Frisch vom Urlaub zurück, möchte ich eine Erfahrung einbringen, die sich in den vergangenen Jahren immer stärker bei mir verfestigt hat: Bei jedem Ideenwettbewerb sitzen ‘Experten’, die die vorgestellten Ideen nach einer Reihe von Kriterien bewerten. Viele dieser Kriterien werden an Fachhochschulen und Universitäten gelehrt. Und können einem Gründer beim Start helfen - oder auch nicht.
1. Mögliche Zielgruppe: Natürlich soll man sich darüber Gedanken machen, wer eine Idee kaufen soll und warum. Aber auch Experten wie Thomas Watson (Vortandsvorsitzender von IBM) irrte 1943, als er den Weltmarkt für Computer mit 5 (!) Stück einschätzte. Auch ein Mann wie Gottlieb Daimler schätzte den Weltmarkt für Automobile auf höchtens eine Million ein - schon aus Mangel an Chauffeuren. Und Jan Timmer (später Präsident von Philips) war schon 1982 der Meinung, dass niemand eine CD (Compact Disc) brauchen würde.
2. Reife: Schnell werden technische Mängel oder noch nicht gelöste Anforderungen als Grund herangezogen, um einer Idee den Garaus zu machen bzw. eine wirtschaftliche Bauchlandung vorauszusagen. Berühmtes Beispiel: Im Jahre 1878 soll William Orton, Präsident bei Western Union, eine Unterstützung von Graham Bell abgelehnt haben, weil er der Meinung war, das Telefon sei ein Spielzeug und habe noch zuviele Mängel, würde daher als ernsthaftes Kommunikationsmittel nichts taugen.
3. Preis: Viele Experten halten das iPhone für maßlos überteuert - trotzdem stellen sich die Verbraucher in Schlangen an, um die ersten Geräte in jedem Land nach der jeweiligen Freigabe zu ergattern. Auch der Erfinder der Xerografie (Kopieren auf normalem Papier) Chester Carlson holte sich unzählige Absagen, unter anderem von IBM und 3M (!), weil sein System viel teurer als das bisher übliche war. Und Arthur D. Little riet IBM ab, beim Xerox-Vorgänger Haloid einzusteigen, da die Beratungsfirma in den USA den gesamten Markt für diesen Kopierer auf höchstens 5000 Stück schätzte. Heute ist ‘to xerox’ der Begriff für ‘Fotokopieren’!
4. Persönliche Gefühle: Decca Recording soll es 1962 abgelehnt haben, die Beatles herauszubringen. Begründung: “Wir mögen den Sound nicht und außerdem ist Gitarrenmusik am Aussterben!” . Der berühmte Chef der 20th Century-Fox, Darryl F. Zanuck, gab 1946 dem Fernsehen kein langes Überleben, weil er meinte, die Menschen würden sehr bald müde werden, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren. Inzwischen sind mehr als 60 Jahre vergangen und die Menschen sehen sogar schon zum Frühstück fern!
Das dürfe auch der Grund sein, warum Juroren von Ideenwettbewerben heute verstärkt darauf schauen, wie stark die ‘innere Flamme’ bei den Präsentatoren von Ideen lodert. Und wem man am ehesten zutraut, gegen massive Widerstände seine Idee auch über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. Denn eines ist sicher: Viele Ideen setzen sich erst nach jahrelangen Entbehrungen, hunderten von Nachjustierungen und Kehrtwendungen, Kompromissen und Rückschlägen endgültig durch. Oder nie, wie z.B. das papierlose Büro!
[Quelle der Expertenirrtümer: portal.gmx.net]
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