Archiv der Kategorie: Einrichtung

Mit Glas sind viele Innovationen möglich

Ich hatte ja schon einmal über den intelligenten Badezimmerspiegel berichtet. Beim innovativ-in-Blog bin ich nun auf das folgende Video gestoßen, in dem die Firma Corning noch eine Fülle anderer Einsatzmöglichkeiten von Glas für die Zukunft sieht. Der Badezimmerspiegel ist auch dabei.


[youtube 6Cf7IL_eZ38&feature=player_embedded#at=317]

Glas soll in vielen Bereichen als Display verwendet werden: Im Haushalt, im Auto, im Büro, auf der Straße (Werbung und Verkehrsnachrichten, Pläne bei Busstationen) und im Unterhaltungsbereich. Speziell die Kombination von Glas und Elektronik bietet hier eine Fülle von Anwendungen. Besonders stark wird wahrscheinlich die Werbung diese Möglichkeit nutzen.

In Kombination mit dem Smartphone (natürlich wieder Glas) sind die Einsatzmöglichkeiten schier unerschöpflich.

Die Stromboje aus der Wachau

Der Österreicher Fritz Mondl hat eine stromerzeugende Boje erfunden, die in der Größe eines Haifisches in der Donau schwimmt und die Strömung des Flusses nutzt, um Energie zu erzeugen.


[youtube C8Vay-es9FA]

Als Wassersportler hatte er oft mit der starken Strömung der Donau zu kämpfen und fragte sich schließlich, ob man diese nicht noch anders nutzen könnte. Noch dazu, wo in der Wachau weder Windräder, noch Solarpaneele und schon gar keine Wasserkraftwerke erlaubt sind. Sein schwimmendes Wasserkraftwerk greift nicht in die Natur des Gewässers ein und ist ungefährlich für Schiffe, Fische und andere Wassertiere. Auch erfolgen keine großen baulichen Eingriffe. Mondl hat den ersten Prototyp bereits 2006 in die Donau gehängt, der zweite hat seit 2009 weitere wertvolle Erfahrung geliefert und sein Projekt hat 2010 den Klimaschutzpreis gewonnen. Ein größerer Prototyp wird 2011 folgen, 2012 ist eine Serie in der Wachau geplant, 2013 soll die Serienfertigung beider Typen anlaufen. Auch um diese radikale Innovation umzusetzen, mussten viele Jahre und Tests ins Land gehen…

Aktualisierung 2.11.2014: Gerade meldet der ORF- die Strom erzeugenden Bojen von Fritz Mondl gehen endlich in Serie! Neun Bojen werden in der Donau eingesetzt, jede Boje kann 70 Haushalte mit Strom versorgen. An der Finanzierung wird noch gearbeitet, aber das Interesse ist groß!

[TRIZ-Prinzip Nr. 22: Schädliches in Nützliches umwandeln]

IKEA Guerilla Marketing

Spannend, was IKEA sich alles für ‚Radikale Innovationen‘ in Bezug auf Guerilla Marketing einfallen lässt. Wobei die Anwendung von ‚Guerilla Marketing‘ selbst schon für viele Firmen eine radikale Innovation darstellt. IKEA dekorierte z.B. in Manhattan Bushaltestellen, Gehsteige und Wiesen, stellte gefüllte Trinknäpfe für Hunde zur Verfügung und behängte Haltestangen in der U-Bahn mit Topflappen-Handschuhen (siehe Video). Im Frühjahr wurden Haltestellen in der Pariser Metro mit IKEA-Möbeln ausgestattet (siehe Video).

In Köln mischten sich 7 als Kartons verkleidete Teilnehmer in einen Karnevalsumzug und deren Helfer verteilten blaue IKEA-Tragetaschen, um für eine neue IKEA-Filiale zu werben (siehe Video).

Eine andere Idee von IKEA, die für starke Aufregung sorgte: Man nehme einen Film mit weltbekannten Schauspielern, statte einen Zuschauer im Kino mit einer speziellen Dia-Projektionslampe aus und lasse diesen ca. 3 Mal während des Films Produktnamen und -preise auf die entsprechenden Gegenstände im Film projezieren, um danach am Ausgang den IKEA-Katalog zu verteilen. Die Kommetare zu diesem Video reichen von ‚Gigantisch‘ bis zu ‚So eine Sauerei!‘.  Die Idee ist eher abgefahren, es könnte sich um einen Fake handeln. Oder der erste IKEA-Kinokatalog ist nur ein netter Werbefilm.

[youtube pxwZJH2S86g]

Sicher ein Fake dürften allerdings die von einer anderen Möbelkette (Conforama) über Paris per Fallschirm abgeworfenen Möbel sein (siehe Video). Vielleicht auch nur ein getürkter Werbefilm. Zumindest waren dann alle angeblich abgeworfenen Möbelstücke (samt Tragegurten und Fallschirmen) in den Auslagen der Conforama-Filiale am Pont-Neuf zu bewundern.

Schräges Hotel ‚Propeller Island City Lodge‘

FH- Studentin Lisa Mayrhofer hat mich darauf hingewiesen: Ein Hotel in Berlin, bei dem in manchen Zimmern die Möbel von der Decke hängen.  Oder ein Raum, der komplett in Orange getaucht ist. Ein Raum voller Symbole,  ein Raum mit einem runden Bett, ein Raum, der aussieht wie ein Bergwerksschacht. Insgesamt sind es 31,5 Zimmer (0,5 ist das Zwergenzimmer), wovon jedes einzelne ein Kunstwerk ist. Das Hotel ist eigentlich ein Museum, in dem man über Nacht bleiben kann. Im Erdgeschoß befindet sich noch eine Galerie.

Der Berliner Artist Lars Stroschen wollte eigentlich nur 2 Zimmer vermieten, um damit Geld für seine Musikprojekte und sein Studio zu verdienen. Als Künstler war es ihm aber ein Anliegen, diese Zimmer nicht als klassische Fremdenzimmer, sondern eher als ‚Kunstwerk‘ zu gestalten. Und so ist er nach und nach in ein Hotelprojekt ‚hineingeschlittert‘, nachdem eine Pension in seinem Hause frei wurde. Aber es waren unzählige Hürden zu überwinden, bis sein Projekt endgültig genehmigt war (Der Klassiker bei ‚radikalen‘ Innovationen). Heute kommen Interessierte aus aller Herren Länder, um sich die Propeller Island City Lodge anzusehen oder am eigenen Leib zu ‚erleben‘.

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Hotelzimmer der Zukunft

Kaum aus dem Süden zurück, fasziniert mich eine Meldung, die ich bei Burkhard Schneider gefunden habe:

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Lindner Hotels und die Fraunhofer Gesellschaft Duisburg aus Deutschland entwickeln gemeinsam in Future Labs verschiedene Perspektiven, wie die Hotelzimmer der Zukunft aussehen werden. Runde Formen, Relax-Räume in der Mitte, Roboter zur Bedienung und Zimmer, die den unterschiedlichsten Anforderungen (von Einzelzimmer bis zur Familiensuite) jeweils angepasst werden können. D.h. der Gast stellt sich seinen Zimmerwunsch in Modulbauweise zusammen. Um in diesem Konzept möglichst hohe Flexibilität anbieten zu können, müssen einige Gewohnheiten von früher über Bord geworfen werden, sprich: es muss radikal gedacht werden! Wie mache ich aus einer Dusche einen Waschtisch, aus dem WC ein Bidet, aus dem Bett vielleicht sogar eine Badewanne? Alles soll in der Wand verschwinden, aber das braucht viel Platz (der viel kostet). Ein Konzept der individuellen Möblierung habe ich an anderer Stelle in diesem Blog schon beschrieben.

Das entspricht ganz dem Trend der Industrie, jedem Kunden sein individuelles Produkt zu liefern. Wer dies zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten hinkriegt, wird in Zukunft vorne mit dabei sein. Interessant ist, dass ab November Testpersonen die verschiedenen Zukunftsmodelle im Duisburger inHaus ausprobieren können und deren Anregungen in die weitere Entwicklung einfließen.

[Foto: LAVA/Fraunhofer]

Neuer Beton mit Stahlfasern

Der deutsche Bauingenieur Gregor Zimmermann hat eine neue Betonart namens UHPC (Ultra High Performance Concrete) bekannt gemacht (nicht erfunden!). Er selbst hat sich hauptsächlich mit der Entwicklung von Membranschalungen in seiner Dissertation beschäftigt. An der Uni Kassel haben aber die Professoren M. Schmidt und E. Fehling sowie weitere Mitarbeiter UHPC entwickelt. Sie geben kleine Kiespartikel und Stahlfasern ein und können daher extrem dünne Betonwände ‚backen‘ (dünnste bisher 7 Millimeter!). Und sparen damit auch viel Zeit für die herkömmliche Bewehrung mit Stahlmatten. Das war zwar bisher auch schon möglich (beispielsweise mit Steelcrete von Heidelberger Zement), nur konnten bisher nicht derart dünne Platten gegossen werden. Nun möchten sie in einem Spinn-off der Universität an die weltweite Vermarktung gehen.

Zimmermann denkt hier sehr radikal: Für seine dünnen Betonplatten sieht er die Chance auf eine Vermarktung im Bereich der Sanitär- und Küchenmöbel. Da passt es gut, dass durch Gießen der Platten in Glasschalungen, die fertigen Platten ebenfalls glänzen und so glatt sind, dass man sich darin spiegelt. Noch nicht ganz durchschaut habe ich, was das an Vorteilen gegenüber denjenigen Materialien ergeben soll, aus denen bisher solche Möbel erzeugt werden. Jedenfalls eröffnet Zimmermanns Erfindung ganz neue Dimensionen für Architekten! Seine Membranschalungen können nach Fertigstellung der Betonwände bleiben, aber auch entfernt werden.

[Gefunden bei heise]

Für viele Situationen offen bleiben

Solarhaus.jpgEin gutes Beispiel für das TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 3 (Örtliche Qualität=Jeder Teil eines Objektes soll seine Funktion optimal erfüllen) hat mir Blog-Zuträger Bernward Kahmann aus Kassel geliefert. Es ist dies ein interessantes ‚Haus der Zukunft‘, das die TU Darmstadt im Herbst 2007 beim internationalen Bauwettbewerb „Solar Decathlon“ des U.S.-Energieministeriums im Maßstab 1:1 vor dem Weißen Haus ausstellen wird. Für den Wettbewerb mussten einige sehr strenge Regeln erfüllt werden. Unter anderem ist die Grundfläche des Hauses auf 75m² begrenzt. Um hier größtmöglichen Komfort zu gewährleisten, schreibt dafacto
„entwickelten die Wissenschaftler ein kluges Wohnkonzept: Alle Möbel sind in die Bodenplattform integriert und lassen sich bei Bedarf vollständig verstauen, um ein pures Raumerlebnis und Platz für Feste zu machen. Der geschlossene Kern mit Küche und Bad ist auf ein Mindestmaß reduziert, bei Bedarf kann er ausfahren und zum Duschen oder für Koch-Events vergrößert werden. Bei der Wahl der Materialen stehen nachwachsende, naturnahe oder recyclebare Stoffe im Vordergrund.“

Radikal an diesem Konzept finde ich, dass ansonsten fixe Raumgrößen wie Küche oder Bad beliebig verändert werden können und die Möbel bei Bedarf im Boden verschwinden. Auch das Energiekonzept ist interessant, wird doch die benötigte Energie in der Bodenplattform gespeichert, verarbeitet und verteilt.

Heute beim Frühstück…

Foto: Gerrit Prenger, Netherlands…sind wir darauf zu sprechen gekommen, dass es allein schon im Laufe unseres Lebens zu einigen radikalen Veränderungen gekommen ist. Wer nach dem zweiten Weltkrieg in Wien aufgewachsen ist, kann sich noch gut daran erinnern: Das ‚indische‘ Klo= jenseits des Ganges, jeweils eines oder zwei pro Stockwerk, Wasser nur bei der ‚Bassena‘ am Gang. War das eine Revolution, als es erstmals (kaltes) Wasser ‚in der Wohnung‘ gab! Das Klo war Foto: Arjun Kartha, Indiaimmer noch draußen. Der nächste ‚Hit‘ war warmes Wasser (mittels Elektroboiler) in der Wohnung. Und dann die ausziehbare Badewanne oder die nachträglich eingeflickte Dusche – es gab ja nur einen einzigen Wasserablauf im Raum (der meist Vorzimmer und Küche in einem war). Teurere Wohnungen hatten da schon Toiletten in der Wohnung, meist mit Fenster zum Gang und eiskalt.

Auch die Geschichte der Heizung ist interessant: Vorerst nur in der Küche (Holzofen), dann auch ein Ölofen im Wohn-/Schlafzimmer. Wir haben das Heizöl noch von der Foto: sanja gjenero, Croatianächstgelegenen Tankstelle im Kanister nach Hause geschleppt, später dann ins Haus geliefert bekommen und im schmalen Kellerabteil eingebunkert. Was war das für eine Erleichterung als die ‚Gasetagenheizung‘ kam! Der nächste Schritt war eine gemeinsame Heizanlage im Keller pro Wohnhaus. Heute gibt es durch die Fernheizung nur mehr eine Anschlussstelle und die eigentliche Heizung ist weit entfernt.

Denkblockaden überwinden

Hannes Treichl hat im Dezember in seinem Blog ANDERS|Denken bereits zweimal Foto: Paul Farmer, U.K.Haushaltsgeräte vorgestellt. Einmal eine geniale Weiterentwicklung des Standardgeräts ‚Toaster‘, der nun die Größe eines Lockenstabs hat und durch den man seine Brotscheiben einfach durchlaufen lässt. Gleichzeitig weist er daraufhin, wie diese Idee entstanden ist – nämlich mit Hilfe der Krea-Technik ‚Semantische Intuition‘. Dabei handelt es sich um willkürlich herbeigeführte Zwangskombinationen von Wortteilen. Aus dem Kunstwort ‚Stabtoaster‘ dürfte so die Idee entstanden sein, ein Gerät zu entwickeln, das sich vom herkömmlichen Toaster doch ‚radikal‘ unterscheidet.

Zum zweiten eine hochinteressante mobile Variante der Mikrowelle. Man stülpt das neue Gerät einfach über das zu wärmende Gut drüber und in wenigen Sekunden ist das gewünschte Resultat erreicht. Spannend: Nicht die Mahlzeit wandert in die Maschine, sondern die Maschine wandert auf/über die Mahlzeit. Ob diese Mikrowellen-Vase auch aus einer Zwangskombination von Wörtern entstanden ist?

Übrigens haben meine Studenten an der Fachhochschule Salzburg mit oben erwähnter Technik unlängst auch den ‚Mikrowellen-Stab‘ kombiniert (aus Mikrowellenherd und Stabmixer). Ich gebe aber neidlos zu, dass die ‚Vase‘ ungleich praktischer ist!

IKEA und die radikale(n) Innovation(en)

IKEA-LogoEigentlich wollte ich nur über 2 prozessorientierte Innovationen berichten. Bei näherer Beschäftigung mit dem gelbblauen Riesen ist mir jedoch plötzlich eine ganze Fülle von ‚branchenunüblichen‘ Innovationen entgegengepurzelt!
1947: IKEA-Gründer Kamprad beginnt Möbel per Versand an die Bauern der Umgebung zu verkaufen, um die Kosten vom Hersteller zum Kunden niedrig zu halten.
1951: Der erste Möbel-Katalog erscheint – es werden komplette Zimmer gezeigt. Angeblich revolutionär für die damalige Zeit.
1956: Kamprad lässt Möbel nach eigenen Entwürfen entwickeln, und zwar so, dass sie aus lauter flachen Teilen bestehen, die (zusammen mit einer Selbstbauanleitung) in flache Kartons passen. Damit können seine Möbel später auch in PKWs transportiert werden.
In den Sechzigern rufen die schwedischen Möbelhändler zum Boykott auf, die Hersteller liefern nicht mehr. Kamprad wandert (mitten im kalten Krieg) mit der Produktion nach Polen, später noch weiter ostwärts.
1965 eröffnet er das erste Möbelhaus in Stockholm. Weil der Kundenansturm übergroß ist, lässt er das Lager für die Kunden öffnen. Das erhebt er später zum Prinzip und bezieht das Lager in jedem neuen Möbelhaus von vornherein in den Verkaufsraum mit ein.

Weitere Innovationen, die IKEA zu Weltruhm verholfen haben, finden Sie bei Wikipedia.