Der Innovationskreis

Foto: AmazonDas Buch von Tom Peters ist zwar schon 1998 erschienen (es gibt eine Paperback-Ausgabe aus 2002), die von ihm aufgestellten Provokationen aber sind nach wie vor aktuell:

Das Ende der Entfernungen
Lassen Sie Ihre Buchhaltung auch schon in Indien erledigen?

Die Welt gehört den Frauen
Merkel ist schon am Ball. Wird Royal gegen Szarkozy in Frankreich gewinnen?

Synergie ist eine Illusion und eine Falle
Fragen Sie doch Daimler, Chrysler und Mitsubishi

Die Mitte wird untergehen
Immer mehr Großhandelsformen werden übersprungen, die Kunden wenden sich im Internet direkt an die Erzeuger

Die Marke ist (beinahe) alles was zählt!
Im Massenmarkt zählt nur mehr der Preis

Und ein wirklich harter Satz: Der ‚Kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP)‘ ist der Feind der ‚Radikalen Innovation (RI)‘! Warum? KVP verbessert Bestehendes, für RI müssen wir lernen, Bestehendes zu vergessen/verdrängen. Wer sich auf das Gewohnte konzentriert, kann schwerlich ‚radikal‘ denken – sagt Peters. Und ich glaube ihm!

5 Gedanken zu „Der Innovationskreis

  1. Würde demnach RI erfordern, daß diesen Schritt ein anderer geht ? Denn erstens will jemand, der an seinem Unternehmen, Produkt, Tool interessiert ist und beständig um Verbesserungen ringt zunehmend die Früchte seiner Bemühungen erkennen, und
    zweites ist es für jemanden der über einen längeren Zeitraum an wenigen Problemen arbeitet sicher besonders schwer sich völlig von seinen bisherigen Vorstellungen zu lösen ? (Deshalb fällt es immer leichter Ideen für einen anderen zu finden)
    Kann man sich gedanklich soweit lösen, wenn das eigentliche Problem im Unterbewußtsein permanent vorhanden bleibt ?

    P.S. ich kenne das Buch nicht, vielleicht ist die Frage darin beantwortet

  2. Radikale Innovationen werden oft von ‚kleinen‘ Firmen gefunden, die eigentlich aus einer anderen Branche kommen. Daher ‚denken‘ sie anders bzw. haben einen anderen Hintergrund. Dann werden sie von ‚Großen‘ inhaliert!

    In großen Firmen mit eigenen KVP-Beauftragten sollte sinnvollerweise jemand anderer mit radikaler Innovation beauftragt werden. Und Mitarbeiter oder auch Externe herangezogen werden, die mit dem Thema wenig zu tun haben und sich erst ‚einarbeiten‘. Wichtig sind unterschiedlichste Sichtweisen. Man sollte auch auf ’neue‘ Mitarbeiter hören, besonders, wenn sie aus einer anderen Branche kommen!
    Peters schreibt: „Innovation=Organisiertes Vergessen“. Er führt General Motors ins Treffen, die als eine Art Schocktherapie das Modell Saturn mit einer eigenen Tochtergesellschaft eingeführt haben. Auch der ORF ist seinerzeit mit OE3 von der Argentinierstraße nach Heiligenstadt gezogen und hat mit einem externen Berater ein komplett neues Senderkonzept aus der Taufe gehoben.

  3. Als Beraterin, die seit vielen Jahren in KV-Prozesse (KVP) involviert ist, reizt mich dieser Beitrag zu einem längeren Kommentar. Gleich vorweg: Es braucht beides: KVP und RI. Beides ist berechtigt, denn beides verfolgt unterschiedliche Ziele.

    Zur Erinnerung: Vorausgesetzt, KVP wird ernsthaft in Unternehmen implementiert, dann erfolgt dies im Rahmen eines umfassenden Organisationsprozesses, der mind. 12 Schritte umfasst und MitarbeiterInnen wie Führungskräfte aller Ebenen einbezieht. KVP ist ein nie endendes Bemühen, Fehler zu korrigieren und ständige Verbesserungen durchzuführen – in der Produktion, im administrativen wie im kaufmännischen Bereich. KVP ist letztendlich Qualitätsmanagement!

    RI ist etwas, was vorab noch nicht existiert hat und zu einer völligen Umkehr des Bisherigen führt – so ja auch Ihre Definition, lieber Herr innokaan, hier in Ihrem Blog. Ich stimme mit Ihnen und Peters überein, dass neue Produkte und neue Dienstleistungen eher entstehen, wenn man die „Kunst des Vergessens“ beherrscht. Konkret bedeutet dies beispielsweise, „Querdenker“ in Forschungs- und Entwicklungsprozesse einzubeziehen, neue Teams zusammenzustellen uvm.

    Ein Problem ist jedoch die Unflexibilität, die mangelnde Kreativität und Innovationsfreude vieler Manager (ja, Manager – die wenigen Frauen in den Topetagen vernachlässige ich jetzt bewusst). Winfried Weber, Professor in Mannheim, hat in seinem lesenswerten Buch „Innovation durch Injunktion“, nicht nur die Erfolge und Misserfolge von Tom Peters ausgewertet, sondern auch dargestellt, dass die heutige Managementtätigkeit in der Regel keine reflektierende Planer und innovativen Köpfe hervorbringt. Manager arbeiten unter Zeitdruck und haben oft eine intuitive Abneigung gegen reflektierende Aktivitäten – so schreibt Weber in seinem Vorwort. KVP wie RI brauchen jedoch die Unterstützung durch ein reflektierendes Management. Wie und ob dieses Problem in absehbarer Zukunft gelöst wird, darauf wage ich keine Prognose. Ich denke allerdings, dass TrainerInnen und BeraterInnen, die auf den professionellen Umgang mit Kreativ- und Innovationsmethoden sowie Prozessbegleitung spezialisiert sind, weiterhin für KVP und RI werben sollten, denn wie gesagt: Es gibt kein pro oder contra, beide Formen sind sinnvoll!

  4. Genau der selben Meinung bin ich auch, liebe Ruth Pink, deshalb trainiere ich auch KVP-Beauftragte. Aber ich bin der Meinung, dass man für beide Themen andere Menschen nehmen sollte. Es müssten Übermenschen sein, die Eigenschaften für beide Stoßrichtungen erfüllen. Ich plane derzeit bei einem Kunden eine Art ‚Guerilla-Gruppe‘, die alles auf den Kopf bzw. Prüfstand stellt. Gerade das, was gut funktioniert, gerät meist etwas aus dem Blickfeld. Aber dafür haben wir ja das alte Sprichwort: Das Bessere ist der Feind des Guten. Entweder wir machen das Gleiche besser, oder etwas anders UND besser. Natürlich ist anders nicht immer besser. Oder es dauert etwas länger bis es anders und dann doch besser als vorher wird.

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