Strom aus Afrika oder vom eigenen Dach?

Gerade ist die Tinte unter einer Vereinbarung getrocknet, die wahrhaft die Dimension einer radikalen Innovation hat: Sonnenkraftwerke sollen in der afrikanischen Wüste Strom erzeugen, der dann via Kabel nach Europa transportiert wird! Warum tauschen wir eigentlich die Abhängigkeit von Erdöl exportierenden Ländern gegen die Abhängigkeit von Ländern mit hoher Sonnenintensität? Solarkraftwerke ja, aber davon sollen doch die afrikanischen Staaten selbst etwas haben. Und wenn ich die Wahl habe zwischen Strom, der über 3.000 bis 4.000 Kilometer lange Leitungen zu uns kommt (zu welchem Preis?) und dem, den ich auf meinem eigenen Hausdach oder an der Fassade (oder in der Erde) erzeuge, dann verlasse ich mich doch lieber auf das, was mir am nächsten ist.

neubau-erdal.jpgJedes neue Gebäude trachtet danach, in seiner Energiegewinnung autark zu werden. Werner + Mertz (Erdal) in Mainz hat vor kurzem den Grundstein zu einem neuen Bürogebäude gelegt, das nicht nur seinen eigenen Energiebedarf deckt (Nullenergiebilanz), sondern sogar noch Energie ans öffentliche Netz  (Plusenergiebilanz) abgeben wird.

Und wie schaffen die das?

  • Eine gute Wärme-Isolation der Fassade.
  • Die Nutzung von Erdwärme über eine Geothermie-Anlage.
  • Die Nutzung von Sonnenenergie über Photovoltaik-Anlagen auf dem Gebäudedach.
  • 16 kleinere Windkraftanlagen auf dem Dach werden den gesamten Strombedarf für die Pumpen der Geothermie-Anlage liefern.

Sobald die neuen Zweiwegstromzähler in unseren Häusern installiert sind, können wir selbst zu Stromproduzenten werden!

[Foto: Werner + Mertz]

2 Gedanken zu „Strom aus Afrika oder vom eigenen Dach?

  1. JA, es geht um radikale Innovation. Die radikale Innovation heißt 100% erneuerbare Energien. Warum? Gründe genug: Klimaschutz, Diversifizierung und Flexibilisierung des Stromangebots, Zukunftsfähigkeit statt Übergangstechnologien (sprich CO2-Abscheidung und Speicherung, Atomstrom). Zukunkftsfähigkeit heißt aber auch: eine europäische statt vieler nationalen Lösungen. Und vor allem: Bündelung aller Kräfte!
    Es geht nicht um ein entweder-oder sondern um ein sowohl-als auch.
    Jede Möglichkeit dezentraler Stromproduktion samt zukünftiger smarter Abrechnung und Verteilung sollte genutzt werden. Aber schaffen wir es damit, die hohen Standards der deutschen Stromversorgungssicherheit zu 100% durch erneuerbare Energien immer und überall und für jeden in Zukunft sicher zu stellen? Wir brauchen Lösungen, die für alle plausibel sind, wir brauchen Lösungen, die von der Mehrheit der Bevölkerung mitgezogen werden. Wir brauchen Lösungen, die ganz klar als Alternative zu den geplanten neuen Kohlekraft- und (im europäischen Kontext) Atomkraftwerken auftreten können und akzpetiert werden!

    Deshalb brauchen wir das SuperSmartGrid und die Kombination aus dezentraler und zentraler Stromerzeugung. Dezentraler Strom wo auch immer es möglich ist, und als BACKUP: Off-Shore-Wind aus Nord- und Ostsee, zentraler Sonnenstrom aus Südeuropa und Afrika. Ein erneuertes verbundes europäisches Stromnetz, das durch neue Verbrauchsmessungen und Verteilmethoden Engpässe und Überkapazitäten ausgleichen kann.
    Nur in dieser Kombi schaffen wir es tatsächlich, unsere Stromversorgung bis 2030 zu 70% und bis 2050 zu 100% aus erneuerbaren Energien zu gewinnen.

    Und damit verbunden sind tatsächlich jede Menge unterschiedlichster Geschäftsmodelle, Smart Metering in den Haushalten für ganz neue Preismodelle, neue Rollen von kleinen und mittelgroßen Stromproduzenten.

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