Michaela Reitterer ist gerne ‘Vorreiterin’! Deshalb hat sie auch beim Zubau ihres Hotels ‘Stadthalle’ in Wien ein Konzept umgesetzt, bei dem sie sämtliche Energiekosten einspart. Wodurch?
Durch die Grundwasserwärmepumpe, Photovoltaikanlage, Solaranlage und drei Windräder (sind die jetzt endlich durch die Gemeinde Wien genehmigt?). Außerdem räumt sie Hotelgästen, die mit öffentlichem Verkehrsmittel anreisen, einen Rabatt von 10% ein. Warum allerdings Stammgäste ebenfalls den ‘Grünen Bonus’ von 10% erhalten (egal mit welchem Fahrzeug sie anreisen!) ist mir nicht ganz klar. Ich persönlich hätte hier zumindest irgendeine Unterscheidung vorgezogen, weil es nach außen so wirkt wie: Bei unseren Stammkunden ist es uns egal, ob sie die Luft verpesten!
Durch geschickte Planung bei der Hotelrenovierung und Hartnäckigkeit in den Verhandlungen mit den Behörden hat sie etwas umgesetzt, was angesichts des mittlerweile rundum beschlossenen Ausstiegs aus der Atomenergie ein Eckpfeiler in der Energiepolitik werden könnte: Jeder produziert seine Energie selbst, spart durch geschicktes Bauen sogar Energie ein und gibt etwas an die umliegenden Gebäude ab, die das (aus welchen Gründen auch immer) nicht können.
2008 habe ich im Blog schon einmal über Bohmte berichtet. Damals handelte es sich nur um ein 600 Meter langes Straßenstück, bei dem alle Ampeln und Verkehrsschilder radikal entfernt wurden. Durch das Fehlen all dieser Regulierungen hat sich die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer wesentlich erhöht. Heute geht die schilderlose Straße fast durch den gesamten Ort. 90% der Bevölkerung sind sehr zufrieden. Hier ein Video dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=ewg_xJ-0v9Y
Vor wenigen Tagen wurde in Gleinstätten in der Steiermark das erste ‘Shared Space’ Projekt Österreichs eröffnet. Offenbar als Vorbereitung dazu haben die Grünen aus Graz ein Video unter dem Titel ‘Hanoi Shared Space’ ins Netz gestellt, obwohl die Vietnamesen wahrscheinlich noch nie etwas von dieser von der EU geförderten Aktion gehört haben. Trotzdem fließt der Verkehr ganz ohne Ampel…
Gerade bei diesem Beispiel, das ich bei WELT-online gefunden habe, zeigt sich wieder einmal ganz deutlich, dass für gewisse Technologiesprünge auch neue Wege (neue Verfahren) im Produktionsprozess gefunden werden müssen, um diesen den Durchbruch zu ermöglichen. Das Ablagern einer Indiumzinnoxid-Schicht auf der Glasscheibe erfolgt Atom für Atom, damit die Scheibe später keine Risse bekommt. Genannt wird dieses neue Verfahren “High Power Impulse Magnetron Sputtering”. Und ist auch noch kostengünstig!
Durch diese Beschichtung wird eine Scheibe beschlagsfrei, was besonders im Winter von großem Vorteil ist. Außerdem kann die Scheibe ohne Drähte beheizt werden, da die Beschichtung elektrisch leitfähig ist. Sowohl im Haus- wie auch im Automobilbau ergeben sich daraus interessante Perspektiven.
Dann kann einem auch das nicht passieren, was folgendes Video zeigt:
FH- Studentin Lisa Mayrhofer hat mich darauf hingewiesen: Ein Hotel in Berlin, bei dem in manchen Zimmern die Möbel von der Decke hängen. Oder ein Raum, der komplett in Orange getaucht ist. Ein Raum voller Symbole, ein Raum mit einem runden Bett, ein Raum, der aussieht wie ein Bergwerksschacht. Insgesamt sind es 31,5 Zimmer (0,5 ist das Zwergenzimmer), wovon jedes einzelne ein Kunstwerk ist. Das Hotel ist eigentlich ein Museum, in dem man über Nacht bleiben kann. Im Erdgeschoß befindet sich noch eine Galerie.
Der Berliner Artist Lars Stroschen wollte eigentlich nur 2 Zimmer vermieten, um damit Geld für seine Musikprojekte und sein Studio zu verdienen. Als Künstler war es ihm aber ein Anliegen, diese Zimmer nicht als klassische Fremdenzimmer, sondern eher als ‘Kunstwerk’ zu gestalten. Und so ist er nach und nach in ein Hotelprojekt ‘hineingeschlittert’, nachdem eine Pension in seinem Hause frei wurde. Aber es waren unzählige Hürden zu überwinden, bis sein Projekt endgültig genehmigt war (Der Klassiker bei ‘radikalen’ Innovationen). Heute kommen Interessierte aus aller Herren Länder, um sich die Propeller Island City Lodge anzusehen oder am eigenen Leib zu ‘erleben’.
Das indische Unternehmen TATA hat sich mit dem Billigauto TATA Nano einen Namen gemacht. Nun liefert TATA Housing ein Modell, das man mit recht in die Kategorie einer disruptiven Innovation einreihen kann, die den Markt von unten aufrollt .
Mit dem neuen Projekt Shubh Griha unweit von Mumbai bietet TATA Housing der unteren Mittelklasse Appartments von 20m² (rechts) bis 35m² (unten) an. Das kleinste Appartment kostet rund 7.000 Euro (inklusive Grundanteil), das größte rund 12.000 Euro. Sie befinden sich in einer neuerbauten Siedlung mit kompletter Infrastruktur (Spital, Schule, Geschäfte, Verkehrsanbindung usw.) und parkähnlichen Anlagen. Für indische Verhältnisse ein Traum! Dazu ein Video.
Die Häuser haben nur 3 Geschoße, daher ist kein Lift nötig und die Bauweise ist statisch gesehen einfach. Als Mitteleuropäer kann man sich kaum vorstellen, dass in der kleinen 1-Raum-Wohnung 3-4 Personen Platz finden. Und doch ist es für viele eine enorme Verbesserung, da sich Familien oft Klo, Bad und Küche mit anderen Familien am Gang teilen müssen! Wenn auch sehr klein, so ist hier alles in der eigenen Wohnung. Und da diese Familien nicht über Unmengen von Kleidungsstücken verfügen, kommen sie auch mit sehr wenig Stauraum aus.
Zahlreiche Blogkommentare von entsetzten Amerikanern (wie kann man auf so kleinem Raum leben?) bis zu lobenden ausgewanderten Indern (die den Fortschritt für indische Verhältnisse sehen) zeigen, dass TATA hier in eine Marktlücke gestoßen ist, die sowohl in Indien, als auch in China, Brasilien usw. rege Verbreitung finden könnte.
Wenn diese Wohnungsgrößen auch für mitteleuropäische Verhältnisse (noch) nicht vorstellbar sind, so ist das Gesamtkonzept so einer Siedlung durchaus adaptierungsfähig. Und wird solange verbessert, bis es die Baubranche revolutioniert.
Burkhard Schneider hat mich darauf gebracht: Er hat im September 2009 von einer radikalen Innovation aus Amerika berichtet, die formschöne Dachziegel zu Energiegewinnern mit eingebauter Solarzelle macht. Da mich das Thema persönlich interessiert, habe ich weiter recherchiert, was denn dazu in Europa angeboten wird.
Am interessantesten scheint mir die Lösung der Schweizer Firma Panotron AG. Deren Dachdeckung soll im Januar 2010 in die Produktion gehen und in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich angeboten werden. Wer Schwyzerdütsch versteht, kann sich dieses Video ansehen. Für ein 80 m² großes Dach sind allerdings 100.000,00 Schweizer Franken hinzulegen. Optisch gefallen mir die amerikanischen Dachziegel besser. Ich bin schon neugierig, wie rasch andere Hersteller diese (eigentlich naheliegende) Idee übernehmen werden. Obwohl ich mir bewusst bin, dass die Umsetzung im Vergleich zu geraden Paneelplatten viel schwieriger ist.
Der ungarische Architekt Áron LOSONCZI hat ihn erfunden und hält das Patent dafür. Über die Homepage seiner Firma LiTraCon kann man durchsichtige Tafeln in unterschiedlicher Stärke bestellen. Interessant ist das Konzept deshalb, weil es völlig neue Verwendungszwecke für Beton eröffnet. Der Erfinder versichert, dass die im Beton eingelassenen Glasfiberelemente es ermöglichen, dass auch meterdicker Beton noch durchsichtig ist.
Die Blöcke können in unterschiedlichsten Größen hergestellt werden. Auch der Einbau einer Wärmeisolierung ist möglich. Der Erfinder spricht damit besonders Designer und Architekten an, denen sich mit diesem lichtdurchlässigen Beton eine Reihe neuer Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.
Aufgefallen ist mir, dass er die Blöcke mit einer Maximalgröße von 600mm x 300 mm anbietet.Um größere Wände zu erzeugen, werden die Blöcke aneinandergeklebt. Außerdem bietet er noch Lampen an (siehe Foto).
Das könnte anderen Erfindern einen Ansporn geben, weiter mit zusätzlichen Elementen zu experimentieren, die in Beton gemischt werden könnten. Ich denke da z.B. an farbigen Beton oder Beton mit neuen (bisher noch gar nicht angedachten) Eigenschaften.
Ein klassischer Fall bei dem eines der TRIZ-Lösungsprinzipien von Genrich Altschuller zum Tragen kommt (nämlich Nr.1=Zerlegen), wird bei Innovationen im Hotelbereich verwendet. War es bisher üblich, dass sich Hotelzimmer in 1 bis 2 Gebäuden befunden hatten, so verteilen sich nun die Zimmer über mehrere Gebäude in einem Ort oder einer Stadt. Beispiele dafür gibt es in
Hallstatt/Österreich
Auf drei verschiedene Gebäude verteilt: Das ‘Historik-Hotel Hallstadt’ soll nur Betten auf 4-Sterne-Niveau anbieten. Verwendet wurden z.B. das ehemalige Heimathaus sowie das Amtshaus der Salinen AG. Durch dieses Projekt entstehen auch neue Arbeitsplätze für Hallstatt.
Leuk/Schweiz
In verschiedenen, zum Teil verlassenen Häusern, werden Zimmer eingerichtet. Die Verpflegung findet an einem zentralen Ort statt.
Vnà/Schweiz
Ein ganzes Dorf soll eingebunden werden, die Touristen wohnen eher privat (dezentral) als in einem extra dafür errichteten Gebäude. Hatten wir das nicht schon mal als ‘Fremdenzimmer’?
Binntal/Schweiz
Ein Architekt möchte 8 bis 10 Häuser renovieren und das alte Schulhaus als Zentrum (Rezeption) einrichten. Genug leerstehende Häuser gibt es. Auch hier soll 4-Sterne-Niveau erreicht werden.
Alle diese Konzepte sind offensichtlich von dem in Italien erprobten Projekt des ‘Albergo diffuso’ inspiriert. Hier stand vor allem die Idee Pate, von Auswanderung bedrohte Regionen wieder zu beleben. In den Abruzzen entstand die erste Hotelanlage. Wenn Sie ‘Albergo diffuso’ googlen, dann finden Sie dort eine Vielzahl von bereits seit Jahren verwirklichten Projekten.
Einen völlig neuen Weg sind die englischen Architekten Wilkinson Eyre beim Bau einer Brücke über den englischen Fluss Tyne gegangen. Die Millenium Bridge verbindet Newcastle und Gateshead im Nordosten Englands. Statt gerade über den Fluss zu bauen macht diese Brücke für Radfahrer und Fußgänger einen Bogen nach außen. Sie ist durch Seile mit einem ähnlich aussehenden Bogen als Gegengewicht verbunden und kann binnen 4,5 Minuten mit Hilfe der Schwerkraft und eines Motors soweit gekippt werden, dass ein Boot darunter durchfahren kann (siehe Video). Angeblich kostet ein Kippvorgang nur 4 Pfund!
Diese Lösung ist deshalb so genial, weil eine Durchfahrt für Boote in kürzester Zeit möglich ist und sehr geringe Kosten verursacht.
[TRIZ-Prinzip Nr. 14: Krümmung - Ersetze lineare Teile durch gebogene, nutze die Zentrifugalkraft]
Ein schönes Beispiel für Lösungsprinzip Nr. 27 nach TRIZ (Ersetze teure Langlebigkeit durch billige Kurzlebigkeit) ist ein Projekt der britischen Hotelgruppe Travelodge. Sie plant, schon in den nächsten Monaten mehrstöckige Hotelbauten aufzuziehen, die aus vorbereiteten Containern bestehen (werden in China erzeugt). Diese Hotels können innerhalb von 3 (!) Monaten aufgestellt werden und in sehr kurzer Zeit auch wieder abgebaut werden. Damit sind sie für jede Art von Großereignissen interessant. Vor allem können durch ein spezielles Rahmengitter die Hotelcontainer mehrmals an unterschiedlichen Plätzen wieder verwendet werden. Und werden sie unansehnlich oder reparaturanfällig bzw. haben ihre vorgesehene Lebensdauer abgedient, dann sollen sie recycled werden. Was bei den heutigen Stahlpreisen durchaus nochmals nette Einnahmen verspricht.
Durch die Vorfertigung, die geringe Bauzeit und andere Möglichkeiten, da oder dort noch einzusparen (z.B. durch die Standardisierung) soll ein Zimmer bei Travelodge angeblich nur rund EUR 25,00 pro Nacht kosten. Schon ab Juni in West London.
Travelodge wurde 1985 in Großbritannien gegründet und gilt allgemein als sehr innovativ. So bieten sie z.B. auf Wunsch einen großen zweiarmigen Kuschelpolster für Alleinreisende an, die gewohnt sind, mit einer zweiten Person einzuschlafen. Um weitverbreiteter Schlaflosigkeit vorzubeugen, haben sie sogar durch einen NLP-Experten 5 Beiträge zur Entspannung vom Alltagsstress ausarbeiten lassen, die auf ihrer Homepage heruntergeladen werden können.
[Gefunden beim ORF]