Archiv der Kategorie: Bauen

Ein gutes Beispiel für „Cross Innovation“

Warum nicht eine beliebte Methode aus der Baubranche zur Schuttentsorgung auf Baustellen dazu verwenden, um Menschenleben zu retten? Man tausche die ineinander verschachtelten konischen Röhren (TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 7: Matrjoschka -Verschachtelung) einfach gegen eine relativ enge aber nachgiebige Folienröhre aus und ab geht die Post! Bei Todesgefahr durch ein großes Feuer würden sich wahrscheinlich selbst Menschen mit Klaustrophobie (Platzangst) überwinden können, diese „Rettungsgasse“ zu durchqueren.

[Quelle: Viral in USA]

Formschönes Rundhaus aus dem 3D-Drucker in 24 Stunden

Natürlich sind die russischen Erbauer dieses Hauses stolz auf ihren tollen 3D-Drucker, der aus Beton ein Haus innerhalb von 24 Stunden erstellt. Die Ersten sind sie damit allerdings nicht: Die Chinesen haben 2014 bereits zehn Häuser auf einmal in einem Tag „gedruckt“! Allerdings in einer Halle, die russische Firma Apis Cor druckt das Haus direkt auf der Baustelle – auch bei -35 Grad!

Man könnte diese Häuser sehr schnell nach Katastrophen drucken, wenn viele Menschen obdachlos werden. Oder bei größer werdenden Flüchtlingswellen. Trotzdem glaube ich, dass vorerst eher betuchtere Leute auf diese Art von Häusern zugreifen werden, die eine bestimmte „Vorreiterrolle“ dokumentieren möchten.

[Quelle: Trends der Zukunft]

Wie man sein eigenes Haus baut – um nur rund € 20.000,00

Eine tolle Idee mit vielen neuen Denkansätzen: Den Bauplan für ein sehr günstiges Haus, das ausbaufähig und umweltfreundlich ist und als OpenSource-Projekt daherkommt. Und in 5 Tagen aufgebaut ist! Bei genauerer Betrachtung fehlt mir allerdings noch das Stiegenhaus (vielleicht links außen?) und den Einstieg in die Dusche (mit einer festen und drei Glaswänden) stelle ich mir eher kompliziert vor. Jedenfalls kann man den Hausbau für zwei Personen beginnen und durch Modulsysteme später Zug um Zug ausbauen.

GreenHouse

Das Konzept stammt vom amerikanischen OPEN BUILDING INSTITUTE, wo sich eine ganze Reihe von Menschen zusammengefunden hat, um zukunftsfähige Wohngebäude mit einfachen, regional verfügbaren Materialien um wenig Geld als Open Source Projekt zu unterstützen.

Auf Kickstarter hat das Gründer-Ehepaar gerade (August 2016) durch 1.902 Unterstützer insgesamt  115.860 $ eingesammelt, um seine Idee zum Ausbau der Bauanleitungen und der Modulvarianten weiter voran zu treiben. Außerdem haben sich durch die Crowdfunding-Kampagne eine Unzahl weiterer Ideen ergeben und das Projekt hat über den finanziellen Beitrag hinaus eine Menge Förderer gewonnen!

Warum 3D-Drucker die Welt revolutionieren werden

In wenigen Jahren wird es möglich sein, in Krisengebieten (z.B. nach Erdbeben) ohne langen Antransport von Baumaterial direkt vor Ort mit 3D-Druckern kleine Häuser zu drucken. Als Material dafür könnten Plastikflaschen dienen. In China wurden im vergangenen Jahr mit Riesendruckern an einem Tag zehn einstöckige Häuser gedruckt.

Aber auch in anderen Bereichen (wie in der Medizin) sind tolle Dinge möglich: So hat ein amerikanischer Familienvater für seine neunjährige Tochter eine tolle Übergangslösung bis zu einer eventuellen Transplantation gefunden. Von Geburt an hatte sie an der linken Hand unterentwickelte Finger, konnte fast nichts greifen und halten. Durch Internetrecherche kam er auf ein Schulprojekt ganz in seiner Nähe, wo eine Schulklasse mittels 3D-Drucker für seine Tochter eine Handprothese um ca. 5 (!) USD herstellen konnte.

[Quelle: Die WELT online]

Flexible Wohnmaschine vervierfacht Wohnfläche

Immer wieder enstehen radikale Innovationen beim Bauen z.B. indem man 2 Themenbereiche vereint, die an sich nichts miteinander zu tun haben. So hat sich der italienische Architekt Angelo Roventa für den Bau einer platzsparenden Wohnung einen Bücherspeicher als Beispiel genommen, da dieser eine große Menge Bücher auf einer kleinen Fläche unterbringt, ohne für jede Bücherreihe einen neuen Gang zu benötigen. So wie in einem Bücherspeicher nur die Fläche für einen einzelnen Gang benötigt wird – der Gang entsteht jedes Mal neu, wenn Bücherreihen verschoben werden – so kann man in seiner ‚Livig Unit‘ die meisten Wohnmodule bewegen und verwendet den jeweils neu entstehenden Zusatzraum ohne dass in der übrigen Zeit anderer Raum nutzlos leer steht. Dadurch kann ein 1-2-Personenhaushalt aus einer Fläche von rund 60m² eine Wohnlandschaft machen, für die sonst über 200m² notwendig wären. Sein Konzept ist in Vorarlberg zu besichtigen und auch schon in einem Wohnprojekt der Vogewosi (Vorarlberger Wohnbaugenossenschaft) eingeplant. Ein Hotelier/Architekt hat eine Luxusausführung in seinem Appartmenthaus in Oberlech installiert, wo es von den Gästen begeistert aufgenommen wird.


[youtube dZslNojcid8]

Natürlich erfordert dieses Konzept eine neue Art des Wohnens, an die man sich erst gewöhnen muss. Interessanterweise hatte Roventa sein Konzept für Single-Männer vorgesehen, es findet aber bei Frauen und Kindern ebenfalls großen Anklang. Unaufgeräumtes ist schnell weg gekurbelt, gegen Aufzahlung auch per iPhone vollautomatisch gesteuert! Oder die ‚angepatzte‘ Küche ist im Handumdrehen verschwunden, wenn Gäste kommen.

Angeblich hat sogar die Finanz schon eine Modellkalkulation akzeptiert, die eine teilweise berufliche Abschreibung gestattet!

[Quelle: Salzburger Nachrichten]

Die Gefahr rechtzeitig erkennen

theben-co2-sensor.jpgDen Beweis, dass aus Innovations-Workshops sogar manchmal radikale Innovationen entstehen, liefert mir ein Kollege, Innovationsberater Götz Schaude aus Rastatt. In einem Workshop unter seiner Leitung für die Firma Theben wurde ein CO2-Sensor entwickelt, der zu große Kohlendioxid-Belastung wie auf einer Ampel anzeigt (siehe nebenstehendes Bild)  bzw. bei Bedarf dem Raum Frischluft zuführt. Was besonders in Krankenhäusern und Schulen wichtig ist, denn dort wird auf Luftgüte besonderer Wert gelegt.

Das Messverfahren war prinzipiell schon bekannt, jedoch gab es noch keine marktgerechten und preislich für breitere Einsatzfelder attraktiven Serienprodukte. Anstelle der Verwendung von speziellen und daher sehr teuren Infrarotquellen wurde im Gerät die Messung unter Verwendung von einfachen Glühlampen so optimiert, dass „bezahlbare“ Serienprodukte entstanden sind. Dadurch kam eine neue Technologie zum Einsatz. Und diese Innovation hat der Firma Theben geholfen, ihre Position als Lieferant von intelligenten Systemen für die Gebäudeautomation zu festigen.

[Foto: Theben]

Behörden machen nicht nur Vorschriften…

ma48-hausgrun.jpg…sondern fördern Innovationen auch durch Vorbildwirkung.

Die Gemeinde Wien (MA 48) nützt eine Leistung des Wiener Start-ups Adaptivia, um eine bepflanzte Hausfassade am Matzleinsdorfer Gürtel zu bewässern. Ein interessantes Experiment, das angeblich die Kühlung von Wohnhäusern besser bewerkstelligt als jede Klimaanlage. Und wie wird das gemacht? Durch intelligente Mess- und Regeltechnik: Die Messdaten werden drahtlos über das Internet zu leistungsstarken Datenzentralen geleitet, die besser und schneller als eine Anlage vor Ort die entsprechenden Steuerungsbefehle geben kann. Dies wurde nur möglich, weil das Internet immer stabiler geworden ist und mittlerweile auch große Datenmengen sehr schnell übermittelt.

Adaptivia bietet diese Leistung auch an, um über Sensoren wertvolles Ladegut auf LKWs zu kontrollieren oder mögliche Fehler in Produktionsprozessen rasch zu entdecken. Auch der normale Wartungsbedarf von Anlagen kann so angezeigt werden.

[Quelle: INiTS, Foto MA 48]

Was Techniker von der Natur lernen

Bionik (Biologie und Technik) beim Bauen ist ein spannendes Thema.Wurden früher bereits Erkenntnisse über den Aufbau von Grashalmen zur Verbesserung der Statik beim Bau von Hochhäusern eingesetzt, so dienen heute die Beispiele aus der Natur oft dazu, anfällige (mechanische) Teile einzusparen bzw. auch Gewicht oder Energie zu sparen. Wie folgendes Video zeigt, hat man sich die Strelitzie (Paradiesvogelblume) zum Vorbild genommen, um in bestimmten Fällen Gelenke einzusparen. Ein Teil der Blume öffnet sich, wenn ein Vogel sich auf den äußeren Teil des Blattes setzt und schließt sich wieder, wenn der Vogel die Blume verlässt (also das Gewicht des Vogels keinen Druck mehr auf das Blatt ausübt). Durch die heute verfügbaren Fibermaterialien lassen sich Vorgänge aus der Natur wesentlich besser nachbauen als bisher, wo man starre Teile durch Gelenke beweglich machte. Allerdings sind diese Gelenke auch anfällig, daher werden immer wieder Wege gesucht, anfällige Teile zu vermeiden.

http://www.youtube.com/watch?v=8Bg3mEDV01k
[youtube 8Bg3mEDV01k]

Top down in neuer Bedeutung

Top down wird vielfach im Geschäftsleben dafür verwendet, ein Verfahren zu benennen, das von der Unternehmensspitze nach unten wirken soll. So z.B., wenn die Ziele der Geschäftsleitung für das kommende Jahr allen Mitarbeiter durch die diversen Hierarchiestufen vermittelt werden soll.

Bei folgendem Beispiel geht es allerdings darum, ein Gebäude (meist einen Wolkenkratzer) langsam von oben nach unten abzutragen. Da zur Errichtung solcher Wolkenkratzer herkömmliche Baukräne nicht ausreichen, wurden schon Verfahren entwickelt, bei denen das Gebäude langsam nach oben wächst, weil auch die Schalung nach oben mitwächst. Soll das Gebäude wieder weg, wird es meistens gesprengt. Das ist ab einer bestimmten Höhe allerdings sehr riskant, weil da gleich ein ganzer Stadtteil in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Abgesehen von Staub und Lärmentwicklung ist auch zu bedenken, welche anderen Gebäude in der Nähe stehen.

So wurde nun eine neue Methode entwickelt, die so ein Hochhaus zwar sehr langsam, dafür aber Umwelt schonend abträgt, nämlich von oben nach unten, wie im folgenden Video zu sehen (ein Beispiel aus Japan).


[youtube WbzVfLWQNkA&feature=player_embedded]

Angeblich soll sogar beim Absenken der Rundum-Schalung Energie gewonnen werden und Teile des abgebauten Materials können wieder verwendet werden.

[Quelle: The Verge via more inspiration]

Brücken aus Plastik

kunststoffbrucke.jpgStahlbeton war über lange Jahre das am meisten verwendete Material im Brückenbau. Leider müssen oft schon nach 10-15 Jahren Sanierungsarbeiten erfolgen. Also hat das Bauwesen ständig weiter geforscht, welches Material wesentlich länger hält und außerdem den hohen Belastungen des heutigen Verkehrs gewachsen ist. In Amerika gibt es bereits eine Brücke aus Stahl und Kunststoff, die selbst nur 50 Tonnen wiegt, aber durchaus eine Lok mit 120 Tonnen aushält. Und wesentlich länger hält (man rechnet mit mindestens 50 Jahren).

Ein weiterer riesiger Vorteil gegenüber bisher ist es, dass eine solche Brücke in einer Montagehalle fertiggestellt werden kann und dann am Aufstellungsort innerhalb weniger Stunden eingerichtet ist. Das bedeutet nur eine relativ kurze Verkehrsunterbrechung.

In Friedberg/BRD wurde 2008 eine solche Brücke gebaut. Es wurden auch gleich faseroptische Sensoren eingebaut, die jede Veränderung der Brückenteile melden.

Da aber Kunststoff wesentlich teurer als Stahlbeton ist, bahnt sich jetzt eine weitere interessante Innovation an: In Schottland wurde 2011 die erste Fußgängerbrücke aus recycleten Plastikflaschen und Sandwichbehältern gebaut. Sie rostet nicht, muss nicht gestrichen werden und sollte der unter ihr fließende Fluss durch die globale Erwärmung einmal austrocknen, kann auch aus dieser Brücke wieder etwas anderes gemacht werden: z.B. Plastikflaschen.

[Foto: Knippers Helbig, Stuttgart]