Die Hinterbliebenen sind immer dabei

AschendiamantenManche Dinge können erst entstehen, wenn sie durch gewisse Begleitumstände begünstigt werden. So wusste ich bis vor kurzem noch gar nicht, dass sich in der Schweiz bereits mehr als 75% aller Verstorbenen verbrennen lassen. Und es bleibt den Hinterbliebenen überlassen, ob sie die Asche des Dahingeschiedenen auf dem Friedhof lagern oder im trauten Heim (oder Garten). Daher ist es auch besser zu verstehen, dass in diesem Klima der Gedanke reifen konnte, was man mit der verbliebenen Asche noch alles anstellen könnte.

Zwei findige Herren, Veit Brimer und Rinaldo Willy aus Chur hatten zwar nicht die Idee, aber Kontakte zur russischen Akademie der Wissenschaften. Dort lernten sie Prof. Vladimir Blank kennen, der eine Technologie entwickelt hatte, wie man aus Asche Diamanten erzeugen könnte. Er brachte eine dementsprechende Maschine ein und die beiden Schweizer riskierten 2004 den Start. Sie nannten ihre Firma ‚Algordanza‘ , was auf rätoromanisch soviel wie ‚Erinnerung‘ bedeutet. Heute sind sie bereits in 17 Ländern vertreten und ISO-zertifiziert. Sie verlangen für ihre Dienstleistung in etwa den Preis eines durchschnittlichen Grabsteins. Dafür erhalten die Hinterbliebenen einen oder mehrere kleine Diamanten, die in einem mehrwöchigen Verfahren aus der Asche der Verstorbenen gepresst werden. Diese können in Ringe oder Anhänger eingearbeitet werden. Oder sie erhalten einen Ehrenplatz in der Wohnung. Sollte man in eine andere Stadt ziehen, wandert die Erinnerung an den oder die liebe Angehörige(n) mit. Selbst 10-15 Jahre alte Asche soll noch verarbeitet werden können. Würden Sie für diese Idee die Urne öffnen?

[Foto: Algordanza]

Ein Gedanke zu „Die Hinterbliebenen sind immer dabei

  1. Ergänzung: Habe soeben gelesen, dass in der Stadt Salzburg ebenfalls ein starkes Übergewicht an Feuerbestattungen besteht – 2/3 lassen sich bereits verbrennen, nur mehr 1/3 herkömmlich in einem Erdgrab bestatten.

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