Vor einigen Tagen habe ich über ASIT (Advanced Systematic Inventive Thinking) berichtet. Ein wichtiger Teil dieser Methode ist das ‘Weglassen’ eines oder mehrerer Bestandteile. Die österreichische Firma KTM hat dies mit ihrem Fahrzeug X-Bow extrem betrieben. Weggelassen wurden:
Scheiben, Türen, Fenster und Dach, Klimaanlage, Radio, Servolenkung und Bremskraftverstärker. Selbst von elektronischen Regelungen wie ABS und dem Schleuderschutz ESP, woanders längst eine Selbstverständlichkeit, will Österreichs neuer und einziger Automobilbauer nichts wissen. Auch Airbags sucht man vergeblich. Schreibt die SZ-online am 14.7.2008.
Dieser Vorgang ist übrigens häufiger zu beobachten: Innovation über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg, heißt auch, dass ein Produkt irgendwann einmal überfrachtet wird. Derzeit passiert das im Automobilbereich mit der Elektronik. Damit wird das Produkt immer anfälliger, der Kunde immer satter. Und sehnt sich irgendwann einmal nach der ‘puren’ Urform zurück.
Die ersten Fahrzeuge sind im August 2008 ausgeliefert worden. KTM verspricht einen Spaß wie beim Motorradfahren, aber halt auf 4 Rädern.
…um aus- oder einzusteigen: Sie rollt sich nämlich nach unterhalb weg. Ein Student von der FH Salzburg (Andreas Steinbacher), den ich im Fach ‘Kreativität und Innovation’ für Radikale Innovation begeistern konnte, hat mich auf folgendes Video hingewiesen, das er dem Blog ’sinn-frei’ entnommen hat:
http://www.youtube.com/watch?v=AAtkoje4-eM
Nach Durchsicht zahlreicher Kommentare auf anderen Blogs (das Video wurde übrigens bereits mehr als 2 Millionen mal abgerufen!) war ich kurz geneigt, an eine ge’fake’te Sache zu glauben. Weitere Recherchen haben ergeben, dass ein gewisser John A. Townsend schon in den 90ern Patente angemeldet, diese aber angeblich nie bezahlt hat, weil seine damalige Firma Joalto trotz zahlreicher Sponsoren nach dem ‘Verbrennen’ mehrerer Millionen für die Entwicklung in Konkurs ging. Jetzt lebt die Geldsuche offenbar unter neuem Namen JaTech wieder auf. Townsend selbst ist jedenfalls weiterhin von seiner Idee beseelt, hat viele Sicherheitsbedenken lösen können und auch eine neue Gurthalterung samt verstellbarer Sitzseitenlehne erfunden, um seine Idee der versenkbaren Türe überhaupt zu ermöglichen.
Schon in den 90ern hatten sich etliche große Automobilfirmen für das Prinzip der versenkbaren Autotüre interessiert, aber nach näherer Prüfung die Finger davon gelassen. Eigentlich schade, denn im Sinne einer ‘radikalen Innovation’ klingt die Idee wirklich bestechend. Und zeigt wieder einmal, dass solche Innovationen unheimliche Hürden bis zu einem möglichen Erfolg überwinden müssen.
Gestern Abend ist die Grödiger Firma Skidata mit ihrem neuen System ‘Freemotion’ als Sieger aus zahreichen eingereichten Innovationen hervorgegangen. Was ist nun an diesem System anders als bisher? Wurde bisher der Zutritt - in diesem Fall zum Skilift - generell verwehrt und nur dann geöffnet, wenn man über ein gültiges Ticket verfügte, so dreht Skidata den Spieß um und lässt den Zugang oder die Durchfahrt durch das Zugangs-Gate nun offen. Nur wenn jemand keine gültige Karte besitzt, dann versperrt ein Dreharm die Durchfahrt. Das funktioniert deshalb, weil das System schon von weitem erkennt, ob jemand duchfahrtsberechtigt ist oder nicht.
Psychologisch gesehen ist eine barrierefreie Durchfahrt natürlich angenehmer als sich durch ein Drehkreuz (nach Freigabe) zu zwängen. Und bei großem Andrang wickelt das System natürlich mehr Durchfahrten ab als bisher. Intelligent wie es ist, kennt es gleich, ob ein Erwachsener mit Kinderkarte durchfährt. Mogeln geht also nicht.
Skidata ist gerade 30 Jahre alt geworden und setzt seinen Ehrgeiz immer in Richtung Innovationen ein. Deshalb werden auch 10% des Umsatzes jährlich in Forschung und Entwicklung investiert. Was jedoch ‘Otto Normalverbraucher’ nicht weiß: Obwohl Skidata seinerzeit mit Skiliftzugängen begonnen hat, macht die Firma seit Jahren bereits nur mehr einen Teil ihres Umsatzes damit. Viel größer ist bereits der Anteil im Parkwesen. Aber auch bei Stadienzutrittssystemen ist Skidata aktiv.
Seit 1. Oktober gibt es in Österreich eine Innovation am Energiesektor: Erstmals werden den KFZ-Treibstoffen ‘Normal’ und ‘Super’ 5% Ethanol (Alkohol) beigemischt. Andere Länder sind da schon viel weiter. Gerade in Südamerika fahren schon sehr viele Fahrzeuge mit einem Treibstoff, der zur Hälfte aus Bioethanol besteht. Herkömmliche Motoren vertragen bis zu 10% Bioethanol ohne umgebaut werden zu müssen. Der große Renner dürfte es nicht so schnell werden, denn noch gibt es keine Anlage in Österreich, die Bioethanol erzeugt. Derzeit kommt das zum Beimischen benötigte Ethanol aus Ungarn.
Der massive Anbau von nachwachsenden Rohstoffen, die normalerweise als Nahrungsmittel dienen, hat jedoch weltweit bereits zu einem Anstieg der Lebensmittelkosten geführt. Ethisch bedenklich ist es auch, unter dem Deckmantel des Klimaschutzes Nahrungsmittel durch den Autoauspuff zu blasen, nur um den CO2-Ausstoß zu dämpfen. Daher wird jetzt verstärkt mit Zellulose experimentiert, denn damit ist wenigstens wieder das Nahrungsmittel als Treibstoff aus der Schusslinie.
Seit vielen Jahrzehnten gibt es bereits Lösungen, die es erlauben würden, einen Standardreifen samt Felge im Kofferraum eines jeden Autos zu ersetzen. Denn man schleppt ja doch viel Gewicht mit (das braucht Treibstoff) und außerdem sterben jährlich tausende von Menschen noch beim Reifenwechsel, weil sie z.B. von vorbeifahrenden Autos erfasst werden. Als Zwischenlösung kann man eigentlich nur das sogenannte ‘Notrad’ erwähnen, das zwar viel leichter ist, aber immer noch mit dem beschädigten Reifen getauscht werden muss. Und nur für eine kurze Strecke verwendet werden darf!
Immer stärker in den Vordergrund drängt sich die ‘radikale Lösung’: Die Originalreifen am Auto können nicht mehr kaputt gehen! Oder zumindest lassen sie nur solche Beschädigungen zu, mit denen man noch bis zu 150 Kilometer weit fahren kann. Wie ich dem Schweizer Tagesanzeiger entnehme, setzt BMW verstärkt auf solche ‘Runflat’-Reifen, was übersetzt soviel heißt: Man kann diese Reifen auch flach fahren. Deshalb hat sich auch der deutsche Begriff ‘Notlaufreifen’ etabliert.
Ist es wirklich nur eine Preisfrage, warum es zu diesem Thema seit Jahren noch keine allgemeingültige Lösung gibt?
Es wird zwar noch bis 2010 dauern, aber dann können wir damit rechnen, dass die Revolution in der Bremstechnik in Serie geht. Und die Automobilhersteller auch zugreifen. Denn die neue ‘Elektronische Keilbremse’ wird die bisherigen hydraulischen Systeme ablösen. Und damit ein neues Stadium in der Geschichte der Bremsen einleiten. Denn der Nachteil aller hydraulischen Systeme war immer eine gewisse Trägheit, wodurch auch die Weiterentwicklung an ihre Grenzen stieß. Daher ist jetzt ein radikaler Sprung in neue Dimensionen gelungen. SiemensVDO im O-Ton:
Das Herz der Keilbremse ist das Keillager. Kontrolliert von einem Elektromotor bewegt sich dabei ein Bremsklotz über ein Rollenlager hinweg… Sobald der Bremsklotz die Bremsscheibe berührt, wird er durch die so genannte Umfangskraft mitgezogen. Die Reibung zwischen Bremsscheibe und Bremsklötzen wandelt die Bewegungsenergie in Wärme um – der Wagen wird gebremst. Der Elektromotor hält dabei den Bremsklotz auf dem Rollenlager in jener Position, die gerade so viel Bremskraft aufbaut, wie gewünscht ist. Der kleine und präzise arbeitende Elektromotor muss dabei nur wenig Energie aufwenden, um auch schwerste Fahrzeuge sicher aus Höchstgeschwindigkeiten heraus zum Stillstand zu bremsen.
Und in Zukunft wollen die Techniker von SiemensVDO ihr eCorner-Konzept umsetzen, um darin Antrieb, Lenkung, Dämpfung und Bremse direkt in die Räder der Autos von Morgen integrieren.
Der Salzburger Stadtbaumeister Markus Voglreiter (schon sattsam bekannt als Erbauer des ersten VW-Beetle-Hauses), hat sich jetzt selbst übertroffen:
Wie der Salzburger ORF auf seiner Homepage heute meldet, wird er für einen Salzburger Piloten ein Schaumrollenhaus bauen.
Voglreiter im O-Ton ebendort: “Ich habe nach einem Kontrast zu dem bestehenden, konventionellen Gebäude gesucht. Wir sind mit dem Berufspiloten zusammengesessen, haben Schaumrollen gegessen und eine Gaudi gehabt”, schildert der Baumeister. “Da habe ich mir gedacht: Warum nicht ein Schaumrollenhaus bauen, das sieht sicher witzig aus.”
Da sich dieses Haus in Sichtweite der Höheren Technischen Lehranstalt Itzling befinden wird, kann es sicher den einen oder anderen Schüler kreativ inspirieren. Dazu wird Voglreiter aber noch einige Anpassungen durchführen müssen, denn derzeit (22.3. 10.54 Uhr) meinen in einer vom ORF inszenierten Abstimmung mehr als 70%, dass der bisherige Entwurf noch nicht wirklich an Schaumrollen erinnert. Selbst wenn man sich das runde Milchglas vorstellt, dass jeweils am Ende der Schaumrollenstockwerke angebracht werden soll.
Erfrischend sind jedenfalls Voglreiters kreative Entwürfe, von denen einige bereits weltweit für Interesse gesorgt haben. Und dass sich auch noch Bauherren finden, die diese nicht ganz billigen ‘Spinnereien’ finanzieren, ist ebenfalls ein gutes Zeichen.
Ruth Pink vom Kreativblog hat mich darauf gebracht: 1957 sollen Porsche und Mercedes die ersten Sicherheitsgurte eingebaut haben. Allerdings nur als Sonderausstattung für Serienfahrzeuge. Was war das für eine Aufregung als das Anlegen dann auch noch Pflicht wurde! Gegenüber der früheren Bewegungsfreiheit im Auto war das schon eine radikale Veränderung.
Bei Wikipedia entnehme ich, dass Volvo 1959 mit der serienmäßigen Ausstattung des Modells 544 folgte. Volvo hatte allerdings bereits lange vorher einen Dreipunktgurt aus dem Fünfpunktgurt entwickelt, den Louis Renault 1903 erfunden hatte.
Wikipedia berichtet weiters: “Diese Erfindung wurde 1985 vom Deutschen Patentamt als eine der acht Erfindungen ausgewählt, die der Menschheit in den letzten 100 Jahren den größten Nutzen brachten.”
Was sich allerdings nicht durchgesetzt hat, ist das Messer zum Durchtrennen des Gurts, falls dieser nach einem Unfall blockiert und im Gurtschloss hängen bleibt. Warum eigentlich nicht? Foto: Wikipedia
Erstaunlich, mit welcher Vehemenz südamerikanische Länder wie Brasilien und Kolumbien die Abwendung vom Erdöl und Zuwendung zu Bioethanol betreiben. Manche schwärmen direkt vom ‘nachwachsenden’ Treibstoff, der nicht ausgehen kann. 2 Nachteile:
1. Der enorme Landverbrauch.
2. Ethisch bedenklich, ‘Nahrungsmittel’ wie Zuckerrohr oder Zuckerrüben für Autos statt für Menschen zu züchten.
Derzeit wird Ethanol auch noch mit Benzin gemischt. Über die Mischungen schreibt Wikipedia “Die Euronorm EN DIN 228 lässt es zu, dem herkömmlichen Benzin bis zu 5 % Ethanol beizumischen (E5). Dies wird auch heute schon praktiziert, allerdings liegt der Ethanolanteil in Deutschland erst bei etwa 2 %. Normale Benzinmotoren können ohne Modifikation mit E10 (10% Ethanol) betrieben werden. In einigen EU-Ländern (z. B. Polen, Tschechien, Deutschland) wird eine Zwangsbeimischung von Bioethanol geprüft. In den USA wird bereits größtenteils E10 eingesetzt. Durch geringe Umbaukosten (ca. 30 €) kann auch E25 getankt werden. Brasilien mischt bereits 25 % Ethanol ins Normalbenzin, welches dort auch Pflicht ist und von den gewöhnlichen Autos vertragen wird. Die Hälfte aller dortigen PKW fahren bereits mit E85, 2 % sogar mit E100. Motoren, die mit reinem Alkohol betrieben werden können, werden in Brasilien in der Automobilindustrie seit 1979 für den Straßenverkehr und seit 2005 für Kleinflugzeuge verkauft. Japan will bald bis zu 10 % beimischen und verhandelt derzeit mit Brasilien über Alkohollieferungen.”
Erstaunlich, dass es tatsächlich schon Autos gibt, die mit E100, also reinem Alkohol fahren. Klar ist, dass mit der Forcierung von Ethanol als Treibstoff die Abhängigkeit von den Erdöl produzierenden Ländern verringert werden soll. Zumal ja einige unsichere Kantonisten dabei sind. Obwohl Russland zu den größten Erdöllieferanten zählt, experimentiert es auch mit Ethanol, um sich abzusichern, falls die Abnahme von Erdöl zurückgeht. Zumal in der Tundra zukünftig durch den Klimawandel riesige Anbauflächen zur Verfügung stehen werden.
Sebastian Ulbert, eifriger Lieferant und Zuträger für diesen Blog, nebstbei auch Student an der FH Salzburg, hat im Wartezimmer seines Arztes folgendes entdeckt:
Der Schrecken aller Fahrschüler - nämlich das Einparken - wird bald der Vergangenheit angehören. Im neuen Citroen C4 Picasso gibt es sie schon: Die neue Einparkhilfe aus dem Hause Bosch. Lassen wir den Original-Pressetext sprechen:
Der Citroën C4 Picasso ist weltweit das erste Auto mit integrierter Parklückenvermessung. Das Fahrerassistenzsystem von Bosch zeigt dem Autofahrer an, ob die ausgewählte Parklücke für das Auto lang genug ist. Und weiter:
Während der Vorbeifahrt mit Geschwindigkeiten bis 20 Kilometern pro Stunde tastet der Sensor die Lücke ab. Anschließend informiert der Assistent im Zentraldisplay den Fahrer, ob die Länge der Parklücke für das Auto ausreicht, sie knapp bemessen oder eben zu kurz ist.
Ab 2008 möchte Bosch noch eins draufsetzen und wird eine elektronische Steuerhilfe anbieten: Der Fahrer drückt nur mehr auf einen Knopf und das Auto parkt selbständig ein! Dann könnte man eigentlich auch die - manchmal nervende - akustische Einparkhilfe sparen, denn die Elektronik weiß ja ohnehin, wohin und wie weit es geht.
Auch hier bewahrheitet sich wieder einmal eine von G. Altschullers “Evolutionstheorien”, die da heißt: Verringerung der menschlichen Interaktion - die Technik nimmt uns also immer mehr ab. Das war ja auch bei ABS bereits so. Ich warte schon lange auf die Möglichkeit, mich knapp hinter Salzburg auf der Autobahn in ein System einzureihen, das mein Auto z.B. bis Wien ‘mitnimmt’, während ich mich auf der Fahrt anderen interessanten Dingen widmen kann.