Ein schönes Beispiel für Lösungsprinzip Nr. 27 nach TRIZ (Ersetze teure Langlebigkeit durch billige Kurzlebigkeit) ist ein Projekt der britischen Hotelgruppe Travelodge. Sie plant, schon in den nächsten Monaten mehrstöckige Hotelbauten aufzuziehen, die aus vorbereiteten Containern bestehen (werden in China erzeugt). Diese Hotels können innerhalb von 3 (!) Monaten aufgestellt werden und in sehr kurzer Zeit auch wieder abgebaut werden. Damit sind sie für jede Art von Großereignissen interessant. Vor allem können durch ein spezielles Rahmengitter die Hotelcontainer mehrmals an unterschiedlichen Plätzen wieder verwendet werden. Und werden sie unansehnlich oder reparaturanfällig bzw. haben ihre vorgesehene Lebensdauer abgedient, dann sollen sie recycled werden. Was bei den heutigen Stahlpreisen durchaus nochmals nette Einnahmen verspricht.
Durch die Vorfertigung, die geringe Bauzeit und andere Möglichkeiten, da oder dort noch einzusparen (z.B. durch die Standardisierung) soll ein Zimmer bei Travelodge angeblich nur rund EUR 25,00 pro Nacht kosten. Schon ab Juni in West London.
Travelodge wurde 1985 in Großbritannien gegründet und gilt allgemein als sehr innovativ. So bieten sie z.B. auf Wunsch einen großen zweiarmigen Kuschelpolster für Alleinreisende an, die gewohnt sind, mit einer zweiten Person einzuschlafen. Um weitverbreiteter Schlaflosigkeit vorzubeugen, haben sie sogar durch einen NLP-Experten 5 Beiträge zur Entspannung vom Alltagsstress ausarbeiten lassen, die auf ihrer Homepage heruntergeladen werden können.
[Gefunden beim ORF]
Die Wirtschaftswoche hat vor kurzem (in der Printausgabe 43/2007) eine tolle Aufstellung veröffentlicht. Sie hat den Titel ‘50 Innovationen, um die uns die Welt beneidet’. Ich möchte in den nächsten Wochen einige davon herausgreifen und näher darauf eingehen.
Starten wir mit ‘Textilbeton’. Textilbewehrter Beton ist formbar und viel leichter als Stahlbeton. Der abgebildete Gartenstuhl verfügt über eine Heizung für Sitz und Lehne! Das Kompetenzzentrum für Textilbeton befindet sich in Dresden, aber die derzeit längste Brücke aus Textilbeton (Glasfaser) wurde gerade Anfang Oktober in Kempten eröffnet. Die Teile sind extrem dünnwandig und halten eine neunmal so hohe Belastung aus wie herkömmlicher Stahlbeton. Die 16 Meter lange Brücke wiegt mit 12,5 Tonnen aber nur 1/3 dessen, was eine Stahlbetonbrücke wiegen würde.
Aber auch in Aachen hat sich ein Zentrum für Textilbeton an der Technischen Hochschule etabliert. Und erst vor wenigen Tagen wurde der Spatenstich für ein Erweiterungsgebäude der TH Aachen getan, bei dem erstmals weltweit eine Fassade aus Textilbeton verwendet werden soll. Für die nächste Generation denkt man schon an beheizte Fassaden.
Ein sehr interessantes Projekt, bei dem sich 68 Stockwerke eines Hochhauses einzeln um die eigene Achse drehen lassen. Es soll in Dubai entstehen, wo ja bekanntlich gerade im Bauwesen das Wort ‘unmöglich’ nicht mehr akzeptiert wird. Das Gebäude wurde vom in Italien lebenden Architekten David Fisher entwickelt und setzt in mehrerer Hinsicht neue Maßstäbe:
1. Durch eine völlig neue Bauweise werden Sektoren der Stockwerke nach oben gezogen und dann nebeneinander gereiht: Das oberste Stockwerk entsteht so als erstes. Jedes Stockwerk kann in nur 3 Tagen errichtet werden! Da alles vorgefertigt wird, sind auf der Baustelle selbst nur 90 Personen nötig.
2. Zwischen den Stockwerken sorgen Windturbinen dafür, die benötigte Energie für das Gebäude zu erzeugen. Am Dach gibt es außerdem Sonnenkollektoren. Es bleibt sogar noch etwas über, um die Umgebung zu beleuchten.
3. Jedes Stockwerk lässt sich durch seine Bewohner (langsam drehen) und so die Aussicht verändern. Im obersten Stockwerk soll es fünf ‘Villen’ geben, die sogar einen eigenen Parkplatz bieten (Die Autos werden mit einem Speziallift hinaufbefördert). Für die schnelle Anreise mit dem Helikopter fährt im 64. Stockwerk eine Plattform aus, um die Landung zu ermöglichen. Ganz oben geht ja nicht, da sind die Sonnenkollektoren!
Ein Gebäude der Superlative also. Trotz eifriger Recherche im Internet ist es mir nicht gelungen zu eruieren, wann mit dem Bau begonnen wird! Aber dafür habe ich ein bereits 2001 fertiggestelltes 11-stöckiges Haus in Curitiba (Brasilien) gefunden, wo jedes Stockwerk ebenfalls um 360 Grad gedreht werden kann. Mehr über Suite Vollard dort.
Beim Anflug auf den Kopenhagener Flughafen traute ich meinen Augen nicht, als ich nach unten sah: Da gab es eine tolle Brücke, die aus Schweden in Richtung Dänemark zeigte und die Fahrbahn endete plötzlich mitten im Meer! Von oben schien sie in eine Sackgasse zu münden. Später erfuhr ich, dass es sich bei der ‘Sackgasse’ um die künstliche Insel Peberholm handelt, wo sowohl Autobahn wie auch Bahntrasse unter die Meeresoberfläche ‘hinabtauchen’. Und das deshalb, damit kein Bauwerk die Einflugschneise des Kopenhagener Flughafens behindert. Und beide tauchen auch erst wieder auf der anderen Seite des Flughafens auf.
Bei meiner Recherche zu dem Bauwerk bin ich auf tolle Innovationen gestoßen, die während der Bauarbeiten für dieses Jahrhundertbauwerk zum Tragen kamen. Bernd Nebel hat dies auf seiner Brücken-Homepage so gut beschrieben, dass ich Ihnen empfehle, es bei ihm im Original nachzulesen.
Von anderen Konferenz-Teilnehmern (Sie erinnern sich, ich war bei einer Kreativitäts-Konferenz) habe ich erfahren, dass sich durch die Brücke über den Øresund sogar die Lebensbedingungen vieler Dänen verändert haben. Die Fahrt von einem Land ins andere dauert 30-60 Minuten. Viele Dänen arbeiten weiterhin in Kopenhagen, sind aber hinüber nach Malmö gezogen, weil dort das Leben günstiger ist als in der dänischen Hauptstadt. Trotz starker Rabatte, die diesen Pendlern gewährt werden, wurden die Berechnungen für die Schuldentilgung des Bauwerks von ursprünglich 35 Jahren auf 33 abgesenkt, weil die Einnahmen wesentlich über den Erwartungen lagen. Sollte eines Tages die Fehmarn-Brücke (verbindet Deutschland mit Dänemark ) tatsächlich gebaut werden, dann würde das auch dem Tourismus Richtung Skandinavien nochmals einen ordentlich Schub verleihen.
Als ich es bei einem Innovationstag der Firma ThyssenKrupp in Essen gesehen habe, hat es mich sofort fasziniert: TWIN = 2 Kabinen benützen den selben Schacht - ohne zusammen zu stoßen! Wie so viele Innovationen ist diese auch durch eine spezielle Situation, nämlich an der Uni Stuttgart entstanden. Dort reichte die Kapazität der 6 Aufzugskabinen nicht mehr aus, um die steigenden Benutzerzahlen zu bewältigen. Aus Platzgründen war aber nicht an den Bau eines weiteren Schachtes zu denken. Also kam man auf die Idee, eine bereits im Jahr 1931 patentierte Idee (sie wurde damals nicht verwirklicht) in die Praxis umzusetzen, nämlich 2 Kabinen unabhängig voneinander im selben Schacht fahren zu lassen.
Dazu sind 2 Dinge nötig: Das Gebäude muss mindestens 50 Meter hoch sein und es braucht mehrere Aufzugschächte. Durch eine intelligente Zielauswahlsteuerung DSC (Destination Selection Control) teilt das System den verschiedenen Kabinen mit, welche Stockwerke sie ansteuern. Im Unterschied zum normalen Liftfahren, bei dem man nur die gewünschte Fahrtrichtung per Knopfdruck im voraus mitteilt, gibt man beim TWIN das anzusteuernde Stockwerk bereits außerhalb des Liftes an. Die DSC entscheidet dann, welche Kabine diesen Auftrag übernimmt. Laut ThyssenKrupp lassen sich so die Liftkapazitäten um 40% erhöhen. Oder ein Schacht einsparen, der für Leitungen und andere Installationen verwendet werden kann. Oder der gesparte Platz erhöht die vermietbare Fläche im Gebäude.
Der sowjetische Erfinder Genrich Altschuller hat vor Jahren immer wiederkehrende Standards zur systematischen Lösung von Problemen erarbeitet. Nr. 1 dieser Lösungsprinzipien heißt: Zerlegen.
Die deutsche Firma TwinNut hat es genial angewendet, indem sie eine simple Schraubenmutter in 2 Teile zerlegt, die man von außen an ein Gewinde ‘anlegen’ kann und dann festzieht. Man erspart sich also bei einem langen Gewinde viel Arbeit. Denn bisher musste man die Mutter bis an die gewünschte Stelle schrauben - jetzt kann man sie gleich dort ansetzen. Das nützt auch, wenn man zu der besagten Stelle schlecht dazu kommt. Und wer hat sich nicht schon über Gewinde geärgert, die an einer bestimmten Stelle so deformiert sind, dass mit der Mutter kein ‘Darüberschrauben’ möglich ist. Alles nicht mehr nötig!
Schade, dass die Homepage der TwinNut GmbH aus Hannover noch nicht richtig in Betrieb ist, aber das wird sicher bald werden. Hingewiesen wurde ich darauf durch den Newsletter von Creax.
[TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 1: Zerlegen]
[Foto: TwinNut]
Der deutsche Bauingenieur Gregor Zimmermann hat eine neue Betonart namens UHPC (Ultra High Performance Concrete) bekannt gemacht (nicht erfunden!). Er selbst hat sich hauptsächlich mit der Entwicklung von Membranschalungen in seiner Dissertation beschäftigt. An der Uni Kassel haben aber die Professoren M. Schmidt und E. Fehling sowie weitere Mitarbeiter UHPC entwickelt. Sie geben kleine Kiespartikel und Stahlfasern ein und können daher extrem dünne Betonwände ‘backen’ (dünnste bisher 7 Millimeter!). Und sparen damit auch viel Zeit für die herkömmliche Bewehrung mit Stahlmatten. Das war zwar bisher auch schon möglich (beispielsweise mit Steelcrete von Heidelberger Zement), nur konnten bisher nicht derart dünne Platten gegossen werden. Nun möchten sie in einem Spinn-off der Universität an die weltweite Vermarktung gehen.
Zimmermann denkt hier sehr radikal: Für seine dünnen Betonplatten sieht er die Chance auf eine Vermarktung im Bereich der Sanitär- und Küchenmöbel. Da passt es gut, dass durch Gießen der Platten in Glasschalungen, die fertigen Platten ebenfalls glänzen und so glatt sind, dass man sich darin spiegelt. Noch nicht ganz durchschaut habe ich, was das an Vorteilen gegenüber denjenigen Materialien ergeben soll, aus denen bisher solche Möbel erzeugt werden. Jedenfalls eröffnet Zimmermanns Erfindung ganz neue Dimensionen für Architekten! Seine Membranschalungen können nach Fertigstellung der Betonwände bleiben, aber auch entfernt werden.
Mehr hinaus als hinein, das ist die Devise! Vorbei sind die Zeiten, wo man mit einem Niedrigenergiehaus die Aufmerksamkeit auf sich zog und als vorbildlicher Bürger einen Beitrag zum Energiesparen leisten konnte. Heute versorgt man sich in seinem Haus fast komplett mit Energie und speist sogar noch überschüssige Energie ins öffentliche Netz ein. Diese Energie wird vornehmlich aus den am Dach befindlichen Solarzellen bezogen. Auf einem Display kann man ablesen, wie viel die eigene Anlage produziert und wie viel man selbst verbraucht. Natürlich sind für die geringen Verbrauchswerte nötig:
- eine Umhüllung aus einer 35cm dicken Dämmschicht,
- eine automatische Frischluftzufuhr,
- eine Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung.
Und lässt sich die Sonne über mehrere Tage hinweg nicht blicken, kann Heizung und Warmwasser aus einem nahen Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk betrieben werden.
Die Gefahr, dass plötzlich alle Haushalte mehr Energie produzieren als verbrauchen, scheint noch lange nicht gegeben. Denn diese Art von Häusern kostet noch 10-15% mehr als Häuser konventioneller Bauart, rechnet sich aber bald.
Aus dem oberösterreichischen Uttendorf kommt das kleinste Haus der Welt, das ‚micro compact home’. Nicole und Rupert Gatterbauer haben es entdeckt und sofort die vielen Entwicklungsmöglichkeiten erkannt. Das Würfelhaus wurde vom Londoner Architekten Richard Horden entworfen. Er unterrichtet an der TU München. Wie viele Dinge im Leben ist das Würfelhaus aus einer Mangelsituation entstanden: München ist ja bekannt für seine hohen Immobilienpreise. Und weil seine Studenten ständig über die akute Wohnungsnot klagten, hat Horden für sich und 6 seiner Studenten 7 Würfel im Englischen Garten (o2-village) aufstellen lassen. Ein Muster wurde auch am Odeonsplatz ausgestellt und vom Münchenblogger fotografiert.
Ein Würfel (2,65 x 2,65 Meter) ist in ca. 4 Wochen fertig. Der kompakte ‚Cube’ ist innen perfekt ausgeklügelt und besteht hauptsächlich aus Kunststoff und Aluminium. Dabei können allerlei individuelle Wünsche berücksichtigt werden. Dafür müssen dann zwischen 25.000 und 34.000 Euro berappt werden. Es gibt bereits Anfragen aus aller Welt und für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke: Für Ferienclubs, Personalunterkünfte oder den Freizeitbereich.
Der Salzburger Stadtbaumeister Markus Voglreiter (schon sattsam bekannt als Erbauer des ersten VW-Beetle-Hauses), hat sich jetzt selbst übertroffen:
Wie der Salzburger ORF auf seiner Homepage heute meldet, wird er für einen Salzburger Piloten ein Schaumrollenhaus bauen.
Voglreiter im O-Ton ebendort: “Ich habe nach einem Kontrast zu dem bestehenden, konventionellen Gebäude gesucht. Wir sind mit dem Berufspiloten zusammengesessen, haben Schaumrollen gegessen und eine Gaudi gehabt”, schildert der Baumeister. “Da habe ich mir gedacht: Warum nicht ein Schaumrollenhaus bauen, das sieht sicher witzig aus.”
Da sich dieses Haus in Sichtweite der Höheren Technischen Lehranstalt Itzling befinden wird, kann es sicher den einen oder anderen Schüler kreativ inspirieren. Dazu wird Voglreiter aber noch einige Anpassungen durchführen müssen, denn derzeit (22.3. 10.54 Uhr) meinen in einer vom ORF inszenierten Abstimmung mehr als 70%, dass der bisherige Entwurf noch nicht wirklich an Schaumrollen erinnert. Selbst wenn man sich das runde Milchglas vorstellt, dass jeweils am Ende der Schaumrollenstockwerke angebracht werden soll.
Erfrischend sind jedenfalls Voglreiters kreative Entwürfe, von denen einige bereits weltweit für Interesse gesorgt haben. Und dass sich auch noch Bauherren finden, die diese nicht ganz billigen ‘Spinnereien’ finanzieren, ist ebenfalls ein gutes Zeichen.