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The Innovator’s Dilemma

7:15 pm Allgemein, Lesetipps


buch-the-innovators-dilemma.jpgAmerikas ‘Guru’ zum Thema ‘Radikale Innovation’ - Clayton M. Christensen - hat vor einigen Jahren (1997, 2000, 2003) ein Buch herausgebracht, das ihn zum absoluten Spezialisten in der Szene hat werden lassen. Er beschreibt darin nach der Beobachtung zahlreicher (erfolgreicher) Firmen, die letztendlich aber wieder nach einiger Zeit ‘verglüht’ sind, die Schlüsse, die er daraus gezogen hat:

- Erfolg ist die erste Stufe zum Misserefolg, weil er einen in Sicherheit wiegt und beratungsresistent macht.

- Wer nur nach Kundenwünschen agiert, kann bald einmal ‘auf der Strecke bleiben’. Denn auch die Kunden sind nicht unbedingt die ‘Treiber’ für gänzlich neue Ideen.

- Große, erfolgreiche Firmen sind meist nicht für ‘radikale Innovationen’ geeignet, da sie schon bei der Risikoabschätzung vor der Einführung und auch in der ersten Zeit nach der Einführung mit den Maßstäben der großen Organisation messen. Die Geduld, etwas ‘durchzutragen’ ist gering. Der kurzfristige Erfolg ist wichtig, nicht die langfristige Perspektive.

- Kleine Firmen investieren wesentlich mehr ‘Herzblut’ in eine Idee, da sie oft gar keine andere Wahl haben. Und auch kleine Erfolge motivieren ungemein, die in der großen Organisation nur als ‘peanuts’ wahrgenommen werden.

Werden kleine, innovative Firmen aufgekauft und in die größere Firma integriert (und auch nach deren Maßstäben gemessen), lösen sie sich sehr rasch in ihre Bestandteile auf. Die Kulturen passen nicht zusammen, etliche Mitglieder der vormals kleinen Firma verlassen frustriert das Unternehmen und die wertvollen Vorteile, derentwegen man diese Firma eigentlich gekauft hat, sind in kurzer Zeit Geschichte. Deshalb empfiehlt er den Unternehmen auch, für sogenannte ‘breakthrough’-Projekte lieber kleine ‘Spinn-offs’ zu gründen, die sowohl räumlich wie auch disziplinär von der Mutterfirma getrennt agieren sollten.

Es ist übrigens auch interessant zu beobachten, dass gerade in Firmen, die durch die geniale Idee eines Gründers groß geworden sind, meist genau dieser Gründer später den größten Hemmschuh für eine oft dringend notwendige Erneuerung darstellt.

Wo ist nun das Dilemma des Innovators in den meisten Firmen? Er muss sich entscheiden zwischen erhaltender (’sustaining’) und zerstörender (’disruptive’) Innovation. Die erhaltende Innovation ist eine Verbesserung von Bestehendem, meist halbwegs berechenbar und gefährdet daher nicht den Aufstieg im Unternehmen. Die zerstörende Innovation stellt Bestehendes in Frage, bedeutet meist große Veränderungen, ist anfangs sehr fehleranfällig und bedeutet oft, dass neue Zielgruppen dafür gefunden werden müssen. Es ist nur menschlich, dass sich da nur wenige drübertrauen. Allerdings können manche Firmen kontinuierliches Wachstum nur sicherstellen, indem sie von Zeit zu Zeit eine ‘disruptive’ Innovation auf den Markt bringen. Oder mit erhaltenden Innovationen in Schönheit sterben!

Absolut lesenswert, schade, dass es dieses Werk nur auf Englisch gibt.

4 Kommentare
  1. innokaan :

    Datum: 4. März 2008 um 19:45

    Für obenstehenden Satz ‘Erfolg ist die erste Stufe zum Misserfolg’ kam soeben ein schönes Beispiel herein:
    Motorola hat sich zu lange auf dem Erfolg des Razr ausgeruht. Nun schreibt die Wirtschaftswoche im Heft 8/2008: Rote Zahlen, rapide Marktanteilsverluste und unzufriedene Aktionäre zwingen das Management, die Mobilfunksparte abzuspalten und zu verkaufen. Vor 2 Jahren noch galt Motorola als innovativster Handyhersteller der Welt!

  2. Christian :

    Datum: 11. März 2008 um 14:07

    Wer nur nach Kundenwünschen agiert, kann bald einmal ‘auf der Strecke bleiben’ - ein wahres Wort, das Problem gibt es leider viel zu oft…

    Ich bin seit eineinhalb Jahren an einem Spin-Off mit 5 Mitarbeitern beteiligt und muss sagen, dass zumindest die Grundvoraussetzungen für Innovationen hervorragend sind: Kleine Wege, man kann jederzeit mit jedem sprechen, klare Verantwortlichkeiten und kurze Entscheidungszeiten. Und klar - in einer kleinen Firma wird auch der finanzielle Erfolg anders definiert als bei Siemens & Co…..

    Übrigens ein klasse Artikel und eine der besten aktuellen Sachbuch-Rezensionen, die ich in der Blogosphere finden konnte. Da mir in diesem Blog in letzter Zeit bereits etliche gute Artikel aufgefallen sind, habe ich mir mal erlaubt diesen Artikel als Beispiel für gutes Blogging für einen Artikel über FeedJournal bei ScienceBlogs zu verwenden:

    http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/2008/03/wissenschaftsblogs-im-zeitungsformat.php

    Falls nicht gewünscht (da die FeedJournal-Software, die ich vorstelle, nun mal auch Text in das verlinkte PDF übernimmt), bitte einfach eine kurze Rückmeldung an mich. Schade wäre es, denn als positives Beispiel ist der Artikel wirklich gut geeignet - und vielleicht entdecken auf diese Weise ja noch ein paar meine ScienceBlogs-Leser diesen “radikalen” Blog.

  3. innokaan :

    Datum: 11. März 2008 um 15:00

    Habe kein Problem mit der Veroeffentlichung im Feedjournal, wenn die Verwertungsrechte bei mir bleiben (d.h. ich bin mit einer nichtexklusiven Verwertung nur für das Feedjournal einverstanden). Natürlich habe ich nichts dagegen, wenn noch mehr Leser mein Blog kennen lernen.
    Viel Glück dem Feedjournal, ich werde das ebenfalls weiter verfolgen!

  4. Christian :

    Datum: 11. März 2008 um 15:07

    Dass die Verwertungsrechte bei Ihnen bleiben ist selbstverständlich. Inwiefern man aus einem solchen “Journal” überhaupt eine “Dauereinrichtung” machen könnte, sei mal dahingestellt, das war von mir jetzt auch nicht angedacht. Vielmehr ging es mir darum, mit einer einmaligen Ausgabe zu zeigen, dass man relativ leicht gute Beiträge aus verschiedenen Bereichen (und eben auch Rezensionen) summieren kann, wenn man sich in der deutschen Blogosphere mal ein wenig umsieht….

    Dass der eine oder andere Leser der Einmalausgabe dann vielleicht bei Ihnen “hängenbleibt” hoffe ich natürlich, da man Ihren Blog gerade den technisch orientierten Bloglesern und Bloggern wirklich nur weiterempfehlen kann….

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