Gestern und heute haben die Umstellungen stattgefunden und die Leser finden ein völlig neues Design vor, das sich von dem alten extrem unterscheidet. Falls Sie es schon vergessen oder bisher noch nie gesehen haben: So hat es vorher ausgesehen…
An den Inhalten selbst hat sich nichts verändert. Jetzt werden Sie natürlich fragen, was die Farbstifte sollen. Bei der Gründung des Blogs vor nunmehr fast 2 Jahren habe ich mich mit der Auswahl des Designs (”theme”) nicht lange aufgehalten. Wichtig war mir damals, dass ich relativ rasch das Bloggen lerne und keine Zeit auf ein ausgefuchstes Design vergeude. Da ich aber im Hauptberuf Kreativitätstrainer bin, war mir das obenstehende Design auf Dauer dann doch etwas ‘farblos’. Ich habe mich außerdem entschlossen, meine Homepage völlig neu zu gestalten und sie optisch mit dem Blog zusammen zu führen. Nun ist der Blog im Netz und an der Homepage arbeite ich noch fleißig. Ich bin guter Dinge, sie in wenigen Wochen ins Netz stellen zu können. Der Anpassungsaufwand ist hier wesentlich größer als beim Blog.
Eifrigen Lesern meines Blogs werden die 4 Buchstaben TRIZ schon öfter aufgefallen sein. Und einige von ihnen wissen auch, dass diese die Abkürzung für ‘Teoria reshenija izobretatjelskich zadacz’ sind. Was Wikipedia übersetzt mit “Theorie des erfinderischen Problemlösens” oder “Theorie zur Lösung erfinderischer Probleme”.
Über die Methodik steht in Wikipedia: Die Methodik wurde u.a von Genrich Saulowitsch Altschuller, Rafael Borisowitsch Shapiro und Dimitri Kabanov um 1946 ins Leben gerufen. Sie entstand durch die Sichtung einer großen Anzahl von Patentschriften, woraus sie diejenigen auswählten, die ihnen technische Durchbrüche zu beschreiben schienen. Diese werteten sie genauer aus und erkannten drei wesentliche Gesetzmäßigkeiten:
Einer großen Anzahl von Erfindungen liegt eine vergleichsweise kleine Anzahl von allgemeinen Lösungsprinzipien zugrunde.
Erst das Überwinden von Widersprüchen macht innovative Entwicklungen möglich.
Die Evolution technischer Systeme folgt bestimmten Mustern und Gesetzen.
Speziell Altschuller hat mit seinen Schülern ein Systematik entwickelt, mit der man Erkenntnisse aus der Vergangenheit nützen kann ohne das Rad jedes Mal neu erfinden zu müssen. TRIZ besteht aus einer ganzen Reihe von methodischen Werkzeugen, die systematisches Problemlösen unterstützen. Warum soll das gerade bei ‘Radikalen Innovationen’ nützlich sein?
Altschuller hat empfohlen, bei jedem Problem zumindest einen ‘klassischen Widerspruch’ (siehe oben Punkt 2) zu formulieren, den es zu überwinden gilt. Auch die ‘ideale’ Lösung anzudenken. Genau das ist der Stoff, aus dem ‘Radikale Innovationen’ gemacht sind. Und um frühere Erfahrungen zu nutzen, hat er zusammen mit seinen Schülern 40 Lösungsprinzipien (siehe oben Punkt 1) erarbeitet, auf die man beim Problemlösen (oder Erfinden) zurückgreifen kann.
Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie beim einen oder anderen Beitrag in Zukunft in der Fußzeile (zwischen eckigen Klammern) einen Hinweis finden werden, welche(s) Lösungsprinzip(ien) dort offensichtlich angewendet wurden. Auch bisherige Beiträge werde ich nach und nach ergänzen. Denn durch Beispiele begreift man diese Prinzipien am besten. Und sie gehen nach einiger Zeit ganz automatisch in das Lösungsdenken über.
Seit 2002 (lt. Wikipedia) gibt es Blu-ray bereits und wird stark von Panasonic und Sony unterstützt. Es soll die Nachfolge der DVD antreten und steht in Konkurrenz zu anderen Systemen wie HD-DVD oder VMD. Jetzt, 6 Jahre später, scheint der Formatkrieg in eine entscheidende Phase zu gehen. Anfang des Jahres 2008 hat der HD-DVD-Markt massive Einbrüche zugunsten der Blu-ray Disc erleiden müssen, nachdem der Medienkonzern Warner in Zukunft auf Blue-ray setzen will. Sony Österreich wird seine Produktion auf Blu-ray umstellen und sucht mindestens 100 neue Mitarbeiter.
Das Pendel könnte allerdings wieder umschlagen, wie vor kurzem ‘derstandard.at’ meldete. Denn Sony will verhindern, dass Sexfilme auf Blue-ray produziert werden. Nach Meinung von Experten ist jedoch der Markt für Erwachsene von erheblicher Bedeutung für die Entwicklung einer bestimmten Technologie. So könnte die Pornoindustrie einen entscheidenden Anteil daran haben, welches Format sich letztendlich durchsetzt. Zumal sich viele Regisseure und Produzenten schon für das HD-DVD-Format ausgesprochen haben.
Man sieht also, dass es sehr lange dauern kann und von unterschiedlichsten Faktoren abhängt, welches System sich letztendlich bei den Kunden durchsetzt. Und manche Entwicklungen setzen auch völlig unerwartet, fast über Nacht ein. Für Spannung ist also gesorgt! Sony muss Acht geben, um sich nicht wie seinerzeit zu verschätzen, als es um die Vormachtstellung bei den Videoformaten ging. Der Grad zwischen Top und Flop ist schmal!
Durch B. Kahmann aus Kassel bin ich auf einen interessanten Bericht in sueddeutsche.de über die 10 größten Technik-Flops der letzten Jahre gestossen, die ich hier kurz aufzähle:
Interessant finde ich, dass 6 Flops die Sparte Telefon (5 davon die Sparte Mobiltelefon) betreffen. Wenn man bedenkt, welche Unsummen bei diversen obenstehenden Projekten versenkt wurden, dann versteht man schon, warum man eher an Produktverbesserungen herangeht und das große Risiko radikaler Innovationen scheut. Gott sei Dank gibt es ja auch genügend positive Beispiele: Man muss daher viele Dinge auf lange Sicht betrachten. Auch noch soviel Marktforschung im Vorfeld nützt oft nichts. Allerdings sind gerade Techniker sehr anfällig dafür, Dinge (und Leistungsmerkmale) zu entwickeln, die kaum jemand verwendet. Das beste Beispiel dafür sind Telefonanlagen in Büros!
Eine gänzlich neue Lösung hat sich der Salzburger Architekt Manfred Katzlinger einfallen lassen, um in Lokalen die Luft rauchfrei zu machen. Seine brandneue Erfindung ‘Aeroluce System’ saugt den Rauch durch die Lampen über den Tischen ab.
In Salzburg gibt es bereits das erste Lokal, das mit diesen Lampen arbeitet. Messungen haben ergeben, dass die Lampen den Rauch wirklich gut filtern. Selbst Nichtraucher bestätigen, dass sie im Lokal kaum Zigarettenrauch feststellen können. Angenehmer Nebeneffekt: Durch den Rauchabzug werden die Halogenlampen gekühlt. Katzlinger meint, dass diese dadurch sechs bis acht Mal länger halten.
Nachdem gerade in Deutschland und Österreich eifrig über ein generelles Rauchverbot in Lokalen diskutiert wird, könnte das ein interessanter Weg sein, um auch den Dienstnehmern im Gastronomiegewerbe entgegenzukommen. Denn die sind wirklich arm dran, wenn sie 8 Stunden oder mehr pro Tag giftige Dämpfe einatmen müssen. Die Lampen können unterschiedlich gestaltet werden, was Designer freuen dürfte. Und Katzlinger verspricht, dass sich sein System an jede bestehende ordentliche Lüftung angeschlossen werden kann.
Gerade ist mit der gelben Post (wie jedes Jahr) eine Karte gekommen, auf der ich den aktuellen Stand auf unserem Stromzähler ablesen soll. Früher ist da von unserem Stromversorger mehrmals im Jahr jemand vorbeigekommen, um den Stromverbrauch abzulesen.
Als man sich entschlossen hat, den Kunden zu vertrauen und die Verbrauchsableser komplett einzusparen, wurde der Erfassungsprozess vollkommen umgekehrt. Mittlerweile vertraut auch die Gemeinde ihren Schäfchen und lässt uns den Wasserverbrauch selbständig melden.
Fairerweise muss man dazu sagen, dass die Lieferanten in diesem Fall kein allzu großes Risiko eingehen. Da die Daten schon seit Jahren per EDV erfasst und verwaltet werden, erkennen entsprechende Softwareprogramme ungewöhnliche Abweichungen sofort.
Der große Vorteil bei dieser Vorgangsweise ist, dass Volksvermögen eingespart wird: Man denke nur daran, dass Generationen von Werktätigen zu Hause bleiben mussten, um auf den Strom- oder Gasableser zu warten. Und heute immer noch einmal im Jahr auf den Ableser bei Zentralheizungen warten… Dass da noch niemandem ein intelligenteres System eingefallen ist!?!
Ist es schon für kleinere Firmen nicht leicht, das Risiko von ‘radikalen Innovationen’ auf sich zu nehmen, so tun sich größere Konzerne damit noch bedeutend schwerer. Denn zahlreiche Filter in Form von Vorgesetzten, Controllern, Formularen zur Chancenabschätzung und quartalsweiser Berichtspflicht machen es dieser Form von Innovation wirklich nicht leicht. Kontinuierliche Verbesserung ist da schon wesentlich eher gelitten, besonders dann, wenn eine Idee dem Unternehmen wieder mal hilft, Geld zu sparen. Deshalb kaufen große Unternehmen auch gerne kleinere auf, wenn diese sich mit einer ‘radikalen Innovation’ schon etwas die Hörner abgestoßen haben.
Unter dem Pseudonym ‘Moosh2001′ hat der 24-jährige Amerikaner Gustavo ein kleines Video gemacht, das die Situation recht gut beschreibt:
Die von ihm im Video erwähnten ‘Crest Whitestrips’ waren für Procter & Gamble allerdings wirklich ein Wurf, der nicht jeden Tag gelingt. Was jedoch genau hinter der Entstehungsgeschichte dieses Produktes steckt, schildere ich in einem eigenen Beitrag.
Aus der Serie ‘Deutsche Innovationen’ in der Wirtschaftswoche 43/2007 möchte ich heute die Cyclodextrine der Münchner Wacker Chemie hervorheben. Es sind dies ringförmige Zuckermoleküle, die beim Abbau des Naturproduktes Stärke mit Hilfe von Enzymen gewonnen werden. Sie sind biologisch abbaubar, völlig ungiftig und können dauerhaft auf Natur- und Kunstfasern verankert werden. Jedes Molekül bildet einen Hohlraum und kann darin Substanzen aufnehmen, die eine Abneigung gegen Wasser haben.
Sobald Sie nun zu schwitzen beginnen, nehmen diese Moleküle den Schweiß auf und geben im Gegenzug z.B. einen wohlriechenden Duft oder eine Medizin ab. Unterwäsche kann Sonnenbrand bekämpfen, ein Hemd Neurodermitis oder Strümpfe Orangenhaut (berichtet 3sat). BR-online berichtet noch weitergehend, nicht nur was alles mit Cyclodextrinen möglich ist, sondern was ‘intelligente’ Textilien bereits alles können. Sie schreiben z.B.
Das Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration, kurz IZM, entwickelt ein komplettes T-Shirt zur Kontrolle der Vitaldaten des Trägers. Mit leitfähigen Fäden ist ein Chip auf ein T-Shirt genäht, außerdem eingearbeitet - metallene Fäden, die über die Brust führen. Das Ganze: voll waschbar. Solche Systeme könnten in Zukunft die Herzfrequenz, Blutdruck und Puls erfassen. Bei kritischen Werten schlagen sie Alarm und übertragen die Daten per Mobilfunk an einen überwachenden Arzt.
Wir werden also in absehbarer Zeit die Frage: “Kann Kleidung heilen oder vorsorgen?” mit “Ja” beantworten können.
Ein sehr interessantes Projekt, bei dem sich 68 Stockwerke eines Hochhauses einzeln um die eigene Achse drehen lassen. Es soll in Dubai entstehen, wo ja bekanntlich gerade im Bauwesen das Wort ‘unmöglich’ nicht mehr akzeptiert wird. Das Gebäude wurde vom in Italien lebenden Architekten David Fisher entwickelt und setzt in mehrerer Hinsicht neue Maßstäbe:
1. Durch eine völlig neue Bauweise werden Sektoren der Stockwerke nach oben gezogen und dann nebeneinander gereiht: Das oberste Stockwerk entsteht so als erstes. Jedes Stockwerk kann in nur 3 Tagen errichtet werden! Da alles vorgefertigt wird, sind auf der Baustelle selbst nur 90 Personen nötig.
2. Zwischen den Stockwerken sorgen Windturbinen dafür, die benötigte Energie für das Gebäude zu erzeugen. Am Dach gibt es außerdem Sonnenkollektoren. Es bleibt sogar noch etwas über, um die Umgebung zu beleuchten.
3. Jedes Stockwerk lässt sich durch seine Bewohner (langsam drehen) und so die Aussicht verändern. Im obersten Stockwerk soll es fünf ‘Villen’ geben, die sogar einen eigenen Parkplatz bieten (Die Autos werden mit einem Speziallift hinaufbefördert). Für die schnelle Anreise mit dem Helikopter fährt im 64. Stockwerk eine Plattform aus, um die Landung zu ermöglichen. Ganz oben geht ja nicht, da sind die Sonnenkollektoren!
Ein Gebäude der Superlative also. Trotz eifriger Recherche im Internet ist es mir nicht gelungen zu eruieren, wann mit dem Bau begonnen wird! Aber dafür habe ich ein bereits 2001 fertiggestelltes 11-stöckiges Haus in Curitiba (Brasilien) gefunden, wo jedes Stockwerk ebenfalls um 360 Grad gedreht werden kann. Mehr über Suite Vollard dort.
Die belgische Firma CREAX gibt einen monatlichen Newsletter (in englischer Sprache) heraus, der auf spannende Innovationen hinweist. Speziell die bildhafte Umsetzung macht das ‘Konsumieren’ dieser Informationen zum Vergnügen.
Sehr hilfreich ist auch eine frei zugängliche ‘function database’, in der man nachsehen kann, wie bestimmte Funktionen erfüllt werden können. Man kann z.B. nachsehen, auf welchen Wegen Flüssigkeit entsteht oder wie sie getrocknet werden kann. Eine ebenfalls angebotene ‘attribute database’ ist im Aufbau. Für solche Wissensdatenbanken, die oft eine wertvolle Hilfe darstellen, wenn ein bestimmtes Problem gelöst werden soll, müssen anderswo sehr hohe Beiträge bezahlt werden.
Zu guter letzt noch ein weiterer Tipp: Das CREAX-Portal bietet eine Unmenge von Links zum Thema Kreativität und Innovation. Es gibt auch ein Verzeichnis einiger deutschsprachiger Kreativseiten. Wer seine eigene vermisst, kann sich eintragen lassen. Reservieren Sie sich genügend Zeit, denn man kommt so schnell nicht wieder los…