TATA revolutioniert den Autobau radikal

nano-vorne1.jpgDas indische Großunternehmen TATA hat weltweit mit seinem TATA Nano (um rund 1.770 Euro) für Aufmerksamkeit gesorgt. Um ein Fahrzeug zu diesem Preis herstellen zu können, bedurfte es einer besonderen Philosophie. TATA bindet Zulieferer über längere Zeit an sich und entwickelt auch mit ihnen zusammen Bauteile (so z.B. mit einigen deutschen Firmen wie Bosch, das selbst eine Produktion in Indien hat).

Die strikte Preisvorgabe (100.000 Rupien) zwang die Designer zu komplettem Umdenken.

– Es gibt keine Heckklappe, den hinteren Stauraum erreicht man durch Umklappen der hinteren Sitzbank.
– Die Fenster der hinteren Reihe sind fest eingebaut, also nicht zu öffnen.
– Es gibt nur einen Rückspiegel auf der Fahrerseite.
– Es gibt nur einen Scheibenwischer (wie bei Mercedes).
– Das Lenkrad besteht aus nur einem Teil.
– Es gibt keine Servolenkung (bei einem Gewicht von rund 700 Kilo nicht nötig).
– Der 2-Zylinder-Heckmotor wird durch Lamellen nahe der hinteren Radkästen gekühlt.
– Die Anzeigen sind in der Mitte (wie auch beim Mini von Beginn an), daher kann der Nano sehr einfach rechts- oder linksgelenkt ausgeliefert werden.
– Es gibt keine Airbags, kein ABS, aber eine sichere Fahrgastzelle (siehe europäischen TATA Nano Crashtest – allerdings dort schon mit Airbags).

[ASIT-Prinzip: Objektentfernung], [TRIZ-Lösungsprinzip Nr. 2: Abtrennung]

Wenn TATA letztendlich auch den Preis von 100.000 Rupien nicht ganz einhalten kann, ist das trotzdem der Einstieg für Millionen neuer Autofahrer in Indien, die bisher einspurig unterwegs waren.  2009 wurden Bestellungen durch Verlosung zugeteilt. Jetzt ist der Nano (mit einer Fülle von Finanzierungsangeboten) schon ab Schauraum beziehbar.

Eine 3-Zylinder-Version mit verstärkter Karosserie soll 2011 auch in Mitteleuropa (vorerst in Polen) für rund 5.000 Euro zu haben sein. Am Genfer Autosalon wurde dieses Jahr sogar eine Elektrovariante des Nano vorgestellt.

Der Konzern TATA fördert auch den Mut, sich an Neues zu wagen, in dem er einmal pro Jahr einen Preis für die beste ‚gescheiterte Idee‘ ausschreibt. Diese Textpassage habe ich im neuen Buch von Jens-Uwe Meyer  ‚Kreativ trotz Krawatte‘ auf Seite 21 gefunden. Er beschreibt dort auch sehr schön, dass die Innovationskulturen erfolgreicher Unternehmen durchaus unterschiedlich sind.

[Foto: TATA Motors]

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