fuß des Gerätes mittels asymmetrisch angeordneter Lamellen. Die Luft wird außen über den Ring geleitet und dadurch automatisch 15x verstärkt. Das ist in diesem Video sehr gut zu sehen.
Das Gerät ist einfach zu säubern und vor allem können Kinder und Erwachsene gefahrlos die Hand in den Ring halten (bei Betrieb): Es wird ihnen nichts passieren. Allerdings rangiert das gute Stück derzeit noch mit einem Verkaufspreis von € 299,00 in der Kategorie “Liebhaberstück”, da es das Zehn- bis Zwanzigfache eines herkömmlichen Tischventilators kostet.
[ASIT-Prinzip: Entferne einen wesentlichen Bestandteil]
Interessant ist, was die Firma Neofonie auf dem Tablet-Sektor als Konkurrenz zum Apple iPad ankündigt: Das WePad (mittlerweile umgetauft auf WeTab) - designed in Deutschland - soll mehr können als sein amerikanischer Mitbewerber. Vor allem Adobe Flash und Android läuft auf dem WeTab. Außerdem ist eine Webcam eingebaut. Und soll noch dazu billiger sein! Leider gibt es noch keinen Termin, während Apples iPad Ende April in Deutschland auf den Markt kommen soll.
Die radikale Innovation von Apples iPad (spricht neue Zielgruppen an, wird möglicherweise neue Verwendungszwecke schaffen) liefert sofort Ansatzpunkte für Mitbewerber, da Apple für seine Einschränkungen bekannt ist. Dadurch wird aber insgesamt die Aufmerksamkeit für diese neuen Produkte vergrößert, es profitieren also alle davon, auch die Konsumenten.
[Fotos: Neofonie]
Aktualisierung: Leider scheint sich das WeTab laut Webstandard zum IT-Flop des Jahres zu entwickeln. Die Rezensionen auf Amazon sprechen Bände! Schade, es hätte eine interessante Konkurrenz werden können. Ein Weltkonzern hat hier offensichtlich aber doch andere Möglichkeiten als ein kleinerer Betrieb.
Nachdem neuerdings eBooks und eReader (hier und hier) in aller Munde sind, habe ich im Basic Thinking Blog ein interessantes Video gefunden. Es zeigt Forschungsergebnisse des südkoreanischen Gwangju Institute of Science and Technology, die dem Buch auf Papier wieder neuen Auftrieb geben könnten - mit einer radikalen Innovation, die in den Trend der Zeit, nämlich Richtung dreidimensionales Erlebnis, passt. Dass man dazu eine spezielle Brille braucht, um aus den Seiten Figuren aufstehen zu sehen, soll der Sache keinen Abbruch tun. Auch Geräusche werden simuliert, angeblich auch Gerüche. Jetzt wartet alles gebannt auf den Preis, damit ein Massenmarkt bedient werden kann. André Vatter vom Basic Thinking Blog sieht vorerst den Einsatz bei Smartphones oder in Museen. Auch auf Messen kann ich mir das lebhaft vorstellen, denn dort ist entsprechendes Budget für jede attraktive Präsentation vorhanden.
Allerdings ist nicht allem, was in 3D daherkommt, unbedingt Erfolg garantiert. Mein Vater (ein begeisterter Puzzle-Leger) hat mich mit bitteren Vorwürfen eingedeckt, nachdem ich ihm ein 3D-Puzzle zum Geburtstag geschenkt hatte. Er meinte, dass der Übergang vom 2D- zum 3D-Puzzle extrem schwer zu meistern wäre und wollte partout kein weiteres 3D-Puzzle geschenkt haben!
… ist ein klassisches Beispiel dafür, dass eine radikale Innovation oft nicht einem genialen Marketingkonzept entspringt, sondern aus einer frustrierenden Notsituation entsteht. So erzählt es freimütig der Erfinder des USB-Sticks, der Israeli Dov Moran: “Während einer Flugreise in Amerika habe ich an einer Präsentation gearbeitet und anschließend meinen Laptop nicht richtig geschlossen. Der Akku war dann leer und ich konnte meine Präsentation nicht starten. Das war für mich der Anlass, ein Speichermedium zu erfinden, das leicht mitzunehmen und nicht von Stromversorgung abhängig war. Auch wollte ich Daten leicht überspielen oder auf jedem zur Verfügung stehenden Computer abspielen können. Und den USB (Universal Serial Bus)-Anschluss gab es damals schon an jedem neuen Computer.”
Wer sich nicht mehr mit dem Brennen von CDs aufhalten wollte, der war sofort von USB-Sticks begeistert, obwohl diese anfänglich nur 8 MB (!) beim Markteintritt im Jahr 2000 hatten. Sehr rasch waren aber 256 bzw. 512 MB erreicht und beim nächsten Sprung war auch schon die CD-Rom überholt. Heute gibt es bereits Sticks mit einer Kapazität von 256 GB und 512 GB sind im Anmarsch (ab EUR 350 gebraucht). Je billiger ein Stick heute ist, desto geringer ist meist seine Lese- oder auch seine Schreibgeschwindigkeit, sodass die Speicherkapazität allein noch nicht ausschlaggebend ist. Der Preis dürfte mit ein Grund sein, warum immer noch Speichermedien wie die DVD (max. rund 9 GB) verwendet werden, da das Einzelstück zwischen 2 und 4 Euro kostet.
Auf der Site von oled.at (Organic Light Emitting Diode) habe ich ihn gefunden: Den ersten durchsichtigen Laptop-Bildschirm von Samsung!
Was sind nun die Vorteile gegenüber einem LCD-Bildschirm? Das beschreibt sehr schön ein Video von Kodak, das ich auch bei oled.at gefunden habe.
- Es ist viel energieeffizienter als LCD, weil es keine Hintergrundbeleuchtung braucht,
- es ist 200mal dünner als ein Menschenhaar, die Bildschirme auf Handys und Notebooks können also sehr dünn gestaltet werden (derzeit ist man angeblich bei 3mm!),
- die Bilder sind gut sichtbar, egal aus welchem Winkel,
- es sind auch flexible Displays möglich,
- die Herstellungskosten sind niedrig.
Eine radikale Innovation, die wieder einmal Jahrzehnte gebraucht hat, um es bis zum Durchbruch zu schaffen: Die OLED-Technologie soll vor rund 20 Jahren entdeckt worden sein und erste Berichte über Elektroluminiszenz in organischen Materialien sollen bereits 1953 (!) erschienen sein.