Archiv der Kategorie: Bildung

Schule ohne Lehrer, ohne Klassen und ohne Noten!

Das ist die radikale Lösung für unser Bildungssystem! Aus den Lehrern werden Lernbegleiter, die wissbegierigen Kindern helfen, Informationen zu sammeln. In jahrgangsübergreifenden Gruppen lernen die Jüngeren von Älteren, aber oft auch Ältere von den Jüngeren. Und alle werden immer wieder von den Interessen Anderer mitgerissen. Kinder lernen ganz automatisch und am besten von anderen Kindern, aber auch durch Abschauen und Zuhören von ihrer unmittebaren Umgebung. Wussten Sie übrigens, dass es auch Lehrmethoden gibt, die sensationelle Ergebnisse liefern, die aber oft mit dem Tod ihrer Erfinder gleich mitsterben? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf! Seit einiger Zeit erprobt z.B. ein Team der LAIS.Weis-Schule Klagenfurt das sogenannte Native Lernen, bei dem Kinder in fantastisch kurzer Zeit Lesen und Schreiben lernen. Dies wird bereits in verschiedenen LAIS.Lernzentren im In- und Ausland übernommen und auch da und dort an Regelschulen ausprobiert.

Finnland, immer wieder für sein Bildungssystem gelobt, geht jetzt noch einen Schritt weiter und möchte bis 2020 den Fächerunterricht abschaffen. In sogenannten „Phänomenen“ sollen verschiedene Fächer zusammengefasst werden: Wird z.B. das „Phänomen Salzburg“ untersucht, so tauchen die Themen Kultur, Politik, Geschichte, Geographie auf, welche Sprache dort gesprochen wird, was dort erzeugt wird und Vieles mehr. Durch eine umfassende Beschäftigung mit diesem „Phänomen“ bleibt offenbar viel mehr im Geiste hängen als wenn es in Fächern aufgesplittet ist.  So kann z.B. auch durch ein Projekt „Hausbau“ eine Unzahl von Gegenständen abgearbeitet werden, die im Gehirn zusammenhängend besser gespeichert werden als einzeln. Und jeder Schüler kann sich vorstellen, dass er so etwas im Leben einmal gut brauchen kann. Dadurch entsteht auch so etwas wie „Lernen aus Faszination!“

Digitale Disruption…

…heißt das neueste Buch von Dr. Jens-Uwe Meyer. Neben einer Fülle von Beispielen, die er liefert, wie sich Unternehmen verschiedenster Größe auf den bereits erkennbaren Wandel einstellen, sind besonders die letzten Kapitel seines Buches interessant. Er fordert digitale-disruptionUnternehmen auf:

  1. Drücken Sie auf die Reset!-Taste und erfinden Sie Ihr Geschäftsmodell neu. Und zwar sofort!
  2. Wirken Sie dem bevorstehenden Verlust von zigtausend Arbeitsplätzen bereits jetzt mit dem Erfinden gänzlich neuer entgegen.
  3. Füttern Sie ihre Innovationsteams nicht mit Geld – es lähmt die Kreativität.
  4. Schauen Sie nicht nach Silicon Valley, sondern nach Asien. Die Chinesen forschen heute schon besser und schneller als Europa und Amerika.
  5. Helfen Sie mit, Schule neu zu erfinden. Schule muss neue Kompetenzen vermitteln und interessanter für die Kinder werden.
  6. Schauen Sie sich in anderen Branchen oder Lebensbereichen um. Kopieren und kombinieren Sie Dinge, die so noch nicht da waren.
  7. Lassen Sie sich nicht treiben, sondern gestalten Sie die Zukunft selbst mit.

Insgesamt eine sehr gute Anleitung, wie Firmen jeder Größenordnung sich während der Digitalen Revolution verhalten könnten. Jens-Uwe Meyer ist selbst Internet-Unternehmer und berät viele Firmen. Er sieht daher, was kommt, was möglich ist und auch das, was nicht funktioniert.

Schüler unterrichten sich selbst

In Frankreich hat der Telekom-Milliardär Xavier Niel einen neuen Schultypus ins Leben gerufen. Es ist eine Computerschule, die er 42 nennt. Sie hat ihren Namen aus dem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“. Dort wird als Antwort auf die Ultimative Frage des Leben, des Universums und dem ganzen Rest“ die Zahl 42 errechnet.

Die Schule ist in der Tat außergewöhnlich: Es gibt keine Lehrer, die Schüler lernen durch die Lösung von Aufgaben, die ihnen gestellt werden. Niel meint, dass sie dadurch viel besser auf die späteren Anforderungen für die Praxis vorbereitet werden. Wer diese Schule abgeschlossen hat, findet sicher eine Arbeit, da es in Frankreich hohen Bedarf an guten Programmierern gibt! Allerdings sind bis dorthin einige Hürden zu überwinden. Für die „Schule 42“ gibt es 60.000 Bewerbungen, aber nur 800 werden aufgenommen. Das einzige Kriterium ist das Aufnahmealter zwischen 18 und 30 Jahren. Die Schüler brauchen nichts zu bezahlen und auch keine spezielle Vorbildung. Damit können sich auch Jugendliche bewerben, die sonst durch den Rost fallen. Einen Monat lang werden 4.000 Schüler in Schlafsäcken und Matratzen auf engem Raum zusammenleben und täglich bis zu 15 Stunden mit Computerproblemen konfrontiert werden. Es wird nicht danach geschaut, was ein Schüler weiß, sondern wie er denkt. Gesucht werden Menschen, die außergewöhnliche Denkweisen beherrschen und so Frankreich gut durch die Zukunft bringen.

Die Ausbildung dauert mindestens 3 Jahre, sie kann um 2 Jahre verlängert werden. Während dieser zwei zusätzlichen Jahre wird an einem innovativen Zukunftsprojekt gearbeitet und gelernt, wie man sein eigenes Unternehmen aufzieht. Die geschätzten 20-50 Millionen Euro für die ersten 10 Jahre zahlt der Milliardär Niel aus der eigenen Tasche, um  dann jedes Jahr ca. 1.000 Schüler aufnehmen zu können. Er hat alledings auch schon die Wirtschaft im Auge, die er einlädt, sich an diesem Experiment zu beteiligen, damit die Schüler genau für den Bedarf der Unternehmen ausgebildet werden. Niel möchte mit dieser Schule das etablierte Schulsystem revolutionieren und außerdem ein soziales System schaffen, in dem es keine Ausgegrenzten mehr gibt.

[Quelle: New Hampshire News]

Interaktiv im Hörsaal

Gestern habe ich in der Konferenz der Lehrbeauftragten an der Fachhochschule Salzburg thematisiert, wie man die StudentInnen aktiver während einer Vorlesung einbinden kann. Heute finde ich durch Zufall im Ideentower Blog dazu eine sehr interessante Lösung, die der Frankfurter Pharmazieprofessor Theo Dingermann einsetzt: Er lässt seine StudentInnen mittels eines Ted-Systems Feedback zu bestimmten Fragen geben, wie im nachfolgenden Video zu sehen ist.

[youtube -YFNYDq2ZTM]

Es hatte ihn bei Fragen an das Auditorium immer schon gestört, dass meist ein ‚harter Kern‘ die Antworten gab, während die eher Schüchternen durch den Rost fielen. Und so kam er auf die Idee mit dem Interactive Voting System (IVS), das sonst bei Hauptversammlungen oder Parteitagen eingesetzt wird.

Auch sonst ist Prof. Dingermann recht aktiv, wenn es darum geht seinen Unterricht interessanter zu gestalten: Auf Wunsch der StudentInnen hat er z.B. Kontrollfragen am Ende jeder Vorlesung eingeführt. Außerdem stellt er seine Vorlesungen für die Studenten ins Internet.

Zahl 2, nimm 1

Hier soll einmal eine Marketingaktivität vorgestellt werden, die dem üblichen ‚Naturalrabatt'(=Nimm 2, zahl 1) diametral entgegengesetzt ist. Und fast wie der Stein der Weisen anmutet: Bei Burkhard Schneider habe ich gelesen, dass es die im Jahr 2007 lancierte Aktion ‚Give one – get one‘ für das von Nicholas Negroponte initiierte Projekt ‚One Laptop Per Child (OLPC)‘ auch heuer geben wird, diesmal können sogar Europäer mitmachen. Allerdings nur über die britische Amazon-Site.

Der für Entwicklungsländer konzipierte sogenannte ‚100Dollar-Computer‘ (der immer noch fast 200 Dollar kostet) ist ein tolles Ding und soll hauptsächlich über Schulen an die Kinder gebracht werden.
In Österreich hat sich ein Team gebildet, das dieses Projekt unterstützt. Der OLPC XO war auch 2008 auf der Cebit in Hannover zu sehen. Dazu gibt es ein Video:

[youtube yE5xHk4W9hM]

Da man verhindern möchte, dass sich Menschen aus ‚reichen‘ Ländern mit preisgünstigen Laptops eindecken, andererseits aber noch nicht genügend Sponsoren aufgetrieben werden konnten, um die nötige Menge dieser Laptops spenden zu können, lautet das Konzept: Du kannst in Europa einen Laptop OLPX XO um ca. 320 Euro kaufen und zahlst in Wirklichkeit 2 Stück – einen bekommst du und einen ein Kind in einem Entwicklungsland.

In diesem OLPC XO sind übrigens einige tolle Dinge verwirklicht:

– er braucht fast überhaupt keinen Strom (und lädt sich über Solarzellen auf),

– er ist sehr stabil und hält diversen Witterungseinflüssen stand,

– das Display ist auch bei starker Sonneneinstrahlung lesbar (und als eBook-Reader verwendbar),

– er ist absolut für Kinder zwischen 6-12 Jahren konzipiert und sehr intuitiv bedienbar (auch für Kinder, die noch nicht lesen können),

– er kann einfach mit anderen Laptops aus der Klasse (oder dem Dorf) verlinkt werden,

– er kann mit dem Internet verbunden werden.

Aktualisierung Juni 2012: Negroponte setzt in Zukunft auf Tablets, da diese von Kindern intuitiv zu bedienen sind und keine Anleitung durch Erwachsene benötigen.

[ASIT-Prinzip: Task Unification – Verbinden von Funktionen]
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 5: Vereinen/Koppeln, Nr. 26: Kopieren]

Weg mit den Laptops!

Student am LaptopÜber eine radikale Innovation der besonderen Art berichtete gestern spiegel-online: Die Liverpool High/New York, Paradeschule für den Einsatz neuer Medien, hat zur totalen Kehrtwende aufgerufen und die Laptops aus dem Klassenzimmer verbannt. Und es sind absolute Technikfreaks, die nach vielen Jahren zu dem Urteil kommen:“Es ist den Einsatz des vielen Geldes nicht wert!“. Denn die US-Regierung hatte Milliarden in diverse Projekte gepumpt. Auch die Eltern der Schüler wurden monatlich zur Kasse gebeten.

Aufgrund jahrelanger Erfahrung sind selbst Gutmeinende zu der Erkenntnis gelangt, dass der Einsatz von Laptops im Unterricht eher ablenkt als den Unterricht fördert.

Warum? Die Schüler verwendeten die Laptops hauptsächlich, um
– das Sicherheitssystem der Schule lahmzulegen,
– diverse Firmensites zu knacken,
– Pornos aus dem Netz zu laden,
– neue Computerspiele auszuprobieren und
– sich an Chats zu beteiligen.

Die Geräte würden also mehr ablenken als sie im Unterricht nützen. Natürlich wird alles nicht so heiß gegessen: In einem Teil der Schule können die Laptops weiterhin für mediennahe Unterrichtsfächer verwendet werden. Im anderen Teil, wo ‚klassische Fächer‘ unterrichtet werden, bleiben sie außen vor. Es sei denn, bestimmte Lehrer möchten sie unbedingt einsetzen…

[Foto:pixelio.de]

Radikale Bildungsreform…

…ist einer der Punkte, die der Artikel ‚Wifo sagt: Österreich aufbrechen! Kompromisslos für Innovationen‘ in der heutigen Ausgabe der Oberösterreichischen Nachrichten fordert. O-Ton: „Das berufsorientierte Bildungssystem sei für eine Spitzenposition nicht mehr tauglich.“

Die freien Berufe seien in Wirklichkeit unfrei, da hier sehr restriktive Regulierungen herrschen. Abschottung verhindere vielfach, dass neue Berufe entstünden. Österreich hätte sich in einer bequemen Nische eingerichtet, aber so Wifo-Chef Karl Aiginger: „Der Unterschied zwischen dem, wie Österreich heute aussieht und wie es 2020 aussehen muss, ist extrem groß“.

Unter anderem müsse ein kompromissloser Strukturwandel hin zur Hochtechnologie stattfinden. Das Wifo präsentierte die ersten vier von 22 Fachbereichen ihres wirtschaftspolitischen Weißbuches, das die Sozialpartner in Auftrag gegeben haben.

Auch sei der Umweltschutz als Motor für den Arbeitsmarkt zu entwickeln – und nicht immer nur als Kostenfaktor zu sehen.

Den kompletten Artikel finden Sie hier.

Da trifft es sich gut, dass z.B. an der Fachhochschule Salzburg (von Wirtschaft- und Arbeiterkammer gemeinsam betrieben) seit Jahren bereits in mehreren Lehrgängen das Fach ‚Kreativität und Innovation‘ unterrichtet wird. Die Touristiker haben sogar dieses Thema noch stärker in den Vordergrund gerückt: Deren Lehrgang heißt seit kurzem ‚Innovation und Management im Tourismus (IMT)‘.

Studium ‚on demand‘

Foto: Volodymyr Kyrylyuk, CanadaParadigmenwechsel an der Uni Hamburg: In Zukunft bestimmt nicht mehr das Angebot, sondern die Nachfrage, was an der Uni Hamburg gelehrt wird. Wissenschaftssenator Jörg Dräger verspricht sich davon eine radikale Wende. Die neue IT-Anwendung ‚Studien-Info-Netz‘ – kurz Stine genannt – wurde gerade mit einigem Holpern in Betrieb genommen. Dieses Informations- und Serviceportal für alle Angehörigen der Uni Hamburg verlangt von den Studenten, sich vorregistrieren zu lassen. Neben der Vormerkung für Seminare und Vorlesungen hält das System auch noch eine Evaluationsfunktion bereit. Hiermit soll ohne großen Aufwand jede Veranstaltung evaluiert werden können. Etwas, das an Fachhochschulen schon seit langem üblich ist, stößt bisher an Unis noch auf Widerstände.

Es ist interessant, dass man über den Umweg einer Software gleich zwei ‚radikale Umwälzungen‘ am Campus bewerkstelligen kann. O-Ton Senator Dräger: „Wir werden also den Übergang vom angebots- zum nachfrageorientierten Curriculum erleben.“

Mehr erfahren Sie darüber hier.

Das Ganze wurde übrigens im Rahmen der Bonner Konferenz ‚Campus-Innovation 2006‘ präsentiert. Wer mehr über diese Plattform IT-basierter Modernisierung von Forschung, Lehre und Hochschulverwaltung wissen möchte, kann sich direkt auf deren Homepage informieren.