… ist ein klassisches Beispiel dafür, dass eine radikale Innovation oft nicht einem genialen Marketingkonzept entspringt, sondern aus einer frustrierenden Notsituation entsteht. So erzählt es freimütig der Erfinder des USB-Sticks, der Israeli Dov Moran: “Während einer Flugreise in Amerika habe ich an einer Präsentation gearbeitet und anschließend meinen Laptop nicht richtig geschlossen. Der Akku war dann leer und ich konnte meine Präsentation nicht starten. Das war für mich der Anlass, ein Speichermedium zu erfinden, dass leicht mitzunehmen und nicht von Stromversorgung abhängig war. Auch wollte ich Daten leicht überspielen oder auf jedem zur Verfügung stehenden Computer abspielen können. Und den USB (Universal Serial Bus)-Anschluss gab es damals schon an jedem neuen Computer.”
Wer sich nicht mehr mit dem Brennen von CDs aufhalten wollte, der war sofort von USB-Sticks begeistert, obwohl diese anfänglich nur 8 MB (!) beim Markteintritt im Jahr 2000 hatten. Sehr rasch waren aber 256 bzw. 512 MB erreicht und beim nächsten Sprung war auch schon die CD-Rom überholt. Heute gibt es bereits Sticks mit einer Kapazität von 256 GB und 512 GB sind im Anmarsch (ab EUR 350 gebraucht). Je billiger ein Stick heute ist, desto geringer ist meist seine Lese- oder auch seine Schreibgeschwindigkeit, sodass die Speicherkapazität allein noch nicht ausschlaggebend ist. Der Preis dürfte mit ein Grund sein, warum immer noch Speichermedien wie die DVD (max. rund 9 GB) verwendet werden, da das Einzelstück zwischen 2 und 4 Euro kostet.
Auf der Site von oled.at (Organic Light Emitting Diode) habe ich ihn gefunden: Den ersten durchsichtigen Laptop-Bildschirm von Samsung!
Was sind nun die Vorteile gegenüber einem LCD-Bildschirm? Das beschreibt sehr schön ein Video von Kodak, das ich auch bei oled.at gefunden habe.
- Es ist viel energieeffizienter als LCD, weil es keine Hintergrundbeleuchtung braucht,
- es ist 200mal dünner als ein Menschenhaar, die Bildschirme auf Handys und Notebooks können also sehr dünn gestaltet werden (derzeit ist man angeblich bei 3mm!),
- die Bilder sind gut sichtbar, egal aus welchem Winkel,
- es sind auch flexible Displays möglich,
- die Herstellungskosten sind niedrig.
Eine radikale Innovation, die wieder einmal Jahrzehnte gebraucht hat, um es bis zum Durchbruch zu schaffen: Die OLED-Technologie soll vor rund 20 Jahren entdeckt worden sein und erste Berichte über Elektroluminiszenz in organischen Materialien sollen bereits 1953 (!) erschienen sein.
Ein sehr interessantes Beispiel für radikale Innovation ist das Projekt ‘Better Place’ von Shai Agassi. Dafür hat er seinen schönen Vorstandsposten bei SAP aufgegeben! Er ist davon überzeugt, dass elektrische Energie den heute verwendeten Treibstoffen für Autos den Rang ablaufen wird - schon allein aus Umweltschutzgründen. Und weil die Erdölvorräte immer weniger und die Preise immer höher werden.
Interessant sind seine Denkansätze:
Er trennt gedanklich die Batterie vom Auto (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 1: Zerlegen). Außerdem findet er, dass bei vielen von uns die Autos nur kurz benutzt werden (am Weg in die Arbeit) und dann stundenlang unnütz herumstehen. Daher könnte jede dieser unproduktiven Zeiten dazu verwendet werden, um die Batterie wieder aufzuladen (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 22: Aus Schädlichem Nützliches machen).
Ein wesentlicher Faktor einer radikalen Innovation ist ein neues Geschäftsmodell. Hier schlägt Agassi vor, ein erfolgreiches Modell aus der Mobiltelefonie zu übernehmen: Mach einen langfristigen Vertrag mit deinem Stromversorger und wir stellen dir dein Elektroauto gratis (oder für einen minimalen Betrag zur Verfügung). Als Partner hat er Nissan Renault gewonnen, die voll bei seinem Konzept mitziehen. Wobei das Ziel von Renault mit seiner gesamten E-Flotte durchaus ehrgeizig ist. Angesteuert wird nicht eine schrittweise Reduktion der Schadstoffe, sondern gleich das Nullemissions-Auto!
Wie es mit ‘Better Place’ laufen könnte, zeigt folgendes Video
1. Radikale Innovationen bieten oft eine neue Technologie, die anfänglich sehr bescheiden daher kommt. Sie ist noch mit vielen Macken behaftet und wird von den Großen absolut nicht ernst genommen. Aber nach und nach wird sie immer besser und dann erwischt sie die Großen auf dem falschen Fuß! So hat Sony ursprünglich die MP3-Technologie total unterschätzt. Deren Ingenieure hatten sie als trivial abgetan.
2. Radikale Innovationen sprechen mit einfachen, leicht zu bedienenden und erschwinglichen Lösungen neue Kundenkreise an. So hat Nintendo mit dem Wii Controller Frauen und älteren Menschen die Begeisterung für Videospiele erschlossen. Nintendo hat 25-40jährige Frauen als Zielgruppe entdenkt, ein Segment, das Microsoft und Sony überhaupt nicht für Videospiele im Visier hatten.
3. Radikale Innovationen erschließen neue Märkte. Digital Equipment, einst ein äußerst erfolgreiches Unternehmen, das Computer an Firmen verkaufte, sah den PC, der vorerst meist als Spielzeug verwendet wurde, als eher trivial und den Markt dafür als uninteressant an. Innerhalb weniger Jahre war Digital Equipment tot!
4. Radikale Innovationen erfinden ein neues Geschäftsmodell. Kodak beobachtete von Beginn an die digitale Photographie. Es war sogar ein Kodakingenieur, der 1975 die erste digitale Kamera entwickelte! Aber Kodak selbst war nicht begeistert: Eine Kamera ohne Film! Da sie Millionen an Filmen verdienten, waren sie an der neuen Technolgie und deren Geschäftsmodell nicht sonderlich interessiert. Diese Fehleinschätzung hat Eastman Kodak bitter bereut!
In einem dieser 4 Bereiche (oder in mehreren) liegt das Potenzial, das große und bekannte Firmen oft übersehen. Dazu gibt es ein interessantes Video des Amerikaners Scott D. Antony.
Mehrmals habe ich bereits erwähnt, dass (staatlicher) Zwang eine Triebfeder für radikale Innovationen darstellt. Und dass die Anpassung bis zu wirklich brauchbaren Ergebnissen oft lange dauert. Genau das trifft jetzt beim langsamen Sterben der Glühbirne zu. Was gibt es für hitzige Diskussionen über das Verbot der 100Watt-Birne und das sich in Haushalte ausbreitende Quecksilber, wenn Energiesparlampen zerplatzen. Dabei ist diese Diskussion doch eigentlich sinnlos, da die LED (Light Emitting Diode)-Lampe schon lange aus den Startlöchern gekommen ist. Nun liefern uns PHILIPS und OSRAM sogar eine LED-Birne, die in alle herkömmlichen (Edison-E 27)Gewinde passt!
Zugegeben, die Lichtausbeute könnte besser sein und Preise zwischen rund 10 Euro für eher schwache und rund 45 Euro für Leuchten, die herkömmliche 40W-Birnen ersetzen sollen, sind noch etwas happig. Auch das groß angepriesene ‘warmweiß’ ist sehr weiß, allerdings wenigstens nicht bläulich wie andere LEDs. Aber Lebensdauer und geringer Stromverbrauch wiegen vieles auf! Und sobald die Massenproduktion so richtig anläuft, werden auch die Preise nach unten rasseln!
Wenn diese neuen ‘Birnen’ noch 2010 richtig in Fahrt kommen, dann werden meines Erachtens im September 2010 beim Verbot der 75-Watt-Glühbirnen die Hamsterkäufe ausbleiben.
Mehrfach hatte ich ja schon darüber berichtet, dass radikale Innovationen meist nicht von einem Tag auf den anderen passieren. Dafür ist ‘Otto Normalverbraucher’ nicht gebaut. Und auch der Risikofaktor ist für die meisten Firmen zu hoch. Meist entwickelt sich eine radikale Innovation über Jahre hinweg (und hinterlässt manchmal auch ein paar Firmenleichen auf dem Weg). Nach langer Zeit der Weiterentwicklung ist dann der Abstand zur ursprünglich ‘alten’ Version so groß, dass der Unterschied wirklich radikal erscheint.
Genau das beobachte ich seit einiger Zeit beim Übergang vom Papier-Buch zum elektronischen Buch. Im November 2008 hatte ich von den ersten Erfolgen von Kindle und Konsorten berichtet. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde die steigende Bedeutung des eBuchs immer deutlicher. Und seit ich die beiden Videos von eReader 2.1 (Teil 1) (Teil 2) gesehen habe, ist mir das unheimliche Potenzial noch stärker bewusst geworden. Hier nur einige Vorteile:
- Du kannst im Hoch- oder Querformat lesen.
- Du kannst händisch umblättern oder den Text in stufenlos einstellbarer Geschwindigkeit ablaufen lassen (wichtig für alle Fitnessfreaks, die am Hometrainer nicht fernsehen sondern lesen möchten).
- Du kannst den Hintergrund wählen.
- Du kannst die Buchstabengröße bestimmen (das derzeitige Angebot an Papier-Büchern in großer Schrift ist beschämend gering!).
- Du kannst den gesamten Text nach bestimmten Begriffen durchsuchen.
- Wenn du ein Wort nicht verstehst: Drauftippen und das Lexikon liefert die Erklärung.
- Du kannst einzelne Zeilen und Absätze hervorheben.
- Wenn du neue Bücher bestellst und du wählst eines an, dass du schon gespeichert hast, zeigt die Software das sofort durch ein Häkchen an (wir haben gerade vor Weihnachten 2 Bücher gekauft, die wir schon hatten - der totale Überblick fehlt).
- Es sind auch mehrere Downloads gleichzeitig bzw. knapp hintereinander möglich, d.h. man muss nicht warten bis das erste Buch komplett geladen ist, bevor das nächste beginnt.
Und all das funktioniert auf meinem iPhone. Ich muss mir daher nicht unbedingt einen eReader kaufen. Obwohl der größere Bildschirm und die eTinte natürlich wesentlich größeren Komfort bieten! Ich kann sogar gratis im App Store ‘Kindle for iPhone‘ herunterladen, um unterwegs schnell ein eBook bei Amazon zu kaufen. Für mich ist übrigens ein eReader ohne Internetanschluss in Zukunft ein absolutes NoGo!
Ich bin ja schon gespannt, ob Apple tatsächlich 2010 mit einem eigenen eReader herauskommt!?!
Bei Yanko Design habe ich etwas gefunden, dass (wahrscheinlich) nie eine Bank oder Kreditkartenorganisation einführen wird: Die lebend(ig)e Scheckkarte! Wenn Sie blau leuchtet, habe ich mein Konto noch nicht überzogen, bei rot bin ich schon im ‘roten’ Bereich. Natürlich zeigt sie mir ganz genau an, wieviel ich noch ausgeben kann. Ein kurzes Schütteln der Karte und ich bin am neuesten Stand!
Die Karte besteht aus 4 Lagen: Eine kleine schwarze Solarzelle sorgt für Energiezufuhr, der Kontostand wird mit elektronischer Tinte angezeigt, es gibt den obligaten Magnetstreifen und ein aktiver RFID-Chip korrespondiert mit der Bank oder der Kreditkartenorganisation, um den aktuellen Kontostand zu ermitteln.
Und genau das widerspricht doch komplett den Gepflogenheiten der Plastikkarte: Kauf’ damit ein als ob es kein Morgen gäbe! Natürlich gibt es die aufladbaren Karten, aber da wird einem das Geld schon vorher abgebucht, obwohl man es (wie in der Brieftasche) noch lange mit sich herumträgt bis es ausgegeben wird. Gerade für Menschen die schlecht mit Geld umgehen können, würde diese Karte eine große Hilfe bedeuten.
1. Statt der bisher üblichen Flüssigtinte oder statt des Trockentoners verwendet Xerox in seinen ColorQube-Geräten feste Wachswürfel, die erst durch Hitze flüssig gemacht werden.
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 35: Veränderung des Aggregatszustandes]
2. Das Nachfüllen der Wachswürfel ist denkbar einfach. Jede Farbe hat Kerben an einer anderen Stelle, sodass Sie die Würfel nur in den dazupassenden Schlitz stecken können.
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 4 : Asymmetrie]
3. Außer der normalen (recyclebaren) Papierverpackung gibt es keine Kartuschen, die entsorgt werden müssen. [TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 34 : Beseitigung und Regenerierung von Teilen]
Hier noch ein Schmankerl, damit Sie sehen, mit welch harten Bandagen Inkjet- und Laserjet-Erzeuger gegen die feste Tinte auftreten. Hauptangriffspunkt ist die rund 17 Minuten dauernde Aufwärmzeit nach dem Einschalten. Allerdings erledigt das heute schon ein intelligenter Timer.
Zum Schluss noch eine Anekdote: Vor 35 Jahren gab es in Deutschland einen Xerox-Vertriebsmann, der mit einer Klopapierrolle unterm Arm zu potenziellen Kunden ging. Gefragt, was das sollte, antwortete er: “Das ist das einzige Papier, auf das Xerox nicht kopieren kann!” Heute stimmt das längst nicht mehr, denn die Festtinten-Kopierer schaffen das (angeblich) leicht.
Radikale Innovationen setzen entweder ganz abrupt ein oder entwickeln sich schleichend über viele Jahre hinweg. Das Beispiel einer schleichenden Entwicklung findet gerade zwischen Briefpost auf Papier und elektronischen Post statt. Da auf der einen Seite durch Umstellung der Briefmonopole auf private Dienstleister die Leistungen eher schlechter als besser werden, entwickeln sich e-Mails als die wesentlich bessere Alternative. Sie kommen zwar auch nicht immer ganz sicher an, da sie in diversen Filtern oder Firewalls hängen bleiben können. Aber wenn sie ankommen, haben sie gegenüber dem herkömmlichen Brief unschlagbare Vorteile:
- zwischen Absenden und Ankommen vergehen nur einige Sekunden und
- die Beförderung kostet (fast) nichts!
Außerdem kann ich auch 20 Seiten beilegen, ohne dass ich mir Sorgen über das Gewicht machen muss.
Da die Deutsche Post einen gehörigen Teil ihrer bisherigen Umsätze wegbrechen sieht, hat sie sich entschlossen, die neuen Möglichkeiten auch zu nützen. Bereits heute ist es möglich, Werbe- oder andere Sendungen vorerst elektronisch an ihre Bestimmungsorte zu verschicken. Erst dort werden Sie ausgedruckt, gefaltet und kuvertiert. Das spart natürlich Zeit und Transportkapazitäten.
Gerade ist die Tinte unter einer Vereinbarung getrocknet, die wahrhaft die Dimension einer radikalen Innovation hat: Sonnenkraftwerke sollen in der afrikanischen Wüste Strom erzeugen, der dann via Kabel nach Europa transportiert wird! Warum tauschen wir eigentlich die Abhängigkeit von Erdöl exportierenden Ländern gegen die Abhängigkeit von Ländern mit hoher Sonnenintensität? Solarkraftwerke ja, aber davon sollen doch die afrikanischen Staaten selbst etwas haben. Und wenn ich die Wahl habe zwischen Strom, der über 3.000 bis 4.000 Kilometer lange Leitungen zu uns kommt (zu welchem Preis?) und dem, den ich auf meinem eigenen Hausdach oder an der Fassade (oder in der Erde) erzeuge, dann verlasse ich mich doch lieber auf das, was mir am nächsten ist.
Jedes neue Gebäude trachtet danach, in seiner Energiegewinnung autark zu werden. Werner + Mertz (Erdal) in Mainz hat vor kurzem den Grundstein zu einem neuen Bürogebäude gelegt, das nicht nur seinen eigenen Energiebedarf deckt (Nullenergiebilanz), sondern sogar noch Energie ans öffentliche Netz (Plusenergiebilanz) abgeben wird.
Und wie schaffen die das?
Eine gute Wärme-Isolation der Fassade.
Die Nutzung von Erdwärme über eine Geothermie-Anlage.
Die Nutzung von Sonnenenergie über Photovoltaik-Anlagen auf dem Gebäudedach.
16 kleinere Windkraftanlagen auf dem Dach werden den gesamten Strombedarf für die Pumpen der Geothermie-Anlage liefern.
Sobald die neuen Zweiwegstromzähler in unseren Häusern installiert sind, können wir selbst zu Stromproduzenten werden!