Strohhütte statt Hotelzimmer

Ein sehr interessantes Konzept in Bezug auf eine Dienstleistung hat Anfang der 50er-Jahre der Belgier Gérard Blitz (zusammen mit dem Franzosen Gilbert Trigano) erfunden. Er hat als Zielgruppe junge Leute angesprochen, die wenig Geld hatten, diesen aber eine neue Form des Abenteuer- und Erlebnisurlaubs im Mittelmeer (auf den Balearen) angeboten. Damit war der erste ‚Club Mediterranée‘ geboren. In seinen ersten Clubdörfern hat man zwar auf Feldbetten in Strohhütten geschlafen, konnte dafür essen und Rotwein trinken soviel man wollte, etliche Sportarten oder andere Freizeitaktivitäten ausüben und jeden Abend an einer anderen Veranstaltung teilhaben. Damit war ‚all inclusive‘ geboren, wenn auch noch manche Extraleistungen mit der clubeigenen Perlenkette (1 Whisky: 3 Perlen) zu berappen waren.

Erstmals wurden die Gäste auch sehr massiv in das Geschehen miteinbezogen. Nicht immer zum Wohlgefallen aller, die sich nicht ‚vereinnahmen‘ lassen wollten. Da sich nicht nur im nächtlichen Discotaumel, sondern auch tagsüber zahlreiche Möglichkeiten ergaben, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, war der ‚Club Med‘ bald auch als ‚Kontaktbörse‘ schlechthin bekannt. Handtuch über der Hüttentür hieß für den Hüttenkollegen „Bitte nicht stören!“. Interessant auch, dass es anfangs nur 2-Bett-Hütten gab und man als Single nie wußte, mit wem man die Hütte teilen würde (wenn der Club sehr voll war).

Der Club Med hat sicher die gesamte Touristikbranche revolutioniert – heute sind sog. ‚Cluburlaube‘ gang und gäbe. Dass sich diese so rasch ausbreiten konnten, liegt allerdings auch daran, dass im Club Med weltweit fast nur französisch gesprochen wurde. Bescheidene Versuche, auch anderssprachige Gäste in das Geschehen einzubinden, waren seinerzeit nicht wirklich von Erfolg gekrönt – ohne Kenntnisse der französischen Sprache war alles nur halb so lustig. In diese Lücke sind besonders deutschsprachige Reiseveranstalter (Beispiel Robinson) sehr rasch gestoßen.

Ein Gedanke zu „Strohhütte statt Hotelzimmer

  1. Radikal scheint aber in zu sein. Wenn man mal auf
    http://www.woandersnacht.de guckt, da schlafen Menschen in Betonröhren oder im quietschrosa Barbiezimmer, im DDR Design Hotel oder auf Holzböden hoch in den Bäumen, in Köhlerhütten ohne Strom und Wasser und mehr. Schräg ist in…aber doch bitte mit etwas Komfort :-))

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